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Selbstdisziplin – Einleitung

Diese Woche werde ich eine Serie über Selbstdisziplin schreiben. Zu diesem Thema werden Montag bis Freitag neue Beiträge erscheinen. Ich habe auch eine neue Kategorie hinzugefügt: Selbstdisziplin

Ich habe bereits um die 20 Seiten über Selbstdisziplin für mein neues Buch geschrieben, darin enthalten sind eine Definition und wie man sie aufbaut. Ich werde einige dieser Ideen in dieser Serie aufführen und mich dabei auf die 5 Pfeiler der Selbstdisziplin konzentrieren.

Die 5 Pfeiler der Selbstdisziplin

Die 5 Pfeiler der Selbstdisziplin sind: Akzeptanz, Willenskraft, harte Arbeit, Fleiß und Ausdauer. [Anm. d. Redaktion: Im Englischen sind es Acceptance, Willpower, Hard Work, Industry und Persistence, deren Anfangsbuchstaben “A WHIP” – zu deutsch “eine Peitsche” – ergeben. Eine einfache Eselsbrücke, da man sich selbst antreiben muss.]

Jeden Tag werde ich nun einen der Pfeiler untersuchen, und dabei erklären, warum er wichtig ist und wie man ihn entwickelt. Aber zunächst ein allgemeiner Überblick …

Was ist Selbstdisziplin?

Selbstdisziplin ist die Fähigkeit, unabhängig vom Gemütszustand aktiv zu werden.

Man stelle sich vor, was man erreichen könnte, wenn man sich nur zwingen würde, seinen Vorsätzen zu folgen, egal was passiert. Man stelle sich vor, wie man zu sich sagt:

“Du bist zu dick. Nimm 10kg ab!”

Ohne Selbstdisziplin wird dieser Vorsatz nicht ausgeführt werden. Aber mit genügend Selbstdisziplin, ist er fast geschafft. Auf dem Gipfel der Selbst-Disziplin ist man angelangt, wenn man sich etwas bewusst vornimmt und es dadurch geradezu garantiert ist, dass man diesem Vorsatz bis zum Ende folgt.

Selbstdisziplin ist nur eines der vielen Selbstentfaltungs-Werkzeuge, die einem zur Verfügung stehen. Natürlich ist sie kein Allheilmittel. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, dass Selbstdisziplin viele Probleme lösen kann. Es gibt natürlich auch andere Lösungswege, aber Selbstdisziplin hat oft den größten Einfluss. Selbstdisziplin kann einen befähigen, jede Abhängigkeit zu überwinden oder jedes Maß an Übergewicht. Man kann die Tendenz zum Aufschieben, Unordentlichkeit und Unwissen los werden. Selbstdisziplin deckt einfach ein unvergleichlich großes Feld an Problemen ab, die man mit ihr lösen kann. Darüber hinaus wird sie zum mächtigen Teammitglied, wenn sie mit mit anderen Werkzeugen wie Leidenschaft, Zielstrebigkeit und der Fähigkeit zum Planen kombiniert wird.

Selbstdisziplin aufbauen

Meine Philosophie, wie Selbstdisziplin aufgebaut werden kann, erklärt sich am Besten mit einer Analogie. Selbstdisziplin ist wie ein Muskel. Je mehr man ihn trainiert, desto stärker wird er. Je weniger man ihn trainiert, desto schwächer wird er.

Wie jeder nun eine andere Muskelstärke hat, besitzt jeder ein andere Stufe der Selbstdisziplin. Jeder hat welche – wenn man den Atem einige Sekunden anhalten kann, hat man schon Selbstdisziplin bewiesen. Aber nicht jeder hat seine Selbstdisziplin gleichsam ausgebaut.

Ebenso, wie man Muskeln braucht, um Muskeln aufzubauen, benötigt man Selbstdisziplin, um Selbstdisziplin zu entwickeln.

Selbstdisziplin aufzubauen ist analog zum Aufbau von Muskulatur, bei dem man Gewichte heben sollte, die nah der eigenen Grenze sind. Wenn man mit Gewichten trainiert, hebt man jedoch immer Gewichte, die man tatsächlich heben kann. Man beansprucht seine Muskeln so lange, bis sie nicht mehr können und dann ruht man aus.

Ähnlich dazu versucht man sich beim Aufbau von Selbstdisziplin an Herausforderungen, die man erfolgreich bewältigen kann, die aber nahe an der Grenze sind. Das heißt weder, dass man täglich etwas zu schaffen versucht und jedesmal versagt, noch, dass man in einem Bereich bleibt, der immer angenehm ist. Man wird keine Kraft entwickeln, wenn man versucht, Gewichte zu stemmen, die zu schwer sind und man wird keine Kraft entwickeln, wenn man Gewichte stemmt, die zu leicht sind. Man muss mit Gewichten/Herausforderungen beginnen, die nahe der Grenze liegen, aber zu bewältigen sind.

Progressives Training heißt, dass man, wenn man erfolgreich ist, die Herausforderungen schwieriger machen kann. Wenn man immer mit den selben Gewichten trainiert, wird man nicht stärker werden. Analog dazu wird man keinen Zuwachs an Selbstdisziplin erreichen, wenn man sich nicht immer wieder herausfordert.

