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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Der Mut bewusst zu leben

“Sicherheit ist größtenteils ein Aberglaube. Sie existiert weder in der Natur, noch erfahren Menschenkinder sie in ihrer Gesamtheit. Gefahr zu vermeiden, ist auf lange Zeit nicht sicherer, als sich ihr einfach zu stellen. Das Leben ist entweder ein wagemutiges Abenteuer oder gar nichts. Es bedeutet unbesiegbare Stärke, sein Angesicht Veränderungen zuzuwenden und sich in der Gegenwart des Schicksals wie ein freier Geist zu benehmen.”
— Helen Keller

In unseren alltäglichen Leben, bekommt die Tugend des Mutes nur noch wenig Aufmerksamkeit. Mut ist eine Qualität, die für Soldaten, Feuerwehrmänner und Aktivisten reserviert ist. Sicherheit ist das, was heutzutage am meisten zählt. Vielleicht wurde einem beigebracht, zu vermeiden, verwegen oder mutig zu handeln. Es ist zu gefährlich. Man sollte keine unnötigen Gefahren eingehen. Man sollte nicht die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen. Man sollte Familientraditionen beibehalten. Nicht mit Fremden sprechen. Nach verdächtigen Leuten Ausschau halten. In Sicherheit bleiben.

Lebt man nur noch reaktiv?

Eine Nebenwirkung davon, die Wichtigkeit persönlicher Sicherheit überzubetonen, ist, dass es einen dazu bringt, reaktiv zu leben. Anstatt dass man sich eigene Ziele setzt, Pläne macht, wie man sie erreicht und diese mit Enthusiasmus verfolgt, geht man auf Nummer sicher. Man arbeitet in einem sicheren Job, auch wenn er einen nicht erfüllt. Man bleibt in einer nicht befriedigenden Beziehung, obwohl man sich verglichen mit der Leidenschaft, die man einmal hatte, nun tot fühlt. Wer ist man denn, dass man denkt, man kann das System überlisten? Man muss sein Los im Leben akzeptieren und das Beste draus machen. Mit dem Strom schwimmen und nicht am Boot wackeln. Die einzige Hoffnung, die man hat, ist, dass die Strömung des Lebens einen in eine günstige Richtung treibt.

Zweifellos gibt es echte Gefahren im Leben, die man vermeiden muss. Aber es gibt eine große Kluft zwischen Draufgängertum und Mut. Und ich meine damit nicht den heldenhaften Mut, den man benötigt, um jemanden aus einem brennenden Gebäude zu retten. Mit Mut meine ich die Fähigkeit, diesen imaginären Ängsten gegenüberzutreten und das weitaus leistungsfähigere Leben zurückzugewinnen, welches man sich selbst verweigert hat.

  • Angst vor Misserfolg
  • Angst vor Abweisung
  • Angst, pleite zu gehen
  • Angst, allein zu sein
  • Angst vor Bloßstellung
  • Angst vor öffentlichem Sprechen
  • Angst, von Familie und Freunden ausgeschlossen zu werden
  • Angst vor körperlichem Unbehagen
  • Angst vor Bedauern
  • Angst vor Erfolg

Wie viele dieser Ängste halten einen zurück? Wie würde man leben, wenn man gar keine Angst hätte? Man hätte immer noch seine Intelligenz und gesunden Menschenverstand, um sicher die echten Gefahren zu umgehen. Aber ohne das Gefühl der Angst, würde man dann nicht mehr Risiken eingehen, besonders, wenn der schlimmste Fall einen nicht wirklich verletzen würde? Würde man sich öfter für etwas einsetzen, mehr mit Fremden sprechen, mehr Verkäufe fordern, mit dem Kopf zuerst in die ambitionierten Projekte eintauchen, von denen man schon lange träumt? Was wäre, wenn man Dinge, die man jetzt noch fürchtet, lernen würde, zu genießen? Welchen Unterschied würde das im eigenen Leben ausmachen?

War man vor diesem Artikel überzeugt, dass man vor nichts wirklich Angst hat… dass es immer gute und logische Gründe gibt, weswegen man bestimmte Dinge tut? Es wäre unhöflich, einfach einen Fremden anzusprechen. Man sollte öffentliches Sprechen vermeiden, weil man ja nichts zu sagen hat. Nach einer Gehaltserhöhung zu fragen, wäre unangebracht, weil man bis zur nächsten formalen Revision warten muss. Dabei handelt es sich nur um Rationalisierungen – man sollte darüber nachdenken, wie sich das eigene Leben ändern könnte, wenn man diese Dinge selbstbewusst und mutig ohne Angst einfach tun würde.

Was ist Mut?

