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Poker und Lebensweisheiten

Poker-Lebensweisheit #23: Man hat selten das beste Blatt.

Da ich von meinem letzten Artikel Blackjack und Lebensweisheiten positives Feedback erhalten habe, dachte ich, ich teile auch mal die Weisheiten mit, die ich durch Poker erlangt habe.

Hintergrund

Man sollte sich wieder keinen Zwang antun, die Hintergrundgeschichte auszulassen, wenn man nur den Teil mit den Weisheiten lesen möchte. Ich erzähle sie nur für die Neugierigen.

Ich lernte mit 18, wie man pokert und spielte mit einigen Schulfreunden nur um 5, 10 oder 25 Cent. Damals war ich ein ziemlich schwacher Spieler, da ich meistens mit locker-aggressivem Stil spielte und viel zu viel bluffte. Aber ich mochte das Spiel und wir zockten normalerweise wenigstens einmal pro Woche.

Natürlich waren das vor allem Spiele zu Hause, bei denen wir meistens nicht so spielten, wie man im Casino spielen würde. Mein Lieblingsspiel hieß 3-5-7. Zu dieser Zeit und viele Jahre danach spielte ich nur aus Spaß; ich nahm das Spiel nie sehr ernst.

Als ich 21 war und in L.A. lebte, machte ich mit einigen Freunden Ausflüge ins Commerce Casino. Zu dieser Zeit spielte ich vor allem 7-Stud und ein wenig Hold’em. Meine Gewinne habe ich damals nicht notiert, aber wahrscheinlich glichen sich Gewinn und Verlust in etwa aus. Im Commerce habe ich insgesamt vielleicht fünfmal gespielt. Es war eine Stunde Fahrt entfernt, so dass es sich nicht wirklich anbot – zumal ich nur zum Spaß spielte.

Von 24 bis 33 habe ich fast gar nicht gepokert; im Schnitt vielleicht einmal pro Jahr. Es war einfach kein großer Teil meines Lebens.Im Januar 2004 zogen ich mit meiner Familie nach Vegas. Die Verfügbarkeit von Poker in Vegas (und der akute Anstieg seiner Beliebtheit in jüngster Zeit; insbesondere Online-Poker) bedeutet, dass man immer ein Spiel finden kann. Der Las Vegas Strip ist nur 20 Minuten von meinem Haus entfernt und die Innenstadt ebenfalls nur 15 Minuten. Außerdem hat das nächste Casino (Santa Fe Station) nun auch einen Poker-Bereich, so dass ich inzwischen nur 10 Minuten bis zum nächsten Spiel brauche.

Als ich hierher zog, dachte ich mir schon, dass es lustig wäre, wieder mehr zu pokern, da ich immer viel Spaß an einem guten Spiel hatte. Ich hatte nicht die Absicht, es in eine Karriere zu verwandeln, aber ich hatte auch kein Interesse daran, dabei Geld zu verlieren. Ich dachte, wenn ich beim Blackjack lernen konnte, wie man Karten zählt, dann könnte ich sicher ebenso gut genug beim Pokern werden, um die Spiele mit niedrigen Einsätzen regelmäßig zu gewinnen.

Es stellte sich heraus, dass ich richtig lag.

Winning Low-Limit Hold’em Poker von Lee Jones

Englisches Original

Ich kaufte ein paar Bücher, die mir von anderen zu diesem Thema empfohlen wurden. Meine Lieblingsbuch war Winning Low-Limit Hold’em von Lee Jones (Englisches Original). Ich folgte Jones’ Empfehlungen ziemlich genau und sie funktionierten gut.

Ich spiele nur die niedrigsten Einsätze, wie 1-3$ und 2-6$ spread games oder 2-4$ structured games. Ich spiele in rauchfreien Poker-Bereichen, die glücklicherweise immer üblicher werden. Ich persönlich mag die kitschig-freundliche (und rauchfreie) Atmosphäre des Excalibur Poker-Raums, so dass ich meist dort spiele. Man kann durchaus gewinnen, so dass man wenig Druck hat, wenn man ein halbwegs guter Spieler ist, besonders wenn man Freitag und Samstag geht, wenn es dort von Touristen nur so wimmelt, die meistens nur wegen dem Spaß und den kostenlosen Drinks da sind. Die meisten Dealer kenne ich dort mit Namen und sie sind alle sehr nett.

