Loading
Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

News abonnieren

  1. Artikel als RSS
  2. Artikel als ATOM

Die Macht der Klarheit

Wohin soll die Reise gehen?

H.L. Hunt, ein Mann, der von einem bankrotten Baumwollfarmer in den 1930ern zu einem Multi-Millionär wurde, als er 1974 starb, wurde in einem Fernsehinterview einmal gefragt, welchen Rat er anderen geben könne, die finanziell erfolgreich sein wollen. Er sagte, dass man nur zwei Dinge braucht. Zuerst muss man genau festlegen, was man erreichen will. Die meisten Menschen machen das ihr ganzes Leben lang nicht. Und zweitens muss man festlegen, welchen Preis man zahlen muss, um es zu bekommen und dann beschließen, diesen Preis zu zahlen.

Klare Ziele sind essentiell

Klare Ziele und Richtwerte sind für den Erfolg eines jeden Unternehmens essentiell und das trifft ebenso auf die persönliche Karriere zu. Wenn man sich nicht die Zeit nimmt, um genau festzulegen, was man erreichen will, dann ist man für den Rest des Lebens dazu verdammt, die Ziele der Leute zu erreichen, die das tun. Da einem eine klare Richtung für das eigene Leben fehlt, wird man entweder ziellos herumirren oder man wird eine Karriere aufbauen, in der man sich nicht wohlfühlt. Man verdient vielleicht etwas Geld und macht vielleicht auch interessante Arbeit, aber das Endergebnis wird nie dem ähneln, was man mit einer bewussten Entscheidung erreicht hätte – und schließlich wird man das komische Gefühl bekommen, dass man auf seinem Weg vielleicht irgendwo falsch abgebogen ist.

Hat man schonmal seine Karriere genau betrachtet und sich gefragt:

“Wie in aller Welt bin ich hier nur hingekommen?”

Wenn es so unheimlich wichtig ist, sich Ziele zu setzen, wie kommt es dann, dass sich nur so wenige Leute tatsächlich mal die Zeit nehmen, um sich genau zu überlegen, wohin die Reise gehen soll?

Ein Grund ist sicher das fehlende Wissen, wie man sich klare Ziele setzt. Da ist man jahrelang in die Schule gegangen und hat nie eine Anleitung bekommen, wie man sich Ziele setzt. Oft verstehen Menschen auch einfach nicht, wie wichtig es ist, sich klare Ziele zu setzen. Aber die, die wirklich wissen, was sie wollen, sind oft im höchsten Maße besser als alle anderen.

Die Angst, einen Fehler zu machen, schreckt häufig von klarer Zielsetzung ab. Teddy Roosevelt sagte einmal:

“In jedem Moment der Entscheidung, ist das Beste, was man tun kann, das Richtige, das Nächstbeste das Falsche und das Schlimmste ist, wenn man nichts tut.”

Sich irgendein Ziel zu setzen, ist immernoch besser als ziellos und ohne klare Richtung dahin zu treiben. Ein Scheitern garantiert man am besten, indem man keine klaren und verpflichtenden Entscheidungen trifft. Jeder Tag ist bereits ein Fehler, wenn man nicht weiß, wohin es geht. Man wird wahrscheinlich die meiste Zeit damit verbringen, Ziele anderer zu erreichen. Das regionale Fast-Food-Restaurant, Fernseh-Werbeleute und die Aktieninhaber des Unternehmens, das man unterstützt, sind sicher glücklich darüber.

Wenn man nicht entscheidet, was man wirklich will, dann hat man entschieden, seine Zukunft den Launen anderer zu überlassen und das ist immer ein Fehler. Indem man die Zügel selbst in die Hand nimmt und entscheidet, wohin die Reise gehen soll, erhält man ungemein viel Kontrolle – so viel, wie die meisten Menschen ihr ganzes Leben lang nicht haben.

Viele Menschen nehmen an, dass sie Ziele haben, bloß weil sie in eine Richtung gehen – aber das ist nicht der Fall und schafft nur die Illusion von Fortschritt. “Mehr Geld verdienen” und “ein Unternehmen aufbauen” sind keine Ziele.

Ein Ziel ist ein spezifischer, klar definierter, messbarer Zustand. Ein Beispiel für den Unterschied zwischen einer Richtung und einem Ziel ist der Unterschied zwischen der Kompass-Richtung Nord-Ost und der Spitze des Eifelturms in Frankreich. Eins ist nur eine Richtung; das andere ein klar definierter Ort.