“Mut ist nicht das Fehlen von Angst, sondern mehr das Urteil, dass etwas anderes wichtiger als die Angst ist.”
— Ambrose Redmoon

“Mut ist der Widerstand gegen die Angst, die Beherrschung der Angst – nicht das Fehlen von Angst.”
— Mark Twain

“Mut heißt, sich zu Tode zu fürchten, aber trotzdem aufzusatteln.”
— John Wayne

Ich mag die obigen Definitionen von Mut, die alle suggerieren, dass Mut die Fähigkeit ist, sich selbst zum Handeln zu bewegen, obwohl man Angst hat. Das Wort “Courage” leitet sich vom lateinischen Wort cor ab, welches “Herz” bedeutet. Aber wahrer Mut ist eher eine Frage des Intellekts, als des Gefühls. Man muss dafür den einzigartigen menschlichen Teil des Hirns nutzen (den Neocortex), um dem emotionalen limbischen System, welches man mit anderen Säugetieren teilt, die Kontrolle zu entreißen. Das limbische System signalisiert Gefahr, aber der Neocortex weiß, dass die Gefahr nicht real ist, so dass man die Angst zwar fühlt, aber trotzdem handelt. Je besser man lernt, trotz Angst zu handeln, desto menschlicher wird man. Je mehr man der Angst folgt, desto mehr lebt man wie ein niederes Säugetier. Daher ist die Frage:

“Bist du ein Mann oder eine Maus?”

konsistent mit der menschlichen Neurologie.

Mutige Menschen haben immer noch Angst, aber sie lassen sich durch die Angst nicht lähmen. Menschen, denen es an Mut fehlt, werden der Angst öfter nachgeben, als andersherum, was die Angst auf lange Sicht bestärkt. Wenn man es vermeidet, einer Angst gegenüberzutreten und sich dann erleichtert fühlt, dass man ihr entfliehen konnte, funktioniert das als psychologische Belohnung, welche das mausähnliche Vermeidungsverhalten bestärkt, was es noch wahrscheinlicher macht, dass man die Angst in der Zukunft meidet. Je mehr man also vermeidet, jemand anderen nach einem Date zu fragen, desto paralysierter fühlt man sich gegenüber solchen Unternehmungen in der Zukunft. Man konditioniert sich buchstäblich noch ängstlicher und mausähnlicher zu werden.

Auswirkungen auf lange Sicht

Solches Vermeidungsverhalten führt auf lange Sicht gesehen zu Stagnation. Wenn man älter wird, bestärkt man seine Angstreaktionen bis zu dem Punkt, wo es schwer erscheint, sich nur vorzustellen, gegen seine Ängste anzukämpfen. Man beginnt, seine Ängste als unabänderlich zu betrachten; sie werden wahr. Man webt sich in ein Leben, welches einen von all diesen Ängsten abgrenzt:

  • eine stabile, aber unglückliche Ehe
  • eine Arbeit, die es nicht von einem verlangt, Risiken einzugehen
  • ein Einkommen, das einen bequem versorgt

Dann rationalisiert man sein Verhalten: man muss eine Familie ernähren und kann sich keine Risiken erlauben, man ist zu alt, um die Arbeit zu wechseln, man kann nicht abnehmen, weil man “Fett”-Gene hat. Fünf Jahre… zehn Jahre… zwanzig Jahre gehen vorbei und man bemerkt, dass sein Leben sich nicht wirklich verändert hat. Man hat sich niedergelassen. Alles was bleibt, ist den Rest seiner Jahre so zufrieden wie möglich zu verbringen und sich dann in die Erde zu begeben, wo man endlich absolute Sicherheit erlangt.

Aber hinter den Kulissen geht noch etwas anderes vor, nicht wahr? Da gibt es eine kleine Stimme im Hinterkopf, die einen erinnert, dass das nicht das Leben ist, das man leben wollte. Sie will mehr, viel mehr. Sie will, dass man viel reicher wird, eine überragende Beziehung hat, man den Körper in eine spitzenmäßige Form bringt, neue Fähigkeiten erlernt, die Welt bereist, viele wundervolle Freunde hat, Leuten in Not hilft, einen bedeutenden Unterschied macht. Die Stimme sagt einem, dass es nicht ausreichen wird, sich einem Job niederzulassen, in dem man den Rest seines Lebens irgendwelche Vorrichtungen verkauft. Die Stimmt runzelt die Stirn, wenn sie den eigenen übermäßig großen Bauch im Spiegel sieht oder wenn schon nach einem Stockwerk Treppensteigen fertig ist. Sie strahlt Enttäuschung aus, wenn sie sieht, was aus der eigenen Familie geworden ist. Sie sagt einem, dass der Grund für die eigenen Motivationsprobleme ist, dass man mit seinem Leben nicht tut, was man tun sollte… weil man Angst hat. Und wenn man sich weigert, zuzuhören, wird sie immer da sein und einen mit seinen mittelmäßigen Ergebnissen ärgern, bis man voll Bedauern über dem was hätte sein können, stirbt.

Wie antwortet man also dieser Stimme, die einfach nicht ruhig sein will? Was tut man, wenn man mit dem Bauchgefühl konfrontiert wird, dass etwas im eigenen Leben einfach nicht richtig ist? Was ist der eigene Lieblingsweg sie zum Schweigen zu bringen? Vielleicht sie ertränken, indem man fern sieht, Radio hört, Überstunden in einem nicht erfüllenden Job schuftet oder Alkohol, Koffein und Zucker konsumiert.

