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Der Mentor

Von einem Mentor lernen

Eine bekannte Abkürzung um seine Ziele zu erreichen, ist, die Hilfe eines Mentors anzunehmen – also von jemandem, der einen ähnlichen Weg, wie man vor sich hat, bereits gegangen ist und somit Führung und Tipps anbieten kann.

Ein Problem von vielen, denen ich auf meinem Weg zum professionellen Redner gegenüber stand, war, dass ich sehr wenig über dieses Geschäft wusste. Ich habe von Toastmasters viel über die Kunst zu Sprechen gelernt, aber diese Organisation hilft Menschen nicht dabei, diese Kunst auch zum eigenen Beruf zu machen. Sie ist nicht zu diesem Zweck geschaffen. Und die National Speakers Association ist noch keine Option für mich, da ich nicht im Entferntesten qualifiziert genug bin, um dort einzutreten; die NSA ist für Leute, die bereits professionelle Redner sind. Außerdem gibt es auch keinen Ortsverband in Las Vegas, daher würde mir die Mitgliedschaft sowieso nicht viel nützen.

Ich habe zu diesem Thema bereits einige Bücher und nützliche Internetseiten gelesen, aber ich habe immer noch riesige Wissenslücken. Das ist die Situation, in der man sich eine Menge Zeit und Mühe sparen kann, wenn man einen Mentor findet. Ich wollte jemanden finden, der bereits vom professionellen Reden lebt und willens wäre, mir vieles beizubringen und vor allem jemanden, der mich so coachen würde, dass ich mit dem Reden bald Geld verdienen könnte. Also setzte ich mir zu Beginn des Jahres das Ziel einen solchen Mentor zu finden. Es sollte auch jemand aus der Nähe sein, so dass wir uns von Angesicht zu Angesicht treffen könnten.

Damit das Mentoring funktionieren würde, brauchte ich jemanden, der sachkundig, erfahren, willens und verfügbar wäre. Ich wollte auch jemanden, dem ich auf die eine oder andere Art helfen konnte, so dass ich mir nicht wie ein Blutsauger wäre und keinen Nutzen zurück geben würde. Alle diese Dinge habe ich als Teilstücke meines Ziels aufgeschrieben.

Es dauerte einige Monate, aber schließlich fand ich einen solchen Menschen. Er ist ein Redner aus der Region für den ich eine Menge Respekt empfinde – ich habe ihn schon mehrmals sprechen sehen. Er referiert über Dinge, die mit meinen Themen nicht in Konkurrenz stehen, so dass es kein Risiko für ihn ist, mir zu helfen. Das Beste aber ist, dass er eine bessere Webseite braucht und mit dem Bloggen anfangen will, so dass ich ihm auch etwas beibringen kann und ihm somit auf diesen Gebieten eine direkte Hilfe sein kann.

Nach einer E-Mail und einem kurzen Telefonat, in dem wir diese Idee diskutierten, trafen wir uns am letzten Wochenende für 2,5 Stunden. Ich war vorbereitet und brachte eine Liste mit Fragen über das Halten von Reden sowie eine Liste mit potentiellen Verbesserungen für seine Webseite mit, so dass diese Listen eine Agenda darstellten und wir fokussiert arbeiten konnten. Wir diskutierten über jedes Thema etwa gleich lange. Diese eine Unterhaltung hat mir sicherlich Monate des Lernens erspart. Ich machte mir umfangreiche Notizen und war am nächsten Tag in der Lage, einen Langzeitplan aufzustellen um in die Welt des bezahlten, professionellen Redens einzutreten. Es wird wahnsinnig viel Arbeit sein, diesen Plan umzusetzen, aber ich kann den Weg jetzt wenigstens sehen und mir auch vorstellen, dass er wahrscheinlich erfolgreich sein wird.

Wir diskutierten sogar, welche Art Anzug man tragen sollte, wenn man eine Rede hält – und wo man ihn kaufen sollte. Irgendwie führte die jahrzehntelange Arbeit in der Computerindustrie nicht zur passenden Garderobe für öffentliche Vorträge. ;)

Ich konnte ihm auch mit vielen Ideen für die Verbesserung seiner Webseite anbieten und werde ihm helfen, diese in den folgenden Wochen umzusetzen. Dazu gehört auch, dass ich ihm Starthilfe beim Bloggen gebe. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie er das alles alleine hätte umsetzen sollen, aber für mich ist es keine große Mühe.

