Loading
Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

News abonnieren

  1. Artikel als RSS
  2. Artikel als ATOM

Die Parabel der Talente

Was machst du aus deinen Talenten?

In verschiedenen religiösen Texten kann man einige interessante Perlen über Persönlichkeitsentwicklung finden. Eine in der Bibel ist “Die Parabel der Talente”.

Die Parabel der Talente ist eine der Geschichten, die Jeses erzählt um eine moralische Lektion zu vermitteln. Obwohl in der Geschichte mit dem Wort “Talent” eigentlich Geld gemeint ist, kann man seine Bedeutung auch auf andere Bereiche übertragen. Es ist interessant, wenn man die Geschichte liest und dabei die übliche Definition für “Talente” verwendet.

Hier ist die Geschichte:

Die Parabel der Talente

Wieder handelt es sich um einen Mann auf Reisen, der seine Diener rief und ihnen seinen Besitz anvertraute. Entsprechend ihrer Fähigkeiten gab er einem fünf Talente, dem dem nächsten zwei Talente und einem dritten ein Talent. Dann ging er auf Reisen. Der Mann der fünf Talente bekommen hatte, legte sich ins Zeug, lies sein Geld für sich arbeiten und verdiente weitere fünf. Auf gleiche Weise verdiente der Mann mit zwei Talenten ebenfalls weitere zwei. Aber der Mann, der nur ein Talent bekommen hatte, grub ein Loch im Boden und versteckte das Geld seines Meisters.

Nach langer Zeit kehrte der Meister zu seinen Dienern zurück und um seine Rechnungen zu begleichen. Der Mann, der fünf Talente bekam, brachte auch die anderen fünf mit. “Meister,” sagte er, “du hast mir fünf Talente anvertraut. Schau, ich habe weitere fünf verdient.”

Sein Meister antwortete, “Gut gemacht, du braver und treuer Diener! Du bist gewissenhaft damit umgegangen; ich werde dir mehr Verantwortung übertragen. Komm mit mir und teile mein Glück!”

Auch der Mann mit den zwei Talenten eilte herbei. “Meister,” sagte er, “du hast mir zwei Talente anvertraut; schau, ich habe weitere zwei verdient.”

Sein Meister antwortete, “Gut gemacht, du braver und treuer Diener! Du bist gewissenhaft damit umgegangen; ich werde dir mehr Verantwortung übertragen. Komm mit mir und teile mein Glück!”

Dann kam der Mann, der ein Talent bekommen hatte. “Meister,” sagte er, “Ich wusste, dass du ein abgebrühter Mann bist, der dort erntet, wo er nichts gesät hat und dort sammelt, wo er keine Samen verstreut hat. Ich hatte also Angst und zog los um dein Talent im Boden zu verstecken. Schau, hier ist was dir gehört.”

Sein Meister antwortete, “Du schlechter, fauler Diener! Du wusstest also, dass ich da ernte, wo ich nichts gesät habe und dort sammele, wo ich keine Samen verstreut habe? Nun, dann hättest du mein Geld in eine Bank bringen sollen, damit ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen wiederbekommen hätte.”

“Nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat. Jeder, der schon etwas besitzt, dem wird mehr gegeben und er wird im Überfluss leben. Wer nichts hat, dem wird auch noch das Letzte genommen. Und werft diesen wertlosen Diener raus, in die Dunkelheit, wo er jammern und mit den Zähnen knirschen kann.”

—Matthäus 25:14-30

Diese einfache Geschichte enthält einige interessante Lektionen, die sich auch auf die Suche nach Persönlichkeitsentwicklung übertragen lassen.

