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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Das Leben im Jetzt (The Power of Now)

Dies ist ein Artikel über eine bedeutende Veränderung in meinem Denken, welche vor einigen Jahren auftrat; sie führte zu einer dramatischen Vergrößerung meiner Lebensfreude. Wenn man mehr Freude im Leben erfahren will, anstatt nur zu hoffen, dass die Dinge in der Zukunft besser werden, wird man diese Geschichte vielleicht nützlich finden.

Vernunft vs Intuition

Als ich vor vielen Jahren Computerspiele entwickelte, war eins meiner Ziele, sehr reich zu werden. Ich stellte mir vor, dass dies ein sehr positives Ziel wäre, eines, welches mir viel mehr Freiheit schenken würde. Ich bemerkte jedoch, dass, obwohl ich meine eigene Firma leitete, ich momentan nicht sehr viel Freiheit genießen konnte. Ich musste Publishern, Kunden und anderen Interessenvertretern Rede und Antwort stehen. Ich musste Abgabefristen einhalten, die andere gesetzt hatten. Und ich musste viele Aufgaben erledigen, die ich nicht besonders mochte. Wenn ich in die Zukunft sah, sah ich das Potential für Reichtum und Freiheit, aber um diesen Punkt zu erreichen, würde ich in der nächsten Zeit die Abwesenheit dieser Qualitäten ertragen müssen.

Anfangs erschien mir dieser Plan der verzögerten Belohnung vernünftig und intelligent. Sollte ich nicht Opfer bringen, so lange ich jung bin, um mir eine bessere Zukunft aufzubauen? Wäre es nicht toll, wenn ich in meinen 20ern Millionär werden würde?

Aber irgendetwas an dieser Einstellung gefiel mir nicht. Mein Verstand mochte sie, aber meine Intuition kämpfte dagegen an. Ich erlebte einen bedeutenden Konflikt zwischen Kopf und Herz, als ich über der Frage grübelte, ob es richtig wäre, jetzt seine Freiheit zu opfern, um später vermutlich mehr davon zu haben. Ich dachte, es wäre nur eine Frage der Disziplin und von Aufopferung und dass, auf lange Sicht gesehen, sich alle meine Anstrengungen auszahlen würden. Aber nach jahrelanger harter Arbeit, in der ich auch einige größere Hindernisse aus dem Weg räumte, fühlte ich, dass ich meinem Ziel einfach nicht näher kam. Es schien immer nur ein paar Jahre weit weg.

Jetzt! Die Kraft der Gegenwart von Eckhart Tolle

Englisches Original

Während ich eines Tages durch den Bücherladen stöberte, sprang mich ein bestimmtes Buch quasi an: Das Leben im Jetzt von Eckhart Tolle. Meine Intuition sagte mir, dass ich dieses Buch kaufen musste und so tat ich es.

“Das Leben im Jetzt” ist die Art Buch, die noch Wochen, nachdem man es gelesen hat, im Kopf nachhallt. Es hat mich dauerhaft verändert zurückgelassen.

Das Grundprinzip des Buches ist ziemlich einfach – nichts existiert außer der jetzige Moment. Aber das ist nun eine ganz andere Denkweise, als ich sie gewöhnt war. Ich dachte über mein Leben, wie über einen Zeitstrahl von der Geburt bis zum Tod. Der jetzige Augenblick war ein Punkt auf diesem Zeitstrahl, welcher sich langsam vorwärts bewegte. Die Vergangenheit war der Teil hinter diesem Punkt und die Zukunft, was vor ihm lag. Nachdem ich “Das Leben im Jetzt” gelesen hatte, dachte ich anders über mein Leben. Ich verstand endlich, dass mein Modell extrem kraftraubend war.

“Das Leben im Jetzt” lehrte mich, dass es keinen Zeitstrahl gibt. Der Punkt ist alles, was existiert. Die Vergangenheit und die Zukunft sind Illusionen. Sie existieren nur in dem Maße unserer jetzigen Konzentration auf sie. Wir erschaffen die Vergangenheit und die Zukunft, indem wir sie uns im Jetzt ausdenken. Aber außerhalb des Jetzt existieren wir noch nicht einmal.

