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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Hirne Hirne Hirne

Gestern hatte ich viel Spaß bei einem Treffen der Jackpot Speakers. Dieser Toastmasters Club funktioniert ganz anders als meiner, da man sich stark auf Kritik und Diskussion konzentriert und weniger darauf die formalen Strukturen eines typischen Toastmaster-Treffens einzuhalten. Linda Bowns und Jeff Lowe, die Gewinner des ersten und des dritten Platzes des im letzten Artikel erwähnten Wettbewerbs, nahmen beide teil, womit von uns drei Top-Platzierten alle anwesend waren.

Wir diskutierten sowohl über unsere Reden, als auch über den Wettbewerb an sich. Wir nahmen ungefähr eine Stunde lang Lindas Rede auseinander, damit wir ihr helfen konnten, sie zu verbessern, da sie unseren ganzen Bereich (circa 25 Clubs) am 6. November bei der Bezirksmeisterschaft vertreten wird. Lindas Rede war schon unglaublich gut, aber wir alle konnten Ideen beitragen, um sie noch besser zu machen. Ich bin nach dem zweistündigen Treffen noch 30 Minuten länger geblieben und fragte ganz gezielt die klugen Köpfe aus, um eine Menge außerordentlicher Ratschläge und Ideen zu bekommen. Es ist wunderbar mit Leuten herumhängen zu können, die mehr als die 10fache Menge an Erfahrungen in diesem Bereich gemacht haben. Von solchen Leuten lernen zu können, ist eine Riesenabkürzung zum Erfolg bei allen Bemühungen.

Ich verfolgte den gleichen Ansatz 1999, als ich von Shareware-Spielen leben wollte. Zu der Zeit erzielte ich nur ca. 300$/Monat durch Verkäufe, aber ich wollte mindestens das 10fache davon verdienen, um mich selbst finanzieren zu können. Also bemühte ich mich mehr in der Newsgroup der Association of Shareware Professionals, die nur für Mitglieder ist (Ich bin seit 1996 Mitglied, aber habe vor 1999 nie wirklich davon profitiert) und dort identifizierte ich die Leute, die scheinbar mehr als 50-100k$/Jahr mit dem Verkauf von Shareware verdienten. Dann fing ich an, sie soweit es ging auszufragen – meist indem ich bei Diskussionen per E-Mail teilnahm. Aber wenn einen niemand kennt, dann bekommt man nicht allzu viel gute Ratschläge von erfolgreichen Menschen. Also bemühte ich mich um einen Posten im ASP-Vorstand. Mir fehlten nur 4 Stimmen, aber ich war dennoch erfolgreich, denn nur durch das Antreten, habe ich die Leute wissen lassen, wer ich bin. Und einen Monat später wurde ich dennoch Vize-Präsident und bekam so weiteren Einfluss. Zusätzlich hatte ich angefangen, kostenlose Artikel für den ASP Newsletter zu schreiben, so dass ich mir einen Ruf erarbeitete, jemand zu sein, der viel beiträgt anstatt nur zu nehmen. Man kann Leute nicht ausfragen ohne ihnen einen Rat im Gegenzug liefern zu können. Aber im Endeffekt konnte ich Leute einfach um Rat fragen, die, verglichen mit mir, das 10fache an Shareware verkauft haben.

Dieser Ansatz funktionierte wirklich gut – es hat nur ungefähr 6 Monate und ein Produkt gedauert, um mein Einkommen aus Shareware um den Faktor 10 zu vervielfachen. Und dann machte ich einfach weiter und verdiente bald schon einen 6-stelligen Betrag pro Jahr – wobei ich immer die Leute herausgepickte, die bereits meine Zielsumme verdienten.

Ein großer Fehler, den viele gern machen, wenn sie versuchen ihren Erfolg in einem bestimmten Bereich auszbauen, ist, dass sie die Leute um Rat fragen, die nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen. Zum Beispiel, angenommen man verdient gerade 60k$/Jahr und möchte das Doppelte davon verdienen. Die meisten Leute werden alle ihre Freunde um Rat bitten, die selber 50-90k$/Jahr verdienen. Und sie werden viele Ratschläge bekommen. Aber die sind eigentlich nichts wert. Es ist weitaus besser 15 Minuten mit jemanden zu reden, der 150k$/Jahr verdient, als einen ganzen Tag Leute um Rat zu bitten, die nicht auf diesem Level sind. Das mag jetzt nach einer Übertreibung klingen, aber ich glaube es ehrlich gesagt nicht, dass es eine ist. Ich bekomme lieber nur auf 1-2 Fragen eine Antwort, von jemanden der weit erfolgreicher in einem Bereich ist als ich, als den ganzen Tag mit Leuten zu plaudern, die sich nur ungefähr auf meinem Level befinden.

Eine merkwürdiges Paradoxon ist, dass Ratschläge von Leuten, die auf dem gleichen Level wie man selbst sind, oft sehr gut und vernünftig klingen. Aber sie stellt sich oft insofern als schlechter Rat heraus, dass man damit einen weitaus schwierigeren Weg zum Erfolg hat, und oft funktioniert es gar nicht. Auf der anderen Seite klingen Tipps von Leuten, die einem weit voraus sind, oft anfangs mies oder waghalsig, aber wenn man sie dann tatsächlich mit etwas Vertrauen anwendet, funktionieren sie oft wunderbar.

