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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Gibst du dein Bestes?

Gibst du immer dein Bestes oder hast du dich mit dem Guten zufrieden gegeben?

“Das Gute ist der Feind des Besseren” ist ein typisches Zitat aus dem Zeitmanagement. Erst kürzlich ist mir wieder vor Augen geführt worden, was das genau bedeutet.

Jeden Tag bekomme ich E-Mails mit verschiedensten Hinweisen und Empfehlungen – Blog-Posts und Online-Artikel, die ich mir ansehen sollte, Bücher, die ich lesen sollte, neue Online-Dienste, … und nicht zu vergessen, einen Überfluss an Feedback und Fragen.

Am Anfang des Jahres konnte ich das noch locker bewältigen. Ich konnte jedem Hinweis nachgehen und persönlich auf jede E-Mail antworten. Das war ganz nett für eine Weile, aber ich wusste – da ich mit dieser Website noch mehr Menschen erreichen wollte – dass es nur eine Frage der Zeit ist, bevor ich all den Input nicht mehr bewältigen kann, egal wieviele Zeitmanagement-Techniken ich anwende.

Eine Verdoppelung oder Verdreifachung des Inputs hätte ich noch managen können, aber die Realität sah so aus, dass sich der Traffic von Januar bis November um das 33fache angestiegen ist (Anm. d. Red. Wie immer ist das englische Blog gemeint) und das Volumen der E-Mails hat sich entsprechend miterhöht. Das heisst, wenn ich im Januar noch die E-Mails in 15 Minuten durchgehen konnte, dann würde es mich heute auf dieselbe Weise 8 Stunden und 15 Minuten kosten. Und wenn sich mein Traffic nochmal verdreifacht, dann sind wir schon bei 24 Stunden und 45 Minuten – pro Tag. Der Traffic hat sich bereits in den letzten zwei Wochen um 25% erhöht.

Auch mit der Power durch Polyphasischen Schlaf und einer Menge anderer Zeitmanagement-Techniken, die zu meiner Verfügung stehen, ist es offensichtlich kein sinnvoller Nutzen für meine Zeit, wenn ich mehr als 8 Stunden am Tag mit dem Beantworten von E-Mails und dem Nachgehen von Hinweisen beschäftigt bin.

E-Mails komplett zu ignorieren ist sicherlich auch keine gute Lösung. Es gibt definitiv einige tolle Möglichkeiten und Hinweise, die so per E-Mail eintrudeln. Ich muss also die kritischen E-Mails vom Rest trennen können.

Vor Jahren habe ich auf meinem Server Spam-Filter (via SpamAssassin) und einen Virus-Scanner (ClamAV) aufgesetzt, die fast alle Viren- und Spam-E-Mails aus meinem Post-Eingang eliminieren. Wenn ich diese Filter nicht hätte, dann würde ich täglich tausende Viren/Spam-E-Mails bekommen. Ich benutze zudem PocoMail als E-Mail-Client, wodurch das Filtern der eingehenden Mails, basierend auf dem Inhalt, ein Kinderspiel ist. Ich habe verschiedene Eingänge, so dass meine Mails vorsortiert werden – so wie es auch ein persönlicher Assistent machen würde. Zum Besipiel gehen alle Benachrichtigungs-Mails in entsprechende Ordner und werden automatisch als “gelesen” markiert, so dass ich sie mir nicht einmal ansehen muss, wenn es grad kein Problem gibt. Meine persönlichen Mails von der Familie kommen in einen anderen Ordner, als z.B. Kontakt-Anfragen von dieser Website. So verschaffe ich mir einen bequemen Überblick darüber, welche Art von Mails ich als Nächstes bearbeiten sollte. Dann gehe ich jeden Ordner nacheinander durch.

Im Moment kann ich immer noch jede Mail in einer vernünftigen Zeitspanne lesen (Speed bzw. Photo Reading hilft sehr dabei), aber ich habe nicht mehr länger die Kapazitäten um jedem Hinweis nachzugehen oder auf jede E-Mail persönlich zu antworten.

