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10 Tipps für Studenten

Nachdem ich den Artikel Mach’ es jetzt über Zeitmanagement geschrieben habe, der auf meinen Erfahrungen als Student basiert – ich verließ das College in nur drei Semestern mit zwei Abschlüssen – wurden viele Nachfragen gestellt, in denen Studenten um weitere Tipps baten. Hier sind 10 Tipps, die helfen sollen eine produktive und erinnerungswürdige Erfahrung zu kreieren. Und die vor allem helfen soll, diese Zeit im Leben wirklich zu genießen.

1. Frage: Warum studiere ich?

Viele Studenten sind nur am College (oder Universität), weil sie einfach noch nicht wissen, was sie sonst tun sollen. Sie nehmen Ziele von Familie und Freunden an, die aber gar nicht ihre eigenen sind. So habe auch ich angefangen zu studieren. Wem geht es noch so?

Wie ich in diesem Blog schon geschrieben habe, waren diese 3 Semester nicht das erste Mal am College für mich. Davor war ich bereits einmal am College, damals aber zu wenig motiviert. In der High School hatte ich nur Einsen, war Präsident des Mathe-Clubs und Kapitän des Akademischen Zehnkampfteams. Die Umstände brachten mich irgendwie automatisch ans College, ohne dass ich je entschied, dass weitere 4 Jahre Schule das waren, was ich wirklich wollte. Zu dieser Zeit wirkte es wie eine gute Idee, aber mein Herz war damals nicht wirklich dabei. Deswegen stand ich mir dabei auch selbst im Weg. Ich ging zu vielen Vorlesungen nicht und bekam eine Ausbildung im Party feiern und Alkohol trinken. Scheinbar war auch die Verwaltung voreingenommen gegen Studenten, die null Punkte gesammelt hatten und so wurde ich bald rausgeworfen.

Diese Erfahrung brachte mich ein wenig ins Trudeln. Sechs Monate lang spielte ich wie im Wahn fast nur Videospiele. Schließlich nahm ich, in einem Versuch meine Füße wieder auf den Boden zu bekommen, einen Verkäuferjob an, um etwas Zeit zu haben, in der ich mich “finden” konnte. In dieser Zeit entwickelte sich mein Interesse für Persönlichkeitsentwicklung und, mann, das zahlte sich aus.

Ein Jahr später war ich dann so weit wieder auf’s College zu gehen und fing noch einmal von vorne an. Dieses Mal wusste ich jedoch, warum ich da war. Ich wollte ein Programmierer werden und einen Abschluss in Informatik erwerben (später nahm ich noch den Abschluss in Mathematik dazu). Aber es war noch mehr als das. Ich wusste, wozu ich fähig war und wollte mich so richtig herausfordern. Ich wollte eine umfassende Erfahrung daraus machen. Daher hatte ich dann auch einen sehr vollen Stundenplan.

Die eigenen Ziele für’s College werden sicher von meinen abweichen. Aber welche Ziele hat man? Warum ist man da? Wenn man es nicht weiß und nicht fühlt, dann hat man keinen Fokus für seine Erfahrung. Was will man lernen? Was will man erleben?

2. Sich die ideale College-Erfahrung vorstellen

Wenn man einmal weiß, warum man ans College oder auf die Universität geht, dann sollte man sich das ideale Resultat vorstellen. Man sollte dieses unabhängig vom Grund betrachten, weswegen man studiert. Ob man nun schon studiert oder nicht, man sollte einfach einmal einige Eigenschaften der idealen Erfahrung aufschreiben. Man sollte sie so genau wie möglich beschreiben.

Bevor ich zum College zurück ging, brachte ich Stunden damit zu, mir die Erfahrung vorzustellen, die ich wollte. Ich sah mich, wie ich herausgefordert wurde, jedoch alles einfach und ohne Stress managte. Ich sah, wie ich neue Freunde fand. Am allermeisten stellte ich mir eine ausgeglichene Erfahrung vor – ein Mix aus akademischen, sozialen Aktivitäten, Unternehmungen und Spaß. Reichhaltigkeit war ein Schlüsselwort für mich.

Das war ein wichtiger Schritt. Ich verstand den Mechanismus damals nicht, aber ich programmierte mich schon vorher, um Erfolg zu haben. Wann immer ich auf Hindernisse stieß, war meine Idealvorstellung sehr motivierend, so dass ich immer einen Weg fand, zu bekommen, was ich wollte. Ich wurde ein Schöpfer meiner Erfahrung statt ein passives Opfer von ihr.

