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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Meine oder deine Realität?

Wenn man daran glaubt, dann ist vieles möglich

Wenn das persönliche Glaubenssystem auf dem Konzept einer objektiven Realität – die wir alle teilen – basiert, wie kann man dann die Existenz anderer Realitäten widerlegen, in denen jeder von uns in seiner “eigenen kleinen Welt” lebt?

Aus der eigenen Perspektive wäre es eine würdige Bestrebung, beweisen zu wollen, dass die eigene, die einzig wahre Realität ist. Aus der Perspektive, dass jeder einzelne in einer Realität lebt, die durch seine eigenen Gedanken und Überzeugungen erschaffen wird, ist solcher Beweis hingegen sinnlos, da unser Glaubenssystem keine Beweise braucht – die eigenen Überzeugungen sind selbsterfüllend. Man würde nur beweisen, was man selbst erschafft. Das ist, als würde man auf den Kuchen zeigen, den man gebacken hat, um zu beweisen, dass er echt ist. Man muss nicht beweisen, was man selbst erschafft.

Ein solches Glaubenssystem wird die eigenen Handlungen formen, indem es einen zwingt …

  • Ungläubige vom eigenen Paradigma zu überzeugen
  • sie als falsch-denkend zu betrachten
  • sie aus der eigenen Realität völlig zu verbannen

Wenn man mich also bitten würde, in die eigene “objektive” Realität einzutreten und das Glaubenssystem zu übernehmen, dann könnte ich das tun, aber es würde mich unnötig einschränken. Es wäre, als würde ich aus einer dreidimensionalen Realität in eine zweidimensionale eintreten. Wenn ich das tue, dann wird man mir das Argument vorsetzen, dass Kugeln nicht existieren, Kreise aber schon. Ich würde sagen:

“Naja, in deiner Realität mag das stimmen. Aber es gibt andere Realitäten, in denen es Kugeln gibt, man muss aber an die Dreidimensionalität glauben, um sie zu sehen.”

Wenn man aber standhaft daran glaubt, dass die eigene 2D-Realität die objektive ist, dann wird man niemals Kugeln sehen. Ich kann zurück in meine 3D-Realität treten und einem all die Kugeln zeigen, die meine Realität enthält, aber man wird nur zweidimensionale Projektionen sehen – also nur noch mehr Kreise. Es wird keinen Weg geben, einen davon zu überzeugen.

Und wenn ich jemanden auffordern würde, aus seinem Glaubenssystem herauszutreten und sich umzuschauen, was es sonst noch gibt, dann wird er das nicht können, weil sein momentanes Glaubenssystem beinhaltet, dass so etwas unmöglich ist.

Ich würde denjenigen als “in einem Käfig seiner eigenen Gedanken gefangen” betrachten und er würde mich als verrückt ansehen, denken, dass ich falsch liege und nicht im Einklang mit der “objektiven” Realität lebe. Das ist auf eine Art und Weise auch amüsant …

Ich habe mal an die objektive Realität geglaubt. Ich tue das nicht mehr, weil ich wahrnehmen kann, in welchem Umfang meine Gedanken die Wirklichkeit erschaffen, in der ich lebe. Eines Tages dachte ich:

“Hmmm… ich frage mich, ob solche Dinge wie Kugeln existieren.”

Ich konditionierte mich selbst, an die Möglichkeit von Kugeln zu glauben, selbst bevor ich sie gesehen habe (Ja, das ist immernoch eine Metapher). Ich dachte, dass wenn ich falsch läge, mir die Wirklichkeit schon einen Wink mit dem Zaunpfahl geben würde. Wenn meine Gedanken aber zumindest teilweise meine Realität erschufen, dann würde ich sie vielleicht sehen. Ich würde nicht enttäuscht – die Kugeln tauchten auf.

(Hier die Stimme von Keanu Reeves vorstellen, die “Whoa” sagt.)

Dann machte ich damit weiter und egal, an was ich zu glauben begann – es wurde nicht nur möglich, es manifestierte sich, sogar Dinge, von denen ich vorher dachte, dass sie unmöglich waren.

Kann ich das aber jemandem beweisen, der an eine objektive Realität glaubt? Nein. Wenn ich als Beweis eine Kugel in die Welt desjenigen schubse, wird er nur einen Kreis sehen. Ich kann niemanden die Farbe Blau zeigen, wenn er durch eine rote Linse sieht. Ich komme höchstens bis Magenta, was nicht ausreichen wird, um einem zu beweisen, dass es die Farbe Blau gibt.