Eine neue Sichtweise auf das Leben

Das mag nur wie ein semantischer Unterschied wirken, vielleicht sogar wie ein falscher, aber es war eine völlig neue Denkweise für mich und ich war begierig, sie zu testen. Als ich nach der Idee, dass nichts außer dem Moment existiert, griff, veränderte ich meine allgemeine Lebensweise komplett. Ich verstand, dass wenn ich irgendetwas in meinen Leben erfahren wollte, ich es im jetzigen Augenblick erschaffen musste. Es musste in einer Form in diesem Augenblick existieren oder es würde überhaupt nicht existieren. Also wäre die Idee, in der Zukunft Reichtum und Freiheit für mich selbst zu erschaffen, im Jetzt die Sorge eines Narren. Es würde nie soweit kommen, so lange ich Grenzen und Knappheit im Jetzt und hier erschuf.

Die Zukunft ist sicher ein bequemes, mentales Konstrukt, aber ich fand heraus, dass es meiner Freude im Jetzt schadete, wenn ich zu viel von meinen Wünschen in die Zukunft projizierte. Was ist denn der Grund für eine Zukunft von Freude und Freiheit zu arbeiten, wenn die Realität gerade das Gegenteil war? Wenn ich Freiheit und Reichtum in der Zukunft wollte, musste ich die Saat für seine Erschaffung hier und jetzt aussähen. Die einzige Schöpfungskraft, die ich habe, liegt im Jetzt. Ich nahm folgende Denkweise an:

“Wenn es nicht auf eine Art und Weise jetzt schon existiert, wird es nie existieren.”

Diese Veränderung in meinem Denken verursachte eine signifikante Veränderung in meinen Prioritäten. Ich fing an, mehr meiner Kraft in die Verbesserung der jetzigen Lebenssituation zu investieren, anstatt all diese Verbesserungen auf irgendeine spätere Zeit zu verschieben. Ich fing an, Fragen zu stellen, wie:

“Wie kann ich in diesem Moment mehr Freude erleben?”

Die momentane Realität veränderte sich nicht sofort, aber über die Zeit einiger Jahre hat sie sich massiv geändert. Als Teil dieses Prozesses hörte ich schließlich auf, Computerspiele zu entwickeln und konzentrierte mich stattdessen in Vollzeit auf die Persönlichkeitsentwicklung. Warum? Größtenteils, weil mir die Persönlichkeitsentwicklung mehr Spaß brachte, als die Entwicklung von Computerspielen. Ich befreite mich von meinem Büro und fing an, von zu Hause zu arbeiten. Ich hörte auf, Projektarbeiten mit Abgabefristen zu bearbeiten und begann zu bloggen und Artikel zu schreiben, die ich in einem Zug fertig stellen konnte. Ich fing an, mir mehr Freizeit zu gönnen. Ich fing an, mehr Dinge zu tun, die mir Freude brachten, wie Trainieren, Lesen, Meditieren und Zeit mit meiner Frau zu verbringen. Ich ging weniger geizig mit meinem Geld um und begann, es freizügiger auszugeben, wenn es die Situation verlangte.

Anfangs war ich besorgt, ob die Konzentration auf den Moment mich nicht kurzsichtig machen würde. Aber meine Erfahrung widerspricht dem. Ich bin immer noch fähig Zukunftspläne zu schmieden und an Langzeitzielen zu arbeiten. In der Vergangenheit hätte ich mir diese Ziele gesetzt, weil ich meinte, dass es mein Glück vergrößern würde, diese Ziele zu erreichen. Nun stellt sich das Gegenteil heraus. Heute setze ich mir Ziele, um die Freude, die ich gerade genieße zu vergrößern.

Man könnte das Ziel haben Web-Traffic zu erzeugen. Mit meiner Spielfirma, wollte ich Traffic erzeugen, weil ich dachte, dass es mir mehr Interessenten/Kontakte, mehr Verkäufe, mehr Geld etc. bringen würde. Mit der Persönlichkeitsentwicklung, wollte ich auch Traffic erzeugen. Aber nun ist es hauptsächlich, weil ich so viel Leidenschaft für meine Arbeit empfinde, dass ich sie möglichst viele Menschen zuteil werden lassen will. Wieder stellt sich das Gegenteil heraus. Ich erwarte nicht von diesem Unternehmen, dass es mich glücklich macht. Ich möchte, dass das Unternehmen mein Glück ausdrückt und ich dieses Glück mit Anderen teilen kann.

Überraschende Ergebnisse

Die große Ironie ist, dass meine Zukunft nun in viel besserer Form ist, obwohl ich das Meiste meiner Aufmerksamkeit der Gegenwart widme. Indem ich meine gegenwärtige Realität so erfreulich wie möglich gestalte, ist meine Motivation rapide in die Höhe geschossen. Ich arbeite aus einem Zustand der Freude, anstatt mich verpflichtet zu fühlen. Ich schreibe, weil es mir Spaß macht, nicht weil ich denke, dass ich weiter schreiben muss, um Geld zu verdienen. Wenn ich keine Lust zum Schreiben habe, dann schreibe ich nicht. Wenn ich denke, ich brauche einige Tage frei, dann nehme ich sie mir.

