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Harte Arbeit vs. Faulheit

Anm. d. Red. Die Challenge liegt nun schon einige Jahre zurück und slackermanager.com scheint es in der Form nicht mehr zu geben und/oder der zugehörige Artikel existiert nicht mehr.

Brendon Connelly von Slacker Manager hat Fred Gratzon und mich zu einem Blog-Showdown aufgefordert. Fred ist schon seit langem Unternehmer und der Autor von The Lazy Way to Success: Ohne Anstrengung alles erreichen. Ich hatte noch nicht von Fred gehört, bis Brendon die Challenge anbot, aber ich freue mich schon auf diese Spaß-Debatte. Es sieht aus, als würde Brendon die Challenge im Frage-und-Antwort- Format aufziehen. Sie beginnt am Montag, den 21. März (2005).

Ich glaube, die Einladung zu dieser Debatte ist eine Antwort auf meine Artikel über harte Arbeit und Selbstdisziplin im Kontrast zu Freds Eintreten für Faulheit als Weg zum Erfolg. Ich vermute, dass von unseren scheinbaren philosophischen Differenzen in Wahrheit nur semantische Unterschiede sind. Da ich nun einige von Freds Blogeinträgen gelesen habe, scheint es so, dass er Faulheit im Wesentlichen als das definiert, was ich unter Effizienz verstehe.

Ich denke, dass Fred und ich uns einig sind, dass es sinnlos ist, ineffizient zu arbeiten, wenn es bessere Wege gibt, Dinge zu erreichen. Keiner von uns würde jemandem raten, einen schweren Stein mit der Hand aufzuheben, wenn man stattdessen einen Hebel nutzen könnte oder jemand anderen den Stein bewegen lassen könnte oder man das Problem so umdefinieren kann, so dass der Stein überhaupt nicht bewegt werden muss. Ich frage mich also, ob das, was Fred als faul sein bezeichnet, das Äquivalent zu dem ist, was ich als schlau sein bezeichne.

Ich hoffe, dass wir diese semantischen Differenzen auflösen können, um zu sehen, was im Kern verborgen liegt. Sind es fundamentale Differenzen in unser beider Einstellung zur Produktivität oder sagen wir im Grunde dasselbe und nutzen nur unterschiedliche Worte? Ich vermute, dass es einen grundlegenden Unterschied gibt, aber vielleicht ist er nicht so groß.

Meine momentane Perspektive besagt, dass man nur einen Teil der interessanten Ziele erreichen kann, die man durch effiziente Arbeit hervorbringen kann, wenn man faul ist. Wenn man von der Haltung her aber eher faul ist, kann das einem vielleicht dabei helfen, Dinge zu auf eine weniger arbeitsintensive Art zu erledigen. Auf der anderen Seite könnte diese Einstellung aber auch die Erfahrungen einschränken, die man machen kann. Wie würde eine faule Einstellung dabei helfen, zum Beispiel einen Marathon zu laufen? Da ich selbst schon einen gelaufen bin, weiß ich, wie viel harte Arbeit das ist und ich habe keine Ahnung, wie jemand mit einer faulen Einstellung das schaffen könnte (außer man ist genetisch durch unglaubliche Audauer übervorteilt). Würde die faule Einstellung einen davon abhalten, sich je ein solches Ziel zu setzen bzw. es zu erreichen? Welche anderen Ziele müsste man aufgeben, weil sie nicht auf die faule Art und Weise schafft?

Ich glaube nicht, dass The Lazy Way to Success eine vollständige und eigenständige Produktivitäts-Philosophie ist, aber sie ist sicher borg-isch (d.h. assimilierbar, eine meiner vielen effektiven Strategien).

Harte Arbeit ist auch eine unvollständige Philosophie. Faulheit und Harte Arbeit sind wie zwei Werkzeuge im Werkzeugkasten. Es gibt auch noch viele andere Werkzeuge, wie z.B. kommunikative Fähigkeiten, Leidenschaft und Planung.

Das Beste aus beiden Welten

Der Schlüssel ist, dass man vermeiden sollte, ein Werkzeug oder eine Philosophie zu sehr zu mögen, ob es nun Faulheit, harte Arbeit oder etwas anderes ist. Wie ich letztes Jahr geschrieben habe, sollte man ein komplettes Set an Problemlösetechniken entwickeln. Indem man harte Arbeit und Faulheit gleichsam annimmt, bekommt man das Beste aus beiden Welten. Man kann faul (oder effizient) sein, wenn das die effektivste Strategie ist oder man kann sich den Arsch aufreißen, wenn das wahrscheinlich die besten Resultate bringt.

Manchmal ist eine elegante (faule) Lösung die Beste. Dafür muss man aber vielleicht das Problem umdefinieren, um viel harte Arbeit zu eliminieren. Manchmal ist brachiale, harte Arbeit aber auch die praktikabelste Lösung. Ich war bei vielen Gelegenheiten, bei denen eine Lösung mit brachialer Gewalt besser gewesen wäre, zu clever und ich kann mich auch an dumme Lösungen mit brachialer Gewalt erinnern, bei denen ein bisschen mehr Nachdenken das Problem komplett gelöst hätte.

Die Herausforderung besteht darin, das Wissen darum zu entwickeln wann man elegant und wann man brutal sein sollte.

Das Konzept, das ich bisher am ehesten für ein Patentrezept halte, ist den Sinn seines Lebens zu entdecken. Man muss sich entscheiden, wofür man seine Werkzeuge braucht. Diese Entscheidung leitet dann dabei, welche Werkzeuge man in die persönliche Werkzeugkiste legt, welche man scharf halten sollte und welche man kaum nutzt. Faulheit ist vielleicht ein wichtigeres Werkzeug in Freds Werkzeugkiste, wenn man bedenkt, wie er seinen Lebenssinn definiert, wobei mein Lebenssinn vielleicht öfter auf harte Arbeit baut. Welches dieser Werkzeuge wird am wichtigsten sein, um seinen persönlichen Sinn zu erfüllen?

Vielleicht wird die Debatte sich dann auch darum drehen, den Gebrauch von Faulheit und harter Arbeit als verschiedene Produktivitäts-Werkzeuge erforschen und Stärken und Schwächen eines jeden Werkzeug aufzudecken. Es gibt sicherlich genug Leute, die davon profitieren könnten, den Umgang mit einem oder beiden Werkzeugen zu vertiefen.