Visualisierung von Erfahrungen erlaubt es einem, Fehler bereits vor der eigentlichen Erfahrung zu machen. Wenn man keine glasklare Visualisierung heraufbeschwören kann, dann wird die tatsächliche Erfahrung wohl eben so unscharf werden. Man sollte die Visualisierung verfeinern bis sie einen inspiriert.

Natürlich wird das wahre Leben anders sein, als die eigene Vorstellung davon. Das Ziel ist ja nicht die Zukunft vorherzusagen oder die eigene Entscheidungsfreiheit einzuschränken. Das Ziel ist, mehr Klarheit zu gewinnen, um sofortige Entscheidungen zu begünstigen. Die Idealvorstellung dient als Führer durch die Fülle von Optionen.

3. Jedes Semester wenigstens eine zusätzliche Veranstaltung

Studenten am College wird gesagt, dass 12-15 Einheiten (3-5 Fächer) pro Semester ein “voller” Stundenplan sind. Aber so ein dünn befüllter Stundenplan ist kaum voll. Ein Mensch mit einem Fulltime-Job arbeitet 40 Stunden und mehr in der Woche und Studenten haben alle möglichen Feiertage und Ferien. Wenn man vier oder mehr Jahre am College verbringt, kann man entweder mehrere Abschlüsse erwerben oder einen Job annehmen. Man muss sich nicht zwingen, wie eine Schnecke zu arbeiten, bloß weil alle anderen es so machen.

Man könnte nun denken, dass 12-15 Einheiten sich auf eine 40-Stunden-Woche aufsummieren könnten mit all den Hausaufgaben und der Lernerei, aber das passiert nur, wenn man an diese Dinge ineffizient herangeht (was die meisten Leute leider tun). Wenn man die Tipps zum Zeitsparen weiter unten befolgt, dann kommen zu den 15 Stunden nur wenige zusätzliche Stunden hinzu, um die Hausaufgaben zu erledigen. Offensichtlich hätte ich keine 31-39 Einheiten im Semester geschafft, wenn ich diese Einheiten mit Hausaufgaben hätte verdoppeln wollen. Ich habe mich jedenfalls nicht überarbeitet.

Wenn man ein überdurchschnittlicher Student ist, dann kommt man auch mit einem überdurchschnittlichen Stundenplan klar. Manchmal weiß man selbst nicht, wozu man fähig ist, wenn man sich nicht selbst ein wenig herausfordert. Wenn man meint, 15 Einheiten zu schaffen, sollte man 18 oder 21 nehmen. So kann man leicht ein Jahr sparen. Oder man kann vielleicht ein Haupt- oder Nebenfach dazu nehmen.

Was ist mit Planvorgaben des Studiums? Die meisten habe ich ignoriert und glücklicherweise wurden sie auf meinem College auch nicht wirklich beachtet. Ich finde, das die meisten eher auf unterdurchschnittliche Studenten gerichtet waren. Wenn man schneller abschließen will, sollte man sich nicht von sinnloser Bürokratie zurückhalten lassen. Es gibt immer einen Weg darum herum. Meistens muss man nur irgendein Formular von jemandem ausfüllen lassen, dem es sowieso egal ist, was man wie tut. Ein Lächeln und ein Kompliment ebnen den Weg.

Wenn man sich mehr vornimmt und sich so zu Effektivität zwingt, findet man einen Weg, in der verfügbaren Zeit die Dinge fertig zu bekommen. Wenn man sich also nicht selbst ein wenig herausfordert, wird einem diese zusätzliche Zeit einfach durch die Finger rinnen.

Der tatsächliche Nutzen von einem vollen Stundenplan ist nicht, dass man eher abschließt, der wirkliche Nutzen ist eine reichhaltigere Erfahrung. Wenn man 5 statt 4 Kurse besucht, lernt man mehr, erreicht mehr und lernt mehr Menschen kennen. Und welcher Arbeitgeber würde einen Studenten nicht nehmen, der den Abschluss schneller erreichte, als alle Gleichaltrigen? So etwas sieht in einer Bewerbung immer gut aus.

4. Für jeden Kurs klare Ziele setzen

Man sollte vorher festlegen, was man aus jedem Kurs mitnehmen will. Ist es ein Gebiet, dass man interessant findet? Will man von einem Dozenten vielleicht ein Empfehlungsschreiben erhalten? Ist es vielleicht ein Pflichtkurs, der einen aber nicht interessiert?

Aus den Zielen der Kurse ergab sich, wie oft ich sie besuchte und ob ich vorn oder hinten saß, wie aktiv ich mitarbeitete und welche Beziehung ich zum Dozenten suchte.

