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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Denken vs. Handeln

Denken und Handeln auszubalancieren ist für viele Menschen schwer, besonders für die, die selbstständig sind. Wie viel Zeit sollte man denkend bzw. handelnd verbringen? Man hört Dinge wie:

“An der Planung zu scheitern, ist wie das Scheitern zu planen”

die implizieren, dass Handeln durch sorgfältiges Denken geleitet werden sollte. Aber dann hört man auch die Rufe:

“Mach es jetzt! Mach es jetzt! Mach es jetzt!”

was sofortiges Handeln verlangt.

Wie weiß man, wenn es an der Zeit ist, zu denken bzw. zu handeln? Wie findet man eine Balance zwischen der lähmenden Analyse auf der Seite des Denkens und der exzessiven Impulsivität auf der Seite der Handlung?

Es erscheint klar, dass man beides ausbalancieren muss, besonders wenn man seine eigene Firma leitet. Beide sind wichtig.

Eine Frage der Perspektive

Ich hatte dieses Problem ständig: Ich fragte mich, ob ich zu viel machte und zu wenig dachte oder zu viel plante und zu wenig handelte, aber das Problem löste sich auf, als ich meine Perspektive änderte. Nun erscheint es mir, dass Denken und Handeln sich viel ähnlicher sind und gar nicht so verschieden. Denken bedeutet etwas mental zu tun, Handeln bedeutet etwas physisch zu tun.

Ich denke, dass die Unausgeglichenheit zwischen Denken und Handeln ein Symptom innerer Inkongruenz ist. Man meint, die beiden ausbalancieren zu müssen, wenn einen die beiden Dinge in unterschiedliche Richtungen ziehen. Man denkt in eine Richtung, handelt aber in die andere.

Es ist leicht in den Zustand der Unausgeglichenheit zu verfallen, wenn man einen mittleren Perspektivenwechsel erlebt, aber alte Umstände weiterhin die Handlungen bestimmen. So arbeitet man also unter dem alten Paradigma weiter, aber denkt unter einem neuen. Dann wird man anfangen eine Spaltung zwischen Denken und Handeln zu spüren. Von beiden bekommt man Ergebnisse, aber jedes führt einen in eine etwas andere Richtung. So fragt man sich am Ende ständig, was der richtige Weg ist. Das erscheint wie ein Konflikt zwischen Denken und Handeln, wenn man aber tief genug geht, wird man sehen, dass der eigentliche Konflikt zwischen zwei Paradigmen besteht – dem alten und dem neuen.

Ein Mangel an Klarheit

Ich denke, üblicherweise nehmen einen die Gedanken mit in eine neue Richtung, während die Handlungen in den alten Gewohnheiten verwurzelt sind. Es könnte aber auch anders herum sein: die Gewohnheiten ändern sich und die Gedanken müssen erst aufholen. Das kann passieren, wenn die Umgebung einen zu einer Verhaltensänderung zwingt – wenn man in eine neue Stadt zieht, den Job wechselt, eine neue Beziehung eingeht, etc. Das mentale Modell, das man von sich selbst hat, ist noch nicht in vollem Ausmaß an die neue Umgebung angepasst.

Während man also einen Konflikt zwischen Denken und Handeln beschuldigen kann, das es einem an Klarheit im Leben mangelt, denke ich, dass es wahrscheinlicher ist, dass das Gegenteil wahr ist – ein Mangel an Klarheit schafft den wahrgenommenen Konflikt zwischen Denken und Handeln.

Denken und Handeln können als zwei unterschiedliche Dimensionen von sich selbst betrachtet werden: das mentale Ich und das physische Ich. Aber es gibt auch andere Dimensionen: das emotionale Ich und das spirituelle Ich. Ein Weg durch die scheinbare Sackgasse zwischen Denken und Handeln ist also, die anderen Dimensionen der Emotionalität und Spiritualität zu konsultieren, um die Situation aus anderen Perspektiven betrachten zu können.

  • Was sagen die eigenen Gefühle über den Konflikt?
  • Was sagt das Gewissen?

Höher-dimensionale Lösungen

Wenn man diese vier Dimensionen: das physische Ich, das geistige Ich, das emotionale Ich, das spirituelle Ich, zusammen nimmt und Input aus ihnen sammelt, hat man viel mehr Informationen über das Problem, weil man alle vier Seiten sieht und nicht nur zwei. Das ermöglicht einem am Ende eine Lösung auf einem höheren Level, auf dem alle vier Ichs kongruent werden können, weil sie alle in die selbe Richtung zeigen. Das wird einem wiederum erlauben, über das ursprüngliche Problem völlig hinauszugehen.

Albert Einstein sagte, dass die größten Probleme nicht auf dem selben Level gelöst werden können, auf dem sie entstanden sind. Das Problem eines scheinbaren Konflikts zwischen Denken und Handeln kann nicht auf dem Level von Denken und Handeln gelöst werden. Man muss einen Schritt zurücktreten und alle vier Perspektiven betrachten: Körper, Geist, Herz und Seele. Erst dann wird eine vollständige Lösung wahrnehmbar.