Erstens wurden uns allen unterschiedliche Ausgangspositionen gegeben. Manche von uns sind reich geboren worden (fünf Talente). Andere wurden arm geboren (ein Talent). Aber was wirklich wichtig ist, ist nicht, was uns gegeben wurde – sondern was wir damit machen. Jesus erkennt also die Ungerechtigkeit des Lebens an, aber deutete ebenso an, dass unsere Ausgangspositionen irrelevant sind. Eine Mensch verdient fünf Talente, ein anderer nur zwei, aber beiden wird gratuliert, weil sie ihren Besitz verdoppelt haben. (Ich bin mir sicher, du würdest gern wissen, wo diese beiden Diener ihr Geld investiert haben!)

Das ist auch eine gute Lektion darüber, wie man andere Menschen behandeln sollte. Achte bei anderen Menschen darauf, was ihre Ausgangspositionen sind und bewerte auch dich aufgrund deiner eigenen Ausgangslage. Wenn du einer von denen bist, die fünf Talente bekomen haben, dann klopf dir nicht auf den Rücken, wenn du dich bereits über dem Durchschnitt befindest. Wenn du Talente im Überfluss hast, dann solltest du noch mehr von dir erwarten. Ebenso mag es Zeiten in deinem Leben geben, wo du nur ein Talent besitzt und das Beste daraus machst – auch wenn deine Fortschritte – im Vergleich mit anderen – nur gering zu sein scheinen. Nach Jesus’ Standard hast du dennoch etwas bemerkenswertes erreicht. Ich habe darüber schon einmal in Sind deine Ansprüche hoch genug? geschrieben.

Das unsere Talente uns anvertraut wurden, ist ein weiterer interessanter Aspekt in dieser Parabel. So wie ein Meister, der sein Geld in die Obhut seiner Diener übergibt. Wir sund unseres eigenen Glückes Schmied – und ich definiere Glück hier sehr locker; weit über materiellen Besitz hinaus. Zum Beispiel kann ich recht gut schreiben und reden – das sind also zwei Talente, die mir anvertraut wurden. Ich kann sie aus Angst vergraben oder ich kann mich selbst fordern und etwas daraus machen, was auch anderen hilft.

Eine Frage stellt sich mir aber bei dieser Parabel: Was wäre passiert, wenn einer der Diener, der sein Geld investiert hat, mit einem Verlust statt einem Gewinn zurückgekommen wäre? Es gibt einen Hinweis darauf, wie Jesus das beantwortet hätte – sehen wir uns noch einmal an, was der Meister zu dem dritten Diener gesagt hat:

“Du schlechter, fauler Diener!”

Später bezeichnet er diesen Diener als “wertlos” und lässt ihn vor die Tür setzen. Das ist ziemlich harter Tobak, wenn man bedenkt, dass der Diener dem Meister doch sein gesamtes Geld zurückgegeben hat. Sagt Jesus damit, dass Untätigkeit schlecht ist? Ja, ich glaube schon. Mit anderen Worten, wenn du nichts aus deinen Talenten machst… wenn du sie irgendwo vergräbst oder dich auf ihnen ausruhst, dann hast du dich entschieden, schlecht, faul und wertlos zu sein. Du sollst das investieren, was dir gegeben wurde. Sei nicht faul.

Ein weiterer Hinweis darauf ist die Tatsache, wie die anderen Diener gelobt werden. Der Meister preist sie für ihre “Treue”. Sehr interessant. Es wäre etwas anderes, wenn der Meister sie für ihre Klugheit, Effektivität oder Profitabilität gelobt hätte. Aber er lobt ihren Glauben bzw. ihre Treue – nicht für ihre Resultate.

Anhand dieser Ausdrucksweise (und hoffentlich überträgt sich das auch so in andere Sprachen, in die diese Parabel übersetzt wurde), schlussfolgere ich, dass wenn einer dieser Diener sein Geld investiert und Teile oder alles davon verloren hätte, er immernoch für seine Treue gelobt worden wäre. Da Jesus jedoch diesen Fall nicht explizit anspricht, ist es auch möglich, dass er damit suggerieren will, dass Treue und Glauben der Weg zm Erfolg sind – auch in seinen anderen Lehren ist das ein häufiges Thema. Wenn du deine Talente gewissenhaft einsetzt, dann wirst du sie wahrscheinlich nie wirklich verlieren.