In manchen Kursen wollte ich nur den Stoff verstehen. In anderen wollte ich eine Eins erreichen. In wieder anderen, wollte ich den Dozenten so von mir einnehmen, dass er mir glühende Empfehlungsschreiben schreiben würde.

Meine Mutter ist schon jahrzehntelang eine Matheprofessorin. Zu Hause erzählte sie dann von Studenten, die sie kaum kannte, für die sie aber Empfehlungsschreiben schreiben sollte. Oft musste sie die Bitte darum ausschlagen, da sie einfach nichts Positives über sie zu sagen hatte. Auf der anderen Seite unterstützte sie gern diese, die sich wirklich angestrengt hatten. Die meisten Dozenten wollen den Studenten helfen, aber man muss sie auch die eigenen Stärken sehen lassen. Auch wenn man keine Eins in einem bestimmten Kurs bekommt, kann man dem Dozenten immer noch sehr viel Material für ein Empfehlungsschreiben geben, wenn man aktiv mitarbeitet und den Dozenten respektiert.

Es geht hier nicht darum, seine Dozenten zu manipulieren, damit sie für einen lügen. Tatsächlich hängt die Qualität des Empfehlungsschreibens sehr davon ab, wie sehr einen der Dozent respektiert. Man sollte sich selbst nicht in die verzweifelte Lage bringen, ein Empfehlungsschreiben von einem Dozenten zu erbitten, der sich nicht einmal an einen erinnert – oder schlimmer, der schlecht von einem denkt. Man sollte sich einfach im Voraus auf Erfolg programmieren.

Einer meiner Dozenten erfuhr von meinem vollen Stundenplan und wollte gern erfahren, wie ich ihn managte. Wir hatten eine sehr anregende Unterhaltung über Techniken des Zeitmanagements. Ich hatte einige Programmierkurse bei diesem Dozenten und bestand alle mit Bravour. Ich fand, dass er ein exzellenter Lehrer war und respektierte ihn sehr und hatte auch Spaß an seinen Kursen. Als ich ihn nach einem Empfehlungsschreiben fragte, schrieb er glühenden Brief (“der beste Student in meiner Laufbahn” etc.)

Andererseits hatte ich auch einige sehr schlechte Lehrer. Ich schwänzte ihre Kurse oft und lernte den Stoff aus dem Buch. Natürlich suchte ich deren Hilfe dann nicht.

Manchmal wird man seine Ziele erreichen, manchmal auch nicht. Sogar wenn man sein Bestes gibt, kann man schlecht sein. Man kann Dozenten haben, die unfair, faul, sexistisch, rassistisch oder anderweitig inkompetent sind. Meine Frau hatte einen Dozenten, der öffentlich sexistisch bekundete, dass er einer Studentin niemals eine bessere Note als eine 2 geben würde, egal wie gut sie war. Er sagte Dinge wie:

“Wenn Sie ein Mann sind, müssen Sie in diesem Kurs arbeiten. Wenn Sie eine Frau sind, kommen Sie einfach nach der Sprechzeit in meinem Büro vorbei.”

Am Ende wurde er wegen sexueller Belästigung verklagt. Man muss sich seine Schlachten aussuchen. In manchen lohnt es sich, zu kämpfen, andere ignoriert man lieber. Klare Ziele zu haben, hilft zu entscheiden, welche welche sind.

5. Gnadenlose Auslese

Man muss sich nicht in jeden Kurs gleichsam abmühen. Zusätzlichen Fleiß kann man investieren, wenn es wichtig ist, aber man sollte sich keine Zwang antun, für Kurse mit geringerer Priorität – abhängig von den eigenen Zielen – weniger zu tun. Das war ein guter Weg für mich, Energie zu sparen. Ich konnte mich nicht in jedem Kurs gleichsam anstrengen, sonst wäre ich ausgebrannt, also investierte ich meine Energie da, wo es am wichtigsten war.

In jedem Stundenplan eines Studenten gibt es immer Kurse, die kritischer sind als andere. In einer normalen Woche habe ich meistens 40% meiner Kurse nicht besucht, weil ich sie nicht wirklich besuchen musste. In manchen Kursen war meine Anwesenheit notwendig, in anderen machte es nicht viel Unterschied, ob ich da war oder nicht. Ich konnte die Notizen einfach von einem anderen Studenten haben oder den Stoff aus dem Buch lernen. Wenn es für mich nicht wichtig war, an einem bestimmten Kurs teilzunehmen (abhängig von meinen Zielen für den Kurs), dann schwänzte ich ihn normalerweise. Das sparte sehr viel Zeit und ersparte es mir, den ganzen Tag in Kursen herumzusitzen. Manchmal holte ich mir einfach etwas zu essen mit Freunden und genehmigte mir eine zusätzliche Pause.

