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Nutzt du dein Genie?

Nutzt du dein einzigartiges Genie und deine Leidenschaft in deiner Karriere?

Is Your Genius at Work? von Dick Richards

Is Your Genius at Work? von Dick Richards ist ein fantastisches Buch darüber, wie man sein Genie und seinen Sinn entdeckt und eine Karriere findet, die gut zu beiden passt. Das Buch bekam ich kürzlich von dessen Publisher zugeschickt und es ist eines der wenigen unangeforderten Bücher, die ich so bekomme, das ich begeistert weiterempfehlen kann. Warum sage ich das? Weil ich selber einen Mehrwert aus diesem Buch gezogen habe – die Identifikation meines eigenen grundlegenden Genies.

Das Buch stellt die kühne Behauptung auf, dass jeder Mensch ein – und nur ein – grundlegendes Genie hat und das dieses Genie einzigartig ist. Stell dir dein Genie als deine größte Stärke vor. Schon lange, bevor ich dieses Buch gelesen habe, hatte ich eine starkes Bewusstsein dafür entwickelt, was meine Schlüsselstärken und -schwächen sind, aber ich hatte nicht ernsthaft über die Idee nachgedacht, dass es sich vielleicht nur um ein “Genie” handelt, von dem sich diese Stärken und Schwächen ableiten lassen.

Als ich die Übungen aus dem Buch gemacht habe, konnte ich leicht meine eigene Stärken identifizieren.

  • Ich kann sehr schnell lernen
  • Ich bin gut darin, komplizierte Konzepte zu verstehen
  • Ich kann sowohl mit Menschen als auch mit Computern gut kommunizieren
  • Ich kann aus meiner Logik und Intuition tolle Synergieeffekte ziehen
  • usw.

Allerdings konnte ich beim Auflisten, keine einzelnes zugrundeliegendes Genie erkennen, von dem man all diese Stärken hätte ableiten können. Als wären es alles Primzahlen ohne einen gemeinsamen Nenner.

Aber das Buch zwingt dich dazu, auf der Suche nach deinem zugrundeliegenden Genie, mal etwas über den Tellerrand zu schauen. Zum Beispiel: Was ist der kleinste gemeinsame Nenner der Zahlen 9, 15, 21 und 30? Es ist 3, richtig? Wie ist es bei 15, 25, 65 und 90? Der KgN ist 5. Und wie ist es bei 2, 10, 13, 29 und 300? Das Buch sagt, es ist der Buchstabe t, da alle Zahlen im Englischen mit diesem beginnen. Sehr raffiniert. Es sind solche Übungen, die dich dazu zwingen, die Frage nach dem Genie aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, bist du schließlich einen findest, wo du den kleinsten gemeinsamen Nenner erkennen kannst.

Ich habe ungefähr eine Stunde mit den Übungen aus dem Buch verbracht und schließlich erfolgreich mein “Kern-Genie” identifiziert – von dem sich alle meine anderen Stärken ableiten lassen. Nach der Terminologie des Buches nennt sich mein Genie “Resultate optimieren”. Das ist etwas, worin ich wirklich richtig gut bin. Von diesem “Kern-Genie” ausgehend, kann ich mein Interesse an Persönlichkeitsentwicklung, Produktivität, Selbstdisziplin, Technologie, Entrepreneurship, Lesen, Schreiben, Bloggen, Reden, Fitness, Erforschen von Glaubenssystemen, Generierung von passivem Einkommen, Ausprobieren von verrückten Wachstumsexperimenten, Polyphasischen Schlaf, Veganismus, bewusstes Leben, usw. ableiten. Ich sehe das Leben selbst oft als ein Optimierungsherausforderung an.

Das ist ein Grund, warum ich zum Erreichen meiner Ziele gerne erstmal loslege und dann optimiere. Ich mag es einfach in eine Sache einzutauchen und zu experimentieren, da meine ersten Versuche (die oft scheitern) mir eine Basis verschaffen, von der ausgehend, ich dann optimieren kann. Es ist egal, was meine Ausgangssituation ist – ich werde immer einen Weg finden, sie zu verbessern. Zum Bespiel schaue ich mir jeden Monat die Statistik und das Feedback zu dieser Website an und mache im Hintergrund eine paar Anpassungen, damit es im nächsten Monat noch besser läuft – mehr Einfluss, mehr Besucher, mehr Einnahmen. Das ist ein Grund, warum ich jeden Monat das Einkommen, das durch diese Seite generiert wird, erhöhen konnte. Gib mir einen kleinen Einkommensstrom und ich werde ihn letztendlich in einen mächtigen Fluss verwandeln. Ich kann dagegen nichts machen – es ist einfach meine Natur.

