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Die Produktivitätsdebatte

Der Natur ihren Lauf lassen – Ist das auch ein guter Weg zum Erfolg?

Anm. d. Red. Seit der Debatte ist einige Zeit vergangen und die Links zu Slacker Manager funktionieren leider nicht mehr.

Der Schlagabtausch zwischen Faulheit gegen Produktivität zwischen Fred Gratzon und mir auf Slacker Manager hat begonnen. Brendon Connelly hat uns zuerst aufgefordert, unser Verständnis verschiedener Dinge darzulegen:

Hier ist meine Antwort …

Es sieht so aus, als würden Freds und meine Philosophie über die Semantik hinausgehen. Vielleicht ist der Hauptunterschied, wie wir “mit dem Strom schwimmen” definieren und was Fred als “Mutter Natur” bezeichnet. Er erklärt, dass, wie die Physik selbst immer mit dem Strom der Natur schwimmt und den Weg des geringsten Widerstands wählt, auch wir Menschen den größten Erfolg erreichen, wenn wir uns diesen natürlichen Gesetzen anpassen.

Freds Antwort hört sich schön an. Ich habe viele Bücher gelesen, die eine ähnliche Philosophie unterstützen. Ich nehme diese Philosophie aber nicht als meine eigene an, weil ich denke, dass sie auf lange Sicht gesehen zur Selbstzerstörung führt.

Warum ich diesen Ansatz ablehne

Wohin wird uns das “mit dem Strom der Natur schwimmen” bringen? Was wird Faulheit uns bringen? Weiß man tatsächlich, wohin dieser Weg führen wird? Nicht nur uns einzelne Individuen, aber auch die ganze Menschheit? Wenn man den Zustand unseres Planeten betrachtet und die Geschichte der Welt, wie wir sie verstehen, wohin führt uns diese Philosophie? Wohin hat es die meisten anderen Spezies auf unserem Planeten geleitet? Wohin hat es die Dinosaurier geführt?

Wenn man diese Philosophie, mit dem Strom der Natur zu schwimmen und zu leben, annehmen will, dann muss man das gesamte Paket akzeptieren, zu dem dann auch gehört, dass man die Kontrolle über das eigene Leben an externe, natürliche Prozesse abgibt. Man muss darauf vertrauen, das der Weg des geringsten Widerstandes wirklich an einen guten Ort führt.

Das ist eine einfache (und sehr verführerische) Philosophie. Und wenn es einen nicht stört, ausgerottet zu werden, dann sollte man sie auf jeden Fall annehmen. Wenn man sich aber so in das Potential der Menschheit verliebt hat, wie ich, dann würde man es vielleicht vorziehen, dass wir nicht in unserer Umweltverschmutzung zugrunde gehen und den Weg der Dinosaurier einschlagen. Vielleicht ist es die Mühe wert, unsere wundervolle und kreative Spezies am Leben zu erhalten und einfach mal schauen, wie weit wir kommen.

Wir Menschen sind die einzige Spezies, die ihren Planeten verlassen hat. Wir haben den Mond besucht. Ist das nicht absolut unglaublich? Und wir haben in diverse Hintern getreten, um das zu schaffen. Man sollte sich überlegen, was wir als Menschen alles geschafft haben und wie hart viele von uns gearbeitet haben, um diese Ziele zu erreichen. Was wir in den nächsten 100 Jahren erreichen werden, ist so erstaunlich, dass man es sich nicht einmal ausdenken kann. Ich bin zumindest froh in diesem Abschnitt der Geschichte zu leben und ich bin dankbar für all die harte Arbeit meiner menschlichen Vorgänger, die uns an diesen Punkt gebracht haben.

Für mich ist das keine Zeit in der Geschichte, in der man faul, selbstzufrieden oder feige sein sollte. Der Menschheit stehen große Herausforderungen bevor. Wir sollten uns also an die Arbeit machen und diese Herausforderungen mit unserer Intelligenz, unserem Mut und unserer Kapazität, hart zu arbeiten, angehen. Man sollte aufhören, die Existenz dieser Herausforderungen zu beklagen und sich einen einfachen Weg heraus zu wünschen. Wenn man den einfachen Ausweg sucht, gibt es ausreichend Drogen aus denen man wählen kann.

Ich würde lieber aktiv am Leben teilnehmen, als es passiv vorbeiziehen zu lassen. Wenn das Anstrengung und harte Arbeit verlangt – und dass man seinen Ängsten gegenübertritt – dann soll es so sein. Ich zahle diesen Preis gern. Ich werde nicht auf den Tod warten und darüber nachdenken, wie vielen Menschen ich hätte helfen können, es aber nicht getan habe, weil ich zu faul und zu ängstlich war, mir diese Mühe zu machen.

Harte Arbeit IST schmerzhaft, wenn das Leben ohne Sinn ist. Wenn man aber für etwas Größeres als sich selbst und die Befriedigung des eigenen Egos lebt, dann wird man harte Arbeit lieben lernen.

Wer will schon für Geld hart arbeiten? Will man sein ganzes Leben dem Sammeln muffiger kleiner Papierstückchen mit toten Leuten drauf widmen? Was ist das denn für eine erbärmliche Motivation? Natürlich wird man beim Gedanken an harte Arbeit zusammenzucken, wenn das alles ist, um das man sich sorgt. Es gibt aber so viel mehr interessante Dinge, für die man leben kann und die harte Arbeit lohnenswert machen. Und man muss dafür seine persönliche Hülle aus Maulereien und Ängsten abschütteln, sich den Rest der Welt ansehen und selbst fragen:

“Wie kann ich etwas beitragen?”

Wie Rabindranath Tagore schrieb:

“Ich schlief und träumte, dass das Leben Freude wär.
Ich wachte auf und sah, dass Leben Dienen war.
Ich arbeitete und stellte fest, Dienen war Freude.”