Ich wählte meine Aufgaben in den Kursen auch individuell aus. Wenn ich eine Aufgabe blöd, sinnlos oder unnötig langweilig fand und sie keinen zu großen Einfluss auf meine Note hatte, habe ich sie einfach nicht erledigt. Einmal hatte ich es mit einer ermüdenden Aufgabe zu tun, die nur 10% meiner Note ausmachte. Ich wollte diese Aufgabe wirklich nicht erledigen und man hätte sehr viel länger benötigt, als sie meiner Meinung nach wert war. Ich wollte in diesem Kurs eine Eins erreichen und wenn ich die Aufgabe nicht erledigte, würde ich auf eine 1- fallen. Also ließ ich meinen Dozenten auf respektvolle Art und Weise wissen, dass ich die Aufgabe ablehnte und dass ich dachte, dass es ein fairer Handel war eine 1- zu bekommen, um die wertvolle Zeit anderwo zu investieren. Er kannte mich schon und verstand meine Gründe. Er gab mir eine 1- und für mich war das in Ordnung. Es war wirklich ein fairer Handel und wenn ich so zurück schaue, wünschte ich, ich hätte derlei Dinge öfter getan.

Manchmal haben Lehrer viel Spaß daran, viele Hausaufgaben zu erteilen und teilen daher Aufgaben aus, die die Mühe einfach nicht wert sind. Man ist jedoch selbst für seine akademische Zukunft verantwortlich, nicht die Lehrer. Man sollte nicht denken, dass man jede Aufgabe erledigen muss, nur weil die Lehrer glauben, dass es eine gute Idee ist, es zu tun. Man hat ja seine Gründe, an der Hochschule zu sein und ist in diesem Zusammenhang selbst der Richter. Man sollte nur die Konsequenzen seiner Entscheidungen wirklich bedenken.

Indem ich Zeit von Aufgaben mit geringer Priorität stahl, konnte ich diese Zeit in wirklich wertvolle Aufgaben stecken. Manche kreative Aufgaben haben mich viel gelehrt. Normalerweise hasste ich auch Gruppenprojekte leidenschaftlich, aber es gab ein bestimmtes Gruppenprojekt, wo die Gruppe wirklich gut war. Ich hatte sehr viel Spaß daran und lernte viel dazu.

Eine sehr gute Sichtungstechnik, die ich nutzte, war Timeboxing. Ich entschied zunächst, wieviel Zeit für eine Aufgabe benötigt werden würde und tat dann mein Bestes, sie in der vorgegebenen Zeit zu lösen. Wenn ich also eine 10-seitige Abhandlung über Europäische Geschichte zu schreiben hatte, würde ich vielleicht 8 Stunden Zeit investieren wollen. Diese 8 Stunden teilte ich dann in Themenauswahl, Planung, Recherche in der Bibliothek, entwerfen, schreiben und korrigieren ein und tat dann mein Bestes in der vorgegebenen Zeit jeweils alles zu schaffen. Diese großartige Methode hielt mich davon ab, zu viel Zeit in Aufgaben zu stecken, die woanders besser investiert war.

Diese Methode war meine eigene Art, die Arbeitslast am College auszubalancieren. Manche Aufgaben werden nicht ausbalanciert sein hinsichtlich des unangemessenen Arbeitsaufwandes, den sie verlangen, verglichen damit, wie viel sie von der Note ausmachen oder wie viel Gewinn man aus ihr ziehen kann. Manchmal entschied ich, dass der Aufwand, eine Eins zu schreiben einfach nicht gerechtfertigt war. Vielleicht würde ich schätzen, dass ich 20 Stunden, um eine Eins zu schreiben benötigen würde, aber nur 10 für eine Zwei. Und wenn die Aufgabe nur 10% meiner Note ausmachte, würde ich hier vielleicht eine Zwei akzeptieren. Ich dachte häufig in dieser machiavellischen Art und Weise und war manchmal überrascht, dass meine Zweier-Arbeiten auch schon mal als Einser zurückkamen.

6. Früh am Tag anfangen zu arbeiten

Ich habe vorher schon über den Nutzen des Frühaufstehens geschrieben. Ich bin auf dem College noch nicht 5:00 Uhr, aber normalerweise zwischen 6-7:00 Uhr aufgestanden. Ich fand heraus, dass ein früher Start in den Tag mir half, einiges mehr zu schaffen und zwar nicht nur morgens, sondern über den ganzen Tag hinweg. Jeden Tag begann ich mit einem 25-minütigen Lauf gefolgt von einer Dusche und einem Frühstück. Diese Morgenroutine brachte mich in Gang und ich fühlte mich wach und energiegeladen.

Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass ich das wollte. Es war eine Notwendigkeit. Ich hatte häufig schon früh am Morgen Kurse, manchmal schon 7:30 Uhr. Ich bin aber froh, dass ich diese besucht habe, da ich sonst nur viel mehr geschlafen hätte, als nötig. Auch wenn man Kurse früh am Morgen nicht mag, ist man häufiger produktiver, wenn man sie trotzdem besucht.

7. Verlorene Zeit im Unterricht wieder aufholen

Seien wir mal ehrlich. Nicht jeder Kurs wird höchste Konzentration verlangen. Manchmal labern Dozenten auch nur. Manchmal wird nur ständig wiederholt, was man schon weiß. Welcher Anteil des Kurses verlangt volle Konzentration? In manchen braucht man 90%. In anderen nur 20%. Wenn man in einem Kurs nicht aktiv lernt, verschwendet man Zeit. Wenn der Kurs wirklich herausfordernd ist, sollte man ganz vorn sitzen und jedes Wort aufsaugen. Wenn ein Kurs einen jedoch nicht herausfordert, sollte man eher hinten sitzen, Hausaufgaben für andere Kurse erledigen und ab und zu den Kopf heben, damit man mitbekommt, ob etwas dabei ist, das man aufschreiben sollte. Man sollte immer ein Buch offen liegen haben, so dass man etwas Sinnvolles zu tun hat, wenn der Hippie-Professor da vorn auf noch so einen Nostalgietrip in die 60er kommt.

Das war eine überraschend großartige Medizin gegen Langeweile. Wenn der Dozent jeden in den Schlaf brummte, arbeitete ich an Programmieraufgaben. Ich schrieb sie normalerweise auf Papier auf und lief dann zwischen den Kursen zum Computer-Pool, um sie abzutippen. So musste ich nur wenig Zeit außerhalb der Kurse im Computer-Pool verbringen, manchmal nur 10-15 Minuten, wenn mein Programm direkt lief.

Man wird überrascht sein, wie viel Zeit man freischaufeln kann, wenn man diese Methode nutzt. Ich konnte den Großteil meiner Aufgaben in den Kursen erledigen (aber meistens nicht in den Kursen, in denen die Aufgaben erteilt wurden). Wenn man im Moment noch auf einer Schule ist, sollte man einmal versuchen, wie viel zusätzliche Hausaufgaben man während der normalen Kurse schaffen kann. Dann sollte man einmal überschlagen, wie viele Stunden man jede Woche dadurch spart. Es summiert sich wirklich.

Natürlich kann man sich nicht auf Dauer 100%ig konzentrieren, also sollte man auch darauf achten, Pausen einzuhalten. Wenn man also eine Pause braucht, sollte man auch eine richtige Pause machen. Ich meditierte oder schlief oft auf der Wiese zwischen den Kursen, um mich wieder aufzuladen. Ich nutze meine Armbanduhr, um mir zu signalisieren, wann es Zeit war, aufzustehen und weiter zu machen. Diese Pausen taten sehr gut und so konnte ich zum nächsten Kurs gehen und wieder voll konzentriert arbeiten. Nie habe ich den ganzen Tag am Stück gearbeitet. Ich arbeitete in Wellen zwischen totaler Konzentration und totaler Entspannung, in vielen Wechseln während eines Tages.

8. Stoff von Anfang an lernen

Eine weitere große Zeitverschwendung in der Schule ist, Dinge erneut zu lernen, die man beim ersten Mal nicht richtig gelernt hat. Die meiste Zeit, die Studenten zum Lernen aufwenden, ist Zeit, in der sie Dinge aufholen, die sie beim ersten Mal lernen nicht verinnerlichen konnten.

In der Softwareentwicklung ist bekannt, dass man Fehler direkt beseitigen sollte, wenn sie auftauchen. Wenn man erst bis zum Ende des Projekts wartet, um den Fehler zu beheben, kann es 50x mehr Mühe kosten, als wenn man ihn gleich behoben hätte, als er auftauchte. Es ist ein ernster Fehler, wenn man versagt, dass zu lernen, was einem täglich gelehrt wird. Man sollte nicht versuchen, noch mehr Stoff auf eine instabile Basis zu stapeln, da es noch viel mehr Zeit braucht, diese nachher erneut zu bauen.