Anfangs habe ich versucht, ein paar allgemeine Regeln aufzustellen, um zu entscheiden, was ich mit einer jeden Mail machen soll. Aber das hat nicht allzu gut funktioniert, da jede Mail anders ist und manchmal ist es nur ein subtiler Faktor, der es die Sache wert macht, ihr nachzugehen und einen Artikel zu lesen oder eine schnelle Antwort zu tippen.

Es geht mir nicht um die Mails, wo man in 30 Sekunden (oder weniger) antworten kann. Ich bin nicht so pingelig, dass ich mich wegen ein paar Minuten am Tag stresse. Die Mails, bei denen man intelligente Entscheidungen treffen muss, sind die, wo ich erstmal einen Artikel online lesen, eine Website oder einen anderen Online-Service überprüfen muss – oder etwas anderes erledigen muss, was Minuten oder sogar vielleicht Stunden dauern kann.

In diesen Fällen ist es oft hilfreich, wenn ich mir selbst die Frage stelle:

“Ist das, das Beste, was du tun kannst?”

Ich frage mich selber:

“Ist ein Nachgehen von diesem Hinweis, der wahrscheinlich beste Nutzen deiner Zeit?”

Ich habe bereits eine To-Do-Liste mit genügend Projekten darauf, dass ich auf Jahre hinaus beschäftigt bin. Wenn ich also am zweifeln bin, dann rufe ich diese Liste per Hotkey auf und frage mich, ob die Sache es wert ist, die wichtigsten Punkte darauf zu verschieben – von denen ich bereits sicher bin, dass sie eine hervorragender Nutzen meiner Zeit darstellen.

Das Schöne an Hinweisen und Tipps per E-Mail ist, dass sie einen tollen Mehrwert bieten können, weil sie das Ergebnis persönlicher Empfehlungen sind. Sie wurden bereits von anderen Menschen “vorgefiltert”. Ein paar Minuten zum Lesen eines empfohlenen Online-Artikels könnte mir eine tolle, neue Idee liefern, die sich auch direkt umsetzen liesse. Aber weil ich nicht jedem Hinweis nachgehen kann, der mir geschickt wird, muss ich eine Entscheidung darüber fällen, welchen ich nachgehe und welchen nicht. Diese Entscheidungen fallen mir durch die obengenannte Frage deutlich leichter.

In 90% der Fälle ist klar, dass ein Nachgehen des Hinweises zwar ein guter Nutzen meiner Zeit sein könnte, aber unmöglich der beste. Das ist oft der Fall, wenn es darum geht, längere News-Artikel zu lesen. Sie sind oft informativ und interessant, aber für gewöhnlich lässt sich daraus keine Aktion ableiten. Wenn ich sie also nicht lese, dann bin ich vielleicht nicht ganz auf dem neuesten Stand, was die aktuellen Extravaganzen in der Geschäftswelt angeht, aber das tut mir bei weitem nicht so weh, als wenn ich etwas, wie den Polyphasischen Schlaf verpasst hätte.

Hier sind ein paar Varianten der Frage, die ich mir stelle, wenn ich feststecke:

  • Welchen Unterschied wird das in 5 Jahren machen? In 20 Jahren?
  • Wie lange wird das wohl dauern?
  • Würde es helfen, sich 30 Sekunden zu nehmen und nach mehr Informationen zu fragen, um herauszufinden, ob es die Sache wert ist?
  • Wer hat mir das geschickt? Was hat mir diese Person in der Vergangenheit geschickt?
  • Hat die Person einen klaren und zwingenden Grund genannt, warum ich dem Hinweis nachgehen sollte?
  • Es gibt es eine vernünftige Chance, dass ich einen bedeutenden Quantensprung mache, wenn ich dem Hinweis nachgehe?
  • Würde ich eine Mahlzeit auslassen um dem nachzugehen? Für eine unglaublich tolle Möglichkeit würde ich es tun.

Das klappt nicht immer so ganz, aber ich habe gemerkt, dass mir dieser Ansatz doch sehr dabei hilft, mich zu fokussieren ohne überwältigt zu werden. Für gewöhnlich erledige ich meine Mails in weniger als 30 Minuten pro Tag und habe immer noch genug Zeit, den Hinweisen nachzugehen, die ein Potential vermuten lassen.

