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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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8 Tipps für effektive Foren- und Facebook-Nutzung

Süchtig nach Online-Foren, Facebook oder anderen sozialen Netzwerken?

Anm. d. Red. Alle Tipps lassen sich natürlich auch auf Facebook und andere soziale Netzwerke übertragen.

“Ich heiße Steve und bin süchtig nach Online-Foren.”

“Hi Steve.”

In diesem Artikel gibt es 8 unkomplizierte Tipps, wie man Online-Foren produktiv nutzt – mit Betonung darauf, wie man eine Foren-Sucht vermeidet oder sich davon wieder befreit.

Ich war viele Jahre lang sehr häufig Gast in Online-Foren, Newsgroups und Message Boards (meist zum Thema “Software”) und hielt dies für eine nützliche Gewohnheit. Ich habe sogar meine Frau 1994 in einem Forum kennengelernt. Aber 2004 hörte ich schlagartig damit auf, als mir bewusst wurde, wieviel Zeit es mich tatsächlich kostete um diese Gewohnheit und die gefühlten “Vorteile” der Teilnahme beizubehalten.

Im Zuge dessen habe ich auch meine E-Mail-Nutzung drastisch reduziert – inzwischen benötige ich dafür pro Tag keine 15 Minuten mehr (von ursprünglich 60-90 Minuten). Darüber habe ich bereits einen Artikel geschrieben: Wie man E-Mail effizient nutzt

P.S. Wenn man etwas Spaß haben will (und mir etwas Marketing-Arbeit abnehmen möchte), dann postet man einfach einen Link zu diesem Artikel in seinem Lieblings-Online-Forum und sieht den Süchtigem beim Winden zu. ;)

“Was Information frisst ist doch offensichtlich: Es frisst die Aufmerksamkeit seiner Empfänger. Deswegen erzeugt ein Reichtum an Information, eine Armut an Aufmerksamkeit und ein Bedürfnis diese Aufmerksamkeit effizient auf den Überfluss an Informationsquellen zu verteilen, von der sie gefressen werden.” —Herbert Simon

Online-Foren, Message Boards und Newsgroups sind heutzutage allgegenwärtig. Diese mächtigen Kommunikationswerkzeuge bieten eine Menge Vorteile. Jedoch kann die Teilnahme an Foren eine destruktive Sucht werden, wobei die Vorteile von negativen Nebeneffekten überdeckt werden.

Hier sind einige der potentiellen Vorteile, wenn man regelmäßig an Online-Foren teilnimmt:

  • Intellektueller Austausch
  • Neue Ideen kennenlernen und alte weiterentwickeln
  • Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft
  • Entwicklung des Forum beeinflussen
  • Anderen helfen
  • Neue Freunde und Kontakte
  • Neue Geschäftspartner
  • Auf dem aktuellen Stand bleiben
  • Neue Möglichkeiten entdecken

Und hier ein paar potentiell negative Effekte, wenn man Foren zu exzessiv nutzt:

  • Reduzierte Konzentration und Fokus
  • Reduzierte Produktivität
  • Chronisches Aufschieben
  • Erhöhter Pessimismus und/oder Apathie
  • Endlose Debatten und nutzloser Klatsch lenken ab
  • Allmähliches Ersetzen der eigenen Intelligenz durch die Gruppenmeinung
  • Beeinträchtigung der sozialen Fähigkeiten, vernachlässigte Beziehungen und ein geschwächtes soziales Umfeld (eine Konsequenz, wenn man Gespräche von Angesicht zu Angesicht durch Online-Sozialisierung ersetzt)
  • Reduzierte Energie (an Online-Foren nimmt man mehr sitzend teil, verglichen mit anderen aktiveren sozialen Möglichkeiten)
  • Reduziertes Selbstvertrauen
  • Karriere und Einkommen können darunter leiden (bis hin zum Job-Verlust)
  • Foren-Sucht

Seit den frühen 90ern war ich in vielen verschiedenen Online-Foren, Message Boards und Newsgroups aktiv und habe die meisten dieser positiven und negativen Effekte zu verschiedenen Zeiten selbst erlebt. Ich habe fast 2 Jahre lang ein beliebtes Forum für Spieleentwickler betrieben und auf diese Weise Erfahrungen sowohl als Teilnehmer als auch als Moderator und Forenbetreiber gesammelt. Positiv gesehen, habe ich viele tolle neue Ideen kennengelernt, wertvolle neue Geschäftskontakte geknüpft und soar meine Frau in einem Forum kennengelernt. Andererseits entpuppte sich die exzessive Teilnahme als riesige (und süchtigmachende) Zeitverschwendung.

