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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Harte Arbeit

Manchmal muss man harte Arbeit aus einer anderen Perspektive betrachten, um den tieferen Sinn dahinter zu verstehen.

Seit Hunderten von Jahren wird zum Thema “Erfolg” über die Vorteile harter Arbeit geschrieben. Aber wie kommt es dann, dass heutzutage manche Leute “harte Arbeit” für ein schmutziges Wort halten?

Ich definiere “harte Arbeit” als anspruchsvolle Arbeit. Harte Arbeit und “hart zu arbeiten” (d.h. die benötigte Zeit in die Arbeit zu stecken, bis sie erledigt ist) ist nötig, um Erfolg zu haben.

Ein Problem tritt ein, wenn Leute anspruchsvolle Arbeit als mühsam oder unbequem empfinden. Muss anspruchsvolle Arbeit unbedingt mühsam sein? Nein, natürlich nicht. Tatsächlich ist es ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg, dass man lernt, harte Arbeit gern zu tun UND gern hart zu arbeiten.

Warum anspruchsvolle Arbeit? Weil sich anspruchsvolle Arbeit auszahlt, wenn sie schlau gewählt wird. Es ist die Arbeit, die Menschen mit weniger Charakter vermeiden. Wenn man nun ableitet, dass ich sage, dass alle Menschen, die anspruchsvolle Arbeit ablehnen, einen Charakterfehler haben, und noch dazu einen ernsten, dann stimmt das. Wenn man anspruchsvolle Arbeit meidet, dann vermeidet man das, was einem Erfolg einbringt. Um starke Muskeln und einen scharfen Geist zu haben, muss man sie herausfordern. Nur Dinge zu tun, die einfach sind, wird zu physischer und mentaler Schlaffheit und zu sehr durchschnittlichen Resultaten führen, genau wie dazu, dass man viel Zeit und Mühe damit verbringt, diese Schlaffheit zu rechtfertigen, anstatt vorzutreten und einige echte Herausforderungen anzunehmen.

Herausforderungen stärken den Charakter

Herausforderungen anzugehen, formt den Charakter, genau wie Gewichte heben, Muskeln aufbaut. Herausforderungen zu meiden, bedeutet die eigene Charakterentwicklung aufzugeben.

Es ist natürlich, dass wir mühsame Dinge vermeiden, wenn wir also Herausforderungen nur als mühsam betrachten, werden wir sie meiden. Aber indem wir das tun, vermeiden wir auch die sehr wichtige Entwicklung des Charakters, welche naturgegeben schon ungemein anspruchsvoll ist. Also müssen wir lernen, uns in Herausforderungen zu verlieben anstatt sie zu fürchten, genau wie ein Bodybuilder den Schmerz der Wiederholungen lieben kann, welcher Muskelfasern zerstört, damit er stärker wird.

Wenn man den Schmerz meidet, meidet man auch das Wachstum. Das stimmt sowohl für die Muskel- als auch für die Charakterbildung.

Während eine bekannte Philosophie sagt, dass man mit dem Strom schwimmen soll, so ist doch der Nachteil dieses Glaubenssystems, dass man die Kontrolle über sein Leben an diesem Strom abgeben muss. Das ist okay, wenn es einem nichts ausmacht, passiv zu leben und das Leben passieren zu lassen. Wenn man denkt, dass es okay ist, sich mit dem Leben treiben zu lassen, statt es selbst zu kontrollieren, dann muss man auch akzeptieren, wohin einen der Strom treibt und lernen es dort zu mögen.
Manchmal führt der Strom aber nicht eine gesunde Richtung. Man kann mit dem Strom schwimmen und in einer ziemlich verdrehten Situation landen, wenn man nicht mehr direkte Kontrolle ausübt, wenn es nötig ist.

Die treibende Kraft im Leben ist man selbst

Auf der anderen Seite kann man das Leben aber auch so betrachten, dass man selbst seine treibende Kraft ist. Man (er)schafft und kontrolliert den Strom selbst. Das ist ein anspruchsvollerer Weg zu leben, aber auch ein lohnenswerterer. Man ist nicht länger auf die Erfahrungen beschränkt, die passiv oder mühelos gemacht werden können – jetzt kann man viel mehr von dem haben, was man will, indem man größere Herausforderungen annimmt.

Wenn ich einfach nur mit dem Strom in meinem Leben schwimmen würde, hätte ich nie gelernt, zu lesen, schreiben oder zu tippen; das waren alles Herausforderungen bei denen ich gegen den Strom des Einfachen und Natürlichen schwamm. Ich hätte keinen Collegeabschluss erhalten. Ich hätte keine eigene Firma gegründet. Ich hätte garantiert keine Software entwickelt. Niemals wäre ich einen Marathon gelaufen – man rutscht nicht gerade in so etwas hinein. Und ich würde ganz sicher nicht öffenlich Reden halten. Diese Webseite würde auch nicht existieren; sie wurde auf jeden Fall eher durch Antrieb erschaffen, nicht durch den Strom.

Ich denke, dass es manchmal einen versteckten Strom im Leben gibt, aber ich sehe mich in diesem Strom als Mit-Schöpfer. Ich kann mit dem Strom treiben, wenn er mich dahin führt, wohin ich will oder ich kann meinem eigenen Weg folgen, wenn ich will.