Ziele in binären Termen angeben

Ein kritischer Aspekt von Zielen ist, dass sie in binären Termen angegeben werden sollten. Wenn man sich an irgendeinem Punkt fragen würde, ob man sein Ziel schon erreicht hat, muss man in der Lage sein mit einem definitiven “Ja” oder “Nein” zu antworten; “Vielleicht” ist keine Option.

Man kann zum Beispiel nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob man bereits Erfolg hatte “mehr Geld zu machen”, aber man kann eine definitive, binäre Antwort auf die Frage geben, ob man auf der Spitze des Eifelturms steht oder nicht.

Ein Beispiel für ein klares Geschäftsziel wäre, dass das Bruttoeinkommen für April in diesem Jahr 5000€ oder mehr beträgt. Das ist etwas, das man genau berechnen kann und am Ende des Monats kann man die definitive Antwort auf die Frage geben, ob man sein Ziel erreicht hat oder nicht. Das ist die Stufe der Klarheit, die man braucht, um ein Ziel zu formulieren, welches der Geist begreift und auf das er sich zubewegen kann.

Seine Ziele aufschreiben

Ziele immer aufschreiben

Ziele müssen so formuliert werden, dass sie …

  • positiv
  • im Präsens und
  • persönliche Bekräftigungen (Affirmationen) sind.

Ein Ziel, das nicht aufgeschrieben wurde, ist nur Fantasie. Man darf nur Ziele für Dinge setzen, die man erreichen möchte, nicht für Dinge, die man nicht erreichen möchte. Das Unterbewusstsein kann sich einem Ziel nur verschreiben, wenn dieses positiv formuliert ist.

Wenn man seinen Fokus stattdessen auf das richtet, was man nicht will, dann ist es wahrscheinlich, dass man genau das anzieht, was man versucht, zu vermeiden.

Man sollte seine Ziele so formulieren, als wären sie bereits erreicht. Anstatt:

“Ich werde dieses Jahr 30.000€ verdienen”

formuliert man es im Präsens

“Ich verdiene dieses Jahr 30.000€”

Wenn man seine Ziele in der Zukunftsform formuliert, schickt man eine Botschaft an sein Unterbewusstsein, dass dieses Ziel für immer in der Zukunft bleiben soll, immer kurz außerhalb der Reichweite. Man sollte “Wischi-waschi” Wörter wie “wahrscheinlich”, “sollte”, “würde”, “könnte” vermeiden, wenn man seine Ziele formuliert. Solche Wörter fördern nur die Zweifel daran, ob man das gewünschte Ziel je erreichen kann.

Und schließlich sollte man seine Ziele auch persönlich machen. Man kann keine Ziele für andere Menschen setzen, wie:

“Ein Publisher wird bis Ende des Jahres meine Software auf den Markt bringen.”

Man sollte es lieber so formulieren:

“Ich unterschreibe dieses Jahr einen Einzelhandelsvertrag für die Veröffentlichung meiner Software, welcher mir bis zum Ende des Jahres mindestens 50.000€ einbringt.”

Subjektive Ziele objektivieren

Was aber, wenn man subjektive Ziele setzen muss, wie zum Beispiel seine Selbstdisziplin zu verbessern? Wie formuliert man ein solches Ziel in binären Termen? Um dieses Problem zu lösen, kann man eine Skala von 1 bis 10 nutzen. Wenn man also zum Beispiel seine Selbstdisziplin verbessern will, fragt man sich, wie man sein momentanes Level an Selbstdisziplin auf der Skala von 1 bis 10 einschätzen würde. Dann setzt man sich das Ziel, ein bestimmtes (höheres) Level bis zu einem bestimmten Datum zu erreichen. So kann man seine Fortschritte messen und man weiß sicher, ob man sein Ziel erreicht hat oder nicht.

Zielsetzung ist eine Aktivität

Sich Ziele zu setzen ist kein passiver Akt. Es passiert nicht automatisch. Man muss eine direkte, bewusste Anstrengung unternehmen, um es zu machen. Alles zählt und nichts ist neutral. Entweder bewegt man sich auf seine Ziele zu oder man bewegt sich von ihnen weg. Wenn man nichts tut oder ohne Klarheit agiert, dann arbeitet man fast sicher an Zielen anderer und weiß es nicht einmal. Man arbeitet glücklich daran, seinen Vermieter, andere Geschäftspartner, Werbeleute, Aktieninhaber etc. zu bereichern.

