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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Richtiges Zeitmanagement

Richtiges Zeitmanagement hängt nicht vom System ab.

Zeitmanagement-Systeme sind in den letzten Jahren äußerst populär geworden… und das aus gutem Grund. Der ultimative potentielle Vorteil solcher Systeme ist die Fähigkeit, deinen Zeitaufwand so zu optimieren, dass du die bestmöglichsten Ergebnisse in der kürzestmöglichen Zeitspanne erzielen kannst. Diese Systeme haben jedoch einen Haken – du musst Zeit investieren um sie zu lernen und später zu pflegen. Allgemeiner gesagt, je komplexer das System, desto aufwendiger ist seine Nutzung. Je mehr Zeit du mit der Pflege deines System verbringst, desto weniger Zeit bleibt dir um die Früchte deiner erhöhten Produktivität zu ernten.

Ich habe Zeitmanagement seit den frühen 90ern intensiv studiert, sowohl durch Aufsagen existierenden Wissens zu diesem Thema als auch durch eigene Experimente. Ich habe ein ganzes Regal voll Bücher über Zeitmanagement verschlungen, hunderte Stunden mit Audio-Programmen verbracht und dutzende Artikel zu diesem Thema gelesen. Ich habe eine Vielzahl verschiedener Zeitmanagement-Systeme ausprobiert, darunter Franklin-Covey, David Allens Getting Things Done und Anthony Robbins “Rapid Planning Method” (früher bekannt als OPA, was für Outcome-Purpose-Action steht). Ich habe PC-Software wie Microsoft Outlook, Palm-Computer und paperbasierte Planer verwendet. Wenn es etwas wie einen Doktor in Zeitmanagement gäbe, dann hätte ich ihn inzwischen schon mehrmals bekommen.

Wie ich die Dinge geregelt kriege von David Allen

Englisches Original

Das Studium der verschiedenen Zeitmanagement-Systeme war ein extrem lohnenswertes Unterfangen. Auch wenn die Behauptungen von Leuten, die Produkte aus diesem Bereich verkaufen, oft übertrieben und beschönigt sind, so habe ich doch einige echte Produktivitätsschübe erzielen können, wenn ich die besten Ideen angewendet habe. Wie ich in dem Artikel Mach es jetzt schon schrieb, habe ich so zwei College-Abschlüsse in drei Semestern geschafft – hauptsächlich weil ich eine Vielzahl von Zeitmanagement-Techniken angewendet habe; teils in extremer Form. Ich habe in 1,5 Jahren all die Scheine bekommen, die andere Studenten über 4 Jahre verteilen, aber ich konnte es in eine viel kürzere Zeitspanne komprimieren, weil ich ungefähr die dreifache Menge an Vorlesungen besucht habe. Allerdings halte ich das für keine außergewöhnliche Leistung. Ich glaube, dass jeder andere, der das Zeitmanagement so gut wie ich studiert hat, ähnliche Ergebnisse erzielen würde.

Die traurige Wahrheit ist, dass die meisten Menschen so unglaublich schlecht im Zeitmanagement sind, dass diese unterirdische persönliche Produktivität einfach als normal akzeptiert wird. So wirkt jeder, der konsistent 80% seiner täglichen Zeit in intelligente, produktive Aktivitäten investieren kann, im Vergleich als Overachiever. Insbesondere der durchschnittliche Student nutzt nur 20-30% seiner Möglichkeiten und ich beziehe mich hier auch auf das soziale Leben zusätzlich zu seinen akademischen Leistungen. Die meisten Menschen sind völlig im Unklaren darüber, wie schlecht sie ihre Zeit managen – bis einer dieser “Overachiever” auftaucht und sie im Vergleich mit ihm schlecht aussehen.