Wenn man vortritt und lernt, sich selbst als den Fahrer seines Lebens – anstatt passives Opfer – zu sehen, dann wird es viel einfacher, große Herausforderungen anzunehmen und die Schwierigkeiten durchzustehen, die sie manchmal nach sich ziehen. Man lernt, mehr Freude mit der Charakterentwicklung zu assoziieren, und die kleinen Unannehmlichkeiten die man erlebt, nicht so ernst zu nehmen. Man gewöhnt sich daran mehr Zeit außerhalb seiner “Comfort Zone” zu verbringen. Man freut sich auf harte Arbeit, weil sie zu enormem Wachstum führt. Und man entwickelt die Reife und Verantwortung, um zu verstehen, dass manche Ziele nicht einfach nur ins Leben schwimmen werden; sie kommen nur zustande, wenn man als die treibende Kraft agiert, die für ihre Erfüllung sorgt.

Wenn man mit der Perspektive

“Wenn ich harte Arbeit meide, werde ich in meinem Leben Erfahrung X,Y oder Z nie haben.”

herangeht, wird es etwas einfacher, die Gewinne der harten Arbeit zu akzeptieren. Was wird man sich entgehen lassen? Man wir wahrscheinlich nie einen Marathon laufen, den Partner seiner Träume heiraten, Multi-Millionär werden, einen Unterschied in der Welt machen usw. Man wird sich damit zufrieden geben müssen, was man bekommt, wenn man mit dem Strom schwimmt – nämlich Durchschnittlichkeit.

Alles in allem nimmt man nur Platz weg und stirbt ohne einen Unterschied gemacht zu haben. Die Welt wird die selbe sein, als hätte man nie existiert (trotz der Chaostheorie).

Wenn man wirklich große und interessante Ziele erreichen will, muss man lernen, sich in die harte Arbeit zu verlieben. Harte Arbeit macht einen Unterschied. Sie unterscheidet Kinder von reifen Erwachsenen. Man kann weiter wie ein Kind leben und verzweifelt hoffen, dass das Leben immer einfach sein wird. Dann steckt man aber in einer Kinderwelt fest, in der man an den Zielen anderer arbeitet und auf eine Gelegenheit wartet, die auf einen zukommt, anstatt sich selbst eine Gelegenheit zu verschaffen. Man wird Arbeiten verrichten, die im großen Entwurf dieser Welt einfach nicht wichtig sind.

Wenn man lernt, harte Arbeit anzunehmen anstatt sie zu meiden, dann erlernt man die Fähigkeit, an seinen großen Zielen zu arbeiten, egal, was man tun muss, um sie zu erreichen. Man durchbricht Hindernisse, die andere, mit weniger Entschlossenheit, bremsen würden. Aber wie kommt man an diesen Punkt? Wie kann man harte Arbeit annehmen?

Sinn.

Wenn man für einen starken Sinn lebt, dann ist harte Arbeit keine Option. Sie ist eine Notwendigkeit. Wenn das Leben keinen wirklichen Sinn hat, kann man harte Arbeit vermeiden und es wird nicht von Bedeutung sein, da man entschieden hat, dass das eigene Leben sowieso nicht von Bedeutung ist. Wen interessiert es also, ob man hart arbeitet oder den leichten Weg geht? Wenn man aber einen bedeutenden Sinn für sein Leben gewählt hat, dann wird es harte Arbeit sein, dahin zu kommen – jeder bedeutende Sinn erfordert harte Arbeit.

Man muss sich selbst eingestehen, dass man seinen Sinn nur erfüllen kann, wenn man sich auf harte Arbeit einlässt. Und das bringt einen über Angst und das eigene Ego – über das schniefende kleine Kind, das harte Arbeit für etwas hält, vor dem man weglaufen sollte – hinweg. Wenn man von einem Sinn angetrieben wird, der größer ist als man selbst, dann akzeptiert man harte Arbeit notwendigerweise. Das Kind wird durch einen reifen Erwachsenen ersetzt, der Verantwortung dafür übernimmt, dass die Arbeit gemacht wird und der weiß, dass es ohne Einsatz und viel harte Arbeit einfach nicht geht.

Sehnsucht überwindet Widrigkeiten

Man zeige mir jemanden, der harte Arbeit meidet und ich weiß, dass dieser jemand seinen Sinn noch nicht gefunden hat. Jeder der seinen Sinn kennt, wird harte Arbeit annehmen. Diese Menschen zahlen diesen Preis gern.

Wenn man seinen Sinn noch nicht kennt, dann ist man in der Welt der reifen Erwachsenen noch nicht von Bedeutung. Man ist nur ein Stück Treibgut auf dem Strom derjenigen, die bereits sinnhaft leben. Und tief drinnen hat man das bereits erkannt, nicht wahr? Wenn man einen Unterschied auf der Welt machen will, dann ist harte Arbeit der Preis. Es gibt keine Abkürzungen.

Sinn und harte Arbeit sind Freunde. Sinn bedeutet Warum. Harte Arbeit ist das Wie. Sinn verwandelt mühevolle Arbeit in Arbeit mit Liebe. Sinn verwandelt die Mühe harter Arbeit in die Freude der Hingabe, des Einsatzes, der Entschlossenheit und der Leidenschaft. Schmerz wird zu Stärke, bis man den Schmerz gar nicht mehr bemerkt und die Stärke genießt.
Wieder einmal geht es um Sinn. Man muss den Sinn in seinem Leben finden und ihn täglich leben. Viele der anderen Erfolgs-Eigenschaften, wie harte Arbeit und hart arbeiten, werden sich von selbst ergeben. Man muss das Warum herausfinden. Warum ist man hier? Warum bedeutet das eigene Leben etwas? Das ist der ultimative Test des eigenen, freien Willens.