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Leben, mehr Leben, besser Leben

Dieser Artikel ist der dritte Gewinner eines Blog-Wettbewerbs von Better Humans [Anm. d. Red. Die ursprüngliche Seite existiert leider nicht mehr]. Die Aufgabe war, einen Artikel darüber zu schreiben, warum man für immer bzw. länger leben möchte.

  1. Weshalb ich länger leben möchte
  2. Die Unendlichkeit feiern
  3. Leben, mehr Leben, besser Leben
  4. Wozu leben?

Leben, mehr Leben, besser Leben

Eines Tages sprachen Winston Churchill (damals 71) und Lord Cherwell, sein wissenschaftlicher Berater, über ihr Trinkverhalten. Churchill prahlte damit, dass er in seinem Leben mindestens einen Eisenbahnwagon voll Brandy, wenn nicht mehr, getrunken haben muss. Cherwill rechnete auf seinem Rechenschieber kurz nach und sagte Churchill, dass der Brandy, den er getrunken hatte, kaum mehr als eine kleine Ecke eines durchschnittlichen Eisenbahnwagons füllen könne.

Churchill war betrübt, als er hörte, wie stark das Leben doch limitiert sei und sprach voller Reue:

“Ah, so viel zu erreichen, aber so wenig Zeit dafür.”

Von dieser Anekdote (ob sie nun wahr ist oder nicht) können wir lernen, dass viel zu trinken ein Grund zu leben ist – oder zumindest viel von irgendetwas zu genießen.

Das Leben, das Universum und der ganze Rest von Douglas Adams

Englisches Original

Akademiker und Wissenschaftler oder ihre Kritiker – egal ob sie ernst meinen oder nicht – nehmen an, dass es ein Ziel technologisch hoch entwickelter Zivilisationen ist, so viel Wissen wie möglich anzuhäufen. Douglas Adams zog diese akademische Fixierung auf Wissen um des Wissens willen in seiner richtungsweisenden Satire Das Leben, das Universum und der ganze Rest durch den Kakao. Deep Thought, der Supercomputer in Adams Geschichte rechnete aus, dass der Sinn des Universums “42” wäre. Noch mehr Zahlen. Das ist der einzige Sinn, der Wissenschaftlern in den Kopf kommt. Wenn sie in ihren numerischen Sphären schweben, vergessen sie glatt ihre Nobelpreise.

Diese akademische Fixierung riecht stark nach Aristoteles, der behauptet hat, dass

“Gotts Geistesleben bedeutet ewiges glückliches Nachdenken.”

Nachdenken worüber? 42? Oder Pornos? Ich bin nie mit Göttern zusammen und glückliches Nachdenken ist garantiert nicht mein Ding. Da würde ich lieber ein Glas Armangac mit Churchill teilen.

Tatsächlich sind aber nicht alle Wissenschafter heimliche Blaustrümpfe, die von Wissen besessen sind. In einer neueren Kritik der aktuellen Suche nach außerirdischem Leben (SETI), sagten Milan Circovic und Robert Bradbury:

“Zwei Begrenzungen der Evolution des Lebens erscheineb vernünftig: Entweder die Entwicklung zu ausschließlich Glück suchenden Hedonisten im allgemeinsten Sinne (analog zum römischen Reich) oder zu den größtmöglichen Errungenschaften hinsichtlich der individuellen Entwicklung (analog zu den griechischen Olympischen Spielen). In jeder der Situationen werden sie die größte Rechenkapazität und Effizienz suchen, um diese Aktivitäten zu unterstützen.”

Ich kann mir aber nicht vorstellen, weswegen Circovic und Bradburg unseren Nachfahren eine solch miese Auswahl vorgeben. Diese Menschen aus der Zukunft könnten doch sicherlich mit all dieser Computer-Power so leben wie Caligula und Aristoteles und dennoch niemandem schaden.

Außerdem kann ich nicht verstehen, warum diese Überlegungen nicht auf mich zutreffen sollten. Vielleicht besteht mein Bewusstsein aber noch bis in das Zeitalter der fortgeschrittenen technologischen Gesellschaft der Astro-Philosophen hinein. Uns stehen ja die überwältigenden biologischen Technologien des 21. Jahrhunderts zur Verfügung und ich freue mich schon auf den Transfer meiner Persönlichkeit in andere künstliche Formen.

Aber ich sitze nicht nur herum und warte darauf, dass Gutes passiert.

Vor einigen Wochen war mein 77. Geburtstag und daher weiß ich, dass ich nach normalen Berechnungen nicht mehr lange zu leben habe. Dinge laufen schief. Chirurgen haben eine metallische Prothese in eines meiner Herzkranzgefäße implantiert. Medikamente halten meinen Blutdruck unter Kontrolle, aber die Arthritis macht meinen Gelenken zu schaffen. Muskeln werden schwächer. Als Senior vernebeln einem manche Erinnerungen. Der Verfall breitet sich in kleinen Schritten in jedem Organ aus, aber wenn ich nichts mache, dann bin ich bald verdammt.

Trotzdem habe ich mehr Glück als viele meiner Freunde und Zeitgenossen, von denen viele schon das Zeitliche gesegnet haben. Natürlich durchsuche ich das Internet und Wissenschafts-Journale auf der Suche nach Abhilfe, aber Lesen ersetzt keine Kniegelenke.

Also nehme ich meine Medikamente, dazu eine Zahl (sehr teurer) Nahrungsergänzungsmittel, welche das medizinische Establishment verachtet – und ich mache Sport. Ja, tatsächlich. Ich habe ein Krafttraining begonnen, bei dem ich nicht allzu schwere Gewichte herumdrücke. Dabei leitet mich eine nette junge Trainerin an, die scheinbar besonders nett zu alten Herren ist.

Mein Herz-Kreislauf-System würde protestieren, wenn ich es übertreibe. Mein Blutdruck scheint “normal” zu bleiben (das heißt, ein systolischer Druck von weniger als 100 plus mein Alter, sowie ein diastolischer Druck von über 70). Hätte ich wieder das biologische Alter eines 25-jährigen, würde dieser Druck sinken, meine Hormone würden wieder ansteigen und ich wäre fit genug, um mich verändern zu können und der Welt viel mehr Freude zu bringen, als ich es während des gottverlassenen 20. Jahrhunderts machen konnte.

Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass das passieren wird. Ich glaube nicht, dass ich mein gesundes Leben lange herauszögern kann, egal was Kurzweil, Aubrey de Grey und ihre Kollegen sagen. Aber der Versuch bereitet mir Freude und durch die Aktivität fühle ich mich meinen noch lebenden, aber schicksalsergebenen Freunden überlegen.

Ich weiß, dass die Mühe sich gelohnt hat, wenn ich, sagen wir in 50 Jahren, so viel Courvoisier trinken kann wie ich will und es mir nicht schlecht danach geht. Bis dahin wird mich das Langlebigkeits-Mem mit genau den Anzeichen der unaufhörlichen Wandlung beschenkt haben, die ich verdiene und in der Unendlichkeit feiern werde.

Ein Vortrag von Dr. Aubrey de Grey (Leider nur auf englisch.)