Zeitmanagement-Systeme

Es ist verlockend zu behaupten, dass exzellentes Zeitmanagement das Ergebnis eines großartigen Zeitmanagement-Systems ist. Aber meine Erfahrung hat mich etwas anderes gelehrt. Ich finde, dass die allgemeine Mentalität des Zeitmanagements weitaus wichtiger ist als jedes System. Und die Mentalität beim Zeitmanagement ist einfach, dass man seine Zeit wertschätzt. Es ist in Wirklichkeit eine Frage des Selbstwertgefühls. Wenn du dein Leben als wertvoll und bedeutungsvoll ansiehst, dann wirst du deine Zeit auch mehr wertschätzen. Wenn du merkst, dass du eine Menge Zeit verschwendest, dann hast du vermutlich keinen ausreichend starken Grund, deine Zeit (besser) zu managen. Kein System wird dann einen großen Unterschied machen, wenn du nicht zuerst das zugrundliegende Problem mit deinem Selbstrespekt angehst. Wenn dein Leben keinen bedeutungsvollen Sinn hat, dann hast du auch keinen überzeugenden Grund, deine Zeitmanagement-Fähigkeiten zu verbessern. Vielleicht verspürst du ab und zu etwas Motivation dich zu verbessern, aber das wird nicht anhalten.

Zeitmanagement-Systeme sind verführerisch. Sie locken dich mit dem Versprechen von größerer Produktivität, mehr Freizeit, schnellerem und mehr Einkommen und höherem Selbstwertgefühl. Und manche dieser Vorteile werden vielleicht auch erreicht. Jedoch gibt es auch die Möglichkeit, dass dein System zur einer Ablenkung wird, die dich davon abhält, echte Fortschritte zu machen. Du stellst auf einmal fest, dass du mehr und mehr Zeit in Meta-Aktivitäten wie Aufräumen, Priorisierung von Zielen und dem Lernen der neuesten Produktivitätssoftware steckst. Tatsächlich die Aufgaben zu erledigen, die dein System eigentlich managen sollte, wird fast zur Nebensache… vielleicht sogar ein Ärgernis. Anstatt dir dabei zu helfen, deine Produktivität zu verbessern, wird dein System zum unfreiwilligen Helfer um deine schlechte Produktivität zu verstecken.

Das ist ein typisches Problem für Menschen, die noch nicht den Sinn und Zweck ihres Lebens identifiziert haben. Das System liefert die Illusion von Produktivität, aber wenn man hinter den Vorhang schaut, dann ist es nur ein Kartenhaus. Da gibt es nichts. Wenn du alle Aufgaben zusammen anschaust, dann geht es nur um lästigen Verwaltungskram und Trivialitäten. Ob du etwas erledigst oder nicht, macht im Großen und Ganzen keinen Unterschied. Langfristig gesehen, wird es niemanden interessieren. Wenn du dich in dieser Situation wiederfindest, dann hast du schlicht den eigentlich Sinn des Zeitmanagements aus den Augen verloren.

Was ist Zeitmanagement?

Lassen wir mal die ganze Komplexität außen vor und gehen einen Schritt zurück zu den Grundlagen. Was ist Zeitmanagement? Die Essenz des Zeitmanagements ist folgendes:

  1. Entscheide, was zu tun ist.
  2. Mach es.

Das sieht auf den ersten Blick ganz simpel aus. Das kann sogar ein Kind. Wenn wir das Ganze aber aus dem Blickwinkel der Optimierung betrachten, dann wird es viel komplizierter. Um diese Schritte optimieren zu können, müssen wir uns die Frage stellen, wie wir den “richtigen” oder “besten” Weg identifizieren um jeden Schritt durchzuführen. Dabei merken wir schnell, dass einige Entscheidung-Aktion-Kombinationen bessere Ergebnisse erzielen als andere. Es stellt sich also die Frage:

“Was ist die beste Aktion, die ich jetzt angehen kann und wie führe ich sie am besten durch?”

Die Antwort auf diese Frage sollte der Hauptzweck eines jeden Zeitmanagement-Systems sein. Ja, es gibt auch positive Nebeneffekte, wie eine bessere Organisation, mehr geistige Klarheit und weniger Stress. Aber letztendlich tragen diese Vorteile alle zum Prozess von Entscheidung und Aktion bei. Was wirst du tun und wie wirst du es tun?

