Loading
Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

News abonnieren

  1. Artikel als RSS
  2. Artikel als ATOM

Das Medium vs. Die Botschaft

Die Botschaft ist wichtiger als das Medium.

Dieser Artikel erforscht zwei verschiedene Arten, wie man über seine Karriere nachdenken kann:

  1. Die Art, wie die meisten Leute scheinbar darüber denken (das Medium)
  2. Und eine alternative Sichtweise, wie man darüber denken kann (die Botschaft)

Beide Sichtweisen sind wichtig, aber dieser Artikel wird dich hauptsächlich dazu ermutigen, die zweite anzunehmen, weil du so deine Motivation und Freude an der Arbeit deutlich steigern kannst. Bei mir hat das definitiv funktioniert.

Dieser Artikel ist so angelegt, dass er dich dazu anregen soll, aus einer neuen Perspektive über dein Leben nachzudenken. Um es ganz klar zu sagen: wir fokussieren uns hauptsächlich auf deine Karriere, aber wenn du mit dem Lesen fertig bist, dann solltest du die Ideen auch auf andere Bereiche deines Lebens anwenden können.

Stell dir ein physisches Medium, wie z.b. eine CD oder DVD vor. Für sich allein ist es ein leerer Behälter. Die “Botschaft” ist die Information, die sich in diesem Medium befindet, ob es nun Musik, ein Film, Software oder irgendetwas anderes ist. Die Botschaft ist es, was den Wert bereitstellt – das aufnehmende Medium ist meist unwichtig. Man bezahlt vielleicht 20€ für eine CD mit Musik oder 300€ für eine CD mit einer bestimmten Software. Aber die physischen CDs sind essentiell identisch mit Ausnahme der Information, die sich auf ihnen befindet. Der Preisunterschied beruht nicht auf einem Unterschied in den Medien, sondern auf einem Unterschied in der Botschaft.

Erweitern wir nun dieses Konzept von Medium vs. Botschaft und wenden es auf deine Karriere an (oder auch auf jeden anderen Teil deines Lebens). Zum Beispiel ist es meist so, dass deine Jobbezeichnung das Medium deiner Karriere repräsentiert. Ein Karriere-Medium kann z.B. ein Anwalt, ein Verkäufer oder ein Programmierer sein. Stell dir deine Karriere als ein Gefährt vor, mit dem du eine Arbeit erledigst.

Ähnlich einer beschreibaren CD ist deine Karriere-Medium ein leeres Gefäß, dass nur darauf wartet, gefüllt zu werden. Wenn du dich selbst als Anwalt, Verkäufer oder Programmierer identifizierst, dann hat das noch keinerlei Aussage über den Wert, den deine Arbeit liefert. Diese Berufe sind Möglichkeiten etwas beizutragen, aber an und für sich beinhalten sie erstmal kaum Wert. Manche Anwälte verdienen 100€/h während andere 1000€/h verlangen. Und solche Gehaltsunterschiede findet man auch in anderen Bereichen – sogar innerhalb einer Gruppe von Menschen, die scheinbar den gleichen Job machen; ob nun Sekretärin oder Geschäftsführer. Das Medium deiner Karriere (also die Jobbezeichnung) ist an diesen Unterschieden nicht schuld.

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass der hauptsächliche Wert nicht vom Medium deiner Karriere kommt, sondern eher von der Botschaft deiner Karriere. Die Botschaft ist es, was deine Karriere ausmacht. Das was den sonst leeren Behälter füllt.

Zum Beispiel kann ich meine Karriere so sehen: Ich bin Autor, Blogger, Redner, Webentwickler, Unternehmer, Programmierer, usw. Oder ich kann allgemeiner sagen, dass ich ein Kommunikator bin. Aber dann würde ich meine Karriere über das Medium definieren – ein leerer Behälter. Als wenn ich sagen würde, ich wäre ein Mikrofon.

Die Botschaft, im Kontrast zum Medium, ist das, was ich tatsächlich kommuniziere. Was sage ich? Welche Information verlässt das Mikrofon?

