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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Bringen einen die Freunde voran
oder halten sie einen zurück?

Als Nachfolger des letzten Artikel, wollen wir heute die Rolle der Menschen im eigenen Leben erforschen. Helfen sie einem, der beste Mensch zu sein, der man sein kann oder halten sie einen zurück?

Ich erwähnte im letzten Artikel, dass, wenn man durch bedeutende Veränderungen im Leben geht, wie wenn man seinen Beruf wechselt, ich neue Menschen suchen würde, mit denen ich die meiste Zeit verbringe. Wir haben alle Zeiten durchgemacht, in denen sich die Menschen, die an unserem Leben Anteil haben, verändert haben – der Schulabschluss, in eine neue Stadt ziehen, einen neuen Job bekommen, einem neuen Club beitreten etc. Ich glaube nicht, dass ich jemanden davon überzeugen muss, dass andere Menschen sehr viel Einfluss auf die eigenen Identität haben können. Wenn man jemals einen bedeutenden Wechsel der Menschen in seiner Umgebung erlebt hat, dann weiß man, dass man sich damit auch selbst verändert.

Die meisten Menschen treffen diese Entscheidungen jedoch nicht bewusst. Man könnte bewusst entscheiden, dass man mehr Zeit mit einem bestimmten Freund verbringen will oder man könnte jemanden auf ein Date einladen, um eine neue Beziehung zu beginnen. Aber die wenigsten Menschen wählen das Gros ihrer existierenden Freundschaften absichtlich. Zufällige Zusammentreffen mögen außerhalb der eigenen Kontrolle liegen, aber die Stärke oder Schwäche der bereits existierenden Verbindungen unterliegen größtenteils der eigenen Kontrolle.

Mit wem verbringt man die meiste Zeit?

Man denke an 5-10 Menschen, mit denen man die meiste Zeit verbringt. Sogar Online-Communities kann man einbeziehen, wenn man viel Zeit damit verbringt, dort häufig und lange zu lesen – welche Individuen haben den größten Einfluss auf das eigene Denken im Moment? Eigentlich sollte man eine Liste schreiben – es wird nur eine Minute dauern. Familienmitglieder sind eingeschlossen.

Nun die Liste anschauen. Es heißt, dass einem diese Liste einen flüchtigen Blick auf die Zukunft gewährt.

Will man mehr wie diese Menschen werden? Ja oder Nein. Ist irgendjemand auf der Liste ein schlechter Einfluss, der Rückfälle verursachen kann? Gibt es jemanden auf der Liste, der einen ermutigt, neue Höhen zu erreichen?

Hat man jemals darüber nachgedacht, diese Liste bewusst zu ändern? Kann man erkennen, dass man die Fähigkeit hat, diese Liste durch bewusste Wahl zu bestücken und nicht nur durch Zufall? Man hat die Freiheit, bestimmte Menschen nicht in seinem Leben zu haben und man hat ebenso die Freiheit, Anstrengungen zu unternehmen, neue Menschen in sein Leben zu holen. Manchmal hat das ernsthafte Konsequenzen, wie mit neuen Familienmitgliedern und neuen Chefs, aber es ist immer noch eine Wahl.

Man kann Menschen nicht “los werden”. Sie driften immer in ein Leben eines anderen hinein und aus dem Leben desjenigen hinaus. Bekanntschaften werden zu Freundschaften und Freundschaften verblassen zu Bekanntschaften. Man wird niemanden einfach los. Die Wahrheit ist, um Platz für neue Menschen und neue Erfahrungen zu machen, wird man eventuell einige der bereits bestehenden Verbindungen lockern müssen.

Was ist mit Loyalität?

Sollte man gegenüber seinen Freunden nicht immer loyal sein? Wenn man einmal einen engen Freund hat, dessen Einfluss aber leicht zerstörerisch ist, sollte man nicht trotzdem bei ihm bleiben?

