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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Kreativität für intelligente Menschen

Folgst du der Masse oder schlägst du einen neuen kreativeren Weg sein?

Wenn man einem bekannten Klischee glauben will, so sind Linkshänder* wie ich angeblich kreativer als Rechtshänder.

Zum Beispiel habe ich im vorherigen Satz gleich mal die meisten meiner Leser leicht vor den Kopf gestoßen und mir dabei auch noch selber ein Kompliment gemacht – ganz schön kreativ, was?

Ich weiß nicht, ob dieses Klischee irgendeine reale Grundlage hat, aber als ich davon als Kind gehört habe, nahm ich an, dass vorausgesetzt wird, dass ich sehr kreativ sein müsste, eben weil ich ein Linkshänder bin. So war die Regel, richtig? Da mir nie die Idee kam, das in Frage zu stellen, wurde Kreativität schon von klein auf zu einem wichtigen Teil meines Wertesystems.

Kreativität hat auch ihre Nachteile, aber alles in allem war sie über die Jahre extrem hilfreich. Der vielleicht größte Segen (und Fluch) ist der Zwang immer wieder unorthodoxe Dinge auszuprobieren, was mein Leben aber sicherlich auch sehr interessant gestaltet hat. Weil der (Mehr-)Wert der Kreativität einen so zentralen Platz in meinen Leben einnimmt, passiert es fast schon automatisch, dass ich das vermeiden will, was die Mehrheit macht und lieber etwas anderes ausprobiere.

Die meisten Menschen haben einen Job und kriegen Gehalt, also scheue ich das wie die Pest. Die meisten Menschen haben Angst davor öffentlich eine Rede halten zu müssen, also liebe ich es naturgemäß. Die meisten Menschen essen Tiere, also ernähre ich mich vegan. Ich schwimme einfach gegen den Strom.

Wenn jemand etwas so sieht, dann will ich es automatisch anders sehen. In meiner Teenagerzeit habe ich diese Entscheidung oft irrational getroffen – meist wenn “anders sehen” etwa Gefahr oder Zerstörung bedeutete. Ich habe schnell gelernt, dass “anders sein” nur um seiner Selbst willen, keine gute Idee ist. Nach einigen schmerzvollen Jahren, habe ich schließlich gelernt meine Kreativität mit etwas mehr gesundem Menschenverstand zu zügeln.

Aber wenn du es vermeiden kannst irrational zu handeln, wenn eine Lösung nach gesundem Menschenverstand einer kreativen Variante überlegen ist, dann kann die Entwicklung deiner Kreativität eine Goldgrube für deine Persönlichkeitsentwicklung sein. So ist jedenfalls meine Erfahrung.

Normalität ist sinnlos

Kreativität funktioniert sehr gut in Situationen, wo Normalität und Mittelmäßigkeit suboptimal sind – und da finden sich viele Situationen, die sich dafür qualifizieren. Nehmen wir zum Beispiel dein Einkommen. Die Lösung per gesundem Menschenverstand ist die Suche nach einem Job, damit man ein Gehalt bekommt. Aber jeder halbwegs intelligente Mensch, der alle Optionen in Betracht zieht, wird schnell merken, dass ein Job und Gehalt ein paar riesige Nachteile hat. Such dir einfach einen Job und du wirst merken, wovon ich rede. Aber um es vorweg zu nehmen: ein Job ist sehr riskant, weil du nur einen Bruchteil des Wertes bekommst, den du generierst. Du zahlst von allen die meisten Steuern, ein wahnsinnig großer Teil deiner Zeit geht dafür drauf und du gibst jede Menge Freiheit dafür auf. Für mich überwiegen die Nachteile eines Jobs dessen Vorteile bei weitem. Warum sollte ich mich in die Position begeben, dass irgendwer die Macht hat mich zu feuern? Das Risiko möchte ich bezüglich meiner finanziellen Sicherheit lieber nicht eingehen. Sich einen Job zu suchen, ist seine sehr unkreative Lösung für das Problem der Einkommensgenerierung und es ist nicht wirklich schwer, sich eine kreativere Lösung einfallen zu lassen, die sicherer, lukrativer und weitaus effizienter ist. Wenn du nicht viele unternehmerisch tätige Freunde hast, dann ist es verständlich, wenn du Angst vor dem Unbekannten hast und irrtümlicherweise denkst, dass es riskanter ist, deine eigene Einkommensquelle zu besitzen statt sie zu leasen. Aber man muss kein Genie sein um zu bemerken, dass es besser ist die goldene Gans zu besitzen statt sie auszuleihen (insbesondere wenn ihr Besitzer recht flatterhaft ist).