Ich will daraus keine Karriere machen und ich betrachte mich sicher nicht als Poker-Hai. Ich mag einfach den Spaß und die Herausforderung des Spiels. Wettstreit mochte ich schon immer.

Ich spiele im Schnitt ein paar Mal im Monat, meistens an den Wochenenden. Ich nehme jede Session in eine Tabelle auf, so dass ich sehen kann, wie ich war – ich will wissen, ob ich gewinne oder verliere. Letztes Jahr habe ich einen Gewinn gemacht, mit einer Erfolgsquote von etwa 70% und einem Stundensatz von 2,27$ (wenn man die Trinkgelder abzieht). Es ist offensichtlich, dass ich nicht reich werde, wenn ich mit solch niedrigen Einsätzen spiele, aber für mich ist es auch nur ein unterhaltsames Hobby, kein ernsthaftes unternehmerisches Projekt. Ich spiele nur im Casino und nicht online, weil ich es mag, mit den anderen Spielern zu sprechen und interessante Leute aus der ganzen Welt zu treffen.

Poker ist deutlich schwieriger zu meistern als Blackjack, weil die eigenen Entscheidungen von den Handlungen der anderen Spieler abhängen und nicht nur von vorher festgelegten Regeln und Wahrscheinlichkeiten. Poker zu spielen, verlangt meiner Meinung nach auch mehr Geduld als Blackjack. Ich mag Poker aber wegen dem menschlichen Faktor lieber als Blackjack.

Beobachtungen beim Poker

Während ich bei Blackjack das Meiste gelernt habe, indem ich andere beim Spielen beobachtet habe, habe ich beim Pokern das Meiste gelernt, indem ich mich selbst beobachtet habe, was sicherlich zum Teil in der Natur des Spiels liegt (ich kann nicht jede Entscheidung der Leute sehen wie beim Blackjack).

Hier sind einige Beobachtungen, die ich in den letzten Jahren beim Pokern gemacht habe:

1. Man kann viel über andere Leute lernen, indem man sich selbst studiert.

Indem ich einfach mich selbst und meine Tells (Zeichen) – wie zitternde Hände, wenn ich runtersah und Pocket Aces hatte – beobachtete, lernte ich nach den selben Zeichen bei den anderen Spielern zu suchen. In Spielen mit niedrigen Einsätzen ist es nahezu immer so, dass ein Spieler, dem die Hände zittern, wenn er seinen Einsatz setzt, eine Monster-Hand hat. Ich habe viele solide Hände weggeworfen, wenn ich diesen Tell gesehen habe und bisher war es auch jedes Mal die richtige Entscheidung. Indem ich mein eigenes Verhalten beobachtete, konnte ich dieses bei anderen Leuten suchen.

Wie kann man das im richtigen Leben anwenden? Wenn man weiß, wie man sich verhält, wenn man bestimmte emotionale Zustände durchmacht, kann man dieses Verhalten bei anderen suchen, um Informationen zu bekommen (was in bestimmten Situationen sehr hilfreich sein kann).

Wenn ich zum Beispiel jemanden beobachte, der eine Rede hält, dann kann ich beobachten, wie ich mich verhalte, wenn ich wirklich gelangweilt oder interessiert bin. Wenn ich dann derjenige bin, der eine Rede hält, kann ich im Publikum nach diesen Reaktionen suchen. Wenn ich sehe, wie sich Leute vorlehnen, lächeln und nicken, dann weiß ich, dass ich mein Publikum fessele, weil ich mich selbst so verhalte, wenn ich gefesselt bin.

  • Wenn man Händler ist, wie verhält man sich, wenn jemand etwas gut/schlecht präsentiert?
  • Wenn man Manager ist, wie verhält man sich, wenn jemand Arbeit an einen delegiert, die man nicht zu erledigen beabsichtigt?
  • Wenn man verheiratet ist, wie verhält man sich, wenn man seinem Partner nicht wirklich zuhört?