Genau, wie viele Menschen sehr schwache Muskeln haben, verglichen mit dem, was sie durch Training erreichen könnten, haben viele Menschen ein sehr geringes Maß an Selbstdisziplin.

Es ist ein Fehler, sich zu sehr herauszufordern, wenn man Selbstdisziplin aufbauen möchte. Wenn man versucht, über Nacht sein ganzes Leben umzustellen, indem man sich viele neue Ziele setzt und von sich selbst verlangt, all diesen Zielen konsequent zu folgen, dann ist es fast sicher, dass man versagt. Man könnte diese Situation mit einem Menschen vergleichen, der das erste Mal das Fitnessstudio besucht und 110kg-Gewichte stemmen will. Man wird nur albern aussehen.

Wenn man nur 5kg heben kann, dann hebt man eben nur 5kg. Es ist keine Schande dort anzufangen, wo man ist. Ich kann mich erinnern, dass ich, als ich vor einigen Jahren mit einem Personal Trainer anfing zu arbeiten, beim ersten Versuch einer Schulterpresse mit Hanteln, nur gerade so eine 3,5kg schwere Stange ohne Gewichte heben konnte. Meine Schultern waren einfach sehr schwach, da ich sie nie trainiert hatte. Aber innerhalb weniger Monate erreichte ich 30kg.

Analog kann man, wenn man momentan sehr undiszipliniert ist, die wenige Selbstdisziplin nutzen, die man hat, um mehr davon aufzubauen. Je disziplinierter man wird, desto leichter wird das Leben werden. Herausforderungen, die einmal unmöglich schienen, werden schließlich wie Kinderspiele erscheinen. Wird man stärker, erscheinen die selben Gewichte immer leichter und leichter.

Man sollte sich aber nicht mit anderen Menschen vergleichen. Das wird nicht helfen. Man wird nur finden, was man erwartet zu finden. Wenn man sich als schwach einschätzt, wird jeder andere stärker erscheinen. Wenn man sich als stark betrachtet, wird jeder andere schwächer erscheinen. Es gibt also keinen Grund, sich zu vergleichen. Man sollte sich einfach anschauen, wo man im Moment steht und darauf abzielen, sich zukünftig zu verbessern.

Wie man es im realen Leben umsetzen kann

Man nehme an, man möchte die Fähigkeit entwickeln, solide 8 Stunden täglich zu arbeiten, da dies einen entscheiden Einfluss auf die eigene Karriere hätte. Ich habe heute früh ein Audio-Programm angehört, das eine Studie zitierte, welche aussagte, dass der durchschnittliche Büroarbeiter 37% seiner Zeit mit sozialen Verpflichtungen verbringt. Darin sind die 50% der anderen lasterhaftigen Zeit, die mit unproduktivem Nicht-Arbeiten gefüllt sind, nicht eingerechnet. Es gibt also genügend Raum, sich zu verbessern.

Vielleicht versucht man zunächst einen ganzen 8-Stunden Tag keiner Ablenkung zu erliegen und schafft es nur einmal. Den nächsten Tag versagt man wieder. Aber das ist okay. Immerhin hat man es einmal geschafft. Zweimal hintereinander ist also zu viel für einen. Also nimmt man sich etwas weniger vor. Welche Länge würde eine fünfmalige Wiederholung erlauben (also eine ganze Woche)? Könnte man vielleicht eine Stunde am Tag konzentriert arbeiten, fünf Tage die Woche? Wenn man das nicht schafft, dann nimmt man sich eben nur 30 Minuten vor oder was immer man in der Lage ist, zu leisten. Wenn man erfolgreich ist (oder wenn man es als zu leicht einschätzt), dann verschärft man die Herausforderung (das heißt den Widerstand).

Wenn man einmal eine Woche geschafft hat, kann man sich in der nächsten Woche ein wenig mehr vornehmen. Dieses Training kann man fortführen, bis man sein Ziel erreicht hat.

Während Analogien wie diese nie perfekt sind, finde ich diese sehr passend. Indem man die Messlatte jede Woche nur ein wenig anhebt, bleibt man innerhalb seiner Leistungsgrenzen, wird aber über die Zeit immer stärker. Beim Gewichteheben heißt die tatsächliche Arbeit, die man verrichtet erstmal gar nichts. Es gibt keinen trainigsimmanenten Nutzen, wenn man Gewichte hoch und runter hebt, der Nutzen kommt aus dem Muskelwachstum. Wenn man jedoch Selbstdisziplin aufbaut, kommt der Nutzen auch aus der Arbeit, die man während des Trainings erledigt, das ist also sogar noch besser. Es ist großartig, wenn Training einem etwas Wertvolles gibt UND einem sogar noch stärker macht.

Während dieser Woche werden wir noch tiefgründiger auf die 5 Pfeiler der Selbstdisziplin eingehen. [Anm. d. Redaktion: Die weiteren Artikel werden noch kommen]

Dies ist der erste Artikel einer 6-teiligen Reihe: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5 | Teil 6