Wenn man etwas, das heute im Kurs gelehrt wurde, nicht verstanden hat, sollte man dies als Bug (Fehler) betrachten, der so schnell wie möglich behoben werden muss. Man sollte es nicht vor sich herschieben. Man sollte nicht noch mehr Stoff darauf stapeln. Wenn man ein Wort, ein Konzept oder eine Stunde nicht versteht, sollte man alles fallen lassen und tun, was immer notwendig ist, um es zu lernen bevor man fortfährt. Man kann Fragen im Kurs stellen, Mitstudenten um Erklärungen bitten, das Buch wieder und wieder lesen und/oder den Dozenten in der Sprechstunde besuchen, aber es auf jeden Fall lernen, egal was passiert.

Normalerweise war ich immer ein Ass in Mathe, wahrscheinlich weil meine Mutter eine Mathelehrerin am College ist, die an Analysiskursen teilgenommen hat, während ich noch in ihrem Bauch war. Außerdem war mein Vater ein Luft- und Raumfahrtingenieur, also habe ich sicherlich die Gene dafür. Aber es gab ein paar Themen, die ich völlig unverständlich fand, als sie eingeführt wurden: Eigenwerte und Eigenvektoren. Ich bin ein sehr visueller Lerner, was akademisch gesehen, normalerweise eine Stärke ist, aber ich fand es schwierig, diese abstrakten Konzepte zu visualisieren. Viele meiner Mitstudenten fanden sie ebenfalls verwirrend. Ich investierte die Zeit, die ich benötigte, um diese Konzepte erfassen zu können und bekam eine Eins, weil ich meine Verwirrung als Bug betrachtete, der sofort ausgemerzt werden musste. Die Studenten, die ihre Verwirrung fortbestehen ließen, verloren zusehends den Faden als der Kurs fortschritt und als sie am Ende paukten wie verrückt, hatten sie nicht genug Zeit, um vollständiges Verständnis zu sichern. Genau wie beim Programmieren von Bugs, vervielfacht sich die Verwirrung, wenn er nicht behoben wird, also sollte man genau das so früh wie möglich tun. Wenn man irgendetwas verwirrend findet, was einem gelehrt wird, sollte man es als Bug betrachten, der behoben werden muss. Man sollte sich nicht weiter bewegen, bevor man nicht ehrlich zu sich sagen kann:

“Ja, das hab ich verstanden. Was kommt jetzt?”

Idealerweise sollte man außerhalb des Kurses kaum Zeit aufwenden zu lernen, wenigstens nicht im Sinne von Stoff wieder-erlernen, den man beim ersten Mal nicht richtig gelernt hat. Man kann ältere Dinge wiederholen, um sein Gedächtnis aufzufrischen, aber man sollte nicht eine einzige Minute Dingen widmen müssen, die ein oder zwei Monate früher gelehrt worden waren.

Während der Abschlussprüfungen war ich einer der wenigsten gestressten Studenten von allen. Ich musste nicht lernen, weil der Kurs in meinem Kopf schon vorüber war, als die Abschlussprüfungen anfingen. Der Test war nur eine Formalität. Während alle anderen paukten, war ich in der Spielhalle und spiele Videospiele. Ich hatte den ganzen Stoff schon gelernt und alle Aufgaben erledigt (wenigstens die, die ich erledigen wollte). Ich las höchstens am Abend vor dem Test noch einmal über meine Notizen, um den Stoff aufzufrischen. Sollte akademisches Lernen nicht so funktionieren? Warum sollte man sonst das ganze Semester lang einen Kurs besuchen?

Während jedes Semesters sollte man sich die Frage stellen: Könnte ich jetzt einen Test – über das, was bisher gelehrt wurde – bestehen? Wenn die Antwort “Nein” ist, dann weiß man, dass man in Verzug gerät und sollte sofort aufholen. Idealerweise sollte man für jedes Fach wenigstens einmal die Woche mit “Ja” antworten können.

In Verzug zu geraten, führt zu enormen Stress und Zeitverschwendung. Zuerst muss man zurück gehen und den ganzen alten Stoff erneut lernen, wenn der ganze Kurs schon viel weiter ist. Zweitens wird man den neuen Stoff nicht so gut lernen können, wenn er auf den alten Stoff aufbaut, weil man dann eine solide Basis vermisst und so fällt man nur noch mehr zurück. Wenn man dann ans Ende des Semesters kommt, muss man alles erneut lernen, was man schon längst gelernt haben sollte. Weil man alles in der letzten Minute paukt, vergisst man nach den Prüfungen sowieso alles. Was ist denn der Sinn dieser Dummheit? Das ist wie Geld mit einer Kreditkarte auszugeben, die 25% Zinsen verlangt. Am Ende muss man doch bezahlen und das wird auf lange Sicht gesehen viel mehr kosten.

