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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Der Wert des Selbstvertrauens

Gestern Abend habe ich eine Rede über den Wert des Selbstvertrauens gehalten, in der es darum ging, wie man sich selbst in den Zustand des Vertrauens versetzt, sich hinsichtlich seines Erfolgs sicher zu fühlen, auch wenn das eigene Wissen suggeriert, dass man Misserfolg erwarten sollte. Eine Rede wie diese zu liefern, setzt den Sprecher zusätzlich unter Druck, da sie mit totalem Selbstvertrauen und Sicherhalt gehalten werden muss – sonst wird das Publikum die Inkongruenz leicht entdecken.

Auch wenn man sehr fähig und talentiert ist, kann ein Mangel an Selbstvertrauen einen davon abhalten, in Situationen, in denen man unter Druck steht, sein Bestes zu zeigen. Wenn man zum Beispiel im Verkauf arbeitet, ist es eine Sache, ein Buch zu lesen und eine neue Verkaufstechnik zu verstehen, aber es ist eine ganz andere Anforderung hinaus zu gehen und diese Technik tatsächlich anzuwenden, wenn man vor dem Kunden steht. Der Hauptfaktor, der einen einschränkt, ist nicht das fehlende Wissen oder die mangelnde Praxis, sondern eher Glaube, dass man bei den ersten paar Malen nicht gut sein kann – eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Öffentliche Reden halten ist ein großartiges Beispiel. Viele Menschen haben das Wissen und die Fähigkeiten eine Rede zu schreiben, die einem Publikum gefallen würde und wenn sie sie privat üben, sind sie vielleicht sogar ziemlich gut. Aber dann stellt man sie vor ein Publikum – oder schlägt es auch nur vor – und sie erliegen schnell Gefühlen des Selbstzweifels und der Sorge. Wenn man diese Menschen jedoch zu einer Hypnose-Show mitnimmt und sie hypnotisiert werden, werden sie auf die Bühne steigen und ihre Rede wunderbar und ganz ohne Angst vortragen, sogar ohne Probe oder vorbereitete Materialien. Unter Hypnose zu sein, gewährt einem keine neuen Fähigkeiten, aber es kann Menschen in einen Zustand versetzen, in dem sie vollen und unbegrenzten Zugang zu ihren besten inneren Ressourcen haben. Welche neuen Unternehmungen könnte man in Angriff nehmen, wenn man so hypnotisiert wäre, dass man absolut sicher wäre, dass man Erfolg hätte?

Selbstvertrauen benötigt keine früheren Erfolge

Man mag im Moment noch glauben, dass Selbstvertrauen das Ergebnis einer Geschichte voller Erfolge ist. Während solch eine Vorgeschichte das Selbstvertrauen sicherlich erhöhen kann, braucht man diese Vorgeschichte gar nicht wirklich, um sich selbstbewusst zu fühlen. Selbstvertrauen ist ein Gefühl der Sicherheit, eine natürliche innere Ressource, die herbeigerufen werden kann, wann immer man sie braucht.

Der Schlüssel sich selbstbewusst zu fühlen, ist ein Zitat von Albert Einstein:

“Die Vorstellung ist mächtiger als das Wissen.”

Sogar wenn einem das Wissen sagt, dass man Misserfolg erwarten muss, hat man die Fähigkeit, ganz bewusst seine Vorstellungskraft so zu lenken, dass sie diesen Impuls ausschaltet und man sich des Erfolges trotz allem sicher ist. Die meisten Menschen lassen ihre Vorstellungskraft automatisch laufen, so dass sie manchmal sehen, dass sie Erfolg haben, sich aber trotzdem um den Misserfolg sorgen. Das ist wie, wenn man ein Auto fährt, und Gas und Bremse gleichzeitig bedient. Um sich selbstsicher zu fühlen, muss man sich nur auf das Ergebnis konzentrieren, bei dem man sein Bestes zeigt. Wenn man sich beim sorgen ertappt (d.h. dabei den Misserfolg mental einzuüben), muss man sofort den Fuß von der Bremse nehmen und sich auf das Gas konzentrieren. Egal, wie oft man sich dabei ertappt, sich zu sorgen oder über Misserfolg nachzudenken, man muss sich einfach wieder auf das Bild des Erfolgs konzentrieren.