Als ich mit dem Zeitmanagement-Studium begann, stellte ich fest, dass die existierende Literatur sich auf den zweiten Schritt konzentrierte. Es wurde immer wieder darüber gesprochen, wie man die Dinge erledigt. Das ist ein schönes Modell für Angestellte, die ihre Aufgaben diktiert bekommen, aber das ist eben auch ein Modell des Industriezeitalters und passt nicht zu den Denkern und Kreativen (engl. Knowledge Workers) von heute, die viel mehr Freiheit haben, was die Wahl ihrer Aufgaben und sogar ihrer Karrieren angeht. Wenn der erste Schritt inkorrekt durchgeführt wird, dann ist es auch egal, wie gut man beim zweiten Schritt agiert. Wenn du dich für die falsche Sache entscheidest, dann macht es keinen Unterschied, wie gut du sie erledigst.

Entscheiden, was zu tun ist

Schritt 1 ist weitaus schwieriger als Schritt 2, weswegen ich vermutlich so wenig adäquate Abdeckung dazu gefunden habe. Eins der beliebtesten Systeme, das versucht den ersten Schritt intelligent anzugehen, ist das Franklin-Covey-System, das sich mehr mit höheren Dingen, wie einer Mission, Rollen und Zielen beschäftigt als mit untergeordneten Dingen, wie Projekten und Aktionen. Allerdings finde ich dennoch, dass Franklin-Covey da nicht weit genug geht. Viele der ausformulierten Missionen, die bei diesem System herauskommen, sind nicht mehr als fades Gelaber, insbesondere solche, die von Unternehmen produziert werden.

Eine Ebene über Rollen, Zielen und Missionen befindet sich der Kontext. Stell ihn dir als dein aktuelles Verständnis der Realität vor, sowie deine Rolle darin. Wenn du deinen Kontext änderst, dann ändert sich auch alles andere mit. Wenn du z.B. deinen spirituellen Überzeugungen änderst, dann wirst du vermutlich auch Veränderungen in deinen Beziehungen und deiner Karriere entdecken.

Genauigkeit ist das Wichtigste

Der mit Abstand wichtigste Aspekt des Kontexts ist seine Genauigkeit. Entweder gibt dein Kontext die Realität genau wieder oder eben nicht. Das schließt auch deine heiligsten spirituellen Ansichten mit ein und das heißt auch, dass die Möglichkeit besteht, dass deine Überzeugungen auch deine externe Realität beeinflussen. Wenn ungenaue Glaubenssysteme deine Handlungen beeinflussen, dann kann es passieren, dass deine Taten vielleicht sinnlos sind. Jemand mit inakkuraten Ansichten über die Welt kann einfach nicht auf bedeutungsvolle Weise produktiv sein. Er/sie kann genauso gut ein Loch ausheben und es dann wieder füllen.

Ich habe mich anfangs auch über die Ebene der Projekte und Aktionen dem Thema Zeitmanagement genähert, aber inzwischen verfolge ich den Top-Down-Ansatz; ich betrachte also alles aus einer möglichst hohen Perspektive und blicke dann herunter. Heute beschäftige ich mich viel mehr damit, das Richtige zu tun, als damit die Dinge richtig zu machen. Ich verbringe einen beträchtlichen Teil mener Zeit damit meine Überzeugungen zu hinterfragen, auf der Suche nach Unstimmigkeiten zwischen meinen Überzeugungen und meinen Erfahrungen mit der Realität und dem Erforschen anderer potentieller Überzeugungen, die vielleicht genauer sind. Natürlich kann das Arbeiten auf der Ebene von Projekten und Taten kleinere Produktivitätsschübe erzielen, aber erst die Arbeit der hohen Ebene von Kontext und Sinn/Zweck führt zu echten und großen Durchbrüchen. Das ist der Prozess, der dazu geführt hat, dass ich mich aus der Spieleentwicklung zurückgezogen habe und mich nun dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung widme. Als sich mein Kontext verändert hat, hat sich alles andere mitverändert – eingeschlossen meiner Mission, meiner Ziele, Projekte und Taten.

