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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Bring dich ein – auch wenn du denkst, es wird nicht helfen

Wer freiwillig mithilft, der wird Erstaunliches erfahren

Vor vielen Jahren hörte ich in einem Audioprogramm von Brian Tracy, wie er empfahl, dass man sich bei einer Art Handelsorganisation einbringen soll, da man sich so mit potentiellen Mentoren umgibt. Er erzählte dazu eine Geschichte von sich, wie er sich bei seiner ortsansässigen Handelskammer eingebracht hat und seine Geschäfte so massiv voran bringen konnte.

Und nachdem ich diesen Rat gehört habe, habe ich ihn prompt ignoriert.

Jahrelang.

Irgendwann kam ich aber doch an einen Punkt, wo ich mich fragte:

“Was, wenn einige dieser Leute, die diese Audioprogramme über Persönlichkeitsentwicklung produzieren, doch recht haben, aber ich einfach nicht die Wahrheit in dem, was sie sagen, sehen kann? Was wäre, wenn ich einfach blind einige ihrer Ideen umsetze, auch wenn ich im Moment nicht sehen kann, was das bringen soll? Vielleicht funktionieren diese Ideen tatsächlich, aber sie gehören zu den Dingen, die man nicht verstehen kann, solange man es nicht selbst erlebt?”

Ich dachte mir.. hey, Brian Tracy ist ein Millionär. Ich nicht. Vielleicht weiß er etwas, was ich nicht weiß. Er hob die Idee, sich einzubringen, immer wieder hervor, also vielleicht sollte ich meine Zweifel beiseite packen und seinen Rat annehmen. Vielleicht habe ich recht und es klappt nicht. Aber was ist, wenn er Recht hat und es doch funktioniert? Im schlimmsten Fall verschwende ich eine Menge Zeit und mache vielleicht einen Narren aus mir. Der beste Fall sieht allerdings auch sehr gut aus.

Also habe ich mich Mitte 1999 überwunden und entschieden den Ratschlag, mich in einer Form von Handelsorganisation einzubringen, in die Tat umgesetzt. Ich dachte, die Association of Shareware Professionals wäre ein guter Anfang. Die ASP ist eine Non-Profit-Handelsorganisation bestehend aus ungefähr 1500 unabhängigen Softwareentwicklern – es hatte also direkt mit meinem Softwareunternehmen zu tun. Ich war ASP-Mitglied seit 1996, aber mehr als den monatlichen Newsletter zu empfangen, habe ich mit meiner Mitgliedschaft nicht gemacht. Ich war ein völlig passives Mitglied. Ich habe nicht erwartet, dass es irgendetwas nutzt, wenn ich mich mehr einbringe, aber ich hatte mich nun entschieden ins kalte Wasser zu springen und der Sache eine Chance zu geben.

Brian Tracys Rat drehte sich um die Konzentration auf’s Geben, Geben, Geben. Er empfahl freiwillig an Komitees teilzunehmen, sich für Vorstandspositionen anzubieten und einen exzellenten Job zu machen. Er sagte, man findet die allerbesten Leute in den Top-Führungspositionen einer Organisation und indem man mit ihnen zusammenarbeitet, kommt man mit ihnen in Kontakt und kann eine Menge von ihnen lernen. Hinzu kommen die Vorteile des Networkings, aber das er schien mir nicht als eine große Sache, da ich nicht erwartete, mehr Spiele an andere Softwareentwickler zu verkaufen.

Zu diesem Zeitpunkt verdiente ich nur 300€/Monat mit meinen vier Shareware-Produkten… nicht sonderlich beeindruckend, wenn man bedenkt, dass es Leute in der ASP gab, die sechsstellige Beträge pro Jahr mit einem Produkt verdienten. Da konnte ich nicht mithalten, aber ich hatte die Fähigkeit freiwillig mitzuarbeiten und etwas von Wert beizutragen.

Ich tauchte in die ASP Newsgroups, die nur für Mitglieder bestimmt waren, ein, stellte mich vor und begann regelmäßig an den Diskussionen teilzuhaben. Dabei hielt ich immer nach Möglichkeiten Ausschau um mich noch weiter einzubringen. Wie sich herausstellte, stand mittelfristig eine Wahl für ein Vorstandsmitglied an, da ein Posten frei geworden war (Synchronität?), also entschied ich mich für diesen zu kandidieren. Das war etwas anmaßend von mir, da niemand wirklich wusste, wer ich bin – ich bin einfach aus dem Nirgendwo aufgetaucht. So gab es also drei recht bekannte ASP-Mitglieder und einen Fremden, die sich um den Sitz bewarben. Aber ich denke, ich habe meine Leidenschaft und meinen Enthusiasmus etwas beizutragen, gut kommuniziert, da ich schließlich Zweiter von allen vier Kandidaten wurde und nur mit vier Stimmen weniger verloren habe. An diesem Punkt dachte ich mir, okay, du hast eine gute Chance bei den Wahlen am Jahresende zu gewinnen, wenn die Leute dich dann besser kennen.

Ich vermute, mein Enthusiasmus hat den Vorstand dennoch beeindruckt, denn kurz nach der ersten Wahl kontaktierten sie mich und fragten, ob ich der Vizepräsident werden möchte, da der aktuelle Vizepräsident im Begriff zurückzutreten war. Ich habe das Angebot eifrig akzeptiert. Der Vizepräsident und andere Funktionäre werden vom Vorstand bestimmt, so dass ich mich keiner Wahl stellen musste um diesen Posten zu bekommen.