Aber immer wenn man das tut, senkt man seine Bewusstseinsebene. Man sinkt immer weiter nach unten in die Richtung eines instinktgeleiteten Tiers und entfernt sich davon, ein vollkommen bewusstes menschliches Wesen zu sein. Man reagiert auf das Leben anstatt mit Eigeninitiative nach den eigenen Zielen zu streben. Man fällt in einen Zustand erlernter Hilflosigkeit, in dem man glaubt, dass die eigenen Ziele nicht länger möglich oder praktisch für einen sind. Man wird immer mehr zur Maus und versucht sich sogar selbst davon zu überzeugen, dass es gar nicht so schlecht ist, sein Leben als Maus zu führen, da ja alle um einen herum damit zufrieden zu sein scheinen. Man umgibt sich mit Mit-Mäusen und wenn man zu seltenen Anlässen einmal ein bewusstes menschliches Wesen trifft, erschreckt es einen zu Tode, wenn man sich erinnert, wieviel der eigenen Courage verloren gegangen ist.

Das Bewusstsein erhöhen

“Das Leben schrumpft oder dehnt sich aus in Relation zum eigenen Mut.”
— Anais Nin

“Mut ist der Preis, den das Leben fordert, um Frieden zu geben.”
— Amelia Earhart

“Man erhält Stärke, Mut und Selbstvertrauen bei jedem Erlebnis, bei dem man wirklich anhält und der Angst ins Gesicht schaut. Man ist fähig sich zu sagen: ‘Ich habe diesen Horror überstanden. Ich kann das Nächste überstehen, das kommt.’ Man muss das tun, von dem man denkt, es nicht tun zu können.”
— Eleanor Roosevelt

Um den Weg aus diesem Teufelskreis heraus zu finden, muss man seinen Mut heraufbeschwören und mit der inneren Stimme konfrontieren. Man sollte einen Ort finden, an dem mit Stift und Papier allein ist (oder mit Computer und Tastatur), auf die Stimme hören und sich dem stellen, was sie sagt, egal wie schwer sie zu hören ist. (Die Stimme ist natürlich nur eine Abstraktion – man hört vielleicht gar keine Worte; stattdessen sieht man vielleicht, was man tun sollte oder fühlt es einfach.
Ich werde aber fortfahren, es “die Stimme” zu nennen, um der Beispiele Willen).

Diese Stimme mag einem sagen, dass die eigene Ehe seit 10 Jahren tot ist und man sich weigert, sich dem zu stellen, weil man Angst vor der Scheidung hat. Sie mag einem sagen, dass man zu viel Angst hat, seine eigene Firma zu gründen, man wahrscheinlich keinen Erfolg haben wird und dass man deswegen in einem Job bleibt, welcher einen nicht herausfordert, sich zu entwickeln. Sie mag einem sagen, dass man es aufgegeben hat, abzunehmen, weil man so oft versagt hat und vom Essen abhängig ist. Sie mag einem sagen, dass die Freunde, mit denen man rumhängt, nicht kongruent sind mit der Person, die man sein will und dass man die Gruppe zurücklassen und eine neue Gruppe aufbauen muss. Sie mag einem sagen, dass man immer Schauspieler oder Autor sein wollte, sich aber in einem Verkaufsjob niedergelassen hat, weil er sicherer erschien. Sie mag einem sagen, dass man schon immer Menschen in Not helfen wollte, man das aber bisher nicht tut, wie man sollte. Sie mag einem sagen, dass man seine Talente verschwendet.

Man sollte versuchen, diese Stimme auf ein oder zwei Worte zu reduzieren. Was rät sie einem, was man tun soll? Weggehen. Aufhören. Sprechen. Scheiben. Tanzen. Schauspielern. Sport treiben. Verkaufen. Umschwenken. Weiter machen. Los lassen. Fragen. Lernen. Vergeben. Was auch immer man heraus bekommt, sollte man aufschreiben. Vielleicht findet man verschiedene Worte für verschiedene Lebensbereiche.

Nun muss man den schwierigen Schritt machen, bewusst anzuerkennen, was man wirklich will. Es ist okay, wenn man nicht glaubt, dass es möglich ist für einen. Es ist okay, wenn man nicht sehen kann, wie es jemals möglich sein wird. Aber man sollte nicht abstreiten, dass man es will. Man erniedrigt sein Bewusstsein, wenn man das tut. Wenn man sich seinen übergewichtigen Körper anschaut, sollte man zugeben, dass man fit und gesund sein möchte. Wenn man die nächste Zigarette anbrennt, sollte man nicht abstreiten, dass man lieber Nichtraucher wäre. Wenn man den potentiellen Partner seiner Träume trifft, sollte man nicht abstreiten, dass man gern eine Beziehung mit diesem Menschen hätte. Wenn man einen Menschen trifft, der völlig mit sich im Gleichgewicht ist, sollte man nicht abstreiten, dass es einen nach dem selben Maß inneren Friedens verlangt, Man muss aus der Verleugnung herauskommen. Stattdessen sollte man sich an einen Ort bewegen, wo man zugibt:

“Ich will das wirklich, aber ich glaube einfach nicht, dass ich derzeit die Fähigkeiten habe, es zu erreichen.”