Hier nun eine paar Vorschläge, wie man Online-Foren effektiver nutzen und negative (Neben-)Effekte vermeiden kann:

1. Eine Foren-Fast beginnen

Als Erstes, wenn man zur Zeit in irgendwelchen Forum aktiv ist, sollte man eine Fast beginnen. Die Foren werden eine zeitlang nicht mehr besucht; auch kein “Nur mal kurz gucken”. Ich empfehle eine Fastenzeit von 30 Tagen und 14 Tage als absolutes Minimum. Das hilft dabei alle unbewussten Gewohnheiten abzuschütteln und wieder einen klaren Blick zu bekommen, um intelligent entscheiden zu können, welche Rolle Foren im eigenen Leben spielen sollten. Ansonsten verleiten die unbewussten Gewohnheiten einen wahrscheinlich nur dazu, die weitere Teilnahme schlicht überzubewerten. Wenn man im Moment ein Moderator ist, dann kann man sich eine Auszeit nehmen und jemanden einsetzen, der solange seine Pflichten übernimmt. Die Zeit, die man sonst in Foren verbracht hätte, sollte man mit etwas Positivem wie Fitness-Training oder dem Lesen von Büchern verbringen.

Wenn man nicht glaubt, dass man die nötige Disziplin dafür aufbringen kann, dann postet man einfach in jedem Forum eine kurze Nachricht, dass man sich die nächsten 30 Tage eine Auszeit nimmt und bietet demjenigen 100 Euro an, der einen online erwischt und als Erster deswegen eine E-Mail schickt. Das sollte genügend Motivation geben, seine Fastenzeit durchzuhalten.

2. Nutzungsgewohnheiten neu beurteilen

Wenn man die anfängliche Fastenzeit überstanden hat (und nicht eher), wirft man einen frischen Blick auf seine Teilnahmegewohnheiten. Man stellt sich vor, dass man jedes Forum heute zum ersten Mal gefunden hat.

  • Was sind die Vor- und Nachteile einer Teilnahme?
  • Nutzt man seine Zeit so am besten oder fallen einem bessere Möglichkeiten ein?
  • Wenn man Foren zur Informationsgewinnung nutzt, wäre man dann mit Büchern, Artikeln oder Blogs besser bedient?
  • Wenn man Foren als sozialen Treffpunkt nutzt, wäre man dann in einem lokalen Verein und direkten Gesprächen besser bedient?
  • Wenn man sich sein altes Verhalten anschaut, würde man sich dann selbst als süchtig einstufen?
  • Ist das Nutzungsverhalten unbewusst geworden?
  • Wenn ja, wie will man das in Zukunft verhindern?

3. Erwartungen klären

Wenn man sich entscheidet in einem Online-Forum aktiv zu werden, dann sollte man sich über seine Erwartungen im Klaren sein. Ob man es für Marktrecherche, neue Konakte oder als Treffpunkt für seine humorvolle Seite nutzen will – man sollte wissen, warum man dort ist.

4. Vernünftige Grenzen setzen

Um das Risiko einer Forumsucht einzuschränken, setzt man sich klare Grenzen und schreibt diese auf. Man kann sich eine fixe Zahl an Besuchen pro Woche erlauben, die Menge an Zeit, die man dort verbringen will oder die Nummer an Beiträgen, die man pro Woche schreiben kann. Um sich seinen Nutzungsgewohnheiten bewusst zu sein, macht man sich jede Woche Notizen auf einem Blatt Papier. Man darf sich nicht hängen lassen und in unbewusste Verhaltensweisen schlittern. Wenn man sich klare Grenzen setzt, dann weiß man, dass man zur Sucht neigt, wenn man diese überschreitet. Und wenn das jemals passiert, dann ist es Zeit für eine neue Fastenperiode.

5. Loslassen

Wenn man wiederholt feststellt, dass man der Foren-Sucht oder einem ähnlich negativen Verhalten erliegt, dann ist es das Beste, es einfach sein zu lassen. Ich nehme inzwischen in keinem Forum noch regelmäßig teil. Als ich mir über meine Absichten klar geworden bin, stellte ich fest, dass mein Hauptgrund immer war, dass ich etwas beitragen und anderen Leuten helfen wollte. Aber Foren waren dafür einfach zu ineffizient, da sie oft zu längeren (und meist unproduktiven) Diskussionen geführt haben. Für mich sind Kanäle, wo einer zu vielen spricht – wie z.B. das Schreiben von Artikeln in einem Blog – eine bessere Nutzung meiner Zeit. Blog-Kommentare erlauben immernoch ewas Interaktivität, aber die Zeit sie zu moderieren ist überschaubar und die persönliche Relevanz der meisten Blog-Kommentare ist äußerst hoch.