Man sollte sich die Mühe machen, den Stoff aller Kurse so gut zu lernen, dass man Einsen bekommt. Es wird sich auszahlen. Viel von dem Stoff den man lernt, wird auf älterem Material aufbauen. Wenn man im ersten Semester Einsen bekommt, wird man gut vorbereitet sein, um darauf im zweiten Jahr aufzubauen. Wenn man aber schon im ersten Semester Dreien bekommt, geht man schon mit einer instabilen Basis ins zweite Semester und macht es sich so viel schwerer seine Noten zu verbessern und den Stoff zu meistern. Man sollte glatte Einsen zum Ziel eines jeden Semesters machen. Auf lange Sicht gesehen macht man es sich so viel einfacher. Ich fand, dass Dreier-Studenten viel härter arbeiteten als ich es tat, vor allem in ihren beiden Abschlussjahren, weil sie ständig aufholen mussten. Trotz meines vollgepackten Stundenplans war das College nicht stressig für mich, weil ich einfach in jedem Fach am Ball blieb. Somit blieb mir eine Menge Zeit für Spaß während andere Studenten sehr viel Stress erlebten, weil sie sich ständig unvorbereitet fühlten.

9. Erweiterte Memoriertechniken meistern

Einer der Schlüssel, um Stoff schon beim ersten Mal richtig zu lernen, ist, erweiterte Memoriertechniken zu üben. Ich benutzte sie oft in Kursen, in denen das routinierte Erinnern bestimmter Fakten gefordert wurde, wie Namen, Daten, mathematische Formeln. Wenn ein Dozent etwas an die Tafel schrieb, das wörtlich für die Prüfung gelernt werden musste, dann lernte ich es dort sofort. Dann musste ich nicht zurück gehen und es später lernen.

Ich bin sicher, jeder hat schon einfache Memoriertechniken verwendet wie der Satz “Nicht ohne Seife waschen”, um die Himmelsrichtungen Norden, Osten, Süden, Westen in der richtigen Reihenfolge zu lernen. Diese Tricks helfen gut in bestimmten Situationen, aber sie wirken so superschlau. Es gibt deutlich effizientere visuelle Techniken. Die, auf die ich mich in der Schule am meisten verließ, war das Major-System.

Es geht über den Rahmen des Artikels hinaus, diese Techniken zu erklären, aber man kann einfach diese Seite nutzen, um alles über sie zu lernen. Oder man kann ein Buch über Gedächtnisverbesserung lesen, wie zum Beispiel das Memory Book von Harry Lorayne. Ich empfehle, aus einem Buch zu lernen, weil man damit eine solide Basis Schritt für Schritt aufbaut.

Diese Techniken erlauben es, Informationen sehr schnell abzuspeichern. Man kann mit dem Major-System eine Liste von 20 Einheiten in etwa 90 Sekunden abspeichern und sie sogar Wochen später vollständig abrufen. Geübte sind sogar noch schneller. Und jeder kann es – man muss es nur üben.

Ich nutze diese Techniken heute immer noch. Durch Major-System kann ich meine Reden visuell abspeichern. Wenn ich eine Rede halte, dann läuft in meinem Kopf ein visueller Film ab, den ich gedreht habe, indem ich eilig Bilder ausgewählt habe, die zu den Worten passen. Es ist, wie einen Film nachzuerzählen. Meine Rede habe ich nicht Wort für Wort auswendig gelernt, so dass sie natürlich und spontan klingt und sich während des Sprechens der Situation angepasst werden kann. Visuell zu lernen geht viel schneller und ist beständiger, als Worte auswendig zu lernen. Wenn man eine Rede Wort für Wort auswendig lernt und eine Zeile vergisst, dann steht man blöd da. Mit einer Serie von Bildern andererseits, kann man leichter zum nächsten Bild springen, wenn man einen Fehler macht. Unsere Hirne können Bilder einfach besser behalten als Phoneme.

Ich empfehle auch nicht mit Wiederholungen zu lernen, weil es zu langsam ist. Das Major-System benötigt keine Wiederholungen, da man mit ihm in einem Durchgang, der oft nur Sekunden dauert, bleibende Erinnerungen schaffen kann. Der Nachteil daran ist, dass dieses System eine Menge an Vorübungen benötigt, um es zu beherrschen. Aber wenn man es einmal erlernt hat, verfügt man über wertvolle Fähigkeiten, die man ein Leben lang einsetzen kann. Ich denke auch, dass mein Gedächtnis durch das Erlernen dieser Techniken im Großen und Ganzen besser geworden ist, auch wenn ich gerade nicht aktiv abspeichere. Ich denke, dass diese Technik mein Unterbewusstsein darauf programmiert hat, Informationen effizienter zu speichern und wieder abzurufen.