Ich habe genau die Situation erschaffen, von der ich hoffte, dass Geld sie mir irgendwann einmal gestatten würde. Ich stellte mir vor, was ich tun würde, wenn ich reicher wäre, als in meinen wildesten Träumen. Ich sah mich selbst viel Zeit mit der Persönlichkeitsentwicklung verbringen, wo ich alle Arten interessanter Experimente machte, um meine Erfahrungen dann mit Anderen zu teilen. Ich dachte:

“Das wäre ein wirklich fantastisches Leben für mich!”

Aber anstatt zu warten, bis ich erst einmal reich würde, entschied ich, einen Weg zu finden, dass es jetzt passierte, auch wenn ich es nur umsonst in meiner Freizeit tun könnte. Ich erkannte, dass es nur eine Ausrede war, mir einzureden, dass ich bestimmte Dinge tun würde, wenn ich erst reich wäre. Sagt man manchmal zu sich selbst:

“Wenn ich eines Tages reich bin, dass werde ich X tun?”

Tief drinnen weiß man, dass es nicht das fehlende Geld ist, was einen zurückhält – es ist Angst. Warum sollte man keinen Weg finden, diese Dinge jetzt zu tun, wenn auch in einem kleinen Umfang?

Die Denkweise brachte einige erstaunliche Ergebnisse für mich hervor. Auch wenn ich nicht mehre Millionen Dollar auf der Bank habe, fühle ich mich doch, als würde ich so leben, als hätte ich finanziell ausgesorgt. Wenn ich 100 Millionen in der Lotterie gewinnen würde, würde ich genauso weiter machen, wie jetzt. Das Geld würde nur die Kapazität dessen, was ich tue, erweitern, aber nicht das Wesen. Was würde man tun, wenn man finanziell ausgesorgt hätte? Man sollte herausfinden, was es ist und einen Weg finden, jetzt damit anzufangen – wenn auch nur in kleinem Umfang.

Ich bin heute dermaßen glücklich, dass es fast lächerlich ist. Ich hätte mir vor fünf Jahren nicht einmal vorstellen können, jeden Tag so glücklich zu sein. Und ich war damals sicherlich nicht deprimiert – ich war mindestens zufrieden. Aber heute ist mein normaler emotionaler Status in höchstem Maße positiv, nicht nur neutral. Ich habe aufgehört, Glück in der Zukunft zu suchen und stattdessen Wege gefunden, es im Jetzt zu erschaffen.

Ich habe bemerkt, dass ich mich weniger an Erfolge binde, desto glücklicher ich mich fühle. Anstatt mich darauf zu konzentrieren, Geld, Besitz oder andere äußere Effekte zu akquirieren, konzentriere ich mich nun auf die Selbstdarstellung. Ich habe ein brennendes Verlangen zu erschaffen. Es ist als ob ich nun statt des Verlangens zu essen, nun das Verlangen zu kochen habe. Indem ich mich nun darauf konzentriere, auszudrücken, anstatt darauf, mir Dinge anzueignen, tue ich nun genau das, was mich befähigt ganz einfach das anzuhäufen, was ich möchte. Ich tue wirklich das, was ich am meisten liebe.

Wie fühlt man sich nun, wenn man über sein eigenes momentanes Leben nachdenkt? Ist man geradezu überschwänglich positiv und voller Leidenschaft?

Oder sitzt man selbst gerade in einer Situation fest, wie ich vor einigen Jahren, in der man sein gegenwärtiges Glück opfert und auf ein besseres Morgen hoff? Wie funktioniert diese Strategie für einen? Wird man bedeutend glücklicher und erfüllter mit jedem Jahr, das vorbeizieht? Oder läuft man nur im Kreis, während man sich selbst zu überzeugen sucht, dass die Dinge eines Tages besser sein werden?

Es gibt aber kein “eines Tages”. Es gibt nur das Jetzt. Wenn der gegenwärtige Lebensweg kein freudiger ist, sollte man sich umdrehen und einen anderen Weg versuchen. Andere Leute werden sicher über diese Entscheidung lamentieren – niemand, der im Kreis läuft, wird gern daran erinnert, dass es möglich ist, jederzeit auszubrechen. Aber ich garantiere, dass diese Menschen einige Jahre später genau die sein werden, die einen um Hilfe bitten, die selbe Entscheidung zu treffen, besonders wenn sie sehen, wie widerlich glücklich man selbst ist. :)