Man sollte beobachten, wie das eigene Verhalten verschiedene innere Zustände reflektiert und dann bei anderen danach suchen, um Informationen über sie zu erhalten. Man wird vielleicht überrascht sein, zu erfahren, dass emotionale Zustände physiologische Reaktionen auslösen, die von Mensch zu Mensch extrem ähnlich sind.

2. Man kann viel über sich selbst lernen, indem man andere Menschen beobachtet.

Bei guten Karten ruhigbleiben

Das ist #1, nur umgekehrt. Indem man andere beobachtet, wie sie sich beim Poker verhalten und dann sieht, welche Hand sie haben, kann man ihr Verhalten mit Informationen verbinden. Wenn ich die physiologischen Tells wieder sehe, kann ich dem Spieler ganz leicht eine Hand zuordnen.

Das machen viele Pokerspieler. Das ist kein großes Geheimnis.

Aber wie viele Pokerspieler nehmen das, was sie über andere lernen und wenden es bei sich selbst an? Das heißt, dass man nach den Tells bei sich selbst sucht, die man bei anderen Spielern sieht, besonders, wenn man gegen den Spieler spielt, bei dem man diese Tells gesehen hat. Wenn man also sieht, wie andere vom Tisch wegsehen, wenn sie eine Monster-Hand haben, sollte man sicher gehen, dass man selbst nicht wegsieht, wenn man eine Monster-Hand hat.

Man kann dieses Konzept auch einen Schritt weiter führen und es mit noch mehr Eigeninitiative nutzen. Wenn man bei anderen sieht, wie sie sich verhalten, wenn sie eine großartige Hand haben, dann findet es man vielleicht nützlich, dasselbe Verhalten absichtlich an den Tag zu legen, wenn man gegen diesen Spieler spielt und ihn/sie aus dem Spiel bluffen will.

Das ist ein raffinierter Weg, die physiologischen Reaktionen anderer zu nutzen, um ihnen falsche Informationen zukommen zu lassen. Man sollte nur sicher gehen, dass man das nicht zu offensichtlich tut oder der andere Spieler wird einen ertappen. Ich finde, dass es am besten als unterschwelliges Signal funktioniert, dass das unterschwellige/intuitive Gefühl des Spieler gegenüber seiner eigenen Hand verändert.

Was ist also die Lebensweisheit hier? Die Lektion ist, dass diese Art manipulatives Verhalten auch außerhalb von Poker funktioniert. Indem man die Zeichen anderer erlernt, kann man bewusst ein bestimmtes Verhalten zeigen, um die Reaktion zu erzeugen, die man haben will. Das klingt sicher sehr manipulativ – und das ist auch so. Aber indem man sich über diese Taktik im Klaren ist, kann man seine eigene Anfälligkeit dafür reduzieren.

Die Fernsehwerbung nutzt diese Art der Manipulation ständig. Sie kennen all die Zeichen für verschiedensten emotionalen Zustände und nutzen sie, um so die emotionale Reaktion der Zuschauer zu manipulieren. Aus diesem Grund erscheinen viele Werbeclips dumm, wenn man sie logisch betrachtet. Sie können aber trotzdem effektiv sein, wenn sie die richtigen Signale beinhalten, die das Denken umgehen und die Botschaft direkt in das Unterbewusstsein umleiten.

Man denke nur an Arzneimittelwerbung, bei denen Nebenwirkungen vorgelesen werden (welche oft schlimmer klingen, als die Symptome, die das Arzneimittel behandeln soll), die visuelle Bildgebung aber das genaue Gegenteil suggeriert. Die Schauspieler zeigen die Zeichen emotionaler Konditionen, die mit dem Produkt oder Service assoziiert werden sollen. Die Signale haben aber oft nichts mit dem Produkt selbst zu tun. Mit anderen Worten: man sieht nicht, die emotionalen Konditionen, die das Produkt bei einem hervorrufen wird, sondern viel angenehmere Zustände, die wahrscheinlich gar nicht hervorgerufen, wenn man das Produkt nutzt.

