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Auf einen Tee mit dem Sensenmann

Auf einen Tee mit dem Sensenmann

Einige Leute haben mich gefragt, ob ich nicht eine der Reden veröffentlichen könnte, die ich im letzten Jahr gehalten habe. Warum nicht, dachte ich mir. Hier ist eine 7-Minuten-Rede, die ich vor ein paar Monaten vor einem Toastmaster-Publikum gehalten habe – sie heisst “Auf einen Tee mit dem Sensenmann”.

Der Text an sich vermittelt kein Gefühl dafür, wie ich sie gehalten und welche Gesten ich benutzt habe, was einen großen Teil dieser Rede ausmacht. Allerdings mir das Feedback zu dieser Rede nahegelegt, das ich das sowieso versaut habe. Es gibt viele Möglichkeiten eine Rede zu halten und ich habe mit verschiedenen Varianten experimentiert um herauszufinden, welcher Stil am besten zu mir passt. Ich habe etwas zuviel auf Martin Luther King, Jr. gesetzt – ein weicherer Stil, wie der von Sonia Choquette, wäre besser gewesen. Diese Rede sollte ein Appell an die Emotionen sein. Man darf den Inhalt nicht als Hinweis darauf missverstehen, was ich beruflich vorhabe. Es war nur ein Projekt um mein Können auszubauen. Hier ist sie:

Auf einen Tee mit dem Sensenmann

Ich hasse es, derjenige sein zu müssen, der euch das sagt, aber wir werden alle sterben. Nicht jetzt… aber eines Tages… werden wir schließlich alle tot sein. Ich denke mir das nicht aus. Es wird wirklich passieren. An einem Punkt in der Zukunft… wird jeder hier im Raum… tot sein.

Also, was denkt ihr, wie er dahinscheiden werdet? Herzinfarkt? Alzheimer? Krebs? Hirnschlag? Alzheimer? … Oder von einem flüchtenden Publikum zu Tode getrampelt?

Mein Wunsch? Attentat. Denn wenn ich dann sterbe, dann ist es ein Ereignis. Vielleicht bekomme ich einen eigenen Feiertag.

Wusstet ihr, wieviele Menschen jeden Tag sterben? 153.000. Das sind ungefähr 2 pro Sekunde. In der Zeit, die ich für diese Rede benütige, werden 700 Menschen ihr Leben verlieren… 701 falls mein Mörder hier ist.

Der Tod wird unsere Familien ereilen… unsere Freunde… er wird dich und mich holen. Unsere menschliche Existenz… alles davon… ist nur temporär. Der Tod ist ein Ereignis, das jeder von uns erfahren wird. Jeder. Der Sensenmann hat keine “Diese nicht töten”-Liste.

Was wird passieren, wenn wir sterben? Entweder wir hören auf zu existieren oder wir werden auf die eine oder andere Art im Jenseits weitermachen. Wenn ein Teil von uns über den Tod hinaus Bestand haben wird, welcher Teil wird es dann sein?

Es werden nicht unsere physischen Körper sein; diese bleiben hier. Alle unsere materiellen Besitztümer werden ebenfalls zurückbleiben. Sogar unsere persönlichen Beziehungen werden entwurzelt. Wenn irgendein Teil von uns möglicherweise weiterleben kann, dann muss es etwas sein, was wir mit unseren physischen Sinnen nicht wahrnehmen können. Wenn wir etwas sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken können… dann bleibt es hier.

Wir sind alle menschliche Wesen. Der Mensch wird irgendwann sterben, aber was ist mit dem Wesen? Gibt es einen Teil von uns der den Tod überleben wird?

Ich weiß es nicht. Ich glaube aber daran. Ich vertraue darauf, dass es etwas gibt. Ich sehe sogar ein paar Anhaltspunkte darauf, dass es soetwas gibt. Aber ich weiß es dennoch nicht. Solange dieser Körper nicht stirbt, werde ich nicht wirklich wissen, was nach dem Tod kommt.

Es liegt in der Natur dieses Rätsels, dass ich die komplette Wahrheit nicht vorher wissen kann – und dennoch kann ich nicht anfangen, mein Leben in vollen Zügen zu genießen ohne eine Antwort darauf zu haben. Niemand von uns kann das.

