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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Der Sinn des Lebens:
Der Übergang

Ein Übergang ist nicht immer bequem – aber es lohnt sich

Der Sinn des Lebens (6-teilige Serie)

Das ist der fünfte Teil der Artikelserie. Alle Artikel auf einen Blick:

  1. Einleitung
  2. Wie sollen wir leben?
  3. Seinen Zweck finden
  4. Vom Zweck zur Tat
  5. Der Übergang
  6. Bewusste Evolution

Sobald man seinen Sinn und Zweck definiert und davon ausgehend einige Ziele und Projekte identifiziert hat, dann stellt man höchstwahrscheinlich fest, dass man sich von nun an, in eine ganz andere Richtung bewegen muss. Man ist vielleicht seit einigen Jahren einen Weg gegangen und nun schlägt man eine völlig neue Richtung ein. Es ist möglich, dass man jeden Teil seines Lebens ändern muss – Gewohnheiten, die die Gesundheit betreffen, soziale Beziehungen, Arbeit/Karriere und sogar die spirituellen Bräuche.

Da ich bereits mehrfach solche Übergange erlebt habe (meistens durch bewusste Entscheidungen), habe ich hier nun einige Ratschläge um den Wechsel zu vollziehen, die hilfreich sein können.

In den nächsten Gang schalten

Wenn man in seinem Leben um eine Kurve gehen muss, dann sieht man nicht, was dahinter liegt – das Erste, was man also erwarten muss, wenn man seinen Kurs ändert, ist ein starker Mangel an Klarheit. Angenommen man fährt im Auto durch einen belebten Vorort. Man sieht die Straße – vielleicht einige Blöcke weit – klar vor sich. Aber sobald man sich einer Kurve nähert, um diese zu durchfahren, dann kann man nicht mehr als ein paar Meter vor sich sehen. Das Blickfeld ist durch Hindernisse eingeschränkt – und wenn es seine Straße ist, die man nie zuvor befahren hat, dann weiß man nicht so recht, was einen erwartet. Wie dem auch sei – sobald man fast um die Kurve rum ist, kann man auch wieder sehen, wie die neue Richtung, die man vor sich hat, aussieht.

Im Leben verhält es sich ähnlich. Die Fähigkeit zu sehen, was vor einem liegt, ist stark beschränkt, wenn man die Richtung ändert, aber sobald man um die Drehung vollzogen hat, kehrt auch die Klarheit wieder zurück.

So ist es mir ergangen, als ich meine Karriere als Vollzeit-Software-Publisher zu einer als Vollzeitautor und -redner verschoben habe. Bevor ich mich zu diesem Schritt entschlossen habe, hatte ich nur eine ungenaue Vorstellung davon, wie die neue Karriere aussehen würde. Egal wieviel ich geplant habe, es war immer noch unscharf – es gab einfach zuviele Variablen, die ich nicht vorhersagen konnte. Ich war einfach nicht in meinem Element. Als ich den Übergang begann, musste ich fast jede Woche meine Pläne überdenken – eine Langzeitplanung war unmöglich, weil ich ständig neue Dinge gelernt habe, die meine alten Pläne verdorben haben. Während dieser Zeit musste ich fast jeden neuen Tag einzeln angehen. Aber nach ein paar Monaten, habe ich meinen Weg gefunden und konnte nun die Straße, die vor mir lag, sehr klar sehen. Jetzt konnte ich mir auch wieder mit Selbstvertrauen langfristige Ziele setzen.

Sich Zeit lassen

Wenn eine große Veränderung im Leben ansteht, dann sollte man sich Zeit nehmen. Man muss nicht jeden Bereich seines Lebens gleichzeitig in den nächsten 30 Tagen umbauen. Zuviele Dinge auf einmal zu verändern, kann stressig werden. Besser man lässt einige Bereiche erstmal in Ruhe, während man andere verändert. Wenn man eine Kurve zu schnell nimmt, dann bricht das Auto aus oder überschlägt sich sogar. Aber auch wenn man die Kurve langsam angeht, dann spürt man eine Kraft, die einen zur Seite zieht. Bei einem Richtungswechsel muss man das Lenkrad fest im Griff haben und die Kontrolle bewahren. Sobald man die Kurve geschafft hat, dann kann man entspannen und sich wieder etwas lockern – der neue Schwung wird einen weitertragen.

In den letzten Jahren haben meine Frau und ich ein zweites Kind bekommen, sind mit unserer Familie und Unternehmen von Los Angeles nach Las Vegas umgezogen (mit all den Nebeneffekten, die beim Wechsel von einem Bundesstaat in den nächsten so auftreten), ich habe eine neue Karriere begonnen und wir ein neues Haus gekauft. Mein lokaler Bekanntenkreis hat sich komplett verändert – ein Großteil der Leute, mit denen ich jetzt die meiste Zeit verbringe, kannte ich vor zwei Jahren noch gar nicht. Und dann ist da auch noch das persönliche Wachstum, dass ich mir erarbeitet habe und was dazu geführt hat, dass ich viele persönliche Veränderungen in dieser Zeit erlebt habe – was Veränderungen in meinen Langzeitgewohnheiten einschließt.