In meinem Fall ist die Botschaft, dass ich hier bin um zu wachsen und anderen dabei zu helfen. Die Medien, die ich nutze um diese Botschaft zu vermitteln, werden sich ändern und über die Zeit weiterentwickeln, aber die Botschaft bleibt diesselbe. Und die Botschaft ist eine weitaus bessere Beschreibung meiner wahren Karriere – und nicht die Medien, die ich momentan nutze um sie auszudrücken.

Die Perspektive verändern

Ich tippe darauf, dass du momentan über deine Karriere mehr als Medium (also deinem aktuellen Job), denn als Botschaft (z.B. der einzigartige Wert, denn du beiträgst) denkst. Ich möchte auf den Unterschied hier etwas mehr eingehen und dir, eventuell unerwartete, Vorteile aufzeigen, die auftreten können, wenn du deine Sichtweise veränderst und damit beginnst, deine Karriere mehr als Botschaft zu sehen.

Es gibt zwei signifikante Risiken, die entstehen, wenn man seine Karriere hauptsächlich über das Medium definiert (also, wie “Ich bin Anwalt” oder “Ich bin Programmierer”). Das erste Risiko ist, dass man sich unnötig selbst limitiert. Man wird nur Gelegenheiten wahrnehmen, die sich von selbst in der Form eines Nagels präsentieren, weil man sich selbst als einen Hammer definiert hat und sonst nichts. So tappst du in die Falle zu denken

“Verdammt Jim! Ich bin ein Doktor und kein Maurer!”

Als ein menschliches Wesen stehen dir viele Wege offen dich auszudrücken und etwas von Wert für andere beizutragen. Das aktuelles Medium deiner Karriere ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Wenn du deine Karriere als unabhängig von Medien siehst, dann öffnest du dich für neue Möglichkeiten, die außerhalb deiner jetzigen Reichweite liegen.

Das zweite Risiko ist, dass du dich zu sehr auf ein einzelnes Medium konzentrierst und so deine eigentliche Botschaft aus dem Blick verlierst. Deine Botschaft ist weitaus weichtiger als irgendein Medium – setzt du letzteres also an erste Stelle, dann wird deine Motivation hinsichtlich deiner Arbeit sukzessive nachlassen. Du trittst einen neuen Job an und am Anfang ist es sehr aufregend, aber je länger du ihn machst, desto mehr lässt dein Enthusiasmus nach. Klingt das irgendwie vertraut?

Zum Beispiel findet man heute viele Menschen, die sich und ihre Karriere als professionellen Blogger (das Medium) sehen und so bloggen sie über alles und nichts. Aber nach einigen Monaten oder einem Jahr ist es nicht ungewöhnlich, dass sie wegen ihrer Arbeit apathisch und sogar depressiv werden. Warum? Weil das Medium (in diesem Fall ein Blog) per Definition dumpf ist und etwas Dumpfes kann nicht anhaltend motivieren.

Seine Karriere über ein beliebiges Medium zu definieren, wie ein professioneller Blogger zu sein, ist wie eine Garagenband, die sagt

“Jo Mann, es geht nur um die CDs.”

Also was passiert, wenn man das Medium vor die Botschaft setzt? Du definierst dein Leben über den Behälter anstatt über das, was den Behälter füllt. Du setzt Leere vor Fülle. Und das führt zu Aufschieberitis, mangelnde Motivation und geringe Energie. Wie motivierend ist es, seine Karriere als professionellen Blogger (oder welche Jobbezeichnung auch immer) zu definieren? Auf einer Skala von 1-10 befindet man sich die ersten Wochen vielleicht bei einer 8 oder 9, aber wo wird man sich in fünf Jahren wiederfinden? Vermutlich eher bei einer 4 oder 5 – wenn es hochkommt. Wenn man aber seine Karriere über die Botschaft und nicht über die das Medium definiert, dann beginnt man mit einer 8, 9 oder 10 und befindet sich nach fünf Jahren immernoch dort. In meinem Fall ist die Persönlichkeitsentwicklung die Botschaft, was für mich tatsächlich eine 10 darstellt. Mein Enthusiasmus zu Schreiben, Reden, Bloggen oder zu Programmieren nimmt über die Zeit ab und zu, aber mein Interesse an der Persönlichkeitsentwicklung bleibt gleichmäßig hoch.