Diese ganzen abstrakten Dinge sollte man an einem konkreten Beispiel aus der realen Welt betrachten.

Ein reales Beispiel

Angenommen, man leitet seine eigene Firma. Man denkt darüber nach, wie man diese Firma vergrößern kann und macht einen Plan. Das scheint eine gute Idee zu sein, da man die Firma gern leitet (wenigstens auf dem momentanen Level) und man sein Einkommen verbessern will. Die Firma zu vergrößern, scheint eine ziemlich gute Idee zu sein. Man hat auch die notwenigen Fähigkeiten es zu tun. Wenn es aber zum Handeln kommt, fühlt man sich festgefahren. Man kann sich scheinbar nicht bewegen. Man arbeitet weiterhin an dringenden Dingen und die wichtigen Wachstumsprojekte liegen auf Eis. Man denkt also, dass der Plan vielleicht falsch war und man geht zurück zur Bequemlichkeit des Denkens und Planens. Und dasselbe passiert. Man beginnt über die Planung nachzudenken und darüber, dass man vielleicht zu viel plant und dann bleibt man im Zustand des gelähmten Analysierens stecken, wo sich das Denken nur im Kreis dreht. Man wundert sich, weshalb man nicht zu handeln beginnt, damit die Firma wächst – wo die Pläne auf dem Papier doch so gut aussehen. Was hält einen auf?

Auf dem Level von Denken und Handeln kann man das Problem nicht lösen. Dann bleibt man einfach immer wieder stecken. Vielleicht hat man hin und wieder einen Tag, der sich produktiv anfühlt, aber man hat nicht das Gefühl täglicher, konstanter Produktivität, welche Erfüllung und Flow auslöst.

Ein Lösungsansatz – Schritt für Schritt

Was ist also die Lösung? Es ist an der Zeit, die anderen Teile des Ichs zu konsultieren, die versucht haben, sich zu melden, aber nicht erhört wurden. Man beginnt mit den Gefühlen.

Wie fühlt man sich ganz ehrlich, mit dem Gedanken, das Geschäft zu vergrößern? Vielleicht hat man gemischte Gefühle. Vielleicht meint man, es wäre großartig, eine größere Firma zu haben, fühlt sich aber etwas unbehaglich, wenn man darüber nachdenkt, wie viel mehr Arbeit das bedeuten würde. Die Gefühle bestätigen also, dass man innerlich inkongruent ist. Man hat sich nicht 100%ig der Idee verschrieben, die Firma zu vergrößern. Es erscheint zum Teil wie die richtige Entscheidung, aber zum Teil fühlt es sich auch falsch an, aber man kann nicht genau sagen, warum. Seine Gefühle zu konsultieren gibt einem mehr Anhaltspunkte darüber, dass etwas falsch ist, aber es führt einen nicht bis zur Lösung. Zeit, einen anderen Berater zu besuchen.

Also konsultiert man nun seinen Geist, sein Gewissen, seine tiefsten und heiligen Glaubenssätze. Das ist der ruhigste Teil des Ichs, so dass man allein und ungestört sein muss, um es klar zu hören. Eine der besten Fragen, die man stellen kann, ist:

“Was sollte ich machen?”

Man kann auch

“Was ist wahr für mich?”

fragen. Und dann sollte man auf die Wahrheit im Inneren hören und nicht darauf, was man hören möchte. Wenn man zwischen Gedanken, Handlungen und Gefühlen innerlich zerrissen ist, wird die spirituelle Antwort erklären, wieso. Und es wird sich nicht zurückhalten. Es braucht etwas Mut auf die innere Stimme zu hören und sie nicht auszublenden, aber diese Stimme muss beachtet werden, wenn man Kongruenz wiederherstellen und Ausgeglichenheit erfahren will.

Diese innere Stimme sagt einem vielleicht, dass man nicht mit seinen Glaubenssätzen in Übereinstimmung lebt oder dass man nicht das tut, weswegen man auf der Welt ist. Es wird sich die Firma anschauen und all die großen Fragen stellen.

  • Wie wird sich der eigene Charakter verändern, wenn das Geschäft wächst?
  • Wie wird es die Leute beeinflussen, die es berührt?
  • Wie passt es mit dem eigenen tiefsten Verständnis von wahr und falsch zusammen?
  • Trägt es etwas bei?
  • Hilft es den Menschen wirklich so, wie sie es am meisten brauchen?
  • Empfindet man Leidenschaft für es?
  • Ist es das Beste, das man tun kann?

Das ist ein sehr individueller Prozess. Ich kann nicht sagen, wo er einen auf kurze Sicht gesehen hinführt, aber auf lange Sicht gesehen, wird es einem helfen, sich einen Weg auszumalen, auf dem alle vier Teile vom Ich – Körper, Geist, Herz und Seele – kongruent werden können. Man muss nicht voll in ein spirituelles Leben hineinspringen und dabei bankrott gehen. Alle vier Teile können in Balance sein. Man muss aber allen vier zuhören und ihre Beiträge verstehen, um zu verstehen, in welcher Richtung die Ausgeglichenheit liegt.