Eigentlich ist es eine Schande, dass diese Techniken nicht in der Schule im normalen Unterricht gelehrt werden. Sie würden Schülern und Studenten eine Menge Zeit sparen. Man sollte sich selbst einen Gefallen tun und dieses Techniken lernen, so lange man jung ist. Sie haben eine Menge praktischen Nutzen, wie zum Beispiel sich Namen zu merken.

10. Ernsthaft Spaß haben

Man sollte sich akademisch herausfordern, sich aber auch genügend Zeit geben, Spaß zu haben. Seine freie Zeit sollte man nicht mit Nichtstun vergeuden. Man sollte rausgehen und etwas aktiv unternehmen, wo man Dampf ablassen und Energie gewinnen kann.

Eine meiner Lieblings-Freizeitaktivitäten auf dem College war Frisbee-Golf (auch Disc-Golf). Ich spielte das häufig abends stundenlang mit einigen Freunden, manchmal bis ich Blasen an den Fingern bekam… oder bis die Campus Security uns verbot zu spielen, weil wir zu viele Nicht-Spieler trafen. :)

Während des Spiels mussten wir oft durch Büsche kriechen, durch Brunnen waten und über verschiedene Gefahrenquellen klettern, um die fliegenden Frisbees zurück zubekommen. Das war immer sehr viel Spaß und normalerweise spielten wir einfach “durch” die Hindernisse durch. Einige Stunden Frisbee-Golf waren eine wirklich köstliche Belohnung am Ende einer herausfordernden Woche. Ich erinnere mich immer noch an einen fantastischen Hole in One-Wurf, den ich von einem Balkon im 2. Stock machte und dabei den Eckpfosten eines Fußballfeldes traf.

Was ich am meisten an meiner Collegezeit bedauere, ist dass ich in dieser Zeit keine Freundin hatte. Wenn ich alles noch einmal machen könnte, würde ich wahrscheinlich ein Extrasemester dranhängen, etwas weniger Kurse besuchen und mir Zeit für jemand besonderes nehmen. Die Gelegenheit hatte ich, aber ich musste passen, weil mein Stundenplan so voll war. Freundinnen können eine Menge Spaß sein, aber die meisten sind nicht sehr effizient. ;)

Der Ratschlag dieses Artikels zielt darauf ab, die eigene College/Universität-Erfahrung so reichhaltig und erinnerungswürdig wie möglich zu gestalten. Man sollte die Arbeit für die Schule schnell und effizient erledigen, so dass man genug Zeit hat für einige der Aktivitäten, die ein College anzubieten hat. Man sollte in Clubs eintreten, Frisbee-Golf spielen, einen Freund oder eine Freundin haben. Das Schlimmste, was man jedoch aus akademischer Sicht tun kann, ist wegen schlechter Angewohnheiten im Stoff zurück zu fallen und sich gestresst und unvorbereitet zu fühlen und am Ende alles nachholen zu müssen. Man sollte so viel Saft wie möglich aus der Collegezeit pressen und sie als Sprungbrett in ein erfülltes Leben nutzen.

Die Leute nehmen an, dass mein aggressiver Stundenplan stressig und anstrengend gewesen sein muss, aber die Ironie ist, dass genau das Gegenteil der Fall war. Ich hatte scheinbar eine leichtere und angenehmere Erfahrung als meine Kommilitonen. Studenten mit leichteren Stundenplänen wurden nachlässig und fielen zurück, da sie sich selbst einredeten, sie könnten es später wieder aufholen. Ich konnte mir das jedoch nicht leisten, da es für mich unmöglich gewesen wäre, den Stoff von einem Duzend verschiedener Kurse nachzuholen. Es wäre schon zu stressig gewesen, nur darüber nachzudenken. Wenn ich nur eine Woche zurück geblieben wäre, wäre ich schon in ernsthaften Schwierigkeiten gewesen. Ich war also dazu gezwungen, positive Gewohnheiten zu entwickeln, welche mich fortwährend entspannt, konzentriert und energiegeladen machten.

Viele der Eigenschaften, die oben diskutiert wurden, waren ein Resultat meines Ziels in drei Semestern abzuschließen. Das Ziel diktierte den Ablauf. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung, da sie mir zeigte, wie effizient man sein kann, wenn man sich nur ein wenig herausfordert und aus dem eigenen bequemen Bereich heraus bewegt. Sie lehrte mich, meine Ziele höher als das zu stecken, als das was ich mir selbst zutraue. Oft ist das, was man als unmöglich betrachtet, gar nicht unmöglich. Man denkt nur, dass es so ist.