Ich bin überzeugt, dass es für mein Zeitmanagement das Wichtigste ist, die Realität so genau wie möglich zu verstehen. Darüber hinaus bedeutet das, dass ich Daten nicht ignorieren kann. Alles was ich erfahren habe – alles, von dem ich denke, dass ich es weiß – muss irgendwie in meinen Ansatz zum Zeitmanagement integriert werden. Es darf keine Unstimmigkeiten geben. Mene Überzeugungen, Gedanken und Taten müssen alle mit der Realität vereinbar sein.

Wie man Unstimmigkeiten auflöst

Ein großer Fehler, den viele beim Zeitmanagement machen, ist, dass sie es zulassen, dass Unstimmigkeiten in ihrem Leben existieren ohne das diese jemals auf bewusste Weise aufgelöst werden. Das kann man sehr leicht bei der Religion sehen. Viele behaupten, sie würden gewisse Ansichten ehren, aber scheitern dann daran, auch nach diesen zu handeln. Sie schränken sich selbst ein oder denken, sie seien schwach. Warum? Weil ein Teil von ihnen sagt, die Ansichten sind korrekt und ein anderer Teil spürt, dass das nicht stimmt. Aber anstatt diese Konflikt aufzulösen, versuchen sie nur nicht darüber nachzudenken. Diesen Konflikt aufzulösen, würde wohl einen ernsthaften Umbruch in ihrem Leben erfordern und sie fürchten sich vor dem, was passieren könnte. Also gehen sie lieber durch ungesunde Zyklen, die Wahrheit vor sich zu verstecken und sich frustriert zu fühlen, weil sie nicht fähig, sind einen gewissen Standard, den sie nicht vollständig akzeptiert haben, zu erfüllen, aber von dem sie glauben, ihm weiterhin nachjagen zu müssen.

Der Umbruch, der durch das Auflösen von inneren Unstimmigkeiten entsteht, ist real, aber das bedeutet nicht, dass du davor Angst haben musst. Ich habe schon einige große Veränderungen in meinem Leben auf diesem Weg erlebt und es ist jedesmal schwer. Aber ich kann nicht die Logik akzeptieren, die jemanden sich an ein Glaubenssystem festklammern lässt, von dem ich weiß, dass es ungenau ist. Sobald neue Daten auftauchen (oder ein besseres Verständnis von alten Daten), dann muss ich einen Weg finden, sie zu integrieren. Zumindest muss ich die ungenaue Ansicht fallen lassen während ich nach einer besseren suche.

Trotz der Herausforderungen bin ich mit diesem Ansatz extrem zufrieden. Probleme, mit denen ich jahrelang gekämpft habe, haben sich einfach in Luft aufgelöst, sobald ich meine Überzeugungen bezüglich meiner eigenen Lebenserfahrung angepasst und nicht blind das akzeptiert habe, was andere mir einreden wollten. Die Welt ist voll so vieler falscher Ansichten (insbesondere die der Massenmedien), dass es eine ernsthafte Herausforderung ist uns selbst und unserem eigenen Denken zu vertrauen, wenn jeder um uns herum uns erzählt, dass wir falsch liegen.

