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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Neue Wege betreten

Nicht jeder Weg führt zwangsläufig nur nach Rom

Das Ausprobieren neuer Dinge ist eine der grundlegendsten Möglichkeiten, um als Mensch wachsen zu können. Versuch doch mal etwas, was du vorher noch nie gemacht hast.

Neue Situationen fordern uns heraus. Unsere Gehirne müssen mit voller Leistung arbeiten, um die neuen Muster verstehen zu lernen statt nur alte zu wiederholen. In komplett neuen Situationen sind wir wie Fische auf dem Trockenen. Es fühlt sich am Anfang vielleicht unbequem und unbeholfen an – und unsere Leistung wird vermutlich miserabel sein. Aber es ist ein fantastischer Weg um zu wachsen. Das ist die Art Herausforderung für die unsere neuralen Netze gemacht worden sind.

Wieviel Neues gibt es in deinem Leben? Lernst du regelmäßig neue Menschen kennen, findest in neuen Situationen wieder und verlässt deine Komfortzone? Probierst du Dinge aus, bei denen du dich unbeholfen fühlst?

Einer meiner Lieblingssprüche ist:

“Es gab noch nie einen Sieger, der nicht einmal ein Anfänger war.”

Ich habe diesen Satz zum ersten Mal von Denis Waitley gehört. Das ist eine tolle Erinnerung daran, dass wir eine peinliche Anfängerphase überstehen müssen, wenn wir den Wunsch nach Wachstum hegen.

Ich kann mich erinnern, dass ich meine erste Toastmasters-Rede im Sommer 2004 gehalten haben. Ich fand, das sie ziemlich gut war. Wenn ich jetzt daran zurückdenke, dann schüttelt es mich, wie schlecht sie tatsächlich war – zumindest verglichen mit dem, was ich heute leisten kann. Das Reden ist mir nicht in die Wiege gelegt worden. Ich musste es mir sehr hart erarbeiten, um wenigstens durchschnittlich zu werden. Ich habe seit dem hunderte Stunden in die Entwicklung meiner rednerischen Fähigkeiten investiert und es liegt noch ein weiter Weg vor mir. Der 90-Minuten-Workshop, den ich am Montag gehalten habe, hat rund 30 Stunden an Vorbereitungszeit benötigt. Das ist eine Menge Zeit, die da für einen einmaligen Workshop drauf geht, der auch noch kostenlos war, aber mir geht es in erster Linie um die Erfahrung und das ich anderen Menschen helfen kann, sich selbst auch weiter zu verbessern. Die besten Toastmasters-Mitglieder, die am International Speech Contest teilnehmen, verbringen regelmäßig hunderte Stunden damit, eine einzige Rede von nur 7 Minuten Dauer zu verfeinern.

Ich habe eine Menge Komplimente für meine Artikel bekommen, insbesondere im letzten Jahr, aber ich auch nicht als guter Autor auf die Welt gekommen. Ich kann mich an meinen ersten schriftlichen Aufsatz erinnern – damals als Freshman in der High School im Fach Englisch. Ich dachte, ich hätte einen ganz guten Job abgeliefert und war schockiert, als ich ihn mit einem C+ (Anm. d. Red. eine 3+, A-F entspricht unserem 1-6 System) zurückbekam. Ich habe fast immer As und Bs in der Grundschule bekommen. Aber mein High School Englisch-Lehrer hatte weitaus höhere Ansprüche. Ich hatte ihn zwei Jahre lang und musste wirklich hart dafür arbeiten, um bei ihm ein A zu beommen, aber das war die Zeit, in der ich wirklich das Schreiben gelernt habe.

In der High School habe ich mich viel mehr für Computer als für das Schreiben interessiert. Damals wusste ich schon, dass ich mal ein Computer-Programmierer werden will. Aber ich dachte, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, auch meine Schreibfähigkeiten zu entwickeln – sicher ist sicher. Anstatt mir zu sagen

“Das werde ich eh nie brauchen.”

dachte ich mir

“Vielleicht wird mir das irgendwann noch mal nützen.”

Diese Einstellung half mir dabei in jedem Fach As zu bekommen und ich habe mich sogar noch für alle Extra-Kurse eingeschrieben, die angeboten wurden. Ich war sogar der Kapitän des ersten Akademischen Zehnkampf-Teams unserer Schule, sowie der Präsident des Mathe-Clubs, weil ich dachte, dass ich mit diesen Erfahrungen später einmal eine gute Führungskraft abgeben würde – womit ich auch richtig lag.

Anstatt zu dir zu sagen

“Dafür werde ich nie Verwendung haben.”

sage dir lieber

“Eines Tages wird mir das noch auf die eine oder andere Weise helfen.”