Ein einfaches Beispiel

Als ich Mitte 1999 Dweep auf den Markt gebracht habe, wollte ich seine Verkäufe so schnell wie möglich steigern. Also bat ich eine Zahl an Leuten um Rat, wie ich das anstellen sollte. Leute, die 1000$ oder weniger pro Monat mit Shareware verdienten (so wie ich zu der Zeit), gaben mir fast alle Tipps, wie ich das Spiel an sich verbessern könnte. Sie haben sich auf das Produkt konzentriert und darauf, mehr zu programmieren. Aber eine Person, die um die 10k$/Monat verdient hat, sagte mir, ich solle mit dem programmieren aufhören und die nächsten Monate 80% meiner Arbeitszeit damit verbringen, das Spiel zu vermarkten. Er sagte, ich solle es jeden einzelnen Tag vermarkten – andere Seiten überzeugen, auf mich zu verlinken, versuchen höhere Positionen in den Suchmaschinen zu bekommen, unzählige Kopien für Rezensionen rausschicken, usw. Ich nahm seinen Rat an, weil er bereits die Ergebnisse erzielt hatte, die ich wollte und ich wusste, dass er aufrichtig war. Also habe ich die nächsten 6 Monaten fast nichts anderes gemacht, als Marketing zu erlernen und mein Spiel zu vermarkten. Und es hat funktioniert. Es hat sich anfangs nicht richtig angefühlt, so wenig zu programmieren, aber ich konnte mich über den monatlichen Zuwachs meines Einkommens und meiner Kunden nicht beklagen. Mir ist jetzt klar – wenn ich dem Rat meiner Kumpels gefolgt wäre, dann hätte ich nur wenig erreicht, auch wenn ihr Rat damals für mich gut klang. Sich auf das Produkt zu konzentrieren, wäre die falsche Strategie gewesen – Ich hätte eine Menge Zeit und Energie investiert und nur wenig dafür bekommen. Der Fokus auf das Marketing war schwieriger für mich und anfangs war es nicht die Antwort, die ich hören wollte, weil ich darin nicht sonderlich viel Erfahrung hatte, aber es war richtig sich darauf zu fokussieren, um die gewünschte Menge an Verkäufen zu schaffen.

Viele Leute lassen das Marketing zu kurz kommen, wenn sie gerade ein neues Unternehmen aufbauen. Es nicht immer offensichtlich, wie wichtig Marketing ist, insbesondere, wenn man es liebt neue Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln. Das Produkt ist wichtig, aber ohne dem Marketing genug Zeit und Energie zu widmen, wird kaum jemand davon erfahren. Jay Abraham sagt, dass Marketing der wichtigste Teil ist, um an Einfluss zu gewinnen, wenn man seine Verkäufe erhöhen will. Ich denke, er hat wohl recht. Wenn das Produkt nicht gerade ernsthafte Fehler aufweist, kann man mehr Einfluss gewinnen indem man einen Tag, eine Woche oder einen Monat ins Marketing investiert, als mit dem Basteln und Verbessern des Produktes (oder der Dienstleistung) an sich. Der Fakt, dass das ziemlich unintuitiv ist, mag vielleicht erklären, warum so viele neue Unternehmen scheitern oder stagnieren.

Aber ich denke, wenn man etwas tiefer gräbt, dann finden sich andere Gründe warum man versäumt, andere Leute um Rat zu fragen, die weit erfolgreicher sind, als man selbst. Zum einen gibt es einen gewissen Scham. Das Einzige, was ich hier raten kann, ist weiterzumachen, sich eingeschüchtert zu fühlen – und dennoch zu fragen. Aber ein tiefersitzendes Problem wird wohl sein, dass man ungern die Art von Rat hören möchte, die einen dazu zwingt, sich mit seinen eigenen Schwächen auseinanderzusetzen. Zum Beispiel, wenn man nicht gut im Vermarkten ist oder Marketing nicht mag, dann ist es nicht das, was man hören will, wenn jemand sagt, dass es der Schlüssel zum (größeren) Erfolg ist. Es ist leichter auf die Leute zu hören, die einem sagen, dass man sein Produkt oder seine Dienstleistung verfeinern soll, insbesondere wenn das zu den eigenen Stärken gehört. Aber wenn man den einfachen Ansatz wählt, wird man nie bessere Ergebnisse erzielen. Nach ein paar Jahren, wird man sich auf diese Weise fühlen, als wenn man in der Tretmühle festhängt – man arbeitet und arbeitet, aber es führt nirgendwohin. Man wird eine Menge geschafft haben, aber es produziert einfache keine großartigen Ergebnisse im Kern. Und der Grund dafür ist, dass man meist unbewusst Leute nachahmt, die genauso stagnieren, wie man selbst.

Es klingt nach gesundem Menschenverstand, bei denjenigen, die schon die Ergebnisse erzielt haben, die man selbst will, um Rat zu fragen und diesen dann anwenden. Dennoch ist es eher ungewöhnlich, dass jemand das durchgängig so macht. Also keine falsche Scham – hier kann man ruhig “unnormal” sein.