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Große, haarige und kühne Ziele

Sollten wir oder sollten wir nicht große, haarige und kühne Ziele verfolgen, bei denen Erfolg ganz und gar nicht sicher ist (abgesehen vom Nutzen der nachträglichen Einsicht)?

Ich bin beispielsweise dankbar für Menschen, die sich große Ziele setzen. Mein Land (die USA) würden sonst nicht existieren. Auch meine Stadt, meine Familie, unsere Computer, das Internet, mein Frühstück, Thanksgiving-Feiertage oder die verschiedenen Freiheiten, derer ich mich heute erfreue. Eine Anzahl von Leuten, die mir nahe stehen, wären tot, wenn es nicht um die Existenz und die Dynamik der Menschen wäre, die sich “unrealistische” Ziele setzen.

Wenn man einen Hitler hat, der sich große Ziele setzt und man keinen gleichsam starken Winston Churchill auf der anderen Seite hat, naja… es wäre nicht viel quo übrig vom Status. Ich persönlich würde viel lieber mehr Winston Churchills oder Mutter Theresas oder Stephen Hawkings da draußen versagen sehen, als gar keinen, der es überhaupt versucht.

Angst vor dem Versagen

Wenn man sich ein großes Ziel setzt und versagt, dann lernt man etwas. Wenn man sich ein großes Ziel setzt und Erfolg hat, dann erntet man das Resultat UND man lernt etwas. Wenn man sich überhaupt kein Ziel setzt, dann erntet man nichts und man lernt nichts. Dem Prozess haftet nichts an, was stressig oder schlafraubend wäre. Um sich solchen Stress zu machen, muss man auf eine gewisse Weise denken – besser bekannt als die “Angst vor dem Versagen” (was unglücklicherweise viele Menschen aufgrund ihrer Konditionierung besorgt). Auf große Ziele hinzuarbeiten, ist wie würfeln: Wenn es eine gerade Zahl ist, dann gewinnt man ein bisschen und wenn es eine ungerade Zahl ist, dann gewinnt man viel. Wenn man nicht würfelt, dann hat man plus/minus Null. Also für mich sind das tolle Aussichten – eine Wette, die man öfter eingehen sollte.

Woher weiß man, was realistisch ist?

Ein weiterer Punkt ist, dass die meisten Menschen unterschätzen, welche Ziele wirklich “realistisch” für sie sind. Sicher gibt es manche Leute, die ihre Fähigkeiten überschätzen und auf die Nase fallen. Wenn man seine Fähigkeiten aber nie überschätzt, indem man sich ab und zu ein Ziel setzt, welches über das eigene Können hinaus geht, wird man nie eine Vorstellungen von seinen wahren Fähigkeiten entwickeln – man erkundet die Grenzen nie – und so riskiert man, sein ganzen Leben unterhalb der eigenen Kapazität zu verbringen. Und leider ist es das, was die meisten Menschen tun.

Eine optimale Strategie, um in sein Leben zu investieren, wird Misserfolg beinhalten. Man denke an finanzielle Investitionen. Wird eine Strategie, die zu 100% garantiert, dass man nie Geld verliert, auf lange Sicht gesehen optimal sein? Nicht mal annähernd. Da man tatsächlich in nichts investieren könnte, weil nichts völlig risikofrei ist, würde man überhaupt nichts verdient haben, so dass die Inflation allein dafür gesorgt hätte, das man Geld verliert. Dasselbe passiert mit dem physischen Körper. Wenn man seine Muskeln nie anstrengt, um sie über ihre aktuellen Fähigkeiten hinauszubringen, wird man nicht einfach seine Stärke behalten – man wird nach und nach immer schwächer werden.

Das passiert ebenso mit Leuten, die sich nie anstrengen, um Ziele zu erreichen, die sie wahrhaft herausfordern. Sie werden nach und nach geistig immer schwächer, indem sie mehr und mehr ihrer Fähigkeiten verlieren.

Man sollte für einen Moment über sein bisheriges Leben nachdenken und sich an Situationen erinnern, in denen man sich selbst wirklich herausgefordert hat, egal, ob man das erwünschte Resultat erreicht hat oder nicht. Wie wäre man heute, wenn man diese Erfahrungen nie gemacht hätte? Wäre man stärker oder schwächer?

Der Weg ist das Ziel

Sich ein Ziel zu setzen und es nicht zu erreichen, sollte nicht als etwas ganz Schreckliches betrachtet werden, was es um jeden Preis zu vermeiden gilt. Beim Krafttraining ist es das Ziel für jede Sitzung, die letzte Wiederholung nicht mehr zu schaffen. Den Punkt des Misserfolgs zu erreichen, ist das, was einem am Ende dabei hilft, stärker zu werden. Ein Gewichtheber beklagt nicht, dass er das Limit erreicht hat und entscheidet sich stattdessen dafür, immer 10-Pfund-Gewichte zu heben, weil 100 Pfund einfach zu schwer sind. Das wäre albern. Gleichsam sollte man seine Misserfolge im Leben nicht beklagen, wenn man auf eines der Gewichte trifft, das man scheinbar einfach nicht heben kann. Man sollte einfach einen Schritt zurücktreten und für eine Weile mit einem etwas leichteren Gewicht arbeiten und am Ende wird man stark genug sein, das schwere Gewicht heben zu können. Bloß weil man aktuell nicht in der Lage ist, ein Gewicht zu heben, das zu schwer ist (oder ein Ziel zu erreichen, dass zu anspruchsvoll ist), sollte man nicht schlussfolgern, dass man nie in der Lage sein wird, es zu tun oder das der ganze Weg dahin von Natur aus stressig und enttäuschend verlaufen wird. Man muss lernen, den Prozess selbst zu lieben.