Die Idee des “Resultate optimieren” gibt mir auch eine neue Perspektive, wenn ich auf meine früheren Karriereentscheidungen zurückblicke. Ich war nur für sechs Monate in einem Job angestellt, bevor ich zu dem Schluss kam, dass es suboptimal ist. Dann begann ich als freier Dienstleister zu arbeiten, was eine Verbesserung gegenüber dem Angestelltendasein darstellte, aber immernoch suboptimal war. Dann habe ich mein Spiele-Unternehmen gegründet… ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, aber anfangs habe ich Minus gemacht. Dann habe ich das Geschäftsmodell so optimiert, dass es profitabel wurde und größtenteils passives Einkommen generiert hat. Dann erkannte ich, dass die Arbeit in der Spiele-Industrie ebenfalls für mich suboptimal war, da es nicht meine größten persönlichen Stärken nutzte – also starte ich mein Unternehmen für Persönlichkeitsentwicklung. Und seit dem optimiere ich dieses neue Unternehmen weiter, während ich anderen Menschen Ideen lehre, wie sie ihr eigenes Leben optimieren können. Und ich habe keine Zweifel, dass ich in fünf Jahren eine noch optimalere Methode gefunden habe, um meine Schlüsselstärken zum Wohl aller einsetzen zu können. Mein Leben tendiert dazu, von Jahr zu Jahr immer besser zu werden.

Als ich dieses “Kern-Genie”, Resultate zu optimieren, entdeckt habe, haben all diese langfristigen Verhaltensmuster plötzlich Sinn gemacht. Egal in welcher Situation ich mich befinde, ich verspüre ein unersättliches Bedürfnis die Resultate zu verbessern. Ich gebe anderen Menschen ständig neue Ideen, wie sie sich verbessern können.

Das Buch hat mir einen wunderbaren Schub an Klarheit geschenkt und dafür bin ich dankbar. Ich mag die Idee, meine Arbeit als ein “Optimieren von Resultaten” anzusehen. Das erklärt kurz und knapp, was ich mache und es hilft zu verstehen, warum ich über soviele verschiedene Themen schreibe:

  • Optimierung von Glaubenssystemen
  • Optimerung von Beziehungen
  • Optimierung des Zeitmanagements
  • Optimierung von Emotionen
  • Optimierung des Schlafs
  • Optimierung der Gesundheit
  • usw.

All diese Faktoren sind wichtig, wenn man seine Resultate im Leben optimieren möchte.

Obwohl das Buch es nicht direkt anspricht, so dachte ich, dass sich vielleicht auch alle meine Schwächen von einem einzelnen “Anti-Genie” abgeleitet werden können. Für mich wäre das alles, was dem Optimierungsprozess im Weg steht. Das wären zum Beispiel:

  • Selbstzufriedenheit
  • Apathie
  • Negativität
  • Engstirnigkeit
  • Faulheit
  • Ineffizienz
  • Langsamkeit
  • Unordnung
  • Dummheit
  • und Inkompetenz.

(Meine Kinder werden es wohl schwierig haben, ihre Teenager-Jahre zu überleben.)

Das sind die Qualitäten, die mich am meisten abstoßen. “Chaos ermutigen” oder “Entropie erhöhen” wären wohl passende Beschreibungen meines Anti-Genies, da die Optimierung ein Prozess ist, der die Ordnung vergrößert. Das ist etwas ironisch, da ich dazu neige, einen störenden Einfluss auf andere zu haben, da Optimierung von Natur aus erstmal Unruhe stiftet. Anfangs vergrößere ich oft das Chaos, wenn ich alte Systeme aufbreche und bevor ich die Dinge in eine neue Ordnung bringe.

