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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Jagen gehen

Ich denke, der beste Weg seine Moralvorstellungen mit der eigenen Ernährungsweise in einer Reihe zu behalten, ist es, mit den Prozessen verbunden zu bleiben, die man durch die Wahl seiner Nahrungsmittel unterstützt.

Wenn man beispielsweise ein Fleischesser ist, dann empfehle ich dringend, ab und an jagen zu gehen und das zu essen, was man tötet. Ich denke, dass es wichtig ist, diese Erfahrung zu machen, da man so seine Wahl erst vollständig abschätzen kann. Wenn man selbst kein Tier töten und zubereiten kann, würde dies eine größere innere Inkongruenz signalisieren und so wäre es vielleicht schlau die Wahl der Nahrungsmittel neu zu bewerten.

Ich würde nicht sagen, dass man es jedes Mal tun muss, wenn man Fleisch isst, aber wenigstens einmal im Jahr kann man es tun, um mit dem Prozess von Töten bis Verzehren verbunden zu bleiben. Für jemanden, der nur Fisch isst, würde fischen zu gehen ausreichen.

Für Ovo-Lakto-Vegetarier würde ich die Erfahrung empfehlen, eine Kuh zu melken und deren Milch zu trinken. Oder man könnte eine Hühnerfarm besuchen und frische Eier direkt von der Quelle kaufen. Man sollte einige Zeit mit den Kühen und Hühnern verbringen, um zu sehen, wie sie so aus der Nähe sind. Man sollte sich seiner Gefühle bewusst werden, wenn man ihre Milch und ihre Eier verzehrt.

Wenn man gern verarbeitete Nahrungsmittel isst, sollte man versuchen einen Besuch in einer dieser Fabriken zu organisieren, die man unterstützt hat und sich die Produktionsanlage ansehen. Ethel M. Chocolates in Las Vegas bietet eine freie Führung in der Fabrik mit kostenlosen Schokoladen-Kostenproben am Ende an. Auf diese Tour zu gehen, wird einen Schokolade sicher weder hassen noch lieben lassen, aber es wird vielleicht das Bewusstsein für die Art Jobs heben, die Menschen machen, um Gourmetschokolade herzustellen. Es hilft, das Bewusstsein für die Konsequenzen der eigenen Handlungen anzuheben.

Seit einigen Jahren habe ich nun einen kleinen Garten in meinem Hinterhof. Ich bin kein wirklich guter Gärtner, aber eigenes Essen anzubauen und zu verzehren ist eine Erfahrung von der ich viel gelernt habe. Ich habe bemerkt, dass ich es bevorzuge Pflanzen zu essen, die sich erneuern, anstatt solche, die man aus dem Boden herausreißt und tötet. Ich habe zum Beispiel einige grüne Zwiebeln, die seit Jahren gedeihen. Ich schnipple hier und da einige Stücke ab und die Pflanzen erneuern sich automatisch. Das selbe gilt für Kräuter. Auch Obstbäume sind toll, weil man die Früchte essen kann und die Pflanzen weiterleben und mehr Früchte tragen. Ich bevorzuge frische Früchte als großen Teil meiner Ernährung.

Ich kann mich selbst nicht jagen und ein Reh oder anderes Tier schießen sehen. Ich würde es bevorzugen, ein Tier weiterleben zu sehen. Wenn ein Löwe töten will, dann ist das okay, aber ich bin kein Löwe. Wenn jemand jedoch Fleisch isst, dann finde ich, dass das Jagen und die Beute zu essen, eine unentbehrliche Erfahrung ist. Sonst ist es einfach zu wahrscheinlich, dass das eigene Bewusstsein herabgesetzt wird und in die Inkongruenz abgleitet, was den Respekt vor sich selbst nach und nach anfrisst.

Ich habe viele Rehe ganz aus der Nähe betrachten können während meiner letzten Reise, zusammen mit vielen Kühen und andern verschiedenen Tieren und ich fühlte nie das Verlangen eine Waffe zu zücken, sie zu töten und zu essen. Stattdessen sah ich sie als sehr schön und friedlich. Ich wollte da sitzen und sie beobachten und nicht ihre Leben beenden.

An einem Punkt kamen Rachelle und ich sehr nah an ein Reh heran und hatten praktisch eine Unterhaltung mit ihm, während wir Bilder schossen. Zu keiner Zeit sprachen wir über seinen Geschmack und ob es uns sättigen würde. Vielleicht ist das der Grund weswegen es uns so nah heran ließ, fast in Streichelnähe. Danach dankten wir ihm für die Fotos.

Innere Kongruenz betrachte ich mehr als eine Frage des Maßes als des Wesens. Die Kongruenz zwischen den eigenen Werten und Entscheidungen zu verbessern, ist ein lebenslanger Prozess. Es geht nicht darum, Perfektion zu erlangen. Sobald man einen Schritt vollendet hat, mag man für eine Weile denken, man hat eine neue Ebene moralischen Gutseins erreicht, aber kurz darauf werden sich die nächsten Schritte eröffnen.

Ich denke dabei an die 9 Milliarden Nutztiere, die jedes Jahr in den USA geschlachtet werden. Ich frage mich, wie viele dieser Tode passieren würden, wenn die Konsumenten das Töten selbst übernehmen müssten. Ich glaube, wir sind uns einig, wenn ich sage, es wären deutliche weniger als diese 9 Milliarden Tötungen.

Wenn man Fleisch isst, aber niemals selbst und absichtlich ein Tier getötet und gegessen hat und sogar dem Versuch widersteht, macht es einen dann nicht zum Feigling? Doch, ich glaube schon. Letzten Endes ist es doch so, dass das eigene Wertsystem Fleischessen zulässt und dann muss es doch mit Sicherheit den grundlegenden Prozess unterstützen, der es erst möglich macht, Fleisch zu essen: absichtlich ein Tier zu töten und sein Fleisch zu essen.

Es gibt natürlich viele Wege, die Ideen dieses Artikels auszudehnen. Nahrungswahl ist nur ein Anwendungsgebiet. Der Hauptgedanke ist, dass wenn man sich nicht dazu bewegen kann, an einem Prozess teilzuhaben, den man momentan durch seine Entscheidungen unterstützt, dann respektiert man ihn nicht wirklich.

Und wenn man weiterhin an Prozessen teilnimmt, die man nicht respektiert, respektiert man dann seine Entscheidungen tatsächlich?

Wenn man Schritte unternimmt, die Kongruenz zwischen den eigenen Werten und Entscheidungen zu unterstützen, dann verbessert sich auch die Selbstachtung. Und mit mehr Selbstachtung, wird man sich wahrscheinlich nicht in missbräuchliche Beziehungen begeben und es wird wahrscheinlicher, dass man privat und beruflich hohe Lebensstandards hält.

Wenn das Wertsystem und die Entscheidungen nicht konform gehen, dann bedeutet das, dass man sich selbst nicht wertschätzt.