6. Online-Kontakte durch Gespräche von Angesicht zu Angesicht ersetzen

Was den sozialen Aspekt angeht, sind Online-Foren ein schlechter Ersatz für richtige Treffen. Sicherlich gibt es soziale Vorteile bei Foren – viele Leute haben ihren Ehepartner in Online-Foren getroffen, mich eingeschlossen – aber es ist wichtig physisch Zeit mit anderen Leuten zu verbringen anstatt per Monitor. Wer eine neue lokale Anlaufstelle sucht, der kann einem Club oder einem Verein beitreten; idealerweise einer, wo man sich wöchentlich trifft. Mir ist aufgefallen, dass mein Interesse an Socializing über Online-Foren drastisch abgenommen hat, als ich Toastmasters International beigetreten bin und angefangen habe, die Treffen zu besuchen und an den Rede-Wettbewerben teilzunehmen. Auch die beste Online-Kommunikation verblasst im Vergleich zu Gesprächen von Angesicht zu Angesicht.

7. Sei ein Zaungast, kein alter Hase

Ein weiterer Tipp ist, seine Forenteilnahme kurzfristig zu halten. Wenn neue Geschäftskontakte das Ziel sind, dann taucht man für eine Weile aktiv ein – vielleicht für 30-90 Tage. Man findet neue Freunde und Kontakte, sammelt private Kontaktdaten und überlässt das Forum dann wieder sich selbst. Die neuen Beziehungen entwickelt man über direkte Gespräche per E-Mail, Telefon und – wenn möglich – Gespräche von Angesicht zu Angesicht (z.B. auf Fachmessen) weiter. Zeitweise in vielen verschiedenen Foren aktiv zu sein, ist ein viel effektiverer Weg um Kontakte zu finden, als den Nutzen ein einzelnes Forum überzustrapazieren.

Diese Zaungast-Methode kann man auch generell anwenden, um Informationen über ein bestimmtes Thema zu finden. Man sucht sich eine Anzahl relevanter Foren und bookmarkt diese. Dann verbringt man alle 6 Monate ein paar Stunden damit, die Foren zu überfliegen und den aktuellen Wissensstand aufzusaugen. Wann immer man eine spezifische Frage hat, loggt man sich ein und durchsucht das Archiv des Forums. Wenn die Suche nichts ergibt, dann postet man eine neue Nachricht, erntet die Antworten und verschwindet wieder.

8. Sucht vermeiden

Online-Foren sind tückisch. Im Moment bin ich der Meinung, dass die andauernde, tägliche Teilnahme für mehr als ein paar Monate in jedem beliebigen Forum unweigerlich unproduktiv ist. Die anfänglichen Vorteile, wie Wissenszuwachs und neue Kontakte, lassen immer mehr nach. Und dann setzen die negativen Effekte wie Foren-Sucht ein. Regelmäßige Teilnahme (auch wenn es eine unbewusste Gewohnheit ist) wird noch ein paar Vorteile erzeugen, aber je länger man mitmacht, desto weniger effizient werden diesen Vorteile erzielt.

Nahe Verwandte der Foren-Sucht sind die Online-Zocker-Sucht, Surf-Sucht, Blog-Sucht, E-Mail-Sucht und News-Sucht. Es ist immer das gleiche Muster: Unbewusste Gewöhnung verdrängt bewusste, klare Entscheidungen. Wann auch immer man sich bei so einer unproduktiven Gewohnheit erwischt, sollte man Schritte zurück zur bewussten Kontrolle unternehmen. Eine Fastenperiode hilft den Blick zu klären – Motive müssen neu überdacht, klare Grenzen gesetzt und neue soziale Möglichkeiten gefunden werden. Man sollte seine Forennutzung bewusst einsetzen, um seine Ziele zu erreichen und die Suchtfalle zu vermeiden.

Online-Foren können ein mächtiges, produktives Werkzeug sein, aber Selbsterkenntnis und Disziplin sind notwendig um zu vermeiden, dass sie ein Fallstrick der Prokrastination werden.