Empfehlungen kommen aber nicht nur per E-Mail. Der ursprüngliche Tipp, durch den ich zum Polyphasischen Schlaf kam, war in einem meiner RSS-Abos aufgetaucht. Es hat einige Stunden gedauert, bis ich dem nachgegangen war und mich genauer zu dem Thema belesen habe, aber es war einer der besten Hinweise, denen ich jemals gefolgt bin. Ich kann es mir leisten, einer Menge wertloser Hinweise nachzugehen, wenn nur ab und zu ein solcher Jackpot dabei ist.

Ich bekomme tagtäglich viele gute – sogar großartige – Empfehlungen. Aber ich kann zeitlich nur einem Bruchteil davon nachgehen. Also habe ich meinen Standard immer höher und höher geschraubt. Es ist gewöhnlich recht einfach festzustellen, ob es ein Artikel wert ist gelesen zu werden, und wenn ich mal einen Fehler mache (in beider Hinsicht), dann ist es vermutlich kein großes Problem. Aber was ist mit einem Buch, von dem mir jemand sagt, es hätte sein Leben für immer verändert? Oder ein neuer Online-Service, von dem mir Leute erzählen, er sei revolutionär? Oder die neueste Muss-man-haben-Produktivitäts-Software? Es wäre toll, wenn die Leute sich bei sowas einig wären. Aber das sind sie leider nicht.

Ich kann mich nicht bei jedem coolen, neuen Dienst anmelden oder jedes neue Stück Software ausprobieren. An irgendeinem Punkt schlägt der Aufwand den Nutzen, wenn es darum geht, mehr und mehr Zeit damit zu verbringen, noch etwas mehr Produktivität herauszupressen statt einfach tatsächlich produktiv zu arbeiten. Wenn ich mir also einen neuen Online-Dienst ansehe, dann klicke ich für ein paar Minuten auf der Seite herum und wenn ich da nichts sehe, wie ich sofort und meßbar große Vorteile durch eine Registrierung erziele, dann kümmere ich mich nicht weiter darum. Es gibt eine ganze Menge von Online-Diensten die neuartig, interessant und sogar hilfreich aussehen, aber sie scheitern an meinem “Das Beste?”-Test.

Ein Beispiel für einen Online-Dienst, den ich als einen meiner “besten” Entscheidungen ansehe, ist Netflix.com. Ich benutze diesen Dienst ständig um DVDs auszuleihen – insbesondere DVDs über Persönlichkeitsentwicklung – und er erspart mir eine Menge Zeit. Ich könnte nicht glücklicher damit sein und war im Zuge dessen überhaupt nicht mehr bei Blockbuster (und ihrem “Keine Verspätungsgelder”-Grundsatz, was dazu führt, dass die besten Stücke immer vergriffen sind). Genaugenommen mag ich Netflix so sehr, dass ich ihrem Affiliate-Programm beigetreten bin. Hierbei handelt es sich um einen Dienst, wo ich mich richtig gut fühle, wenn ich ihn anderen empfehle.

Einer der Gründe, warum es so wichtig für mich ist, diese wirklich herausragenden Empfehlungen zu finden, ist die Tatsache, dass ich sie hier im Blog mit vielen Tausend Menschen teilen kann. Da kann ich schon eine gewisse Verantwortung spüren. Indem ich mein Bestes gebe, um die Dinge auf intelligente Weise zu filtern, hilft es mir, mehr Zeit damit zu verbringen, euch die wirklich allerbesten Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung näher zu bringen – wie z.B. die Möglichkeiten des Polyphasischen Schlafs, den Dutzende Menschen jetzt ausprobieren, nachdem sie davon in meinem Blog gelesen haben. Sicherlich wird nicht jeder damit Erfolg haben, aber wenn es nur eine Handvoll Menschen ausprobieren, dann hat das dennoch einen deutlich positiven Einfluss – soviel mehr an Lebenszeit und Produktivität. Viel näher komme ich an “Leben retten” wohl nicht heran.