Realitäten sind veränderbar

Man muss die Realität, in der man gestern gelebt hat, nicht heute wieder erschaffen. Ich weiß, dass die meisten denken, dass sie das müssen, aber das stimmt nicht. Man hat mehr Macht, als man denkt. Das Problem ist, dass man seine Gedanken und Überzeugungen so leitet, dass man seine Macht nutzt, um sich selbst einzuschränken. Man meint, dass die eigenen Gedanken auf der Wirklichkeit basieren, die unabhängig vom eigenen Denken ist, aber das ist auch eine Überzeugung und die kann man ablegen.

Der erste Schritt ist, dass man die Verbindung zwischen dem eigenen Denken und dem “was da draußen passiert” erkennt. Wenn man Pessimist ist und das Leben voller Schmerz zu sein scheint, sollte man sich überlegen, ob es nicht sein könnte, dass es eben nicht externe Ereignisse sind, die den Schmerz verursachen – sondern dass, ganz im Gegenteil, der Schmerz diese schmerzhaften Ereignisse erschafft.

Der eigene Glaube daran, dass “das Leben hart ist” erschafft diese Schwierigkeiten in der eigenen Realität. Außerdem wird man all die (fröhlichen) Kugel-Menschen im Leben herausfiltern und sie in (schmerzhafte) Kreis-Menschen verwandeln.

Man schiebt seine potentielle Freude so nur weit von sich weg, anstatt sie in sein tägliches Leben einzuladen.
Das betrachtet man dann als die eigene Reaktion auf Ereignisse außerhalb seiner Kontrolle und ist sich nicht bewusst, dass man die Macht hat, sich für etwas anderes zu entscheiden.

Der zweite Schritt ist, bewusst Kontrolle über seine Einstellungen zu übernehmen und sie zu nutzen, um mit der eigenen Realität zu spielen. Man verändert etwas in seinen Überzeugungen und schaut sich an, wie es sich in der äußeren Welt manifestiert, auch ohne, dass man selbst handelt.

Ein Selbstversuch

Man muss es nur probieren …

Einer der besten Ansatzpunkte liegt im Bereich der Synchronitäten (das sind merkwürdige Zufälle, die weit häufiger passieren, als es eigentlich sein dürfte). Man sollte diese Woche einen Anstieg von Synchronitäten beabsichtigen und erwarten, um sich selbst zu beweisen, dass die eigenen Gedanken die Realität erschaffen. Dann folgt man der üblichen Routine und schaut, was passiert.

Wenn man erwartet, dass dieses Experiment scheitert, wird es so kommen. Wenn man sich aber der Möglichkeit öffnen kann, dass dieses (harmlose) Experiment funktionieren könnte, wird man wahrscheinlich ein paar interessante Resultate bekommen. Je nachdem, wie stark man an seinem Glauben einer objektiven Realität festhält, wird man immer noch in der Lage sein, diese Ereignisse als bloße Koinzidenzen oder Zufälle auszulegen. Vielleicht trägt dieses Experiment aber dazu bei, den Griff um die Gitterstäbe des eigenen Käfigs zu lockern und macht neugierig genug, damit später größere Gedankenexperimente durchzuführen.

Was wäre, wenn Gedanken tatsächlich die eigene Wirklichkeit erschaffen? Kann man nicht alles, was einem bisher passiert ist, mit diesem Paradigma erklären?

  • Stresst einen die Arbeit oder hat man nur eine Arbeit, weil man gestresst ist?
  • Macht einen die eigene Beziehung glücklich oder macht das eigene Glück die Beziehung?
  • Sorgt der Artikel, den man gerade liest dafür, dass man über diese Konzepte nachdenkt oder gab es da schon etwas im eigenen Bewusstsein, das diesen Text in der eigenen Realität als Manifestation der eigenen Gedanken erscheinen lies?

Man braucht keinen Grund, um an etwas zu glauben, das noch nicht in der eigenen Wirklichkeit existiert. Die eigenen Gedanken können mehr, als nur die eigene Realität widerzuspiegeln – sie können aktiv an deren Erschaffung teilhaben. Glaube ist nur so lange ein Akt des Messens, wie man selbst daran glaubt. Aber mit einer bewussten Entscheidung, kann er auch zu einem Akt der Erschaffung und Manifestation werden.

Wenn man dem oben Geschriebenen nicht zustimmt, muss man es nicht widerlegen. Man kann es einfach für falsch halten und weiter in einer Wirklichkeit leben, in der solche Dinge falsch sind. Und wenn man mit dem oben Geschriebenen übereinstimmt, dann ist das höchstwahrscheinlich so, weil man bereits in einer Wirklichkeit lebt, in der solche Dinge für einen möglich sind (oder in der man sie sie bereits manifestiert).