Loading
Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

News abonnieren

  1. Artikel als RSS
  2. Artikel als ATOM

Always Look on the Bright Side of Life

Always Look on the Bright Side of Life

Das ist eine wahre Geschichte über jede Menge Pech, was am Ende aber dennoch eine positive Erinnerung wurde …

Los Angeles, Dienstag, 28. Juni 1994 – Ich fahre wohlgelaunt und frühzeitig am Haus meiner Freundin Erin vor. Wir trafen uns erst seit 3 Monaten und wollten unseren ersten gemeinsamen Urlaub miteinander verbringen – 3 spaßige Tage in Las Vegas. Wir werfen unsere Taschen in den Chevy Nova und fahren gegen 7:15 Uhr los.

Als wir die 300-Meilen-Fahrt beginnen, erzählt mir Erin von einem Traum, den sie letzte Nacht hatte… eine Vision, dass unser Auto in der Mitte der Wüste aufgibt und wir gestrandet am Straßenrand auf Hilfe warten. Hmmmm… Dann lass uns mal hoffen, dass es nur ein Traum war, denn zur Zeit haben wir eine intensiven Hitzewelle.

8:36 Uhr – Nach ungefähr 80 Meilen auf unserem Trip, sehe ich etwas vor uns auf der Straße liegen. Es sieht wie ein kleiner Ast aus. Keine Zeit auszuweichen. Wump… unser Auto fährt drüber und ich kann es – was immer es auch war – im Rückspiegel zersplittern sehen. Keine Problem… weiter geht’s. Aber nur ein paar Minuten später, verliert einer unserer hinteren Reifen Luft. Ich fahre schnell rechts ran und schaue mir den Schaden an. Der Reifen ist komplett zerstört und man sieht Stücke vom Reifen hinter uns auf dem Highway liegen, wie eine Spur von Brotkrumen.

Gerade als ich den Ersatzreifen festziehe, erreicht uns ein Highway-Polizist um zu sehen, ob wir Hilfe brauchen. Er zeigt uns freundlicherweise den Weg zu einem Walmart in der Nähe, wo wir einen neuen Reifen kriegen können. Wir danken ihm für seine Hilfe und gegen 9:50 Uhr sind wir mit einem brandneuen Reifen wieder auf der Straße. Ich sage zu Erin:

“Naja, sieht so aus, als wäre dein Traum tatsächlich wahr geworden, aber wenigstens hat es uns nur eine Stunde Zeit gekostet.”

Sie meinte:

“Das ist komisch, in meinem Traum sind wir in der Mitte der Wüste liegengeblieben, aber hier sind Gräser und Bäume. Na, was soll’s. Auf nach Vegas.”

Wir halten kurz in Barstow um zu frühstücken. Dann – gegen 12:30 Uhr – ungefähr eine Stunde von Vegas entfernt, macht unser Auto plötzlich einen Ruck und wir hören das Geräusch aufeinanderschleifenden Metalls. Obwohl wir gerade bergab fahren, wird das Auto schnell langsamer. Ich fahre rechts ran und schaffe es noch genau an einer Telefonbox auszurollen. Glücklicherweise sind wir immernoch in Kalifornien, denn es gibt keine Telefonboxen hinter der Grenze zu Nevada und zu der Zeit besaß keiner von uns ein Handy.

Wir schauen uns in der marsähnlichen Landschaft um… nichts von Menschen gemachtes zu sehen. Ich frage Erin:

“War es das, was du in deinem Traum gesehen hast?”

Sie nickt.

Ich öffne die Autotür und whoosh… eine Hitzewelle dringt in unseren klimananlagengekühlten Innenraum ein, die einem die Tränen in die Augen treibt. Als hätte man gerade die Klappe von einem Ofen geöffnet um die frischgebackenen Kekse rauszuholen. Es sind mehr als 40°C draußen.

Ich rufe über die Telefonbox einen Abschlepper um Hilfe. Sie schätzen, dass der Abschlepper 45 Minuten bis zu uns brauchen wird.

Aber die 45 Minuten kommen und vergehen und es ist kein Abschlepper in Sicht. Wir rufen nochmal an und bekommen gesagt, dass er bald da sein sollte, aber es gibt zu dieser Jahreszeit jede Menge Pannen aufgrund der Hitze, so das es zu Verzögerungen kommen kann.

Nach 90 Minuten erreicht uns endlich der Abschlepper. Ich sage zu Erin:

“Bei der Hitze wundere ich mich, ob die Abschlepper selber mal liegenbleiben.”

Anscheinend haben mich Erins psychische Fähigkeiten auch infiziert. Der Abschlepper hat prompt eine Panne, als er uns endlich erreicht. Natürlich fühlen wir uns viel besser, als der Fahrer meint

“Wow, das ist mir ja noch nie passiert.”

Während der Fahrer versucht seinen Abschlepper anzuschieben, damit er wieder anspringt, rufen wir erneut an und fragen nach einem weiteren Abschlepper.

“45 Minuten”

heißt es.