Man kann eine Menge Schwung gewinnen, wenn man eine Stärke für eine andere einsetzt, so dass ich mich darauf freue zu sehen, wie sehr wir uns in den nächsten Wochen gegenseitig helfen können.

Der Teufel liegt, wie bei jedem neuen Projekt, im Detail. Genau so, wie Softwareentwicklung von außen trügerisch einfach aussehen kann, ist das professionelle Reden ebenso kompliziert, je tiefer man hineingeht …

  • Verträge
  • Umfragen vor den Reden
  • Reisearrangements
  • Hinterhofverkäufe
  • Rednervereinigungen
  • Inhaltsanpassung
  • Proben
  • Visualisierungen
  • Audio- und Videodemos
  • Preise
  • usw.

Wenn man einmal in diesem Business Fuß gefasst hat, dann treten diese Details in den Hintergrund, aber um an diesen Punkt zu kommen, muss man zunächst über längere Zeit viel Aufwand betreiben um sich Schritt für Schritt vorwärts zu bewegen. Wenn ich manchmal auf meine Spielefirma zurückblicke, dann bin ich erstaunt, auf wie viele kleine Details ich immer wieder achten musste.

Ich rate jedem, der ein neues Ziel erreichen möchte und den Weg dahin noch nicht klar genug erkennen kann, einen Mentor zu finden. Aber ich denke nicht, dass es eine gute Idee ist, einfach irgendjemanden, den man bereits kennt, aus dem Bauch heraus zu fragen. Man sollte Informationen über die potentielle Mentoren zusammentragen, denen man auch irgendwie helfen kann. Man sollte schauen, ob man diese Person mag und respektiert und ob man miteinander auskommen kann. Wenn alles gut aussieht, sollte man die gegenseitige Unterstützung vorschlagen. Dabei sollte man vorsichtig vorgehen und erstmal damit beginnen, ein Treffen vorzuschlagen, bei dem man die Idee diskutiert und überlegt, was es beiden bringt.

Auch wenn man nicht viel zurückgeben kann, sind viele Menschen bereit, Mentor zu sein, weil es einfach Freude macht, jemand anderem zu helfen. Ich denke, in diesem Fall wird es die vorrangige Überlegung des Mentors sein, ob man die gegebenen Ratschläge tatsächlich umsetzt. Wenn es klar ist, dass man von seinem Ziel überzeugt ist und ernsthaft lernen will, was nötig ist, dieses zu erreichen, dann wird man sicherlich Erfolg dabei haben, einen Mentor zu finden. Der Mentor wird sehen, dass man es ernst meint und erwarten, dass seine Arbeit Ergebnisse hervorbringen wird. Wenn man aber von einem weniger reifen Standpunkt an die Sache herangeht und man eher Rat aus Angst sucht, weil man seinem eigenen Urteilsvermögen nicht traut, dann wird man wahrscheinlich auf Widerstand von potentiellen Mentoren treffen. Sie sehen schon im Voraus, dass ihr Beitrag keinen Unterschied machen wird und ihr Rat nur auf taube Ohren stößt.

Ich denke zwar, dass Mentoring aus der Ferne funktionieren kann, aber ich mag es nicht. Ich möchte Kommunikation mit Blickkontakt, wenn es um eine wichtige Sache geht. Gespräche per Telefon sind okay, aber man sieht die Körpersprache und die Mimik nicht. E-Mail ist einfach nicht ausdrucksstark genug. Wenn ich eine Frage stelle, auf die man wahrscheinlich nicht einfach mit “Ja” oder “Nein” antworten kann, dann will ich die ganze Reaktion meines Gegenübers sehen.

Körpersprache übermittelt wahnsinnig viele Informationen, vor allem bei jemandem, der hauptberuflich Reden hält. Es wird geschätzt, dass Kommunikation aus 55% Körpersprache, 38% verbalen Aussagen und 7% Inhalt bestehlt. Nicht jeder stimmt diesen Zahlen zu, aber ich denke, jeder würde mitgehen, wenn ich sage, dass es ist besser, drei Kanäle zur Auswahl zu haben, statt nur einem. Körpersprache ist insbesondere gut, um das Selbstvertrauen eines Menschen bezüglich des Gesagten noch mehr zu verdeutlichen.