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Entwirft man Pläne, die nur ein Android ausführen könnte?

Letzte Woche habe ich das Buch Managen heißt machen: Die Kunst, Projekte abzuschließen und bis zum Schluss durchzuhalten (Englisches Original) von Larry Bossidy und Ram Chran gelesen. Ich fand, dass das Buch mit zu vielen langatmigen Geschichten gefüllt war, die auf die Hälfte hätten reduziert werden können, aber ich mochte die allgemeine Botschaft, die besagt, das die Ausführung ein Schlüsselteil einer Strategie ist.

Ich erkläre es… Nein, das wäre zu viel. Ich fasse mal zusammen. Ich werde erklären, wie dieses Prinzip für geschäftliche und individuelle Interessen angewendet werden kann.

Geschäftliche Interessen managen

Managen heißt machen: Die Kunst, Projekte abzuschließen und bis zum Schluss durchzuhalten von Larry Bossidy und Ram Charan

Englisches Original

Zuerst nehmen wir mal an, man leitet ein Unternehmen. Man nimmt sich Ziele für das nächste Jahr vor und entwickelt einen Plan, wie man diese Ziele erreicht. Auf dem Papier sieht alles gut aus. Dann versucht die Firma, die Strategie im Verlauf des Jahres anzuwenden und es floppt.

Sie floppt aber nicht, weil die Strategie selbst fehlerhaft war, sondern weil bei der Durchführung gepfuscht wurde. Das ist wie bei einem Football-Coach, der einen bestimmten Spielzug (eine Reaktion auf das Spiel-Geschehen, die in dem Moment die Richtige ist) anwenden will und die Spieler auf dem Feld führen diesen Spielzug unpassend aus – sie tun nicht, was sie tun sollten. Also obwohl der Coach die richtige Spielart gefordert hat, konnte das Team sie nicht gut genug ausführen, um das erwartete Resultat zu erreichen.

Problem: Mangelhafte Umsetzungen

Bossidy und Charan betonen, dass dies ein sehr häufiges Problem in der Geschäftswelt ist. Sie nehmen AT&T [Anm. d. Red. American Telephone & Telegraph Corporation] als eines ihrer vielen Beispiele. Vor einigen Jahren hat sich AT&T ehrgeizige Ziele gesetzt und eine Strategie ausgearbeitet, die einwandfrei erschien, aber sie konnten sie nicht gut genug ausführen und das kam sie teuer zu stehen. [Anm. d. Red. Aktienkurs brach ein]

Die Autoren empfehlen eine Methode, bei der man die Ausführung als Teil der Strategie betrachtet. Wenn man sich also einen Plan macht, muss man schon festlegen, wie man ihn ausführen will und herausfindet, wie das tatsächlich gemacht werden kann.

  • Hat man die richtigen Leute mit den richtigen Fähigkeiten?
  • Hat man die richtigen Ressourcen?
  • Hat man genügend Zeit, ihn durchzuführen?

Der Coach, der seinem Team also einen Spielzug vorgegeben hat, welchen sein Team nicht durchführen konnte, hat also doch den falschen Spielzug vorgeschlagen; er hätte die wahrscheinliche Ausführung des Spielzugs bedenken müssen, bevor er entschieden hat, welchen er vorschlägt.

Wie oft hat man dieses Problem bei der Softwareentwicklung gesehen? Ein brillantes Design für ein neues Softwareprodukt wird erstellt, aber das Entwicklerteam kann das Produkt nicht herstellen. Sie haben nicht die richtige Mischung aus Talent, Management und Ressourcen, die sie bräuchten, um diese Aufgabe mit dem gegebenen Budget und der gegebenen Zeit durchzuführen.

Es spielt keine Rolle, wie toll der Plan ist, wenn das Team ihn nicht wirklich ausführen kann.