Das Gefühl, dass etwas einen erfüllt, kommt von der Botschaft deiner Arbeit und nicht von ihrem Medium.

Jeden Morgen wenn du aufwachst; wie denkst du dann über deine Arbeit? Sagst du dir selbst

“Heute werde ich etwas schreiben (Medium)?”

oder denkst du dir

“Heute werde ich die Lebensumstände der Menschheit auf eine kleine Weise verbessern (Botschaft)?”

Was glaubst du – welche Sichtweise ist wohl wirklich motivierend?

Natürlich sind sowohl die Botschaft, als auch das Medium ein wichtiger Teil deiner Karriere, aber aufgrund der immer schnelleren technologischen Entwicklung, ist dein Medium weitaus unwichtiger. Bedenke, dass medium-basierte Arbeit immer Gefahr läuft, irgendwie automatisiert zu werden. Ein Verkäufer wird durch eine Website ersetzt. Eine Sekretärin wird durch einen PDA ersetzt. Eine PR-Agentur wird durch ein Blog ersetzt. Die Botschaft zu ersetzen, die ein bewusst lebender Mensch vermittelt – das ist weitaus schwieriger. Wie würdest du denn z.B. die Botschaft der Persönlichkeitsentwicklung automatisieren?

Wie du deine Botschaft findest

Wie identifizierst du nun deine eigene Botschaft? Deine Botschaft ist im Prinzip dein Sinn und Zweck, was ich in diesem Blog schon mehrmals thematisiert habe. Aber es gibt auch noch einen anderen Weg, deine Botschaft zu entdecken:

Denk mal darüber nach, was du bei deinem Job oder deiner Karriere (oder irgendeiner anderen beliebigen Aufgabe/Projekt) anders machst – im Vergleich zu dem, was “durchschnittliche” Person machen würde. Was gehst du anders an bzw. wie würden andere Menschen die gleiche Aufgabe erledigen?

Zum Beispiel, als ich noch hauptsächlich als Programmierer gearbeitet habe, war ich äußerst agressiv, was die Verbesserung meiner Fähigkeiten anging und ich habe enthusiastisch alle Erfahrungen mit anderen Menschen geteilt. Als ich mein Spieleunternehmen aufgebaut habe, bin ich genauso vorgegangen. Du kannst mich in jeden beliebigen Job stecken und ich werde die gleichen Qualitäten zeigen. Ich werde extrem bemüht sein, besser und besser zu werden und ich werde mit anderen teilen, was ich dabei lerne. Das ist die “Botschaft”, die mich einzigartig macht.

Jetzt stell dir mal vor, du arbeitest in verschiedenen Jobs und in verschiedenen Bereichen. Welche Qualitäten würdest du mitbringen, die dich einzigartig machen? Versprühst du Humor, Harmonie und Leidenschaft? Lieferst du analytische Tiefen, intuitive Einsichten oder rationale Vorhersagen? Zeigst du an deinem Arbeitsplatz Loyalität, Teamwork oder Ehrlichkeit?

Vielleicht findest du es hilfreich, wenn du dich über eine Metapher definierst. Bist du ein Fels? Ein Adler? Ein Sturm?

Wenn du Probleme hast, das für dich herauszufinden, dann frag Bekannte nach ihren Meinungen. (Eventuell solltest du sie erst diesen Artikel lesen lassen, damit sie wissen, wovon verdammt nochmal du redest.) Oft sehen uns andere viel klarer, als wir das selbst können.

