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Polyphasenschlaf
Wie man nur 2h täglich schläft

Vor einigen Tagen habe ich einen Artikel über Polyphasenschlaf auf LifeHack.org gesehen. Seitdem hab ich auch E-Mails zu dem Thema bekommen, wahrscheinlich, weil ich kürzlich darüber geschrieben habe wie man ein Frühaufsteher wird.

Polyphasenschlaf schließt viele Schlafperioden (Naps) während des Tages ein, anstatt seinen ganzen Schlaf an einem Stück zu bekommen. Eine beliebte Art des Polyphasenschlaf, der Übermann-Schlafplan [Anm. d. Red. Leider nur auf Englisch] schlägt vor sechsmal täglich 20-30 Minuten zu schlafen mit gleichmäßig verteilten Naps alle vier Stunden. Das heißt, dass man am Tag nur 2-3 Stunden schläft. Ich habe schon vorher von Polyphasenschlaf gehört, aber bis jetzt bin ich nie konkreten Plänen begegnet, von denen Leute interessante Ergebnisse berichten.

Mit diesem Schlafplan können die Schlafenszeiten 2:00, 6:00, 10:00, 14:00, 18:00 und 22:00 Uhr sein. Jedes Mal schläft man nur 20-30 Minuten. Es ist schön, dass die Zeiten, ob früh oder abends und auch jeden Tag gleich sind, so dass man einen regelmäßigen Tagesablauf hat, wenn auch einen sehr Andersartigen.

Wie kann es sein, dass dieser Schlafplan funktioniert? Vermutlich dauert es eine Woche, bis man sich angepasst hat. Ein normaler Schlaf-Zyklus dauert 90 Minuten und REM-Schlaf taucht erst spät darin auf. REM ist die wichtigste Schlafphase, diejenige, in der man träumt und wenn man zu lange unter REM-Entzug steht, leidet man unter ernsthaften negativen Konsequenzen. Polyphasenschlaf konditioniert den Körper, dass er lernt, sofort in den REM-Schlaf überzugehen, wenn er beginnt zu schlafen, anstatt erst viel später im Zyklus. Also leidet man in der ersten Woche unter Schlafentzug, während der Körper sich an die kürzeren Schlaf-Zyklen anpasst, aber nach dieser Anpassung fühlt man sich gut, vielleicht sogar besser als vorher.

Es war sehr interessant, Artikel [Anm. d. Red. Auf Englisch] von Leuten zu lesen, die versucht haben, nach diesen Schlafrhythmus zu leben. Sie berichteten von mehr Wachheit und Energie, lebhafteren Träumen und einem höheren Anteil luzider Träume und natürlich ganz viel zusätzlicher Freizeit. Ich habe auch von Misserfolgen gelesen, aber in jedem der Fälle hielt die Person nicht ganz streng den Schlaf-Zyklus ein und hat gelegentlich überschlafen. Ein Nebeneffekt dieses Schlafplans ist es, dass man mehr essen muss, da man mehr Zeit damit verbringt, sich zu bewegen. Es scheint, als ist über über die Langzeiteffekte auf die Gesundheit dieses Schlafmusters nichts bekannt. Das ist für mich allerdings irrelevant, da ich als Langzeit-Veganer finde, dass ich mich auf Langzeitstudien, die sowieso an Nicht-Veganern gemacht wurden, nicht sehr verlassen kann. Einige Leute sagen, dass Hormone in Tierprodukten Schlafmuster negativ beeinflussen und von erholsamerem Schlaf wird oft berichtet, nachdem Verbesserungen in der Ernährung vorgenommen wurden. Mir persönlich würden Langzeitstudien, die an durchschnittlich essenden Menschen durchgeführt wurden, nicht viel nützen.

Die Kehrseite dieses Schlafplans ist, dass er unflexibel sein kann. Ich habe gelesen, dass man Schlafphasen um eine Stunde verschieben kann, wenn es nötig ist, aber eine Schlafphase zu verpassen, kann zu einem schnellen Absturz führen, von den man sich eine ganze Weile erholen muss. Das heißt, dass man ungefähr 3,5 Stunden Wachzeit zwischen den Schlafphasen hat – 4,5 wenn man schiebt. Das kann die Optionen also etwas einschränken. Natürlich muss man dieses Opfer gegen den Gewinn von vielen zusätzlichen Stunden täglich aufwiegen. Interessanter Handel… Es erinnert mich an etwas, das man im Buch der Fragen findet.

Zusätzlich ist es natürlich einfach merkwürdig. Und somit will ich es natürlich probieren. :)

Da ich von zu Hause arbeite und meinen Tagesplan selbst kontrolliere, habe ich mich entschieden Polyphasenschlaf zu testen, um zu sehen, wie es ist. Ich bin bereits sehr gut darin, schnell einzuschlafen (innerhalb einiger Minuten) und träume oft während kurzen Naps von 15-20 Minuten, und daher frage ich mich, ob ich mich nicht schon teilweise konditioniert habe, schnell in den REM-Schlaf überzugehen. Dieser Test benötigt offensichtlich ein wenig Anpassung, aber ich habe es geschafft, einige Dinge mit meiner Frau auszuarbeiten, so dass es durchführbar wird. Da ich gelesen habe, dass Energie und Wachheit in der ersten Woche stark abfallen, habe ich den Plan für nächste Woche sehr leicht gestaltet (keine Meetings, keine Reden oder wichtige Projekte). Abhängig davon, wie funktionstüchtig und kohärent ich während der Anpassungsperiode bin, werde ich hauptsächlich häusliche Projekte bearbeiten, wie zum Beispiel die Garage zu organisieren – nichts was Elektrowerkzeuge einschließt. :)

Ich beginnen diesen Schlafplan heute, also war das die letzte Nacht – bis auf weiteres – mein letzter “normaler” Schlaf. Ich bin heute Morgen immer noch 5:00 Uhr aufgestanden und dann beginne ich am Nachmittag alle vier Stunden zu schlafen. Ich werde einen Countdown-Timer nutzen, der auf 30 Minuten eingestellt ist, so dass ich nicht überschlafe. Ich habe entschieden, dass meine Schlafenszeit um 1:00, 5:00, 9:00, 13:00, 17:00, 21:00 ist. Ich möchte gern mindestens bis Halloween fortfahren… oder bis zum Tod, was immer zuerst kommt. Wenn es gut zu laufen scheint und ich grundlegende Funktionalität zurück erhalte, dann werde ich entscheiden, ob ich damit weiter machen will.

Meine Hauptmotivation, dies auszuprobieren, ist Neugier und es erscheint als wäre es ein spaßiger Test für die Selbstdiziplin. Außerdem passt es gut in meine generelle Verrücktheit. Ob das Experiment Erfolg hat oder Misserfolg, es sollte eine interessante Lernerfahrung werden.

Natürlich werde ich über dieses Experiment schreiben, aber wenn ich anfange, darüber zu schreiben, dass ich tote Menschen sehe, dann wissen meine Leser, dass ich durch den Schlafentzug verrückt geworden bin.;)

Was würde man selbst mit 30-40 zusätzlichen Stunden Freizeit in der Woche machen?

Man kann mehr über Polyphasenschlaf auf Wikipedia lesen. [Anm. d. Red. Der deutsche Artikel ist noch ausbaufähig – den werden wir uns in der nächsten Zeit mal vornehmen ;)]

Anm. d. Red.: Es wird eine sehr detaillierte Auflistung des Experiments folgen, für alle, die sich für den weiteren Verlauf des Experiments interessieren.