Loyalität ist einer meiner persönlichen Werte. Aber meine Bewertung von Loyalität heißt für mich, loyal gegenüber meiner Vision meines eigenen höchsten und besten Selbst und meinen Grundwerten zu sein. Und dies gilt für beide Richtungen. Während ich weiß, dass ich es mir nicht leisten kann, auf Freundschaften zu beharren, die mit meinen Werten in Konflikt geraten, kann ich ebenso nicht auf Freunden beharren, die ich eventuell auf eine Art zurück halten könnte. Ich möchte ausschließlich Win-Win Beziehungen haben, von denen jeder profitiert.

Loyalität gegenüber einem Freund heißt manchmal, ihn gehen zu lassen. Es bedeutet auch gegenüber deren höchsten und besten Selbst loyal zu sein. Wenn jemand zum Beispiel seine Gesundheit durch Rauchen zerstört, zeigt man keine Loyalität, wenn man mit ihm mitraucht. Gegenüber was wäre man denn dann loyal? Dem Tod? Wahre Loyalität verlangt manchmal, zerstörerische Verbindungen abzubrechen, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen und sich dann zu entscheiden, was man wirklich tun kann, um seinem Freund zu helfen (was manchmal verlangt, sie auf dem Boden aufschlagen zu lassen).

Ein realistisches Beispiel

Als ich damals im College war, benutzte ich gelegentlich Raubkopien. Ich hatte einige Freunde, die Raubkopierer waren und die mir diese immer wieder anboten und ich nahm manchmal an, wenn es sich um etwas handelte, das ich wollte. Als ich aber nach meinem Abschluss meine eigene Softwarefirma gründete und damit begann, darüber nachzudenken, welche Art Mensch ich werden wollte, begriff ich, dass die Raubkopien weg mussten. Also entschied ich, damit aufzuhören.

Aber was passierte als Nächstes? Erraten. Weitere Raubkopien wurden mir angeboten und ich erlag der Versuchung. Und dann machte ich mir Vorwürfe deswegen. Und dieses Muster ging eine Weile so weiter bis…

Ich erkannte, dass, wenn ich aufhören wollte, Raubkopien zu benutzen, ich aufhören musste, mich mit Raubkopierern zu verbinden. Also entschied ich bewusst, dass ich diese Beziehungen verblassen lassen wollte, was zu einigen Gelegenheiten verlangte, dass ich der anderen Person aktiv mitteilen musste, dass ich sie nicht mehr in meinem Leben haben konnte (und warum). Ich baute dann Freundschaften mit ehrlicheren Menschen auf, welche niemals daran dachten Raubkopien zu nutzen. Meine neuen Freunde und Bekannten hoben mein Denken auf ihre Ebene an und ich fand es einfach, die Softwarepiraterie für immer loszulassen. Ich war positiv mit den Gedanken derer infiziert, die keine Software kopieren, so dass meine neue Denkweise Piraterie nicht in Erwägung zieht. Ich kaufe entweder was ich will oder ich komme ohne klar.

Heute nutze ich häufig Sharewareprogramme und sie sind alle registriert. Auch wenn ich Geld sparen könnte, indem ich kopierte Versionen herunterladen würde, tue ich es einfach nicht. Ich würde nicht einmal darüber nachdenken. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich mir Sorgen mache, erwischt zu werden oder einen Computervirus zu bekommen oder nicht die neueste Version zu haben oder zu viel Zeit zu verschwenden. Raubkopieren – das bin ich einfach nicht. Ich bin kein Pirat.

Diese Veränderung hat auch einige unerwartete Nebenwirkungen. Als ich die Piraterie losließ, fühlte ich, dass ich den Erfolg viel mehr verdient hatte. Es veränderte die Wahrnehmung meiner selbst. Es gab nichts auf meinem Computer, das mit die unterschwellige Botschaft schicken konnte: ja, das war ein netter Erfolg, aber du bist immer noch ein Dieb. Dies ist ein sehr grundlegendes Beispiel, wie das bewusste Wechseln der Menschen im eigenen Leben dieses zum Besseren hin beeinflussen kann.