Ich glaube, dass alle vier Dimensionen ihre eigene valide Perspektive haben. Keine der Perspektiven ist besser oder schlechter. Manche Probleme sind einfach genug, so dass man nur eine Perspektive benötigt, um sie zu lösen. Der Körper kann es mit der Herausforderung aufnehmen, eine Mahlzeit zu essen ohne großartig bewusst zu denken. Der Geist kann ein mathematisches Problem lösen ohne die Gefühle konsultieren zu müssen. Die Gefühle können Gefahr melden ohne das Gewissen zu Rate zu ziehen. Aber manchmal hören diese Teile nicht aufeinander. Der Körper versucht das Junk Food herunterzuschlingen während der Geist sagt

“Leg diesen Donut weg!”

Der Geist konzentriert sich auf negative Folgen während die Gefühle sagen:

“Das stresst mich so!”

Und man schmiedet aus Ärger Rachtepläne während der Geist sagt:

“Du glaubst an die Vergebung.”

Jeder der Teile hat seine einzigartige Perspektive und jeder ist auf seine Art weise. Indem man auf alle vier Teile hört und sie immer und immer wieder durchgeht, erreicht man den Zustand der Kongruenz. Es ist ein innerer Prozess der Verhandlung. Körper will Donut. Geist sagt nein. Seele sagt:

“Der Donut-Bäcker behandelt seine Angestellten schlecht.”

Herz sagt:

“Mmmmh, Donuts!”

Körper sagt:

“Ich habe Hunger.”

Geist sagt:

“Ok, du kannst stattdessen einen Muffin haben.”

Seele sagt:

“Sie zu, dass er biologisch ist.”

Körper sagt:

“Ok, dann esse ich einen Bio-Banane-Nuss-Muffin.”

Herz sagt:

“Banane-Nuss… das ist ein toller Muffin!”

Dasselbe gilt für die Karriere. Der Körper will ein großes Einkommen. Der Geist will eine interessante Arbeit, die zu den eigenen Talenten passt. Das Herz will Spaß. Die Seele will einen Beitrag, der etwas bedeutet. Körper sagt:

“Beitrag… willst du uns verhungern lassen?”

Herz sagt:

“Ein Beitrag würde dafür sorgen, dass wir uns gut fühlen, aber ich will nicht den ganzen Tag lang eine langweilige Arbeit machen.”

Seele sagt:

“Geist, finde heraus, wie ein Beitrag Spaß machen kann.”

Geist sagt:

“Es muss eine Art Service sein, welcher unseren Talenten und unserer Leidenschaft entspricht, so dass wir darin gut sind.”

Herz sagt:

“Mmmh, Leidenschaft.”

Körper sagt:

“Entschuldigung, aber wie an aller Welt sollen wir damit unseren Lebensunterhalt bestreiten?”

Geist sagt:

“Wenn wir das machen, worin wir am besten sind und es wird gebraucht, dann werden uns die Leute gern dafür bezahlen.”

Körper sagt:

“Ihr müsst schon besser sein, um mich zu überzeugen. Ich weiß, dass wir x Euro verdienen könnten, wenn wir y täten und das ist genug für mich.”

Geist sagt:

“Hier, iss’ den Muffin, während ich darüber nachdenke.”

Herz sagt:

“Ich würde mich nicht gut fühlen, wenn ich nur für Geld arbeite.”

Seele sagt:

“Macht alle eine Liste an Jobs, die euch befriedigen könnten.”

Sie alle verhandeln hin und her, bis sie eine finden, die sie alle zufrieden stellt. Das Herz lehnt es ab, Buchführer zu sein. Die Seele lehnt die Idee mit der Erwachsenen-Webseite ab. Der Geist lehnt es ab, Profi-Sportler zu werden. Der Körper lehnt ab, Psychologe zu werden. Am Ende lehnen sie alles von jeder Liste ab und müssen anfangen, neue Listen zu machen, aber das zweite Mal machen sie es besser, weil sie nun verstehen, was die anderen wollen. Also schreiben sie Ideen auf, die eine bessere Chance haben, von allen akzeptiert zu werden. Und nach einer Weile finden sie ein paar Ideen, die tatsächlich funktionieren und sie nehmen die beste Idee. Durch diese innere Verhandlung entdecken sie die beste Möglichkeit, so dass sie sich endlich festlegen. Kongruenz wurde erreicht und die neue Karriere wird alle vier Bereiche so vollständig wie möglich zufrieden stellen. Alle Konflikte, die zwischen Denken und Handeln wahrgenommen wurden, verschwinden.

Denken, Handeln, Fühlen und Glauben gehen alle in die selbe Richtung.