Eine weitere bemerkenswerte Qualität dieser Parabel ist der Mangel an Wettbewerb. Die Diener kämpfen nicht gegeneinander um die Gunst ihres Meisters. Es ist kein Nullsummenspiel. Die ersten beiden Diener tragen beide etwas zum Vermögen ihres Meisters bei.

Was ist die ultimative Belohnung für die Treue der Diener? Obwohl Jesus das nicht explizit sagt, so scheint es doch offensichtlich zu sein, dass sie das Geld nicht behalten dürfen. Die zwei erfolgreichen Diener arbeiten nicht einmal für ihren eigenen Wohlstand. Es ist nicht ihr Geld. Sie arbeiten für ihren Meister und vergrößern seinen Besitz. Ihre wahre Belonung ist es, am Glück ihres Meisters teilhaben zu können. Glück ist also die Belohnung und Glück kommt vom Dienst an anderen.

Ich weiß aus Erfahrung, dass ich nur sehr wenig Energie verspüre, wenn ich etwas nur für mich selbst angehe – und für gewöhnlich vergrößert es nicht sonderlich mein Glücksgefühl. Aber wenn ich mich darauf konzentriere, einen Mehrwert für andere zu schaffen (zum Beispiel in dem ich ihnen beim persönlichen Wachstum helfe), dann habe ich da viel Freude dran und im Endeffekt vergrößert es auch meinen (nicht zwangsläufig finanziellen) Reichtum.

Aber da steckt noch mehr dahinter. Glück ist eine Qualität, die ich meiner Arbeit hinzufüge, nicht etwas, was ich daraus gewinne. Wenn ich nur für mich arbeite, dann suche ich nach Glück außerhalb meiner selbst. Wer versucht, auf diese Weise sein Glück zu finden, wird scheitern. Aber wenn ich zum Wohle anderer arbeite und mein WIFMD für eine Weile abschalte (“Was ist für mich drin?”), dann stoße ich große Vorkommen an Glück, die sich in mir befinden. Anstatt zu versuchen, das Glück zu finden, arbeite ich auf glücklich Art und Weise. Glück fließt aus mir heraus und in die Arbeit, die ich mache – insofern erlebe ich einen Wegfluss statt einem Zufluss.

Glück ist etwas, was du ausatmest, nicht etwas, was du einatmest. Gehörst du zu den Menschen, die gestehen müssen:

“Ja, Herr Minister, ich hatte einen Vorrat an Glück in mir, aber ich habe nicht ausgeatmet?”

Wie es Jesus in der Parabel der Talente schon impliziert – wer im Überfluss leben will, der muss sich von seinen Ängsten lösen. Wenn du zu ängstlich, zu argwöhnisch oder zu misstrauisch bist, dann wirst du deine Talente begraben. Und das führt zu dem “Jammern und Zähneknirschen” – also Sorgen und Depressionen.

Vielleicht denkst du, dass es Angst und Misstrauen sind, die dich aus Ärger raushalten, aber in Wahrheit sorgen sie nur für Leid und Schmerz. Du brauchst die Angst nicht um verhindern zu können, dich wie ein leichtgläubiger Idiot aufzuführen; dafür gibt es gesunden Menschenverstand. Um ein Leben im Überfluss führen zu können, musst du dich letztendlich von deinen Ängsten lösen und für das Wohl anderer arbeiten. Ansonsten wirst du wohl oder übel als wertlos verstoßen werden. Jesus hat hier keinen Witz gemacht.

Diene dem Wohl anderer und Glück wird eine Belohnung sein. Begrabe deine Talente und du wirst “jammern und Zähne knirschen”. Es ist deine Entscheidung.

Und das ist meine Parabel für heute. :D