Wenn auf dich keine Flut an täglichen Empfehlungen einstürzt, dann heisst das nicht, dass du nicht dennoch in einer ähnlichen Situation steckst – du kannst dennoch rausgehen und deine eigenen Empfehlungen erschaffen. Ich denke, das Problem wird offensichtlicher, wenn die Empfehlungen zu dir kommen, aber es gibt dennoch das Problem “Das Gute vs Das Beste”, wenn du dir deine eigenen Empfehlungen suchst. Zum Beispiel:

  • Kannst du sagen, ob das Buch, dass du gerade liest, das bestmögliche ist, was du im Moment lesen könntest? Oder hast du bereits ein besseres Buch identifiziert?
  • Ist dein Fitness-Programm das Beste, dass du dir vorstellen kannst? Oder bist du sportlich genug, um etwas Besseres zu machen?
  • Ist dein Job der Beste, den du dir wünschen könntest? Oder hast du bereits einen besseren Job für dich entdeckt?
  • Ist der Aufbau deines Büros der Beste, den du dir vorstellen kannst? Oder könntest du eine kleine Änderung zum Besseren machen?

Vielleicht wissen wir nicht, was das Beste ist, aber wir können für gewöhnlich etwas Besseres identifizieren. Und wenn du etwas Gutes auf Kosten etwas Besseren machst, dann ist das ein Fehler bei deiner Produktivität. Warum ein gutes Buch lesen, wenn du ein besseres lesen könntest? Warum ein gutes Workout machen, wenn du ein besseres machen könntest? Warum in einem guten Job arbeiten, wenn du weißt, dass es einen besseren gibt?

Das ist leichter gesagt als getan. Ich weiß, wie schwer es ist, sich auf das Beste zu konzentrieren und das Gute loszulassen. Warum halten wir uns selbst vom Besten zurück und geben uns mit dem Guten zufrieden? Angst. Wir fürchten uns davor, wie es wohl sein wird, wenn man am Rand zum Besten lebt. Stell dir nur vor, wie es sich anfühlen würde, wenn man das allerbeste Buch liest, das beste Workout macht, das beste Essen isst, den besten Job hat, die beste Beziehung führt, im besten Haus lebt, das beste Auto führt, die besten Freunde hat und allgemein das beste Leben führt.

Vielleicht findest du diese Vorstellung etwas verstörend. Eventuell glaubst du nicht, dass du das Beste haben kannst. Warum nicht? Wenn du denkst, dass du nicht das Beste haben kannst, dann wirst du zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Du gibst dich mit dem Guten zufrieden, auch wenn etwas Besseres dich direkt anstarrt. Du beginnst erst damit, das Bessere zu begrüßen, wenn du fühlst, dass du das Beste verdienst. Erlaube dir selbst, das Beste zu wollen, auch wenn du nicht glaubst, dass du es kriegen kannst. Auch wenn du nicht das Beste bekommst, kannst du doch das Bessere statt dem Guten haben.

Oder anders gesprochen, wenn du dich an etwas, das einfach gut ist, festklammerst, während etwas Besseres in Griffweite ist, dann ist dein Gutes nicht wirklich gut. Dein Gutes ist eigentlich nur okay… vielleicht sogar schlecht. Du denkst du hast ein B, aber in Wahrheit hast du dich mit einem C, D oder F zufriedengegeben. Sich mit dem Guten zufriedengeben ist das, was alle machen. Es ist nur Durchschnitt. B ist besser. A ist das Beste. Wenn du das Beste willst, dann musst du zumindest deinen Standard anheben, um das Bessere begrüßen zu können.

  • Kannst du heute bessere Nahrung essen als gestern?
  • Kannst du heute etwas Besseres lesen als gestern?
  • Kannst du heute deinen Job besser machen als gestern?
  • Kannst du heute ein besseres Workout machen als gestern?
  • Kannst du heute deinen Kindern eine bessere Gute-Nacht-Geschichte erzählen als gestern?
  • Kannst du heute deiner besseren Hälfte eine bessere Umarmung geben als gestern?

Ja? Großartig. Und jetzt mach das!