Es ist völlig in Ordnung, etwas haben zu wollen, von dem man glaubt, es nicht haben zu können. Und man liegt fast ganz sicher falsch mit seiner Schlussfolgerung, dass man es nicht haben kann. Aber zuerst muss man aufhören, sich selbst anzulügen und vorzugeben, dass man es nicht wirklich will.

Von der Angst zum Handeln wechseln
– auch wenn man Misserfolg erwartet

“Wenn ein resoluter junger Mensch sich gegen einen großen Tyrannen, die Welt, stellt und ihn kühn am Schopfe packt, ist er oft erstaunt, dass dieser durch seine Hand abgeht und er nur angebracht war, um ängstliche Abenteurer abzuschrecken.”
— Ralph Waldo Emerson

“Die meisten unserer Hindernisse würde davhinschmelzen, wenn wir, statt uns vor ihnen zu ducken, wir einfach kühn durch die hindurch laufen würden.”
— Orison Swett Marden

“Mut und Beharrlichkeit haben einen magischen Talisman, vor dem Schwierigkeiten und Hindernisse sich in Luft auflösen.”
— John Quincy Adams

Nun, da man sich einigen Dingen gestellt hat, vor denen man Angst hatte, wie fühlt man sich? Wahrscheinlich ist man immer noch zu gelähmt, um zu handeln. Das ist okay. Während es sehr effektiv sein kann, direkt einzutauchen und sich mit einer Angst frontal zu konfrontiern, mag das mehr Mut erfordern, als man vielleicht meint, derzeit aufbringen zu können.

Das Wichtigste, das man aus diesem Artikel mitnehmen sollte, ist, dass wahrer Mut eine mentale Fähigkeit ist, nicht eine emotionale. Neurologisch gesehen heißt das, das man den denkenden Neocortex des Hirns nutzt, um limbische Impulse zu bewältigen. In anderen Worten, sollte man seine menschliche Intelligenz, logisches Denken und freien Willen nutzen, um die Beschränkungen zu bewältigen, die man als emotionales Säugetier ererbt hat.

Das mag nun Sinn machen, aber es ist einfacher gesagt, als getan. Man mag logisch begreifen, dass man nicht in wahrer Gefahr schwebt, wenn man auf eine Bühne steigt und vor 1000 Leuten spricht, aber trotzdem wird die Angst aufkommen und die Drohung der Vorstellungskraft hält einen davon ab, sich für derlei Ding freiwillig zu melden. Oder man weiß, dass man in einem toten Job ist, aber man kann sich scheinbar nicht dazu bringen, die Worte

“Ich kündige”

zu sagen.

Mut verlangt aber nicht, dass man in diesen Situationen drastische Handlungen vollführt. Mut ist eine erlernte mentale Fähigkeit, die man aufbereiten muss, genau wie Krafttraining zur Muskelkräftigung. Man würde ja auch nicht das erste Mal ins Fitnessstudio gehen und direkt versuchen, 300 Pfund zu stemmen, man muss also nicht denken, dass man seine am meisten paralysierende Angst als erstes angehen muss.

Methoden um Ängste zu überwinden

Es gibt zwei Methoden, die ich vorschlage, um Mut aufzubauen. Der erste Ansatz ist analog zu kontinuierlichem Krafttraining. Man fängt mit Gewichten an, die man heben kann, einen aber herausfordern. Wenn man dann kontinuierlich trainiert schwerere Gewichte zu heben, wird man stärker. Also geht man seine kleinste Angst zuerst an und trainiert fortschreitend auf immer größere Ängste. Sich darauf zu trainieren 300 Pfund zu stemmen ist nicht so schwer, wenn man bereits 290 heben kann. Genauso ist es nicht so schwer, vor 1000 Leuten zu sprechen, wenn man bereits vor 900 gesprochen hat.

Also sollte man sich ein Stück Papier schnappen und eine der Ängste darauf schreiben, die man gern bewältigen will.* Dann schreibt man unter Nummern von 1 bis 10 Grade dieser Angst auf; dabei ist 1 die am wenigsten angsteinflößende und 10 die am meisten angsteinflößende. Das ist die eigene Angsthierarchie. Wenn man zum Beispiel Angst davor hat, jemanden zu einem Date einzuladen, könnte die Nummer 1 auf der Liste sein, dass man auf einen öffentlichen Ort geht und jemanden anlächelt, den man attraktiv findet (sehr milde Angst). Nummer 2 ist vielleicht, 10 attraktive Fremde an einem Tag anzulächeln. Nummer 10 ist vielleicht, den Menschen für das ideale Date vor den gemeinsamen Freunden zu fragen, ob er/sie mit einem ausgeht, wenn man sich fast sicher ist, dass man einen Korb bekommen wird und alle im Raum lachen werden (große Angst).