Welche Bierwerbung zeigt schon betrunkene Leute, die sich dumm benehmen?

3. Intellekt und Intuition können Informationen vermitteln, um korrekte Entscheidungen zu fällen.

Beim Poker hat die Logik manchmal recht, und andere Male die Intuition. Manchmal stimmen sie überein, manchmal aber auch nicht. Im Leben hat man allerdings meist mehr Optionen als Checken, Setzen, Mitgehen, Erhöhen oder Passen. Das Leben ist offener und wenn Logik und Intuition sich nicht einig sind, ist es manchmal am besten, nicht zwischen beiden zu wählen, sondern sich beide anzuhören und eine dritte Alternative zu suchen.

Wenn meine Logik und Intuition sich scheinbar nicht einig sind, versuche ich, einen Schritt zurück zu gehen und die Situation von anderen Perspektiven aus zu betrachten. In der Vergangenheit zog ich meist die Logik vor, nur um herauszufinden, dass meine Intuition richtig lag. Dann zog ich die Intuition zu sehr vor und zahlte den Preis dafür, meine Logik zu ignorieren. Nun weiß ich, dass beide Informationen liefern, aber beide mit unvollständigen Daten hantieren.

Beim Poker kann man nur beschränkt Daten sammeln. Das Leben liefert aber zusätzliche Möglichkeiten, ihm in die Karten zu gucken. Man kann Experten um Rat fragen, während man spielt. Man kann neue Informationen sammeln, um die Daten, die Logik und Intuition liefern, anzureichern. Man kann auf mehr Klarheit warten, bevor man handelt. Man kann sogar mit der besten Entscheidung loslegen, und sehen, was die nächste Karte zeigt und den Kurs im Nachhinein anpassen.

4. Kein Fisch sein.

“Fish” sind schlechte Pokerspieler, die hauptsächlich da sind, um ihr Geld loszuwerden. Sie machen sich nicht die Mühe, gut zu werden und spielen einfach weiterhin schlecht. Je länger sie spielen, desto mehr verlieren sie.

Ist es im Leben nicht ähnlich? Wenn man lange genug schlecht spielt, verliert man am Ende. Wenn man seine Gesundheit, seine Beziehungen oder seine Finanzen vernachlässigt, kann man sie in den Wind schreiben.

Gute Spieler lernen die Regeln des Spiels und bauen ihre Fähigkeiten aus. Sie eliminieren schlechte Angewohnheiten, welche sonst nachteilig wären.

5. Man kann, ohne Fehler zu machen, trotzdem verlieren.

Beim Poker kann man sich darauf einstellen, dass man immer wieder unglücklich verlieren wird. Irgendwann spielt man in einer herzzerreißenden Situation weiter, wenn jemand äußerst unwahrscheinliche “runner-runner cards” zieht, die auch eine gute Hand schlagen.

Genauso ist es im Leben. Man kann perfekt spielen und trotzdem verlieren.

Es gibt keine Sicherheit in den Karten. Die einzig wahre Sicherheit liegt darin, zu wissen, dass man sein Bestes gegeben hat. Man sollte sich darauf konzentrieren, korrekte Entscheidungen zu fällen und es den Karten überlassen, wie sie fallen.

6. Eine Hand allein macht einen nicht zum Verlierer.

Wenn man einen “Bad Beat” bekommt, sollte man einfach tief durchatmen und es ignorieren. Es ist passiert und man kann es nicht mehr ändern. Man muss sich auf das Jetzt konzentrieren. Es gibt auch wieder eine neue Hand, die man spielen kann.

7. Niemals J8s UTG spielen

… egal wie verführerisch es aussieht und wie sicher man sich ist, einen mehrfachen Pot zu gewinnen.

Die Lebensweisheit hier überlasse ich dem Leser als Übung.

Wenn man selbst Pokerspieler ist, dann sollte man jetzt und hier seine persönlichen Lebensweisheiten mitteilen, indem man einen Kommentar postet. :)