Ich habe Wege gefunden, um verschiedene Fähigkeiten miteinander zu kombinieren, an die ich nie gedacht hätte, als ich zum ersten Mal damit in Kontakt kam. Zum Beispiel habe ich mir als Teenager selber das Jonglieren beigebracht. Jonglieren benötigt viel Übung, aber wenn man es einmal gelernt hat, dann ist es wie Fahrrad fahren – es wird zu einer Fähigkeit, die man immer haben wird. Letztes Jahr habe ich eine Rede gehalten, die damit begann, dass ich eine kurze Geschichte erzählt habe, wie man verschiedene Bereiche seines Lebens jonglieren kann – währenddessen habe mit ein paar Tennisbällen jongliert. Das hat gut funktioniert und die Geschichte hat viel mehr Eindruck gemacht.

Zwei meiner am besten entwickelten Fähigkeiten sind das Schreiben und das Programmieren. Ich kann genauso gut mit Menschen wie mit Computer kommunizieren und ich kann ebenso komfortabel etwas in Englisch oder in PHP/C++ schreiben. Ich kann über Technologie und Programmierung schreiben und ich kann auch meine Programmier-Fähigkeiten nutzen, um ein Vehikel für meine Artikel zu erschaffen (diese Website). Zudem nutze ich schon seit 1989 das Internet – lange bevor es das Web in der heutigen Form gab – insofern habe ich eine Menge Erfahrung mit der ganzen Online-Technologie. Zusammen erlauben mir diese beiden Fähigkeiten Dinge zu tun, die sehr viel schwerer oder teurer zu erreichen wären, wenn ich nur eine von beiden entwickelt hätte.

Manchmal wähle ich fast zufällig etwas aus, von dem ich nicht viel Ahnung habe und tauche in das Thema ein. Wenn ich dabei das Interesse verliere, dann höre ich nach dem Lernen der Grundlagen auf und suche mir etwas anderes. Aber wenn es mir gefällt, dann bleibe ich eine Weile dabei. Es ist absolut möglich, etwas sehr schnell zu lernen, wenn man sich nicht der Angst hingibt, erstmal wie ein blutiger Anfänger auszusehen. Ich erlaube es mir, für eine Weile richtig schlecht zu sein, wenn ich etwas Neues ausprobiere. Wenn es okay ist, ein Anfänger zu sein, dann bin ich auch offen dafür, Neues zu lernen. Egal wie gut meine Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich werden, so erlaube ich mir doch nie, mich selbst als Experten für irgendetwas auszugeben. Ich lasse mein Ego nicht dazwischen pfuschen. Das Ego steht dem Lernen nur im Weg. Wenn du von dir behauptest, dass du ein Experte wärst, dann verschließt du dich vielen Lernerfahrungen.

Einige Dinge, die ich gelernt bzw. ausprobiert habe sind (meine Fähigkeiten jeweils variieren):

  • Tae Kwon Do
  • Fengh Shui
  • Weinverkostung
  • Tennis
  • Langstreckenläufe
  • Krafttraining
  • Gourmet-Rohkost
  • Französisch
  • Game Design & Programmierung
  • Computeranimation
  • Design von Datenbanken
  • Entwicklung von Websites
  • Suchmaschinenoptimierung
  • Marketing
  • Verkaufen
  • Gesetze zum geistigem Eigentum
  • Optimierung
  • Führung
  • Planung
  • Organisation
  • Fortgeschrittene Mathematik
  • Physik
  • Philosophie
  • Beziehungen
  • Investment
  • Humor
  • Öffentliches Reden & Vorträge
  • Meditation
  • Podcasting
  • Sound-Effekt-Bearbeitung
  • Business
  • Ernährung
  • Erste Hilfe
  • Camping
  • Bogenschießen
  • Modellraketen bauen
  • RC Car Racing
  • Überleben in der Wildnis
  • Mythologie
  • Rollenspiele
  • Elektrotechnik
  • und – ganz offensichtlich – Persönlichkeitsentwicklung

Meine Neugier ist unersättlich.

Ich gehe heute Abend zu einer Improv-Comedy-Show und wenn mir gefällt, was ich da sehe, dann werde ich mich für ein paar Kurse einschreiben. Wenn ich eine Show wie “Wer hat’s gesagt?” sehe, dann bin ich erstaunt, wie diesen Leuten immer wieder ganz spontan lustige Dinge einfallen – insbesondere wenn sie dabei auch noch vor einem Publikum auftreten. Wir hatten ein paar Improvisationsübungen im Toastmasters-Club (da ein paar Mitglieder zu einer Improv-Gruppe hier in Vegas gehören) und ich hatte da ganz schöne Probleme. Stell dir mal vor, du müsstest dir – vor einem Publikum stehend – innerhalb von Sekunden einen Song ausdenken. Ich vermute mal ganz stark, wenn ich das erlernen kann, dann ist alles, was mit öffentlichen Reden zu tun hat, nur noch halb so schwer.