Nun setzt man sich das Ziel, die Nummer 1 auf der Liste zu schaffen. Wenn man diesen Erfolg einmal hatte (und Erfolg heißt in diesem Fall, dass man einfach nur handeln muss, egal wie das Ergebnis ist), geht man Nummer 2 an und so weiter, bis man bereit ist, Nummer 10 anzugehen oder man einfach fühlt, dass die Angst einen nicht mehr einschränkt. Man muss die Einträge auf der Liste vielleicht anpassen, um sie praktisch umsetzbar zu machen. Und wenn man je fühlt, dass der nächste Schritt zu groß ist, dann bricht man ihn auf zusätzliche Grade herunter. Wenn man 290 Pfund heben kann, aber nicht 300, dann versucht man eben 295 oder gar 291. Man sollte diesen Prozess individuell schrittweise angehen, so dass der nächste Schritt eine kleine Herausforderung für einen ist, aber man sich ziemlich sicher ist, dass man ihn schaffen kann. Und man kann einen vergangenen Schritt jederzeit wiederholen, wenn man das hilfreich findet, um sich auf den nächsten Schritt vorzubereiten. Man muss die Geschwindigkeit selbst festlegen.

Wenn man diesem kontinuierlichen Training folgt, schafft man zwei Dinge. Man hört auf, die Angst/Vermeidung weiter zu unterstützen, wie man es in der Vergangenheit gemacht hat. Und man konditioniert sich selbst, in zukünftigen Situationen mit mehr Mut zu handeln. So werden die eigenen Angstgefühle mit dem zunehmenden Ausdruck des Mutes kleiner. Neurologisch gesehen schwächt man die limbische Kontrolle über die eigenen Handlungen während man die Kontrolle durch den Neocortex stärkt, indem man schrittweise vom unbewussten mausähnlichen Verhalten zum bewussten menschenähnlichen Verhalten fortschreitet.

Der zweite Ansatz, um Mut zu entwickeln, ist, sich zusätzliches Wissen und zusätzliche Fhigkeiten auf dem Gebiet der Angst anzueigen. Sich mit Ängsten zu konfrontieren, kann hilfreich sein, aber wenn die Angst vor allem auftritt, weil man unwissend ist oder bestimmte Fähigkeiten nicht hat, dann kann man sie mit Informationen und Training normalerweise reduzieren oder eliminieren. Wenn man zum Beispiel Angst davor hat, seinen Job zu kündigen, selbst wenn man es wirklich lieben würde, eine eigene Firma zu haben, sollte man beginnen, Bücher zu lesen und Seminare zu besuchen, in denen man lernt, wie man seine eigene Firma gründet. Man kann einen Nachmittag in der örtlichen Bibliothek verbringen und über das Gebiet recherchieren oder man kann Online-Recherche betreiben. Man kann der lokalen Handelskammer beitreten und anderen relevanten Organisationen auf dem eigenen Gebiet. Man kann an Konferenzen teilnehmen, Anschluss finden, die Unterstützung eines Mentors erwerben. Man sollte seine Fähigkeiten bis zu einem Punkt ausbilden, an dem man sich so sicher fühlt, dass man Erfolg haben wird. Und dieses Wissen wird einem helfen, kühner und couragierter zu handeln, wenn man so weit ist. Diese Methode ist besonders effektiv, wenn ein großer Teil der Angst durch Unwissen entsteht. Oft reicht es, ein oder zwei Bücher über das Fach zu lesen, um die Angst zu zerstreuen, so dass man beginnen kann, zu handeln.

Diese zwei Methoden sind meine persönlichen Favoriten, aber es gibt zusätzliche Wege, wie man sich konditionieren kann, die Angst abzulegen. Dazu gehören:

  • die neuro-linguistische Programmierung (NLP)
  • die Konfrontationstherapie
  • systematische Desensiblisierung
  • Selbstkonfrontation

Man kann diese über eine Suchmaschine recherchieren, wenn man etwas über diese Methoden erfahren will und so die Zahl der Werkzeuge zur Vertreibung der Angst im eigenen Waffenlager erhöhen möchte. Die Meisten von ihnen können selbst angewendet werden – mit Ausnahme der Konfrontationstherapie.

Es ist nicht wichtig, welche Methode man nutzt, um Mut aufzubauen. Wichtig ist, dass man es bewusst tut. Genau wie Muskeln schwinden, wenn man sie nicht regelmäßig anregt, wird der eigene Mut schwinden, wenn man sich nicht beständig selbst herausfordert, seinen Ängsten ins Gesicht zu schauen. In Abwesenheit dieser Art Konditionierung, werden Körper und Geist automatisch schwach. Wenn man seinen Mut nicht regelmäßig trainiert, dann stärkt man seine Angst automatisch; es gibt keinen Mittelweg. Genau wie Muskeln verkümmern, die nicht genutzt werden, so verfällt Mut, wenn er nicht bewusst genutzt wird.

Das hört sich jetzt vielleicht übermäßig düster an, also hier mal einen positiven Weg der Betrachtung. Schwere Gewichte können eine körperliche Bürde sein, aber es gibt hilfreiche Werkzeuge, um starke Muskeln aufzubauen. Man würde eine 45-Pfund-Hantel nicht anschauen und fragen:

“Warum musst du so schwer sein?”