Das war eine Menge Veränderung und wenn wir versucht hätten, das alles auf einmal zu machen, dann wären wir überfordert gewesen. Aber da wir es aufgeteilt und über mehrere Monate verteilt haben, wurde es machbar. Nachdem unser Sohn geboren war und während wir nach Vegas zogen, liessen wir unsere Karrieren, wie sie sind und unser Einkommen blieb stabil. Dann nahmen wir uns ein paar Monate Zeit um ins in der neuen Stadt einzugewöhnen (neue Vorschule für unsere Tochter gesucht und die Stadt erkundet). Sobald wir wieder eine feste Routine hatten, begann ich damit neue Fähigkeiten zu erleenen und ein lokales, soziales Netzwerk aufzubauen – und ein paar Monate später war ich bereit, meine neue Karriere in Vollzeit anzugehen. In dieser Zeit hielt meine Frau ihre Karriere und ihr Einkommen stabil, während es bei mir recht unstabil zuging. Im folgenden Jahr wird meine Arbeit und mein Einkommen sich noch weiter verändern, so dass ich andere Bereiches meines Lebens im Gegenzug relativ stabil halten werde.

Üblicherweise befinde ich mich in mindestens einem Bereich meines Lebens (aber nicht allen) außerhalb der Komfortzone – und ich finde, je häufiger ich das mache, desto mehr Veränderungen kann ich simultan verkraften.

Die Umgebung auf Veränderung vorbereiten

Ein leichter Schritt, den jeder am Anfang einer Veränderung machen kann, ist die Vorbereitung seiner Umgebung zur Unterstützung der neuen Ziele. Höchstwahrscheinlich reflektiert die Umgebung die aktuelle Identität und wenn man diese verändern möchte, dann sollte man zuerst seine Umgebung anpassen. Ein Beispiel: Mit das Erste, was ich gemacht habe, als ich meine Karriere von Software hin zum Reden verändert habe, war die Neudekorierung meines Büros. Ich fragte mich:

“Welche Art Büro würde ein professioneller Autor/Redner haben und worin würde es sich von dem eines Softwareentwicklers unterscheiden?”

Ich habe eine Liste von Änderungen aufgestellt und sie dann schnell umgesetzt. Ich habe alle Bücher über Spieleprogrammierung entfernt, meine Shareware-Auszeichnungen und Spiele weggepackt, usw. Ich habe mein Ablagesystem mit leeren Heftern aufgefüllt (für zukünftige Reden) und etwas Platz für neue Bücher im Regal gemacht. Das hat eine gewisse Leere erzeugt, die ich es mit Hilfe meiner neuen Karriere zu füllen gilt.

Ich habe diesen Entrümpelungsprozess letztes Jahr gemacht und nun ist die Lücke wieder geschlossen. Meine Hefter sind voll mit absolvierten Reden und Referenzmaterial. Mein Bücherregal ist voll mit neuen Büchern zum Thema Reden, Schreiben und Persönlichkeitsentwicklung. Ich habe ein Regal mit einem halben Dutzend Trophäen und Plaketten von diversen Redewettbewerben. Jedes Mal, wenn ich also mein Büro betrete, dann werde ich in meiner Identität als Autor/Redner bestärkt.

Ich habe bereits ausführlich darüber geschrieben:

Wie man mit sozialem Widerstand umgeht

Abgesehen von den Dingen in der Umgebung, muss man auch mit anderen Leuten klarkommen. Viele Leser haben mir erzählt, dass sozialer Widerstand für sie ein großes Problem ist. Sie nehmen sich vor ihr Leben zu ändern, aber dann reden ihre Freunde (oder die Familie) es ihnen wieder aus.

Man muss seinem eigenen Urteilsvermögen mehr trauen, als den Meinungen von anderen. Selbst wenn es sich herausstellt, dass man falsch lag, dann wird man dabei mehr über sich lernen und kann in Zukunft bessere Entscheidungen treffen.

Viele Leute fürchten Veränderung und der Versuch das eigene Leben zum Besseren zu verändern, wird als Bedrohung wahrgenommen. Frag dich selbst – welche Freunde werden mit dem neuen Ich zurechtkommen, sobald man den Übergang vollzogen hat? Wird man danach immernoch befreundet sein? Enge, echte Freundschaften können so etwas überstehen. Aber viele lockere Freund- und Bekanntschaften können das nicht.

Das Gleiche gilt für andere Beziehungen. Viele Beziehungen überleben so eine Veränderung nicht. Aber welche Art von Beziehung hat man dann übehraupt gehabt, wenn eine Veränderung zum Besseren hin, zu einer Trennung führt? Das heisst doch nur, dass die Beziehung auf etwas Unbeständigem aufgebaut war. Man ist besser dran, die Veränderung durchzuführen und dann zu sehen, ob die Beziehung stark genug ist um damit klar zu kommen, anstatt diese Beziehung als Entschulding heranzuziehen, nichts zu unternehmen. Eine gute Beziehung sollte einem beim Wachstum helfen, nicht zurückhalten. Und es ist nichts Falsches an zeitweiligen Beziehungen. Eine Trennung ist nicht das Ende der Welt. Das passiert jeden Tag und es gibt Überlebende, die davon berichten.