Also bleibt uns nur eine Option: unser freier Will.. unsere Freiheit, aussuchen zu können, woran wir glauben. Wir können uns aussuchen, ob wir an das Vergessen oder an die Beständigkeit glauben. Wenn wir selbst unbeständig sind, dann können unser Leben auch nur mit Unbeständigkeit füllen. Alles was wir erschaffen… alles was wir sind… wird zu Staub zerfallen. Nichts von unserem Wesen wird Bestand haben. Es kann keinen größeren Sinn für unser Leben geben. Wir existieren nur für den Fortbestand – eine Aufgabe, bei der wir letztendlich scheitern werden.

Aber wenn wir für das Leben, was fortbestehen wird, dann wird – auch während unserer sterblichen Existenz – unser Leben von Unsterblichkeit getränkt. Unser echtes Wesen wird nie verloren gehen; es kann nur andere Gestalt annehmen.

Ihr seht, die wahre Frage hinter dieser Wahl ist: Gibt es einen Grund, warum wir existieren? Hat unsere menschliche Existenz einen Zweck? Und wenn die Antwort “Ja” ist, dann muss dieser Zweck von dem Teil von uns ausgehen, der bestehen bleibt. Weil das, was sterblich ist, keinen Zweck bieten kann. Es ist nur Staub.

Das ist eine der äußerst menschlichen Fragen, die uns gestellt werden. Leben wir für etwas Vergängliches? Oder leben wir für etwas Ewiges? Widmen wir unser Leben dem Staub… oder dem Schicksal?

Eines Tages werden unserer Körper sterben. Unsere Häuser werden zerfallen. Unsere Freunde und Familienmitglieder werden unser Dahinscheiden betrauern. Zu unseren Lebensgeschichten werden keine neuen Seiten mehr geschrieben werden. Langfristig gesehen… ist alles hier.. nur Staub. Wenn wir für den Staub leben, dann werden wir zu Staub werden.

Aber wenn wir uns entscheiden, an das Ewige in uns zu glauben, dann finden wir Zugang zu eben dem Grund, für den wir existieren. Wir werden unseren Sinn und Zweck entdecken. Und dann beginnen wir endlich, unser Potential voll auszuleben, so wie es sein soll – anstatt nur einfach nur dahinzuleben, in diesen zerbrechlichen Hüllen. Wir erkennen, dass nichts Vergängliches unserem Leben Sinn geben kann. Nur das Ewige kann.

Und was ist ewig? Das, was am meisten mit unserer Seele in Einklang steht. Wahrheit. Leidenschaft. Ehre. Gerechtigkeit. Frieden. Vergebung. Bescheidenheit. Mut. Glaube. Güte. Liebe.

Das unsterbliche Wesen gibt unserem Leben Sinn, damit wir, während wir in diesen sterblichen Körpern existieren, nicht vom Staub verführt werden. Stattdessen leben wir für das Wahre. Und wenn unserer Körper sterben, dann lebt ein Teil von uns weiter.

Mozarts Körper ist tot. Aber seine Musik hat Bestand.
Martin Luther Kings Körper ist tot. Aber sein Traum lebt weiter.
Mutter Theresas Körper ist tot. Aber ihr Geschenk der Leidenschaft nicht.

Wieviele der 700 Menschen, die während dieser Rede gestorben sind, haben ihr Potential nie ausgeschöpft? Wieviele waren davon besessen, mehr Staub anzusammeln anstatt ihrer Bestimmung zu folgen?

Die große Ironie ist, dass alles, was wir hier in der physischen Welt anhäufen, irgendwann verloren sein wird. Nur das, was wir von unserem ewigen Selbst geben, dass hat die Macht weiter zu bestehen.

Am Ende ist alles so einfach; wir machen es nur so kompliziert. Unser Geschenk an die Welt ist vielleicht ein Lied, ein Gedicht, ein Gemälde, ein Kind oder die Verwirklichung einer Idee, deren Zeit gekommen ist. Jedes dieser Geschenke enthält einen Teil unserer eigenen Ewigkeit. Dies sind die Vehikel durch die wir Inspiration, Kreativität und Einfühlungsvermögen vermitteln. Kein Staub, sondern etwas Wahres.

Nehmt eure Geschenke nicht mit ins Grab. Lasst euren Geist seine Großartigkeit ausleben. Lebt für das Wahre. Und wenn ihr schließlich diese Welt verlasst, dann wird es eine friedliche Transformation anstatt einer tragischen Erkenntnis sein.

Lebt für das Wahre.