Sie ist, was sie ist. Die Schwere existiert nur im eigenen Denken und ist keine intrinsische Eigenschaft der Hantel selbst. Genauso kann man Dinge sehen, die man fürchtet und fragen:

“Warum musst du so angsteinflößend sein?”

Angst ist nur die eigene Reaktion, keine Eigenschaft des angsteinflößenden Objektes.

Angst ist kein Feind. Sie ist ein Kompass, der einen zu Feldern führt, auf denen man sich noch entwickeln muss. Wenn man also eine neue Angst in sich entdeckt, sollte man sie als Möglichkeit zu wachsen feiern, genau wie man eine neue persönliche Bestleistung beim Krafttraining feiern würde.

Einen flüchtigen Blick seiner eigenen Großartigkeit erhaschen

“Jeder hat ein Talent. Es ist aber selten, dass jemand den Mut hat, den Talenten an die dunklen Orte zu folgen, wohin sie einen führen.”
— Erica Jong

“Es erfordert den höchsten Mut, als derjenige aufzutreten, der man ist.”
— John Lancaster Spalding

“Was immer man tut, man braucht Mut. Für welchen Kurs man sich auch entscheidet, es gibt immer jemanden, der einem sagt, dass man falsch liegt. Es gibt immer Schwierigkeiten, die einen in Versuchung führen, seinen Kritikern zu glauben. Einen Handlungsweg zu planen und ihm bis zum Ende zu folgen, verlangt einem etwas vom selben Mut ab, den ein Soldat benötigt. Der Frieden hat seine Siege, aber man braucht mutige Männer und Frauen um sie zu erlangen.”
— Ralph Waldo Emerson

Was macht man nun mit seiner neu erworbenen Courage? Wohin führt sie einen? Die Antwort ist, dass sie einem erlauben wird, ein weitaus erfüllteres und bedeutsameres Leben zu leben. Man wird anfangen, als ein wahrhaftes, wagemutiges menschliches Wesen zu leben, anstatt als eine ängstliche Maus. Man wird seine größten Talente entdecken und entwickeln. Man wird weitaus bewusster und überlegter als je zuvor leben. Anstatt auf Ereignisse zu reagieren, wird man in Eigeninitiative seine eigenen Ereignisse erschaffen.

Mut ist etwas, das man nur erleben kann, wenn man wahrhaft allein ist. Es ist ein persönlicher Sieg, kein öffentlicher. Den Mut herbeizurufen, seinen innigsten Wünschen zuzuhören, ist keine Gruppenaktivität und ist kein Ergebnis, das den Konsens mit anderen verlangt. Kahil Gibran schreibt in Der Prophet,

""Die Vision eines Menschen leiht keinem anderen Menschen die Schwingen."

Man muss der Zweck der eigenen Existenz selbst entdecken. Keiner auf der Welt hat genau die selben Erfahrungen gemacht, wie man selbst und keiner denkt genauso wie man selbst.

Auf der anderen Seite ist das eine einsame Erkenntnis. Ob man nun allein lebt oder die tiefste Intimität mit einem liebevollen Partner erlebt, ganz tief drinnen muss man doch der Realität gegenüber treten, dass man sein Leben selbst leben muss. Man kann sich entscheiden, die Kontrolle seines Lebens temporär Anderen zu überlassen, sei es eine Firma, ein Ehepartner oder einfach der Druck des alltäglichen Lebens, aber die persönliche Verantwortung für die Resultate kann man niemals abgeben. Ob man direkte und bewusste Kontrolle über das eigene Leben annimmt oder lediglich auf Ereignisse reagiert, die einem passieren, man muss ganz allein die Konsequenzen tragen.

Wenn man sich entscheidet, den Pfad des Mutes zu gehen, wird man schließlich gezwungen sein, sich der vielleicht größten Angst überhaupt zu stellen – dass man mächtiger und fähiger ist, als man anfänglich dachte, dass das eigene ultimative Potential weitaus größer ist, als alles was man in der Vergangenheit erfahren hat und dass diese Macht eine riesige Verantwortung nach sich zieht. Man kann vielleicht nicht alle Leiden auf der Welt auflösen, aber wenn man sich der 100%igen Erfüllung seines Potentials verschreibt, kann man die Leben anderer Menschen signifikant einwirken und diese Einwirkung wird noch die Zukunft vieler zukünftiger Generationen erschüttern.

Wo liegt der Unterschied zwischen einem Selbst und den historischen Figuren, die solch einen Einfluss ausübten? Man hatte die gleichen Ängste. Man wurde mit Talenten auf einigen Gebieten geboren und Schwächen auf anderen. Das Einzige, was einen aufhält, ist die Angst, und das Einzige, was einen die Angst bezwingen lässt, ist der Mut. Was man mit seinem Leben anfängt, hängt nicht von den Eltern, vom Boss oder vom Ehepartner ab. Es obliegt einem ganz allein.