Zum Beispiel war es eine der ersten Überzeugungen, die sich für mich als ungenau herausstellte, die, das ich einen Job bräuchte. Ein Teil von mir meinte, ich sollte mir einen Job besorgen – es wirkte wie das Richtige nach dem College – aber ein anderer Teil von mir mochte die Idee, jeden Tag zur Arbeit gehen zu müssen und einen Boss zu haben, der mir sagt, was zu tun sei, überhaupt nicht. Ich schaute auf ein Job-Angebot und mein Blick war einfach nur leer. Ich konnte mich kaum mit der Idee anfreunden, an meinem Lebenslauf zu arbeiten. Diese ganze Idee fühlte sich für mich intuitiv falsch an. Und da bin ich sicherlich nicht der Einzige, aber die meisten Menschen versuchen dieses Gefühl zu verdrängen. Sie gehen jeden Tag zur Arbeit, aber sie richtig mögen sie es nicht. Sie würden lieber nicht hingehen, wenn sie es sich leisten könnten. Anstatt diese Unstimmigkeit zu akzeptieren wie anscheinend jeder andere, entschied ich mich sie aufzulösen. Und das führte mich dazu einen Weg zu finden, wie man auch ohne Job ein gutes Einkommen erzielen kann. Es war kurzfristig gesehen keine einfache Aufgabe, aber langfristig gesehen war es viel einfacher, insbesondere wenn ich mir so ansehe, was die Leute, die dem traditionellen Weg gefolgt, so an Ergebnissen erzielen. Kaum jemand wirkt glücklich und erfüllt in seinem Leben. Auf Arbeit tun sie so, als wäre alles in Ordnung, aber insgeheim fühlen sie sich miserabel und gefangen. Und es wird jedes Jahr schwerer. Persönlich glaube ich nicht, dass die meisten Jobs wirklich gesund sind, wenn man sich mal ansieht, was sie mit der menschlichen Seele machen. Ich bin sicher, dass es auch Ausnahmen gibt, aber die sind eben nicht die Norm.

Trotz vieler Menschen, die mir sagen, ich solle mir endlich “einen Job zulegen” (oft mit vielen Ausrufezeichen am Ende des Satzes), habe ich nach dem College nie einen Job gehabt und ich bin glücklich “arbeitslos” seit dem. Ich habe einfach akzeptiert, dass das Angestelltendasein nichts für mich ist und ich bemerkte, dass die Menschen, die Jobs haben das ähnlich sehen, insofern habe ich ihren Rat ignoriert und lieber auf meine Intuition gehört. Durch das Auflösen dieser Unstimmigkeit in meinen Überzeugungen, war ich in der Lage ein für mich besseres Ergebnis zu erzielen – ein Einkommen im Überfluss, fantastische Karrierechancen und ein spaßiges soziales Leben ohne die Einschränkungen durch eine Anstellung. Und das Beste ist, ich bin schon fast lächerlich glücklich mit meinem Leben.

Die ultimative Vereinfachung des Zeitmanagements ist, dass das Zeitmanagement Genauigkeit ist. Um deine Zeit effektiv nutzen zu können, musst du danach streben, das akkurateste Verständnis der Realität zu entwicklen, das dir möglich ist. Das bedeutet, dass du allen Daten, die sich dir präsentieren, genügend Beachtung schenken musst: Wahrnehmungen durch deine Sinne, Fakten, Logik, Intuition, Emotionen, usw. Und das ultimative Ziel ist, all diese Dinge in Einklang zu bringen. So das das, was du wahrnimmst, fühlst, denkst, sagst und machst miteinander kongruent ist.

Fehlerfreie Überzeugungen

Ich habe in diesem Bereich gewaltige Fortschritte gemacht, aber ich habe sicherlich nicht den Gipfel des Einklangs erreicht. Es gibt noch jede Menge Unstimmigkeiten, die ich auflösen muss. Wann immer ich Unsicherheit in einem bestimmten Bereiche bemerke, suche ich nach Wegen um persönliche Tests durchführen zu können. Nehmen wir z.B. das Million Dollar Experiment – das ist darauf ausgelegt, die Macht der Intention zu testen. Welche Rolle spielt die Intention beim Erreichen von Zielen? Ich kenne die Antwort darauf nicht, aber ich kann das Potential des Intention-Manifestations-Modell auch nicht außen vorlassen, da es sehr bedeutend sein könnte und ich bereits einige vielversprechende Resultate gesehen habe. Allerdings ist mein Verständnis, wie das alles funktioniert, noch nicht tief genug. Der wahre Vorteil von solchen Experimenten ist, das sie mich mit Daten versorgen, die ich dann nutzen kann um mein mentales Modell der Realität zu verbessern. Und ein besseres Modell erlaubt mir, präzisiere Entscheidungen zu treffen und so meine Zeit effektiver zu nutzen.