Selbstvertrauen ist kein Allheilmittel

Um das Problem des übermäßigen Selbstvertrauens zu vermeiden, sollte man seine Entscheidung, sich auf den Zustand des Selbstvertrauens zu konditionieren, dem logischen Denken, der Vernunft und dem gesunden Menschenverstand unterwerfen. Wenn man sich selbstsicher fühlt, das man bei einem großen neuen Projekt gute Leistungen erbringen wird und das als Ausrede nutzt, sich nicht genügend vorzubereiten, ist das eine fehlerhafte Anwendung von Selbstvertrauen. Aber es gibt Situationen, da hat man alles getan, was man intellektuell tun konnte und nun muss man sich in den emotional stabilsten Zustand bringen, den man erreichen kann. Wenn man unter Druck arbeiten muss, ist das ein geeignter Zeitpunkt, sich in den Zustand des Selbstvertrauens zu bringen: eine Rede, ein Kundenbesuch, ein Vorsingen/Vorsprechen, ein Vorstellungsgespräch, eine Prüfung etc.

Man sollte also auf der einen Seite vorsichtig sein, sich nicht so sehr auf das Selbstvertrauen zu verlassen, dass es einen retten muss, wenn man es als Entschuldigung für eine Verschleppung der Vorbereitung benutzt hat. Auf der anderen Seite ist es erstaunlich, wie weit einen das Selbstvertrauen allein bringen kann. Als ich auf dem College war, hatte ich oft nicht so viel Zeit, mich auf Examen vorzubereiten, wie ich gern gehabt hätte. Aber ich war wirklich gut darin, mich in den Zustand der Sicherheit des Erfolgs, gerade vor der Prüfung zu bringen, egal wie gut ich mich intellektuell vorbereitet fühlte. Und dieser Zustand des Selbstvertrauens ermöglichte es mir oft, gute Ergebnisse zu erzielen, auch wenn ich das Material kaum studiert hatte. Weil ich erwartete, gut abzuschließen (durch meine Vorstellungskraft, nicht mein Wissen), fand mein Unterbewusstsein einen Weg, diese Vision zu erfüllen. Oft kam dies in der Form kreativer Lösungen. Wenn ich zum Beispiel in einem Mathetest saß und mich nicht an die Formel erinnern konnte, die man benutzen sollte, um ein bestimmtes Problem zu lösen, fand mein Unterbewusstsein einen alternativen Weg, um das Problem zu lösen. Es nutzte, was ich wusste – weil ich im Zustand absoluter Sicherheit des Erfolgs war, hatte ich den bestmöglichen Zugang zu meinen inneren Ressourcen, einschließlich der Fähigkeit, Probleme auf Wegen zu lösen, derer ich mir nicht bewusst war.

Selbstvertrauen ist kein Allheilmittel. Aber die Fähigkeit zu haben, sich in einen Zustand zu bringen, in dem man sich des Erfolgs sicher ist, kann einen Vorteil in vielen Bemühungen verschaffen. Selbstvertrauen ist oft der entscheidende Faktor, wenn man einen Verkauf oder ein Geschäft abschließen, einen Test oder ein Vorsingen/Vorsprechen bestehen, ein Date bekommen, angestellt oder befördert oder es in ein Team schaffen will. Ein Mangel an Selbstvertrauen kann den hinfälligen Zustand bringen, wo man nicht einmal den Versuch unternimmt, obwohl man die intellektuellen Ressourcen hat, um Erfolg zu haben. Dann fragt man nicht nach dem Verkauf, der Gehaltserhöhung oder dem Date etc. Manchmal ist Selbstvertrauen herbeizurufen alles was man braucht, um ein erfolgreiches Resultat zu erzielen.

Was könnte man nicht alles erreichen, wenn man das Werkzeug des Selbstvertrauens in sein Fähigkeiten-Arsenal aufnehmen würde – wenn man seine Vorstellungskraft bewusst von der Visualisierung negativer Ergebnisse und 100% zur Erschaffung des Erfolgsgefühls lenken könnte?