Einen flüchtigen Blick auf seine eigene Großartigkeit zu werfen, kann eine der beunruhigendsten Erfahrungen sein, die man sich vorstellen kann. Und noch erschreckender ist die Bewusstheit der gewaltigen Herausforderungen, die einen erwarten, wenn man sie akzeptiert. Bewusst zu leben ist kein einfacher Weg, aber es ist eine einzigartige menschliche Erfahrung und sie erfordert es, die verpflichtende Entscheidung zu treffen, die Maus in sich selbst permanent loszulassen. Seinen großartigsten und ambitioniertesten Träumen zu folgen und Misserfolg und Enttäuschung zu erleben, rückwärts gegen seine eigenen erniedrigenden Beschränkungen anzurennen, anstatt ein Leben auf einem angenehmen Polster seines Potentials zu leben – diese Ängste haben wir alle.

Die ersten paar Mal, dass man solche Ängste erlebt, wird man sich vielleicht in die illusorische Sicherheit des Lebens einer Maus zurückziehen. Wenn man seinen Mut jedoch weiterhin trainiert, wird man schließlich bis zu einem Punkt reifen, an dem man Herausforderungen und Verantwortlichkeiten als völlig bewusstes menschliches Wesen offen akzeptieren kann. Weiterhin als Maus zu leben, wird einen einfach nicht mehr interessieren. Man wird im tiefsten Inneren seines Seins anerkennen, dass man das unglaubliche Potential in sich selbst erkannt hat und akzeptiert, was es von einem verlangt. Was immer es mich kostet, was auch immer ich opfern muss, um diesem Pfad zu folgen, soll geschehen. Man ist bereit. Auch wenn man immer noch Angst erleben wird, wird man sie als die Illusion erkennen, die sie ist und man wird wissen, wie man seinen menschlichen Mut nutzen kann, um ihr gegenüber zu treten, so dass die Angst nicht länger die Kraft besitzt, einen zu bremsen.

Das kühne Abenteuer wagen

“Bevor man ich für einen Weg entscheidet, sollte man fragen, ob dieser Pfad ein Herz hat? Wenn die Antwort nein ist, wird man es wissen und dann muss man einen anderen Weg wählen. Das Problem ist, dass keiner diese Frage fragt. Und wenn man schließlich erkennt, dass man einen Weg ohne Herz gewählt hat, ist der Pfad bereit, einen zu töten.”
— Carlos Castaneda

“Je tiefer die Sorge sich in einen eingräbt, desto mehr Freude kann man beherbergen. Ist nicht die Tasse, die den Wein enthält, auch die Tasse die im Ofen des Schmiedes gebrannt wurde? Und besteht nicht die Laute, die den Geist besänftigt, aus eben dem Holz, welches mit Messern ausgehöhlt wurde?”
— Kahlil Gibran

“Trägheit erzeugt Zweifel und Angst. Handlung erzeugt Selbstvertrauen und Mut. Wenn man die Angst erobern will, sollte man nicht zu Hause sitzen und darüber nachdenken. Man sollte rausgehen und tätig werden.”
— Dale Carnegie

Während man eine Idee über den eigenen Sinn und Zweck im Leben entwickelt, kann es sein, dass man anfängt, eine unbehagliche Kluft zwischen dem momentanen Leben und demjenigen Leben festzustellen, von dem man sich ausmalt, sich darauf zuzubewegen. Diese beiden Welten können so unterschiedlich sein, dass man sich nicht vorstellen kann, wie man eine Brücke zwischen ihnen schlagen soll. Wie kann man die praktische Realität, in der man sich um die dreidimensionalen Verpflichtungen kümmern muss, wie Geld zu verdienen um Rechnungen und Steuern zu bezahlen, dem Chef zu gefallen, eine Familie großzuziehen und soziale Beziehungen zu Menschen aufrecht zuerhalten, die keine Beziehung zu dem haben, was man gerade erlebt in Einklang bringen mit der neuen Vision von sich selbst, die man verzweifelt voranbringen will? Ein ganzes Heer von Ängsten kann sich verbunden mit dieser plötzlichen Veränderung einstellen. Wie wird man sich selbst finanzieren? Was wird aus den bestehenden Beziehungen werden? Macht man sich nur selbst etwas vor?