Weitere Bereiche in denen man fantastische Resultate erzielen kann, wenn man es vermeidet “normal” zu sein, sind:

Es ist traurig aber wahr – wenn du gesund, wohlhabend und weise sein willst – dass du dann auf einem kreativen Weg bessere Chancen hast statt wenn du das machst, was alle machen. Wenn du nicht sonderlich klug bist, dann ist es prinzipiell eine gute Idee der breiten Masse zu folgen. Aber wenn du halbwegs intellektuell bist, dann kannst viel mehr leisten als der Durchschnitt – also sei dir selbst gegenüber auch anspruchsvoller.

Kreativität als Mittel gegen Langeweile

Ein weiterer Vorteil der Kreativität ist die Tatsache, dass man mit ihr Langweile bei Dingen eliminieren kann, die einen normalerweise einschläfern würden.

In meinen letzten Jahren in der High Scool habe ich “Angewandte Analysis” belegt und den Stoff so schnell verstanden, dass es mich schon bald gelangweilt hat. Also habe ich mir selber eine Herausforderung gestellt und die Hausaufgaben so kreativ wie möglich gelöst. Nicht nur, dass ich Lösungsansätze verwendet habe, die nicht in der Schule gelehrt wurden – ich habe auch ungewöhnliche Medien verwendet. Zum Beispiel habe ich meine miene Hausaufgaben mit Kreide oder Buntstiften geschrieben – auf einem Stück Papier, dass nur 5cm x 5cm groß war. Oder ich habe die Rückseite einer Cornflakes-Box verwendet. Jede Woche habe mich selbst herausgefordert, mir neue kreative Wege auszudenken um meine Hausaufgaben zu lösen. Glücklicherweise hatte ich einen tollen Lehrer, der gewillt war, meine Albernheiten zu tolerierne.

Während der Weihnachtsferien in meinem letzten Jahr habe ich mich nur zum Spaß dazu entschieden sämtliche verbliebenen Analysis-Hausaufgaben für den Rest des Schuljahres zu erledigen. Natürlich wusste ich nicht, was genau uns als Aufgabe gestellt werden würde, also habe ich einfach alle verbliebenen Augaben im Buch erledigt und den ganzen Stapel noch-nicht-gestellter Hausaufgaben zu Beginn des zweiten Halbjahres mit den Worten “Ich bin fertig – was nun?” meinem Lehrer übergeben. Das war meine Art ihn herauszufordern mir auf eine kreative Weise zu antworten. Was würde er mit einem Schüler machen, der bereits das gesamte nächste Semester gepaukt hat, das er eigentlich lehren wollte? Würde er mich zwingen, in der Klasse zu sitzen und die ganze Zeit Däumchen zu drehen? Glücklicherweise nahm er die Herausforderung an und trieb mich an noch mehr zu machen, indem er mir besondere Aufgaben und Tests stellte, die sich von denen vom Rest der Klasse unterschieden.

So hat mir die Kreativität ermöglicht meine Herausforderungen noch zu vergrößeren und mir auf diese Weise eine bessere Ausbildung zu ermöglichen als wenn ich die Langeweile einfach ertragen hätte. Es ist unmöglich gelangweilt zu sein, wenn du herausgefordert wirst. Vielleicht wirst ab einem gewissen Punkt frustriert sien, wenn die Herausforderung zu groß ist, aber keinesfalls gelangweilt.