Wenn du immer wieder neue Wege betrittst und Neues lernst, insbesondere, wenn du dich dafür wirklich strecken musst, dann entwicklst du auch deine Fähigkeit des Lernens an sich. Und das ist eine extrem potente Fähigkeit, die man haben sollte. Ich habe diesen Prozess inzwischen sooft erlebt, dass ich neue Dinge inzwischen sehr schnell erlernen kann. Egal, was ich angehe, ich bin nie gut, wenn ich es zum ersten Mal probiere. Meine anfängliche Leistung ist nicht besser als die eines jeden anderen und manchmal sogar regelrecht fürchterlich. Ich scheine kein natürliches Talent für irgendetwas zu haben. Aber ich versuche schnell voranzukommen und bringe den ersten Schwung Versuche hinter mich. Danach habe ich schon eine lange Liste an Dingen, die ich korrigieren muss. An diesen arbeite ich dann im Privaten, bis ich das Gefühl habe, nicht mehr ein völliger Idiot zu sein. Dann übe ich weiter, bekomme mehr Feedback und trainiere im Privaten weiter. Je schneller ich diesen Zyklus durchlaufe, desto schneller entwickele ich eine gewisse grundlegende Kompetenz.

Für das Ego ist in diesem Prozess kein Platz. Es ist absolut okay, wenn du erstmal bei irgendetwas schlecht bist. Wenn du nichts machst, worin du richtig schlecht bist, dann forderst du dich selbst nicht genug. Geh raus und hab Spaß am Scheitern. Was mir am Scheitern in Gruppensituationen gefällt, ist der Fakt, dass ich dabei auch Anderen beim Erfolg beobachten kann. Ich kann mich in den Talenten anderer suhlen. Wenn ich z.B. bei meinem ersten Improv-Comedy-Versuch höchstwahrscheinlich ziemlich schlecht sein werde, so kann ich doch an einigen Lachern Spaß haben, die die anderen, erfahrenen Performer präsentieren werden. Als ich im Tae Kwon Do noch ein Gelbgurt war und gerade das Sparring lernte, habe ich mir einige wunderbare Kämpfe zwischen Schwarzgurten angesehen. Als Toastmasters beigetreten bin, habe ich mir gleich ein paar tolle Reden angehört – auch und gerade weil meine eher langweilig waren. Wenn du also erstmal für eine Weile ein blutiger Anfänger sein musst, dann kannst du dich doch zumindest gut unterhalten lassen.

Ich liebe es talentierten Menschen bei ihrer Performance zu beobachten. Sie sind für mich eine Inspiration, die mich weiter anspornt.

Wenn es eine Sache auf der Welt gibt, wo ich gern der Beste wäre, dann ist Wachstum an sich. Ich bin jetzt schon aufgeregt über all die Dinge, die ich noch auf diesem Planeten erfahren kann und werde. Einige der Dinge, die ich liebend gern ausprobieren würde, aber noch nie versucht habe:

  • Skydiving
  • Parasailing
  • Bungee Jumping
  • Tauchen
  • Rennautos fahren
  • Bergsteigen

Ich hoffe mein Versicherungsmensch liest das nicht. ;)

Du darfst dir nicht erlauben, selbstzufrieden zu sein. Selbstzufriedenheit ist etwas Fürchterliches, was du in deinem Leben vermeiden solltest. Wie Earl Nightingale es mal gesagt hat; wir Menschen sollten uns nicht niederlassen. Wir müssen immer in Bewegung sein.

Alles was, was du brauchst um mit etwas Neuem zu beginnen, ist ein Anruf oder eine E-Mail. Überleg dir, wen du kennst und wer etwas Interessantes macht und dann sag dieser Person einfach

“Ich würde gerne mal X ausprobieren. Kannst du mir bei den ersten Versuchen helfen?”

Schieb es nicht vor dir her. Greif zum Hörer oder tipp die E-Mail jetzt sofort. Wenn du dich nur entscheidest, etwas zu versuchen, dann ist das bei weitem nicht so wichtig, wie das, was du einfach anpackst. Versuch irgendetwas.

Es gibt mehr im Leben als nur unseren gewohnten Trott. Sei kein Dilbert. Verlass ab und zu deine gemütliche Bärenhöhle. Genieß die Sonne.