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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Das Persönliche Verantwortungssystem
(Ein System zur Selbstüberprüfung)

Eine schwierige Herausforderung beim Erreichen von Zielen ist es, sich ihrer bewusst zu werden und auf dem Weg zu bleiben. Wie oft setzt man sich ein Ziel, fängt mit den besten Vorsätzen an, daran zu arbeiten und später bemerkt man, dass man es einfach vergessen hat?

Die Belastungen durch äußere Einflüsse können uns vom Weg abbringen. Und wenn man ein geschäftiges Leben hat, können diese Einflüsse sehr oft an jedem Tag wirken. Anrufe. E-Mails. Briefe. Ein neues Memo. Ein unerwarteter Besucher. Neue Einträge, die auf die To-Do-Liste müssen. Neue Dinge, über die man nachdenken muss. Aber meistens sind das nur Ablenkungen von den wirklich wichtigen Dingen.

Daher muss man eine konternde Kraft einsetzen, um zurück auf den Weg zu gelangen, indem man sich selbst immer wieder auf seine Ziele hinweist. Seine Ziele einmal die Woche oder im Monat zu betrachten, ist einfach zu unregelmäßig. Ich finde, dass ich meine wichtigsten Ziele jeden Tag wiederholen muss und wenn es am Tag an vielen Stellen brennt, dann muss ich es auch mehrmals tun. Ansonsten komme ich zu weit ab vom Kurs, angelockt von Dingen, die wenig wichtig sind, anstatt von denen, die wirklich sehr wichtig sind. Es ist ein Prozess, während dem man ständig den Kompass überprüft und den richtigen nächsten Schritt herausfindet.

Für dieses Jahr habe ich 14 niedergeschriebene Ziele. Sie teilen sich in 3 Hauptziele und in 11 untergeordnete Ziele. Alle sind wichtig. Aber die Hauptziele sind die, die einen wirklich großen Unterschied machen werden. Eines der 3 Hauptziele zu erreichen, ist wichtiger, als alle 11 untergeordnete Ziele zu erreichen.

Aber es ist so verführerisch an diesen Nebenzielen zuerst zu arbeiten. Sie sind einfacher. Sie bringen einen sofort zum Eindruck, dass man etwas geschafft hat. Einige werden sich selbst erfüllen, nur indem ich bereits existierende Gewohnheiten fortsetze. Die meisten der Anderen werden mit jeweils 20 bis 40 Stunden Arbeit erledigt sein. Aber die Hauptziele sind nicht automatisch, es ist nicht sicher, dass ich sie erreiche und jedes benötigt hunderte Stunden an Arbeit. Wenn ich also nichts besonderes tue, um mich zu ihnen zurückzubringen, wird das wahrscheinliche Ergebnis sein, dass ich alle Nebenziele erfülle und einen kleinen Teil an jedem der Hauptziele abarbeite, aber keines in diesem Jahr wirklich erreiche. Und das ist einfach nicht genug.

Wie bleibe ich also konzentriert bei meinen Hauptzielen, trotz all des Druck, an anderen Dingen zu arbeiten? Ich habe ein “Persönliches Verantwortungssystem” (man kann es PVS nennen, wenn man Abkürzungen mag). Es handelt sich um einen handelsüblichen Hefter, ca. 1,5 cm dick. Er enthält meinen Sinn und Zweck in einem Satz und meine Ziele das aktuelle Jahr (1 Seite), meine Ziele für das erste Quartal (1 Seite), meine Projektliste (1 Seite) und meinen Ablaufplan (1 Seite). Ich habe noch andere Planungselemente, die ich auf meinem PC führe, aber diese habe ich in dem Hefter.

Erstens hilft mir das, weil ich den Ordner immer auf meinen Schreibtisch habe und ich öffne ihn jeden Tag und schaue ihn durch, meistens mehrmals am Tag. Das passiert automatisch, weil er auch meinen Ablaufplan enthält. Auf diese Art und Weise lese ich meine Ziele ständig und ich bemerke immer, welche die drei wichtigsten sind. Es ist ein Prozess, bei dem ich ständig wieder überprüfe, dass ich auf dem Kurs bleibe und Anpassungen vornehme, wenn sie benötigt werden.