Was ist mit destruktiven Beziehungen?

Wie ist es damit, Menschen in Not zu ändern/zu retten? Obwohl ich nicht glaube, dass es unmöglich ist, eine destruktive Beziehung von innen zu ändern, ist es sehr schwer, wenn man nicht sehr viel Unterstützung hat. Während man versucht, die andere Person emporzuheben, sinkt man gleichzeitig. Man braucht wahrscheinlich einen Puffer vieler anderer starker Beziehungen, um eine zerstörerische Beziehung zu verändern. Ich glaube, der beste Ansatz ist es, die destruktive Beziehung zurück zu lassen, neue Beziehungen aufzubauen, um Kraft zurückzubekommen und dann (diese neuen Beziehungen behaltend) hat man die Fähigkeit, mit reduziertem Risiko, in alte Muster zurückzufallen, die alte destruktive Beziehung wieder aufzugreifen und zu verändern.

Ich denke, man kann einen guten Eindruck von einem Menschen erhalten, wenn man sich die Menschen um diese Person anschaut. Man sollte einmal darüber nachdenken. Mit welcher Art Menschen verbringt George Bush die meiste Zeit? Wie ist es mit dem Dalai Lama? Den eigenen Kindern? Sogar Jesus war von 12 Aposteln umgeben. Einer verriet ihn, einer leugnete dreimal ihn zu kennen, aber 10 von 12 ist nicht übel. Wenn man dutzende loyale Anhänger hätte, die einem überall hin folgen, vielleicht genießt man dann auch ein ordentlich erweitertes Denken.

Menschen gehen lassen

Es kann eine Menge Mut erfordern, jemandem zu sagen:

“Es tut mir leid, aber ich will dich nicht mehr in meinem Leben haben.”

Aber obwohl es manchmal wie eine selbstsüchtige Handlung erscheinen mag, ist es häufig auch für die andere Person das Beste. Wenn man durch eine Beziehung auf eine Weise zurückgehalten wird, muss man verstehen, dass das auch dem Gegenüber weh tut. Wenn man zum Beispiel für einen beleidigenden Chef arbeitet, dann erzeugt die Akzeptanz dieser Situation den Eindruck stiller Befürwortung, was den Chef weiterhin ermutigt, sich beleidigend zu benehmen (gegenüber einem selbst und anderen).

Wenn man raucht und plötzlich zu allen seinen Freunden, die auch rauchen sagt:

“Es tut mir leid, aber ich kann nicht mit Menschen, die rauchen, befreundet bleiben. Ich habe entschieden, dass ich Nichtraucher werden muss”

wird man wahrscheinlich auf sehr viel Widerstand treffen. Aber wenn man es durchzieht, werden die eigenen Taten an einigen dieser alten Freunde nagen. Und wenn man ein Jahr später Nichtraucher ist, wird einer davon einen unter vier Augen ansprechen:

“Ich möchte auch aufhören. Kannst du mir helfen?”

Und man wird helfen können. Man wird vielleicht sogar die alte Freundschaft erneuern, aber auf einer ganz neuen Ebene.

Neue Beziehungen bewusst wählen

Die Art Beziehungen, die ich heutzutage aussuche, sind jene die das Potential haben, ein Win-Win zu sein, das heißt, eine Beziehung, in der beide sich einander helfen können, im Positiven zu wachsen ohne sich gegenseitig zurückzuhalten. Ein Mensch soll nicht den anderen benutzen – es soll Synergie entstehen. Ich bin immer offen und einladend gegenüber neuen Freundschaften dieser Art. Wenn ich mich jemals fühle, als wäre ich in einem Käfig eingesperrt, dann weiß ich, dass es an der Zeit ist, die Hand auszustrecken und neue Kontakte zu suchen und/oder einige alte zu lockern.