Kreativität als Wettbewerbsvorteil

Wenn Kreativität intelligent eingesetzt wird, kann sie im Geschäftsleben einen signifikanten Wettbewerbsvorteil bedeuten. Im Geschäftsleben sind die meisten Menschen so einfallsreich wie Borg-Drohnen (das Kanonenfutter ohne Abwehrschilde). Ein hoher Grad an Kreativität ist im Geschäftsleben ungewöhnlich – sogar in eigentlich kreativen Bereichen wie der Spieleindustrie. Natürlich wird nicht jeder von deiner Kreativität angetan sein, aber wenn der Großteil deiner Konkurrenz ziemlich unkreativ ist, dann wirst du aus der Masse hervorstechen und auffallen, was wiederum zu neuen Chancen führt, die unkreativen Menschen für immer verwehrt bleiben werden.

Als ich 1994 Dexterity Software gegründet habe, war ich erbärmlich unkreativ. Von Anfang an bin ich auf Nummer sicher gegangen. Die ersten paar Spiele, die ich veröffentlicht habe, haben sich nicht gut verkauft, aber nach und nach habe ich meiner Kreativität nachgegeben und mit Dweep im Jahre 1999 einen Treffer gelandet. Es hat mich ganze vier Monate und unzählige Versuche gekostet nur um das fünfseitige Designheft für dieses Spiel zu entwickeln. Im Kontrast dazu brauchte ich für die Programmierung, das Artwork, die Musik und Soundeffekte nur weitere zwei Monate. Die meisten anderen Spieleentwickler haben sich auf die Technik verlassen, aber ich habe sie hinten angestellt und mich auf das Design konzentriert.

Meine harte Arbeit und Kreativität haben sich ausgezahlt. Dweep gewann sowohl 2000 und 2001 den Shareware Industry Award, sowie den ZDNet Shareware Award 2000. Zudem hat es eine stattliche sechsstellige Summe durch direkte Verkäufe eingebracht und mir es so ermöglicht, meine Firma weiter auszubauen und einen Vollzeit-Mitarbeiter einzustellen, der sich um die Vermarktung der rund ein Dutzend anderer Spiele kümmert. Ich habe es sogar mit einem Artikel und Photo in die New York Times geschafft – alles dank dem Erfolg von Dweep.

Als ich Dweep designte, habe ich mir im Prinzip angesehen, was alle anderen in meinem Markt entwickelt haben – und habe dann das Gegenteil gemacht. Anstatt einen weiteren brutalen Shooter zu entwickeln, habe ich Dweep extra gewaltfrei gehalten. Ich hatte Glück, dass das Spiel kurz nach dem Massaker an der Columbine High veröffentlicht wurde, als eine heftige, von den Medien gesteuerte Gegenbewegung zu Gewalt in Computerspielen einsetzte. Dweep ist zu dem ein mental sehr forderndes Spiel, was es für intelligente Menschen attraktiv machte, die statt ihrer Reflexe ihren Geist herausfordern wollten. Und letztlich war es auch Dweeps Gameplay, dass aus einzigartigen Puzzles bestand, die man sonst nirgends finden konnte, das mir eine Menge Konkurrenz vom Hals gehalten hat, weil diese Art von Spiel extrem schwer zu designen ist – ähnlich dem Lösen von komplizierten Problemen bei Analysis. Man muss schon etwas masochistisch veranlagt sein, wenn man ein solches Projekt in Angriff nimmt, insofern ist die Einstiegshürde in dieses Marktsegment deutlich höher im Vergleich zu einfacheren, weniger design-intensiven Spielen. Als die Konkurrenz schließlich auch den Markt für downloadbare Spiel entdeckte (mir war schon bewusst, dass das irgendwann passieren würde), gab es in meinem Segment dennoch deutlich weniger Konkurrenz als bei simpleren Spielen, die weniger Hirnschmalz erforderten.