Deine Botschaft leben

Wenn du erstmal ein Verständnis für deine eigene Botschaft entwickelst (und das Verständis wird mit der Zeit ganz sicher kommen), dann kannst du sie auch bewusster ausdrücken. Du kannst deine Karriere in die richtigen Bahnen lenken. Glaub mir – das wird sich am Anfang komisch anfühlen. Aber mit der Zeit, wenn du es schaffst die soziale Konditionierung – die versucht, dich auf ein Medium zu reduzieren anstatt eine Botschaft zu lebe – zu überwinden, dann bin ich sicher, wirst du auf eine viel erfüllerende Art und Weise über deine Karriere denken.

In der Schule lernen wir meist ein Medium. Am Gymnasium lernen wir das Medium Schreiben. An der Universität habe ich das Medium Programmierung gelernt. Bei den Toastmasters habe ich das Medium Reden gelernt. Und von anderen Bloggern habe ich das Medium Bloggen gelernt. Aber die Botschaft die ich über diese Medien vermittele, das habe ich nicht in der Schule gelernt. Die Botschaft ist etwas, was seit meiner Kindheit ein Teil von mir ist, auch wenn meine Bewusstsein diesbezüglich natürlich mit dem Älterwerden zugenommen hat.

Als ich von der Entwicklung von Spielen zur Persönlichkeitsentwicklung gewechselt bin, dann war das mehr als ein neuer Job. Es war eine Veränderung vom medium-basierten Denken, hin zum botschaft-basierten. Schreiben, Reden und Bloggen sind bessere Medien für meine Botschaft als Computerspiele. Und da sich die Technik weiterentwickelte, habe ich die Flexibilität jedes neue Medium zu begrüßen, dass sich auftut. Diese Medien sind nur Behälter. Die Botschaft ist es, was diese Behälter füllt.

Als ich begann, meine Karriere über die Botschaft und nicht mehr über das Medium zu definieren, fühlte ich mich weit mehr im Einklang mit meiner Arbeit. Manchmal sage ich anderen, dass ich Autor, Blogger oder Redner bin – stimmt ja im Moment auch alles. Aber im Inneren fühle ich, dass jeder dieser Behälter für mich zu klein ist und nicht meiner echten Arbeit gerecht wird.

  • Hast du dich auch schon mal so gefühlt.. dass deine Jobbezeichnung für dich zu klein ist?
  • Wie fühlst du dich, wenn du sagst, “Ich bin ein __________” (hier deine Jobbezeichung einsetzen)?

Sag es jetzt laut und achte darauf, wie du dich dabei fühlst. Beschreibt das wirklich all das, was dich ausmacht?

Wie kannst du dir eine mehr botschaft-basierte Jobbezeichung geben? Anstatt von dir als Anwalt zu denken, könntest du dir z.B. selbst den Titel “Friedensbringer” geben (jemand der Konflikte löst und den Frieden wieder herstellt)? Oder anstatt nur ein Verkäufer oder Programmierer zu sein, könntest du doch ein “Problemlöser” sein. Passt das nicht viel besser? Wie würdest du reagieren, wenn dir jemand eine Visitenkarte in die Hand drückt, auf der “Jana Schmidt, Friedensbringerin” steht? Ich bin sicher, die meisten würden einer Visitenkarten mit “Anwalt für Strafrecht” mehr glauben, aber ich würde die Friedensbringerin anheuern, da ihr Titel mir sagt, dass die Person versteht, dass sich der Wert ihrer Arbeit über ein einzelnes Medium hinaus erstreckt.

Was steht auf deiner Visitenkarte? Wird da nur das Medium deiner Arbeit aufgeführt oder kann man die Botschaft erkennen? Was wäre eine passendere Jobbezeichnung für dich?

Über die Karriere hinaus

Wie ich bereits am Anfang dieses Artikels angemerkt habe, kann man das Konzept von Medium vs. Botschaft auch auf andere Teile deines Lebens außer der Karriere anwenden. Ich überlasse es dir, darüber nachzudenken, wie du zwischen Medium und Botschaft hinsichtlich deiner Gesundheit, deiner Beziehungen, deiner spirituellen Ansichten, usw. unterscheiden kannst. Und für eine andere Sichtweise, die mit dieser hier zu tun hat, solltest du nochmal Endziele vs. Zwischenziele lesen.