Es ist nicht genug, sein Ziel schriftlich festzuhalten und dann daran zu arbeiten, es auch zu erreichen. Es ist nicht genug, ein Missionsstatement zu verfassen und sein Leben im Einklang damit zu leben. Woher weißt du denn, ob deine Mission oder deine Ziele überhaupt intelligent gewählt sind? Hast du dir noch nie ein Ziel gesetzt, das sich später als dumm oder sinnlos erwiesen hat? Werden zukünftige Historiker dein gesamtes Leben als “fehlgeleitet” ansehen? Woher weißt du, dass du nicht in zehn Jahren auf deine aktuellen Ziele zurückblicken und feststellen wirst, dass du auf dem Holzpfad warst? Was für eine Verschwendung von (Lebens-)Zeit soviel Aufwand in das Erreichen von Zielen zu stecken, die letztendlich überhaupt nicht wichtig sind.

Genauigkeit ist der Standard nach dem du bewerten musst, ob deine Ziele gut gewählt sind. Wenn deine Ziele auf einem akkuratesten Modell der Realität basieren, das dir zur Verfügung steht, dann musst du dir keine Sorgen machen. Du hast das Beste gemacht, was dir möglich ist und du kannst keine bessere Ergebnisse erwarten. Aber Genauigkeit ist keine leichte Sache. Das ist der Grund, warum viele meiner Ziele darauf abzielen, die Präzision meiner Ansichten und Überzeugungen zu verbessern. Ich habe bemerkt, dass wenn ich die Realität nicht genau genug verstehe um überzeugt davon zu sein, dass meine Ziele Sinn machen, dann sollte es meine erste Priorität sein, die Genauigkeit meines aktuellen mentalen Modells der Realität zu verbessern. Bis zu dem Grad, wie mein Modell akkurat erscheint, handele ich danach, aber wenn ich Unstimmigkeiten entdecke, dann verfeinere ich das Modell an sich. Manchmal stelle ich fest, dass mein Modell so kaputt ist, dass ich es komplett wegwerfen und von Grund auf neu errichten muss. Der ultimative Test für dein Modell der Realität ist die Realität selbst.

Auch wenn du jetzt nicht dein ganzes Leben dem Streben nach mehr Genauigkeit widmen möchtest, so denke ich doch, dass du substantielle Verbesserungen bei deinem Zeitmanagement erreichen kannst, wenn du die Genauigkeit an die Spitze deiner Zeitmanagement-Philosophie stellst – und nicht Effizienz, Effektivität oder irgendetwas anderes. Wann immer du eine schwere Entscheidung darüber, wie du deine Zeit nutzen sollstest, treffen musst, dann geh einen Schritt zurück und überdenke noch einmal dein aktuelles Verständnis der Realität. Von was weißt du, dass es wahr ist? Und was sagt dir diese Wahrheit, was der richtige Kurs für dich ist? Sobald du einmal den richtigen Kurs hast, dann kannst du dich bemühen, ihn effektiv und effizient durchzuziehen und das ist auch der Punkt, wo die modernen Zeitmanagement-Systeme ihren Nutzen haben.

Um die Genauigkeit zu verbessern, müssen Ungenauigkeiten verschwinden

Obwohl es sehr schwer ist zu wissen, wann deine Überzeugungen akkurat sind, ist es jedoch nicht so schwer Unstimmigkeiten zu entdecken – also konzentriere deinen Verbesserungsaufwand für den Anfang darauf. Symptome von inakkuraten Überzeungen sind chronische Prokrastination (Aufschieberitis), gemischte Gefühle, Lügen, Selbstsabotage, Ziele, die im Sand verlaufen, Angst vorm Scheitern, Angst vor Zurückweisung, Schüchternheit, Depression, Wut, Frustration, Verbitterung und das Tragen von viel zu großen Baggy-Pants, wo der Schritt zwischen den Knien hängt (du siehst daran NICHT cool aus, sondern wie ein Depp). ;)