Is Your Genius at Work? spricht auch das Konzept eines Sinn und Zwecks an, auch wenn nich mit all der Klarheit und Tiefe, die es dem Genie an sich widmet. Ich habe ehrlich gesagt nicht viel aus diesem Teil des Buches ziehen können, weil ich bereits seit längerem weiß, warum ich all das hier mache. Vielleicht findest du die Übungen in diesem Teil aber hilfreich, wenn dir dein Sinn und Zweck noch nicht so richtig klar ist. Das Buch wird dir dabei helfen, einen Job oder eine Karriere zu finden, die sowohl zu deinem Genie, als auch zu deinem Zweck passt.

Das Einzige was mich bei diesem Buch enttäuscht hat, war die zu kurze Erklärung seines Modells des menschlichen Verhaltens. Auch wenn dein Genie und dein Zweck zwei Schlüsselfaktoren für die Wahl deiner Karriere sind, so gibt es doch auch ein paar andere, die ebenso wichtig sind: Leidenschaft und Notwendigkeit. Deine Leidenschaft ist das, was du am liebsten machst. Es ist nicht unbedingt das Gleiche wie dein Genie, da die Leidenschaft sich meist um das Wie dreht und das Genie um das Was. Das Buch spricht das Thema der Leidenschaft indirekt an, aber trennt es nicht so klar ab, wie es das mit dem Sinn und Zweck macht. Die Notwendigkeit ist das, was du machen musst – das schließt das Verdienen von Geld ein, damit du deine Rechnungen bezahlen kannst. Ich denke, das Buch wäre noch besser gewesen, wenn es alle vier (statt nur zwei) der Elemente getrennt voneinander betrachtet hätte:

  • Notwendigkeit (Körper)
  • Talente/Genie (Geist)
  • Leidenschaft (Herz)
  • und Sinn und Zweck (Seele).

Ich habe schon einmal über diese vier Elemente in einem Artikel names Kongruent leben geschrieben. Stephen Covey nutzt ein ähnliches vierteiliges Modell in seinen Büchern.

Ich kann es Is Your Genius at Work? nicht wirklich vorwerfen, dass sie ein zweiteiliges Verhaltensmodell statt einem vierteiligen verwenden, da das Buch seinen Zweck in meinem Fall mehr als erfüllt hat – die Identifikation meines “Kern-Genies”. Ich habe das Glück, dass ich bereits eine Karriere habe, die meine Bedürfnisse, Talente, Leidenschaft und meinen Zweck wunderbar miteinander ausbalanciert, insofern wusste ich, dass dieses Buch hier keine massiven Veränderungen bewirken wird. Dennoch bin ich zutiefst dankbar für dieses neue Maß an Klarheit, das es mir verschafft hat. Dafür allein hat sich das Lesen schon gelohnt. Es hat mir bei meinem eigenen Selbstoptimierungsprozess geholfen.

Wenn du dich nicht bereits an einer Karriere erfreust, die dein Genie und deinen Zweck in den Mittelpunkt stellt, dann wird das Buch für dich wohl eine größere Herausforderung als für mich darstellen. Viele Bücher über Persönlichkeitsentwicklung enthalten ziemlich sinnlose Übungen, aber dieses Buch ist die berühmte Ausnahme der Regel. Die Übungen sind intelligent, gut gemacht und aufschlussreich. Es gibt keine sinnlosen Ratespielchen, die dich zwingen, dich selbst auf irgendeiner beliebigen Skala einzuschätzen. Es hat mir auch gefallen, dass alle Übungen in einem Extrateil des Buches zu finden waren, so dass man erstmal alles in Ruhe lesen und später die Übungen angehen kann.

Wie ich schon mal erwähnt habe, bin ich sehr wählerisch, welche Bücher ich hier im Blog empfehle, insbesondere bei denen, die ich unaufgefordert zugeschickt bekommen. Aber dieses Buch kann ich wärmsten Herzens empfehlen. Wenn du wirklich alle Übungen machst (und die sind nicht sehr schwer), dann gehe ich davon aus, dass auch du mehr Klarheit bekommen wirst. Ich denke, dieses Buch ist besonders für junge Leute in ihren 20ern geeignet, die noch nicht so recht wissen, was das Richtige für sie ist.

Beide Daumen hoch!