Jeder Tag, an dem man ohne Klarheit darüber, wohin man will, arbeitet, ist ein persönlicher Rückschritt.

Wenn man seinen Garten nicht aktiv pflegt, wird automatisch Unkraut wachsen. Unkraut muss nicht gewässert und gedüngt werden. Es wächst einfach, wenn der aufmerksame Gärtner nicht da ist. Ähnlich ist es, wenn einem bewusstes und zielgerichtetes Handeln fehlt – dann füllt sich das Leben und die Arbeit automatisch mit Unkraut. Man muss gar nichts tun, damit das passiert. Und wenn man endlich so weit ist, einen ernsthaften Blick darauf zu werfen, wo man steht und wohin man will, muss man als erstes all das Unkraut herauszureißen.

Diesen Artikel zu lesen wird einem absolut nicht helfen, wenn man ihn nicht in physische Handlung umwandelt. Das beste Denken gibt einem null Ergebnisse. In der Wirklichkeit wird man für seine Gedanken nicht mal einen Pfennig erhalten. Man kann die kreativste Idee der Welt haben, aber die Ideen an sich sind schlichtweg wertlos. Nur durch physischen Handlungen kommen Ergebnisse zustande, nie durch die Ideen, die man hat. Um überhaupt eine Form greifbarer Ergebnisse zu erhalten, muss man nach der Idee handeln. Man muss sie kommunizieren, sie anwenden und sie realisieren.

Klarheit wird gewählt

Wenn man seine Karriere bisher auf eine ziellose Art und Weise ablaufen lassen hat; indem man jeden Morgen aufwachte und einfach schaute, was passiert, dann ist es absolut ausschlaggebend, dass man sich die Zeit nimmt, sich zu entscheiden, wo genau man hinwill und es aufschreibt.

Wie viel länger wird man die Karriereleiter hinaufklettern, bis man bemerkt, dass sie am falschen Haus lehnte?

Man sucht sich einen Punkt in der Zukunft aus, ob er nun sechs Monate oder in fünf Jahre in der Zukunft liegt und nimmt sich ein paar Stunden, um eine klare Angabe aufzuschreiben, wo man sich zu dieser Zeit befinden will. Ich weiß, dass viele Menschen nicht genau wissen, wohin sie wollen, so dass sie es vermeiden, sich etwas zu verschreiben, um sich “alle Möglichkeiten offen zu halten”.

Was wäre, wenn man dieser Einstellung bis zu ihrem logischen Endergebnis folgt? Wenn man sich immer alle Möglichkeiten offen hielte und nie feste Verbindlichkeiten einginge, dann würde man nie befördert werden, würde nie seine eigene Firma eröffnen, würde nie heiraten, hätte nie eine Familie, würde nie in das neue Haus ziehen, etc. – es sei denn jemand anderes fällt diese Entscheidung für einen selbst.

Ich hatte einmal einen solchen Freund, der sich immer noch nicht entschieden hat, was er mit seinem Leben anfangen will. Er übergibt die Kontrolle über sein Leben anderen ohne es überhaupt zu bemerken, einfach weil er sich nicht die Zeit nehmen will, eine Vision für sein eigenes Leben zu definieren, einfach weil er Angst hat, die falsche Wahl zu treffen. Sein Leben wird von anderen beherrscht, die ihm die eigenen Ziele aufdrücken, welche er standardmäßig akzeptiert.

Man muss sich mal an die eigene Nase greifen: Wenn ein Freunde es sich absolut in den Kopf gesetzt hätte, das man irgendetwas an sich verändert – die Karriere, die Lebenssituation, die Beziehung etc. – könnte er sich sicher sein, dass es das Beste für einen wäre? Könnte ein Geschäftspartner einfach ankommen und die eigenen Wochenendpläne radikal verändern ohne überhaupt bewusst entscheiden zu können, ob eine solche Veränderung mit den eigenen Zielen übereinstimmt?

Wir alle leiden in einem gewissen Maße unter solchen Problemen, weil wir uns keine klaren Ziele setzen. Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Erkennen und Verfolgen einer wahren Gelegenheit und vom Kurs abgebracht zu werden, ohne bewusst den Gang gewechselt zu haben.