Zweitens, breche ich meine Projektliste und meinen Ablaufplan in zwei Teile auf: den primären und sekundären Teil. Die primären Projekte und Handlungsschritte sind die, die direkt zum Erreichen der primären Ziele führen. Die sekundären Projekte und Handlungsschritte führen entweder zu den sekundären Zielen oder sie sind gar nicht mit Zielen verbunden (wie zum Beispiel, die Steuererklärung machen, etwas was ich tun muss, was aber kein bedeutendes Ziel ist).

Man kann wahrscheinlich schon jetzt den Nutzen dieses Systems erkennen. Wann immer ich auf die Liste meiner Projekte oder nächsten Handlungsschritte schaue, sind die Hauptziele ganz oben auf der Seite. Das macht es also glasklar, welche Handlungen am wichtigsten sind. Ich sortiere immer noch jede Gruppe nach Zusammenhang (Büro, Besorgungen, warten auf etc.), aber das macht die Sache nicht gerade schwieriger, weil meine primären Ziele meist Büroarbeiten involvieren.

Manchmal ist es sehr schwierig und ich schaffe es nicht immer, aber ich will jeden Arbeitstag wenigstens 50% an meinen Hauptzielen arbeiten. Zu wissen, welche Folge-Handlungen mit diesen Zielen unmittelbar verknüpft sind, ist sehr hilfreich. Ich kann einfach meinen Ablaufplan nehmen und an meinen Hauptzielen arbeiten.

Am Ende des Tages kann ich sehen, ob ich eine Menge der Handlungsschritte von der Liste abhaken konnte oder ob die Meisten von der Nebenziel-Liste waren. Ich weiß sofort, ob ich mich auf das wirklich wichtige konzentriert habe oder ob ich vom Kurs abkam. Wenn ich nicht Handlungen von der Hauptziel-Liste streiche, weiß ich, dass ich ab vom Kurs bin. Es gibt keinen Weg, es zu rationalisieren oder rechtfertigen, wenn ich vom Weg abgekommen bin. Das ist ein Weg, jeden Tag zu punkten und immer zu wissen, wo man steht.

Der Kleber, der alles zusammenhält ist das PVS. So bleibt meine Verantwortung in meinem Bewusstsein, da ich sie jeden Tag nutze. Wenn ich an der nächsten Handlung Zweifel habe, kann ich die Seite umblättern und das Projekt ansehen, an die sie geknüpft ist und wenn ich noch einmal umblättere sehe ich das Ziel dahinter. Und mit nur 3 Hauptzielen, jedes in einem anderen Bereich meines Lebens, ist es immer sehr klar, an welchem Ziel ich arbeiten sollte.

System schlägt Absichten

Ohne eine systematisierte Methode der täglichen Verantwortung wird das natürliche Ergebnis sein, dass man vom Kurs abkommt. Am Ende des Jahres schaut man dann zurück und sagt:

“Wenn ich nur…”

Um dieses “Wenn ich nur…” zu vermeiden, muss man diese Verantwortung für das ganze Jahr auf jeden einzelnen Tag herunterbrechen. Wenn man auf den Tag zurückschaut und sieht, dass man herumgealbert hat, kann man sich sofort sammeln und sich neu verpflichten, es am nächsten Tag besser zu machen. Es ist besser, das jeden einzelnen Tag zu tun, als “im Dunkeln” zu tappen und dann am Ende des Jahres schmerzlich überrascht zu sein. Zweckgebundene Umwandlung ist besser als tragische Erkenntnis.

Die besten Absichten werden von irgendeinem System beherrscht. Wenn man kein System hat, kommen entweder alte Gewohnheiten oder das blanke Chaos auf lange Sicht zum Tragen, unabhängig von Absichten und Motivation. Das PVS ist nur ein Werkzeug, um auf dem Weg zu bleiben – und es ist mein momentaner Favorit, da es Ziele nimmt und sie alle hinunter zur Ebene der Handlungen im Augenblick verknüpft. So gibt es Verantwortung auf jeder Ebene. Aber der wahre Schlüssel ist, dass sie ein wesentlicher Teil jedes Tages ist. Ohne tägliche (oder manchmal stündliche) Re-Fokussierung auf die wirklich wichtigen Ziele, ist es zu einfach, die Ziele aus dem Sichtfeld zu verlieren und abgelenkt zu werden. Auch wenn die Zusammenstellung ein wenig Mühe bereitet, das PVS ist es wert.