Gewöhnlich ist es nicht schwer Unstimmigkeiten in deinen Ansichten zu entdecken. Du hast vermutlich viele davon, aber dir ist gesagt worden, dass es normal ist, wenn nicht alles im Einklang ist. Ich behaupte, es ist üblich, aber es ist nicht normal. Ich glaube, es ist weitaus normaler und natürlicher kongruent zu sein. Wenn du gemischte Gefühle hast, dann ist es für gewöhnlich ein unangenehmer Zustand. Wenn du diesen Zustand erlebst, dann nimm dir etwas Zeit ein privates Tagebuch über deine Gefühle zu führen, betrachte beide Seiten und gehe soweit wie möglich in sie hinein. Die meisten Menschen gehen nicht tief genug. Schließlich wirst du eine neue Wahrheit entdecken, der du dich bisher nicht stellen wolltest. Zum Beispiel habe ich, wie schon erwähnt, mich der Realität stellen müssen, dass ich mein Leben nicht damit verbringen möchte, für jemand anderen zu arbeiten, aber dennoch musste ich Geld verdienen um meine Bedürfnisse befriedigen zu können. Ich stellte fest, dass beides wahr war (meine inneren Gefühle und meine externe Realität), aber sie waren inkogruent. Und das erlaubte mir, mir eine kongruente Lösung auszudenken, die beide Seiten einbezieht ohne mich zurück in einen Zustand der Unstimmigkeit zu werfen. Ich entschied mich, einen Weg zu finden, ein gutes Einkommen zu verdienen ohne dafür einen Job zu benötigen. Es war kurzfristig sehr schwer, aber sehr einfach langfristig gesehen. Inakkurate Überzeugungen helfen dir nicht weiter, also wirf sie ab, wann immer du kannst.

Wenn du dich um die höchste Ebene des Zeitmanagements (Genauigkeit) kümmerst, dann werden die anderen Ebenen sich automatisch einfügen. Mein Sinn und Zweck, meine Mission, Rollen, Ziele, Projekte und Taten ergeben sich alle durch mein aktuelles Verständnis der Realität. Basierend auf meinem Verständnis der Realität, ist mein Sinn und Zweck absolut klar. Basierend auf meinem Sinn und Zweck, ist meine Mission klar. Und so weiter, bis ganz nach unten. Klarheit an der Spitze schafft Klarheit am Boden. Es gibt dennoch jede Menge Raum für Entscheidungen auf den tieferen Ebenen, aber das kann man dem Wählen von Extras für ein neues Auto vergleichen, dass man sich gerade gekauft hat. Die großen Entscheidungen sind bereits gefällt, insofern sind die Details nicht mehr allzu wichtig. Die Details beeinflussen den Geschmack und die Textur deines Lebens, aber nicht seine essentielle Natur.

Wenn es um Zeitmanagement geht, dann wird die Genauigkeit deiner Überzeugungen bezüglich der Realität deine Ergebnisse praktisch diktieren. Es ist nicht so wichtig, welches System du benutzt. Bei deinem Streben nach größerer Präzsision und Stimmigkeit musst du mit dir geduldig sein. Diese Suche wird immer weitergehen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Menschen jemals den Gipfel der Genauigkeit erreichen werden – dazu müssten wir Götter werden. Es wird immer Unstimmigkeiten geben, die es zu eliminieren, mehr Experimente, die es zu probieren und mehr Daten, die es zu integrieren gilt. Das Wichtige ist, dass man nicht aufhören darf. Mach es dir nicht mit Konflikten in deinem Leben gemütlich, wenn doch Stimmigkeit das echte Ziel ist. Manchmal wird es ein Jahr oder länger dauern um einen Konflikt durch etwas Stimmiges zu ersetzen, z.B. im Fall einer Scheidung oder eine neuen Karriere, aber diese Zeit wird sowieso vorbeigehen, also kannst du sie doch auch gleich gut nutzen.