90 Minuten später… der zweite Abschlepper erscheint am Horizont. Wir sitzen inzwischen seit über 3 Stunden hier fest. Es ist 15:30 Uhr und die Temperatur hat fast knackige 50°C erreicht. Wenigstens ist es eine trockene Hitze.

Der zweite Abschlepper fährt an uns vorbei und zum ersten Abschlepper. Müssen wir etwa einen dritten rufen?

Glücklicherweise schafft der zweite Abschlepper es, den ersten wieder zum Laufen zu bringen und dieser kommt zu uns zurück um uns einzusammeln und 26 Meilen zurück nach Baker, Kalifornien zu schleppen… 885 Einwohner, Heimat des Mad Greek, Bun Boy und des größten Thermometers der Welt. Gegen 16:15 Uhr haben wir unser Gefährt in einer der beiden Werkstätten in Baker geparkt. Und aufgrund der intensiven Hitze sind wir da nicht allein.

Ein drahtiger, alter Mechaniker kommt heraus um uns zu begrüßen. Seine Haut ist so ledrig, dass er wie ein laufendes Stück Dörrfleisch aussieht.

Wir gehen zu einem nahen Restaurant um uns ein paar kühle Drinks zu genehmigen, während er unser Auto untersucht. Ah, eine Klimaanlage.

Gegen 17:30 Uhr informiert uns der Mechaniker das eine der schweren Streben, die unseren Motor befestigen, wegen der Hitze gebrochen ist, so dass der Motor sprichwörtlich auf dem Boden aufgeschlagen und wieder zurück katapultiert wurde, während wir mit über 100 km/h gefahren sind. Er nennt uns eine Schätzung für die Reparatur, aber er ist nicht sicher, ob er es heute noch schafft.

Erin und ich schließen daraus, dass wir uns besser nach einem Platz zum Schlafen umsehen, auch wenn das bedeutet, dass wir wieder in die Hitze raus müssen. Während wir unsere schlaffen und welkenden Körper die Straße entlang schleppen, kommen wir an einem Wills Fargo Motel vorbei, dass ein großes “Keine freien Zimmer” Schild im Fenster hängen hat. Ich bin aber der Meinung, wir sollten doch dennoch reingehen und fragen – auch weil wir ansonsten kaum andere Optionen haben. Zu unserem Entsetzen informiert uns die Rezeptionistin, dass der neue Pat-Morita-Film genannt “Time Masters” in der Stadt gedreht wird und alle verfügbaren Zimmer werden von der Film-Crew belegt.

Jedoch sagt sie uns, dass gerade ein Zimmer frei geworden ist, weil anscheinend zwei Mitglieder der Film Crew Liebesgefühle für einander entwickelt und sich entschlossen haben, ein Zimmer miteinander zu teilen. Wir wussten gar nicht, das Baker so einen Effekt auf Menschen haben kann, insbesondere, wenn das Thermometer fast 50°C anzeigt.

Erin und ich waren nicht sicher, ob wir das Zimmer benötigen, aber es waren nur $40 für die Nacht, also buchten wir es sicherheitshalber. Die Nachfrage bei unserem Mechaniker ergab, dass das Auto nicht vor morgen fertig sein würde, also checkten wir in unserem Zimmer ein – nach einem netten, klimaanlagengekühlten Abendessen im Bun Boy Restaurant.

Am nächsten Tag lungerten wir in den Restaurants in der Nähe herum und spielten Karten. Wir konnten nicht verstehen, wie der Mechaniker unter einem heißen Auto bei der Hitze arbeiten konnte. Angeblich besteht der menschliche Körper zu ungefähr 70% aus Wasser, aber ich glaube, bei ihm waren es nur noch so um die 30%.

Gegen 14:45 Uhr war unser Auto fertig und wir rasten nach Vegas, wo wir schließlich gegen 16 Uhr ankamen.

Nachdem wir in unserem Hotelzimmer eingecheckt hatten, nahmen sowohl Erin als auch ich erstmal ein langes Bad um den Staub von Baker wieder loszuwerden… Okay, es war dasselbe Bad – anscheinend hat uns die Munterkeit von Baker auch angesteckt.

Trotz der Tatsache, dass 33 Stunden gedauert hat um die 5-Stunden-Fahrt hinter uns zu bringen, hatten Erin und ich doch eine fantastische Zeit auf unserem Ausflug. Erin sagt, dass es dieser Ausflug war, der sie in mich hat verlieben lassen, weil egal, was passiert ist, ich blieb immer ruhig und habe das Beste aus dem Verfügbaren gemacht – und konnte alles sogar mit etwas Humor sehen. Das hat sie mir erst viel später erzählt, was für einen Eindruck das auf sie gemacht hat.

Insofern ist das Liegenbleiben in der Wüste bei fast 50°C doch keine so schlechte Sache. Es ist schon erstaunlich, wie die kleinen Widrigkeiten des Lebens am Ende doch so geschätzte Erinnerungen werden können. Aber wenn Erin jetzt davon träumt, dass wir in der Wüste liegenbleiben, dann bleiben wir zu Hause. ;)