Auf etwas zu warten, was einen inspiriert und zu hoffen, dass das perfekte Resultat einem einfach in den Schoß fallen wird, ist nur eine Fantasie. Klare Entscheidungen trifft man nicht passiv; man muss die Zeit tatsächlich physisch investieren, um es umzusetzen. Wenn man nur deswegen keine klaren Ziele hat, weil man nicht weiß, was man will, dann sollte man sich hinsetzen und aktiv entscheiden, was man will. Das was man wirklich will, wird einem nicht einfach in der Form göttlicher Inspiration einfallen. Klarheit ist eine Wahl, kein Zufall oder ein Geschenk. Klarheit fällt einem nicht zu – man muss sie sich holen. Sich keine Ziele zu setzen, ist dasselbe wie sich den Zielen anderer zu unterwerfen.

Klare Ziele machen schnelle Entscheidungen einfacher

Die Realität wird natürlich nicht genau wie die Vision aussehen. Darum geht es auch nicht. Der Punkt ist, dass eine klare Vision es einem erlaubt, täglich klare Entscheidungen zu treffen, die einen in Richtung seiner Ziele voranbringen. Wenn ein kommerzielles Linienflugzeug von einer Stadt zur anderen fliegt, dann ist es über 90% der Zeit ab vom Kurs, aber es misst den Verlauf und passt seinen Kurs immer und immer wieder an.

Sich Ziele zu setzen funktioniert auf die selbe Art und Weise. Man sollte eine Liste klarer Ziele nicht deswegen führen, weil man genau da enden wird, sondern weil sie einem unglaublich viel Sicherheit beim Auswählen der Aufgaben für jeden Tag verleiht. Wenn man plötzlich von jemanden wegen einer “Chance” kontaktiert wird, dann weiß man, ob es eine echte Gelegenheit oder Zeitverschwendung ist. Die lange Sicht hilft dabei, die kurze Sicht zu schärfen. Wenn man beginnt, sich auf seine Ziele zuzubewegen, wird man sich auf dem Weg neues Wissen aneignen und muss seine Pläne unterwegs anpassen. Vielleicht verändert man seine Vision auch, wenn man auf halbem Weg ist und sich entscheidet, dass es nicht ganz das ist, was man will. Missratene Ziele sind immer noch deutlich besser als gar keine Ziele.

Mir hat einmal jemand gesagt, dass ich jeden Tag damit beenden sollte, indem ich ihn aus dem Kalender streiche und laut sage:

“Da geht ein weiterer Tag meines Lebens und kommt nie mehr zurück.”

Einfach mal selber ausprobieren und man wird feststellen, wie sehr das den eigenen Fokus schärft. Wenn man einen Tag mit dem Gefühl beendet, dass man ihn genauso leben würde, wenn man die Chance hätte, ihn nochmal zu leben, dann verspürt man ein Gefühl der Dankbarkeit, was dabei hilft, sich auf das zu konzentrieren, was einem wirklich wichtig ist. Wenn man den Tag mit dem Gefühl der Reue oder des Verlustes beendet, wird einem klar, dass man am nächsten Tag einen anderen Ansatz wählen sollte.

Man wird am ersten Tag, an dem man klare, feste Ziele etabliert, einen messbaren Unterschied im eigenen Leben sehen, selbst wenn die ersten Versuche nicht perfekt sind. Man wird in der Lage sein, viel schneller zu entscheiden, weil man sieht, dass sie einen den eigenen Zielen entweder näher bringen oder nicht.

Am Abend seines Todes kroch ein Reporter zu Walt Disney ins Bett, so dass dieser seine Vision für Disney World, sechs Jahre vor seiner Fertigstellung, teilen konnte. Als Disney World endlich eröffnet wurde, sagte ein anderer Reporter zu Walts Bruder Roy:

“Es ist zu schade, dass Walt das nicht mehr miterleben konnte.”

Roy antwortete:

“Walt hat es zuerst gesehen. Deswegen sehen wir es jetzt.”

Klare Ziele erlauben einem, den ersten Teil von H.L. Hunts Erfolgsformel umzusetzen. Indem man sich genau entscheidet, was man erreichen will, es fest macht, indem man es aufschreibt und es täglich wiederholt, verwirklicht man seine Ziele mit der Macht der eigenen Konzentration.
h2. Detailliert sein

Man sollte so detailliert wie nur möglich sein, wenn man sich Ziele setzt. Genaue Zahlen, Daten und Zeiten vorgeben. Sicherstellen, dass jedes der eigenen Ziele messbar ist. Entweder hat man es erreicht oder eben nicht. Man muss seine Ziele so formulieren, als wüsste man schon, was passiert. Es heisst immer, dass der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist wenn man sie selbst erschafft.