Als ich dazu überging ein Unternehmen bezüglich Persönlichkeitsentwicklung aufzubauen, gingen viele lockere Freundschaften in die Brüche. Es ist vermutlich keine Überraschung, dass einige Leute in der Spieleindustrie keinen großen Respekt vor dem Thema Persönlichkeitsentwicklung haben – sogar wenn sie oft eine enorme Menge Zeit in die Entwicklung ihrer technischen Fähigkeiten stecken (was ich als eine Form der Persönlichkeitsentwicklung ansehe). Solche Leute reagierten auf meine Veränderung, als wäre es eine persönliche Beleidigung. Ich habe das allerdings erwartet, so dass es mich nicht weiter aufhielt. Das Gleiche ist mir passiert, als ich damals mein Unternehmen für Videospiele gegründet habe.

Wenn man eine große Veränderung in seinem Leben durchmacht, dann muss man mit sozialem Widerstand rechnen, ganz gleich um welche Art Veränderung es sich handelt. Sozialer Widerstand ist allgegenwärtig – das darf man nicht als ein Zeichen sehen, dass man irgendetwas falsch macht. Mit Hilfe der eigenen Intelligenz wird man schon sehen, ob man auf dem richtigen Weg ist. Egal, wie richtig man mit seiner Entscheidung liegt, es wird immer Leute geben, die einem erzählen, dass man unrecht hat und einen großen Fehler macht. Man lässt sie einfach sauer sein und geht weiter seinen Weg. Nicht persönlich nehmen. Und am allerwichtigsten: nicht mit ihnen rumdiskutieren – man verschwendet nur seine Energie. Einfach auf den nächsten Schritt konzentrieren und sie sich selbst überlassen. Sie werden sich schon anpassen, wenn sie denn können.

Ich glaube, der beste Weg um sozialen Widerstand zu begegnen, ist das Entgegenwirken mit sozialer Harmonie. Man kann sich z.B. einer neuen sozialen Gruppe umgeben, um die Efffekte der alten Gruppe abzuschwächen. Neue Freundschaften in Harmonie mit dem neuen Selbstbild entwickeln. I empfehle, dass man das so früh wie möglich macht, bevor man alte Freunschaften beendet, die mit der Veränderung nicht klar kommen. Man beginnt damit, mehr Zeit mit der neuen Referenzgruppe als mit der alten zu verbringen. Die neue Gruppe wird einem dabei helfen, weiter in die Richtung zu gehen, die man ausgewählt hat, was automatisch die Bindungen zur alten Gruppe lockern wird. Man wird auf ganz natürliche Weise die Zeit mit den Leuten genießen, die einen ermutigen und immer weniger Zeit mit denen verbringen, die einen aufhalten wollen.

Für mich bedeutete das, Toastmasters beizutreten. Das ist eine Organisation, die sich persönlichem Wachstum, Kommunikation und Führungsqualitäten verschrieben hat. Über einen Zeitraum von einigen Monaten habe ich einen neuen sozialen Kreis aufgebaut – angefangen in einem einzigen Toastmasters Club, habe ich den Kreis immer weiter ausgedehnt. Meine alte Referenzgruppe verblasste, weil ich immer weniger Zeit in ihrer Mitte verbracht habe.

Ein paar der alten Freundschaften haben meine Veränderung überstanden. Einige Leute, die mich seit Jahren als Spieleentwickler kannten, konnten meine neue Identität akzeptieren, so dass wir zwar weiterhin Kontakt haben, aber die Art der Freundschaft hat sich verändert. Ich glaube, die besten Freundschaften sind die, die den Test der Zeit bestehen – wo die Freundschaft mehr darauf baut, wer man ist anstatt auf dem was man macht oder was man hat.

Für die Fans von “Deep Space 9”: Angenommen ihr seid mit Curzon Dax befreundet. Könntet ihr dann immernoch Freunde mit Jadzia oder Ezri sein? Das hängt von der Art der Freunschaft ab.

Ich habe über dieses Thema schon hier mehr geschrieben:

Wenn man bewusst eine große Veränderung in seinem Leben durchmacht, dann muss man mit sich selbst geduldig sein. Wenn man auf Widerstand der Umgebung oder des sozialen Umfeldes stößt, dann muss man schrittweise versuchen, den Widerstand zu reduzieren oder zu minimieren anstatt dagegen anzukämpfen. Es ist zu erwarten, dass man an Klarheit einbüßt, sobald man die Kurve nimmt, aber sie nimmt auch wieder zu, sobald man wieder in die neue Richtung beschleunigen kann. Eine große Lebensumstellung zu managen, ist eine Menge Arbeit, aber am Ende wird man sich in einer viel besseren Position wiederfinden. Der langfristige Gewinn ist das kurzfristige Leid absolut wert.