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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Die Macht der ersten Stunde

Die erste Stunde ist das Ruder des Tages.

Es heißt, dass die erste Stunde eines Tages seinen weiteren Verlauf bestimmt. Ich finde, dass das für mich absolut zutrifft. Wenn ich in der ersten Stunde nach dem Aufstehen faul bin oder planlos vorgehe, dann neige ich dazu, dass ich auch für den Rest des Tages ziemlich faul und unfokussiert bin.

So ein Tag beginnt oft damit, dass ich im Bett liegen bleibe, um mit meiner Frau zu schmusen, sich dann unsere Tochter auf uns stürzt, ich mich etwas strecke, mich anziehe, rasiere, gemütlich frühstücke (die Sorte Frühstück, die 20 Minuten Vorbereitung benötigt und weitere 20 Minuten bis man es gegessen hat), den Geschirrspüler ausräume, die Pläne für den Tag mit meiner Frau diskutiere (wir arbeiten beide von zu Hause aus), usw. Dann beginne ich den Arbeitstag damit, E-Mails zu checken, einen Blogartikel zu schreiben und einige andere unwichtige Dinge zu tun. Bis dahin bin ich meist schon einige Stunden wach und der Verlauf dieser frühen Stunden haben mich empfänglich dafür gemacht, einen uninspirierten Tag zu verleben. Auf einer Skala von 1-10 wird mein Energielevel an diesem Tag die 7 nicht überschreiten.

Wenn ich mich aber bemühe, diese erste Stunde wirklich produktiv zu gestalten, dann es meist so, dass der Rest des Tages ähnlich verläuft. Dieser Tag beginnt damit, um 5 Uhr aufzuwachen und in der Sekunde aufzustehen, in welcher der Wecker zu klingeln beginnt – nicht weiter rumliegen und darüber nachdenken, auszuschlafen. Ich ziehe mich schnell an, aber lasse das Rasieren weg. Ich mache mir eine Tasse Kräutertee (kein Koffein) und gehe dann direkt zu meinem Schreibtisch im Home-Office. E-Mails werden nicht gecheckt. Um 5:10 Uhr habe ich begonnen, am aktuell wichtigsten Projekt zu arbeiten. Nach 60-90 Minuten mache ich eine Pause, gehe mich rasieren, begrüße meine Familie, mache mir ein kurzes 5-Minuten Frühstück und esse in meinem Büro während ich weiter arbeite.

Diese erste produktive Stunde bringt mich voran und um 11 Uhr habe ich normalerweise die gleiche Menge Arbeit eines ganzen Tages nach dem alten/unproduktiven Modell geschafft. Während des restlichen Tages ist mein Energielevel auf 8 oder 9.

Mich überraschte allerdings, dass die zweite Version – obwohl sie härter erscheint – tatsächlich einfacher war, als ich mich an sie gewöhnt hatte. Wenn man den wichtigsten Teil der Arbeit früh am Tag erledigt, dann ist das sehr energetisierend – und wenn man einige Wochen höchst produktiver Tage absolviert hat, gibt das noch zusätzliche Energie und Schwung. Ich fühle mich großartig, wenn ich sehe, dass es 8:30 Uhr ist und ich schon 3 Stunden solider und fokussierter Arbeit am wichtigsten Projekt hinter mir habe. Das gibt mir einen Riesenschub, der mich über den Rest des Tages trägt.

An vielen Tagen rufe ich meine E-Mails nicht vor 17 Uhr abends ab – ich denke, wenn die Leute die einfache Gewohnheit annehmen würden, ihre E-Mails nicht vor 17 Uhr abzurufen (wenn man von normalen Geschäftszeiten ausgeht), dann würde das allein die Produktivität schon dramatisch erhöhen. Man sollte versuchen, seine E-Mails ans Ende des Arbeitstages zu setzen und diese dann schnell abzuarbeiten.

Natürlich habe ich den Vorteil, von zu Hause aus arbeiten zu können, so dass ich nur wenige Minuten nach dem Aufstehen an meinem Schreibtisch sitzen kann. Ich habe aber ähnliche Erfahrungen in den Jahren, in denen mein Büro außerhalb meines Hauses lag, gemacht. Ich fand es im Allgemeinen am besten, aufzustehen und mit minimalster Verzögerung direkt zur Arbeit zu gehen. Wenn ich im Büro frühstückte – statt zu Hause – führte das normalerweise zu einem produktiveren Tag.

Der Vorteil so früh zu beginnen, ist, dass man auch früh fertig ist. Manchmal bin ich mit meiner Arbeit fertig, bevor ich meine Tochter um 15:30 Uhr von der Vorschule abhole, so dass ich mich nicht schuldig fühle, den Rest des Tages frei zu nehmen.

Motivation kommt mit der Tat

Motivation kann einer Handlung vorangehen, aber sie kann der Handlung auch folgen. Wie man die erste Stunde verbringt, wird das persönliche Motivationslevel entsprechend beeinflussen – welches man dann gut nutzen kann. Wenn man einen hochproduktiven, schnelllebigen Tag möchte, dann sollte man die erste Stunde schon so gestalten – man sollte aufstehen und direkt an seinem wichtigsten Projekt arbeiten.

Wenn man einen friedlichen Tag verleben möchte, dann sollte man die erste Stunde friedlich gestalten – meditieren, lesen, spazieren gehen, ein Entspannungsbad nehmen.

Wenn man einen faulen Tag möchte, ist man schon in der ersten Stunde faul – man schläft aus, sieht fern und isst in Ruhe Frühstück. Wenn man einen Tag mit Trivialitäten verschwenden will, dann verbringt man die erste Stunde damit – E-Mails abrufen, Online-Foren besuchen, News lesen, mit anderen quatschen.

Die gute Nachricht ist, dass, wenn man eine spezielle Art Tag erleben möchte, dannn muss man seinen Fokus nur auf die erste Stunde richten. Man muss sich nicht darum sorgen, was danach kommt. Wenn man die erste Stunde unter Dach und Fach bringt, ergibt sich der Rest von selbst. Man kann die Macht der ersten Stunde nutzen, um den gesamten Tag zu steuern.

In geringerem Umfang kann dies auch in der Tagesmitte funktionieren, obwohl es dann normalerweise schwieriger ist. Wenn man den Tag lausig begonnen hat, dann sollte man einmal tief durchatmen und sich darauf konzentrieren, die Stunde, die direkt vor einem liegt, bestmöglich zu meistern. Das hilft, (wieder) den richtigen Kurs einzuschlagen.