Wenn ich mich recht entsinne, dann dauerte es von der Entscheidung in der ASP aktiv zu werden und Vizepräsident zu werden nur etwa 30 Tage. Ist es nicht erstaunlich, wie ein klares, verbindliches Ziel sich oft seinen Weg in die Realität bahnt? Ich wollte mich nur einbringen und plötzlich war ich Vizepräsident. Mir war schwindlig, wenn ich daran dachte, wie das Universum sich zu verschwören schien um es umzusetzen. Aber ich war gewillt mein Bestes zu geben und habe als Vizepräsident sehr hart gearbeitet und versucht viel mehr zu machen, als meine Pflichten in dieser Position verlangt haben.

Nach einem Jahr als Vizepräsident wurde ich vom Vorstand zum nächsten ASP-Präsident bestimmt, was mich genau genommen auch zum Geschäftsführer der Non-Profit-Organisation gemacht hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich der jüngste ASP-Präsident aller Zeiten war (Ich war damals 29), aber ich weiß es nicht ganz genau, das ich nicht alle früheren Präsidenten getroffen habe. Das war wirklich kein einfacher Job und im Nachhinein gesehen, hätte ich einige Dinge anders gemacht. Aber es ist schön zurückzublicken und zu sehen, dass einige der Dinge, die ich damals umgesetzt habe, heute immernoch Bestand haben. Zum Beispiel ist der Hauptteil der Texte, die ich für die ASP-Website geschrieben habe, immernoch vorhanden.

Wegen der vielen zeitlichen Verpflichtungen, die diese freiwillige Arbeit mit sich brachte (keine der Stellen wurde bezahlt), hatte ich weniger Zeit für mein eigenes Unternehmen. Und dennoch, ungefähr sechs Monate nachdem ich Vizepräsident geworden war, hatten sich meine Verkäufe an Shareware um den Faktor 10 erhöht – und es ging weiter bergauf. Es ist unbegreiflich, wie radikal ich mein Unternehmen von Grund auf verändert habe, basierend auf den Ideen und Einstellungen, die ich von anderen ASP-Mitglieder übernommen habe. Zurückblickend betrachtet, hatte ich fast keine Chance ohne die ASP erfolgreich zu werden.

Da ich signifikante Zeit und Energie in die ASP investierte, hatte ich auch viel mehr das Gefühl, den Erfolg zu verdienen. Wann immer ich auf etwas stieß, das auch anderen helfen konnte, da habe ich es durch Artikel oder Newsgroup-Beiträge kommuniziert. Ich habe mich nie als Konkurrent der anderen gefühlt. Ich denke, ich habe damals unterbewusst gespürt, dass wenn ich mein eigenes Unternehmen zu mehr Erfolg verhelfe, dann ist das auch ein Vorteil für viele andere Leute, die über mich und meine Familie hinausgehen. Das fand ich sehr motivierend und diese Einstellung habe ich seitdem beibehalten.

Brian Tracy hatte recht. Ich wünschte, ich hätte seinen Rat schon beim ersten Hören angenommen. Ich bin jetzt sicherlich weitaus offener gegenüber Tipps von Leuten, die anscheinend in bestimmten Bereichen bessere Ergebnisse als ich erzielen – auch wenn ich anfangs vielleicht denke, dass es dumm klingt. Vielleicht wissen sie etwas, was ich nicht weiß …

Ich sehe es immer wieder in meinem Leben – wenn ich mich auf’s Nehmen konzentriere, dann finde ich mich umgeben von Knappheit und Mangel. Aber wenn ich mich auf das Geben konzentriere, dann scheint irgendwie immer Überfluss zu herrschen. Das ist einer der Gründe, warum ich mich nicht darum gesorgt, Geld mit dieser Website zu verdienen, als ich sie gestartet habe. Ich setze all meine Energie in erster Linie dafür ein, hier etwas von Wert zu vermitteln – kostenlos. Ich bin auch den Toastmasters beigetreten und genau wie bei der ASP, wurde ich in meinem Club nach nur einem Monat ein Funktionär. Dieses Geschäftsmodell mag für einige Leute blöd klingen – monatelang an Inhalten arbeiten und sie dann kostenlos verteilen – aber funktioniert mysteriöserweise, genau wie in der Vergangenheit. Viele Ressourcen sind mir in den letzten Monaten praktisch in den Schoß gefallen; insofern müsste ich schon ein kompletter Idiot sein, wenn ich das nicht in finanziellen Erfolg verwandeln könnte. Auf merkwürdigen Wegen werde ich bereits für meine Arbeit bezahlt, wenn auch meist (noch) nicht mit Geld.

Auf der Shareware Industry Conference 2005 wurde ich in die ASP Hall of Fame aufgenommen, was mit einer freien Mitgliedschaft auf Lebenszeit einhergeht (kostet sonst 100€/Jahr). Ich fühlte mich sehr geehrt diese Auszeichnung zu bekommen, insbesondere da die ASP über die Jahre mir soviel zurückgegeben hat. Auch wenn ich heute in einem anderen Feld tätig bin, wende ich immer noch das Wissen an, dass ich damals als ASP-Mitglied gelernt habe. Im gewissen Sinne, wende ich das “Erst-ausprobieren-dann-kaufen” Modell auf Informationen statt auf Software an.

Wenn du in deiner Karriere oder mit deinem Unternehmen vorankommen willst, dann beteilige dich bei der entsprechenden Handelsorganisation und leiste freiwillige Arbeit bis es weh tut. Und wenn du denkst, du kannst keinen Unterschied machen, dann mach es trotzdem. Vielleicht weiß ich etwas, was du nicht weißt …