Wie man sich selbst managt

Einer der Gründe, weswegen ich Bücher über große Unternehmen lese, ist, dass ich oft Ideen bekomme, die ich als Individuum anwenden kann. Auch wenn die Autoren von Managen heißt machen sich nur auf eine Strategie für ein großes Unternehmen konzentrieren, kann man auch überlegen, wie man dieses Konzept für sich als Individuum anwenden könnte.

Tages- und Wochenpläne

Hat man je einen Tagesplan oder einen Wochenplan aufgeschrieben und es dann nicht geschafft, ihn erfolgreich durchzuführen? Hat man je einen neuen Ernährungs- oder Sportplan ausgearbeitet und ihn dann nicht befolgt?

Man kann meinen Namen auch auf die Liste der Schuldigen schreiben.

Man hat sich also etwas vorgenommen, was wie ein guter Plan erschien, aber dann hat man bei der Umsetzung gepfuscht. Könnte man nicht sagen, dass der Plan von Anfang an fehlerhaft war, weil er die Durchführung nicht beachtet hat? Wenn man sich einen Tagesplan macht, muss man seine eigenen Stärken und Schwächen als Bestandteil dieses Plan beachten.

Wie unbefriedigend das auch klingen mag, es bedeutet, dass man sein Level an

  • Selbstdisziplin
  • Faulheit
  • Tendenz aufzuschieben
  • Intelligenz
  • Fähigkeiten

bedenken muss. Wenn man jemand anderem, der genau wie man selbst ist, den Plan vorlegen würde, was würde erwartungsgemäß dabei herauskommen? Würde diese Person fähig sein, den Plan durchzuführen? Welche Art Plan könnte diese Person gut bewältigen?

Um es auf andere Art zu sagen: ein persönlicher Plan benötigt einen hohen Grad an Selbsterkenntnis. Wenn man weiß, dass man mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% seinen ersten To-Do-Punkt aufschieben wird und dass das wiederum den ganzen Plan über den Haufen wirft, dann ist der Plan fehlerhaft. Man muss genügend Bewusstsein aufbringen, um sich darüber klar zu werden, auf welche Weise man den Plan am wahrscheinlichsten ausführen wird.

Mr. Data bei der Arbeit?

Das ist eine der Ideen, die nach gesundem Menschenverstand klingen, aber nicht ständig angewendet wird. Ich bin oft in diese Falle getappt: ich plante meine Tage im Voraus, als würde ich sie mit roboterhaftem Können ausführen, aber es misslang mir vorherzusagen, was tatsächlich passieren würde, wenn ich den Plan mit all meinen menschlichen Schwächen ausführte. Es ist schwer, einen wirklich cool aussehenden Tagespan zu betrachten und zu sich zu sagen:

“Mr. Data könnte das, aber ich kann es wahrscheinlich nicht.”

Die allgemeine Lösung ist:

  • sich selbst genau zu betrachten
  • sich über seine Stärken und Schwächen bewusst werden
  • herauszufinden, welche Art Pläne man gut ausführen kann und
  • welche man wahrscheinlich verpfuscht

Wenn man einen Plan macht, sollte man bedenken, wann es am wahrscheinlichsten ist, dass man ihn auch durchführt.

Man sollte sich notieren, unter welchen Umständen man wie verrückt arbeitet vs. wann man faul ist. Wenn man dann seine eigenen Pläne entwirft, sollte man darüber nachdenken, wie man die Umstände wiederherstellen kann, unter denen man am Besten gearbeitet hat, während man die Umstände minimiert, die einen ablenken.

Wenn man jetzt entdeckt, dass man bei der Ausführung dessen, was man schaffen muss, wirklich schlecht ist – obwohl man sein Bestes gibt, um es zu kompensieren – dann sollte man sich überlegen, ob eine andere Art Arbeit nicht besser zu den eigenen Fähigkeiten und Talente passen würde.

Man kann sich auch selber weiterbilden, um seine Fähigkeiten zu verbessern, so dass man seine Schwächen in Stärken verwandelt. Was man allerdings nicht machen sollte, ist, in einer Situation stecken zu bleiben, in der die Ausführung immer hinter den Plänen zurück bleibt.