Den besten Rat, den ich dazu geben kann, ist, dass man nicht versuchen sollte eine Brücke zu bauen. Stattdessen sollte man sich darauf konzentrieren, den Prozess der Manifestation der Vision vom neuen Selbst unabhängig zu beginnen – als wäre sie ein völlig isolierter Teil im Leben. Wenn das eine temporäre Inkongruenz im Leben schafft, sollte man es einfach trotzdem machen. Angenommen, dass man z.B. derzeit als Scheidungsanwalt arbeitet, aber der eigene Mut sagt einem, dass man eine solche feindliche Arbeit schließlich aufgeben muss. Man stellt sich vor, wie man voller Leidenschaft den Pärchen stattdessen beibringt, wie sie ihre Beziehungen heilen können. Aber man kann sich nicht einmal als Strafverteidiger sehen, der über gesunde Beziehungen spricht, und obendrein sieht man keinen Weg ein angenehmes Einkommen in dieser neuen Karriere zu verdienen, zumindest nicht schnell. Der Unterschied zwischen der neuen Vision und der praktischen Realität ist einfach zu groß. Anstatt diese Kluft also zu überbrücken, sollte man die neue Vision von Null anfangen, in der Zeit, die einem zur Verfügung steht, auch wenn es nur eine oder zwei Stunden in der Woche sind. Man geht weiter zur normalen Arbeit als Anwalt, aber in der Freizeit beginnt man, anonym in Beziehungsforen zu posten, um Paaren Ratschläge zu geben, wie sie ihre Beziehung wieder in Ordnung bringen können. Man kann die rednerischen Fähigkeiten, die man als Anwalt erlernt hat nutzen, um vor kleinen Gruppen darüber zu sprechen, wie man Beziehungen kittet. Vielleicht kann man eine neue Webseite erschaffen und Artikel über diese neue Leidenschaft schreiben und posten. Man muss den Umstand, dass man Anwalt ist, nicht verstecken, aber ebenso sollte man sich nicht darum kümmern, diese beiden Welten zu verbinden. Man lebt einfach im Paradoxon. Man beginnt einfach, dass neue Ich zu entwickeln und erlaubt es dem alten Ich noch für eine Weile parallel zu existieren.

Was wird passieren, wenn man schließlich Fähigkeiten in seiner neuen Unternehmung entwickelt und man schließlich in der Lage sein wird, davon zu leben, auch wenn man bisher keinen Weg sehen kann, wie das sofort gehen sollte. Man mag vielleicht noch keinen Weg in der neuen Vision sehen, wie es jemals möglich sein könnte, davon zu leben und das ist okay. Man sollte trotzdem damit anfangen und es umsonst machen ohne sich darum zu sorgen, wie man es zu einer Vollzeitarbeit umwandelt. Man sollte geduldig auf Klarheit warten; schließlich wird man einen Weg finden, so dass es funktioniert. Wenn die Zeit reif ist, wird man in der Lage sein, seine alte Karriere friedvoll gehen zu lassen und die ganze Energie auf die neue zu lenken. An einem Punkt wird man in der Lage sein, sich völlig seinem neuen Selbst zu verschreiben. Die eigene Leidenschaft für die neue Arbeit wird schließlich die Angst, seine alte Quelle der Stabilität loszulassen, überwinden.

Anstatt die alte Karriere also in eine neue zu transformieren, sollte man einfach den Prozess beginnen, eine neue aufzubauen und die andere schrittweise verblassen zu lassen. Auch wenn man nur eine Stunde die Woche in das neue Unternehmen investieren kann, wird man wahrscheinlich entdecken, dass diese Stunde erfüllender für einen ist, als all die anderen Stunden zusammengenommen und die Leidenschaft wird einen dazu bringen, einen Weg zu finden, so diese Angelegenheit wachsen wird, bis sie die meisten der eigenen Tage füllt. Das Wichtigste ist, nun damit zu beginnen, die neue Vision in das tägliche Leben aufzunehmen auch wenn man sie anfangs nur in einem kleinen Umfang umsetzen kann.

Egal, wie schwer es erscheinen mag, man sollte die Entscheidung treffen, bewusst zu leben. Man sollte nicht dem halb-bewussten Reich des auf Angst basierenden Denkens erliegen, so dass man sein Leben mit Ablenkungen füllt, um zu verhindern, dass man dem gegenübertritt, was man denkt und fühlt in den Leerstellen zwischen Gedanken. Entweder nutzt man seine menschliche Begabung zum Mut und baut stufenweise die Stärke auf, den tiefsten und dunkelsten Ängsten gegenüberzutreten, um als das mächtige Wesen zu leben, das man wirklich ist oder man gibt zu, dass die eigenen Ängste zu viel für einen sind und akzeptiert das Leben einer Maus. Diese Entscheidung sollte man aber bewusst und in dem Bewusstsein für die Konsequenzen treffen. Wenn man der Angst erlaubt, den Kampf um das eigene Lebens zu gewinnen, dann sollte man sie als den Sieger ausrufen und den Kampf aufgeben. Wenn man einfach vermeidet, bewusst und mutig zu leben, dann ist das das Äquivalent dazu, das Leben selbst aufzugeben, wo die fortwährende Existenz zu wenig mehr wird, als das Warten auf den Tod – ein Nichts verglichen mit einem kühnen Abenteuer.

Man sollte nicht sterben ohne das kühne Abenteuer zu umarmen, für das man geschaffen wurde. Vielleicht geht man bankrott. Vielleicht erlebt man wiederholten Misserfolg und Ablehnung. Man muss vielleicht mehrere nicht-funktionierende Beziehungen aushalten. Aber das sind alles Meilensteine am Rande des Weges eines mutig gelebten Lebens. Es sind die persönliche Erfolge, die einen tieferen Raum in einen graben, der mit einem Übermaß an Freude, Glück und Erfüllung gefüllt werden kann. So sollte man vorangehen und die Angst spüren – dann den Mut heraufbeschwören und seinen Träumen trotzdem folgen. Das ist unbesiegbare Stärke.