Selbst 6,5 Jahre später, verkaufte sich Dweep Gold immernoch. Warum? Weil die Leute es weiterhin kaufen. Auch wenn das Spiel mit moderner Technologie nicht mithalten kann, läuft es doch auf langsamen und schnellen PCsm macht immernoch Spaß und ist einzigartig. Auch wenn ich mich offiziell aus der Spieleindustrie schon 2004 zurückgezogen habe, erfreue ich mich immernoch an dem passiven Einkommen, dass mir die Verkäufe von Dweep Gold einbringen. Und ich habe das Spiel seit 2002 nicht mehr geupdated. Es freut mich zu sehen, dass es die Leute geistig fordert und sie antreibt, sowohl logisch als auch kreativ zu denken. Insofern steht es weiterhin im Einklnag mit meinen Wunsch Menschen beim persönlichen Wachstum zu helfen. Ich bekomme immernoch positives Feedback von Leuten, die die geistige Herausforderung lieben. Den Markt für simplere Spiele überlasse ich so gerne alle anderen.

Finde heraus, was alle anderen machen – und dann mach das Gegenteil davon.

Vielleicht hast du bemerkt, dass ich einen ähnlich kreativen Ansatz bei meinem Unternehmen für Persönlichkeitsentwicklung verfolge. Wieder habe ich mir an sich angesehen, was alle anderen in diesem Bereich machen und das Gegenteil dessen umgesetzt. Anstatt lächerliche Versprechungen zu machen, dass ich alle deine Probleme über Nacht lösen kann um dir irgendein “Wundermittel” zu verkaufen – so wie das viele Selbsthilfe-Marktingfuzzis machen – habe ich dir von Anfang an gesagt, dass die Persönlichkeitsentwicklung harte Arbeit ist. Ich stelle alle meine Artikel kostenlos zur Verfügung. Ich habe keine Produkte, die ich dir verkaufen könnte. Ich führe ein Blog. Ich setzte hauptsächlich auf eine Online-Strategie. Zig Ziglar macht es anders – ich nicht.

Verglichen mit dem, was die etablierten Profis in diesem Bereich machen, ist mein Ansatz kreativ – oder zumindest konträr dazu. Aber funktioniert es? Ich denke doch. Ich habe bereits ein nettes Einkommen – und solange gibt es die Website ja noch nicht. Ich muss den Menschen nichts vorspielen. Ich mache, was ich liebe. Ich erfreue mich an schon fast lächerlich viel Freiheit. Und ich habe eine verdammt gute Zeit.

Gib nicht auf, wenn du Rechtshänder bist.

Auch wenn auf dir der Fluch des Rechtshänders lastet, kannst du dennoch kreativ sein. Fang einfach an, deine linke Hand zu verwenden. Hehehe.

Der Schafherde zu folgen und Lösungen nach “gesundem Menschenverstand” zu verwenden, mag intelligent erscheinen, aber es ist oft klüger einen anderen Weg einzuschlagen. In vielen Fällen ist der ausgetretene Pfad deswegen so beliebt, weil er zweckdienlich und nicht weil er clever ist. Als Faustregel gilt, dass ein Mitlaufen mit der Masse unnötig riskant, langweilig und ineffizient ist.

Hab keine Angst davor kreativ zu sein. Achte darauf, was alle anderen machen und dann mach das Gegenteil, wann immer es intelligent erscheint. Nimm den Pfad, der weniger ausgetreten ist. Auch wenn es dir mit diesem Ansatz nicht so gut ergeht wie mir, dann hast du zumindest einige interessante Geschichten, die du einen Enkeln erzählen kannst. Dieser Planet braucht mehr kreative Problemlösungen als je zu vor – und nicht noch mehr gehorsame Drohnen.

* Langzeitleser könnnen gerne “Linkshänder” zu meiner stetig wachsenden Liste an Symptomen hinzufügen. Bitte sagt mir Bescheid, wenn du glaubst eine Diagnose gestellt zu haben.