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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Selbstdisziplin: Fleiß

Fleiß bedeutet hart zu arbeiten. Aber im Unterschied zu harter Arbeit bedeutet fleißig zu sein nicht unbedingt, dass die Arbeit anspruchsvoll oder schwierig ist. Man muss nur eine gwisse Zeit dafür aufwenden. Man kann fleißig sein, indem man leichte oder schwierige Arbeiten erledigt.

Angenommen man hat ein Baby. Man verbringt sehr viel Zeit damit, Windeln zu wechseln. Aber es ist keine wirklich harte Arbeit – es ist nur eine Angelegenheit, die erledigt werden muss und zwar viele, viele Male am Tag.

Im Leben gibt es viele Aufgaben, die nicht notwendigerweise schwierig sind, aber die alle zusammen einen signifikanten Betrag an Zeitinvestition verlangen. Wenn man sich nicht selbst diszipliniert, sie fortwährend zu bewältigen, können sie das Leben zu einem großen Durcheinander werden lassen. Man denke nur an all die kleinen Dinge, die man tun muss: Einkaufen, Kochen, Putzen, Waschen, Steuern zahlen, Rechnungen zahlen, die Instandhaltung des Hauses, Kindererziehung etc. Und diese Dinge betreffen nur das eigene Heim – wenn man die Arbeit einbezieht, wird die Liste noch länger. Diese Dinge mögen nie ganz oben auf der Liste der wichtigen Dinge stehen, aber sie müssen trotzdem erledigt werden.

Selbstdisziplin verlangt, dass man die Kompetenz entwickelt, Zeit in Dinge zu stecken, wo sie benötigt wird. Das größte Durcheinander entsteht, wenn wir uns weigern, Zeit in Dinge stecken, die erledigt werden müssen – und es nicht sorgfältig machen. Solche Wirrwarrs können von einem unaufgeräumten Schreibtisch oder einer vollgestopften Mailbox bis zu Enron oder Worldcom führen [Anm. d. Red. Zwei amerikanische Unternehmen, die aufgrund von Unstimmigkeiten in den Finanzen große Skandale verursacht haben] Großes oder kleines Durcheinander – man kann es sich aussuchen. Ein signifikanter Einflussfaktor ist aber, so oder so, die Weigerung, etwas zu tun, was getan werden muss.

Manchmal ist ganz klar, was getan werden muss. Manchmal ist es gar nicht so klar. Aber das Wirrwarr zu ignorieren, wird nicht helfen. Wenn man nicht weiß, was man tun muss, ist der erste Schritt, das herauszufinden. Dazu muss an eventuell Informationen suchen und sich weiterbilden. Um diesen Blog herauszubringen, musste ich auch erst herausfinden, wie man das macht. Ich nahm mir die Zeit, mich weiterzubilden, indem ich andere Blogs las und verschiedene Blogging-Tools bewertete. Das war nicht schwierig für mich, aber es verlangte eine bedeutende Zeitinvestition.

Manchmal erlauben wir es kleinen Ärgernissen, ein bisschen zu lange zu bestehen. Im Januar kauften meine Frau und ich ein neues Haus. Aber erst letztes Wochenende packten wir die letzte Kiste endlich aus. Das meiste Auspacken erledigten wir in den ersten paar Wochen nach dem Umzug, aber einige Kisten standen in eine Ecke geschoben und keiner von uns wollte sie auspacken. Warum? Wir wussten nicht, wo wir die Sachen hinpacken sollten, die darin waren. Es schien am einfachsten, das Problem zu ignorieren und zu hoffen, dass sich die Kisten auf magische Art und Weise selbst auspackten. Endlich packten wir sie dann am letzten Wochenende aus und kümmerten uns auch um einige andere Reparaturen zu Hause, die wir bisher ebenso auf Eis gelegt hatten.

Es war nicht schwierig oder aufwändig, diese Dinge zu tun. Es war nur einer Frage der Zeit, sie zu erledigen. Man benötigte kaum Fähigkeiten oder Intelligenz. Alles was zu tun war, war zu akzeptieren, dass es getan werden musste und sich einige Minuten Zeit zu nehmen, herauszufinden, wie man es macht und es dann zu tun.

Zeit investieren

Es gibt viele Probleme im Leben, bei denen die Lösung hauptsächlich eine gedankenlose Zeitinvestition ist. Wenn die Mailbox voll ist, ist das kein anspruchsvolles Problem. Man kann mir glauben – es gibt größere Probleme im Leben, als alte Korrespondenz zu erledigen. Ich garantiere, dass mein Leser die Intelligenz hat, dies zu meistern. Den E-Mail-Eingang zu leeren ist eine reine Zeitfrage. Vielleicht wird es einige Stunden dauern, diese Aufgabe zu erledigen. Wenn es das wert ist, mehrere Stunden zu investieren, sollte man das tun. Vielleicht kann man entspannende Musik genießen, während man das tut. Ansonsten kann man einfach Ctrl-A und Delete drücken und die Sache hat sich erledigt.

Wie viele Probleme stehen denn auf der momentanen To-Do-Liste, die mit einfacher Fleißanwendung erledigt werden können? Manchmal muss man gar nicht besonders kreativ oder clever sein – eine brutale Lösung reicht auch. Aber es ist einfach in dem Muster stecken zu bleiben, sich zu wünschen, dass eine brutale Lösung nicht nötig ist. Das ist nervtötend. Es ist langweilig. Es ist sowieso gar nicht wichtig. Und trotzdem muss es getan werden.

Wenn man einen Weg findet, um eine zeitaufwändige Lösung zu vermeiden und einen schnelleren oder besseren Weg, um das Problem zu beseitigen oder zu umgehen, dann sollte man ihn auf jeden Fall nutzen. Man kann es an jemanden übertragen oder beseitigen – man tue, was man kann, um die Zeitbelastung los zu werden. Aber wenn man weiß, dass etwas nicht getan werden kann außer durch eigene Zeitinvestition, wie die unangenehmen Kisten in meinem Haus, die sich weigerten, sich selbst auszupacken, dann muss man es akzeptieren und erledigen. Nicht beschweren. Nicht jammern. Einfach machen.

Die eigene Produktivität ausbauen

Sich selbst zu disziplinieren, fleißig zu sein, führt dazu, dass man mehr Wert aus der eigenen Zeit ziehen kann. Die Zeit ist konstant, aber die eigene Produktivität ist es nicht. Manche Menschen nutzen die Stunden ihres Tages viel effektiver als andere. Es ist erstaunlich, dass Menschen Geld ausgeben, um einen schnelleren Computer zu kaufen oder ein Auto mit niedrigem Benzinverbrauch, aber ihren eigenen Fähigkeiten schenken sie kaum Aufmerksamkeit. Die eigene Produktivität wird einem auf lange Sicht gesehen viel mehr nützen als ein Computer oder ein Auto. Man gebe einem fleißigen Programmierer einen 10 Jahre alten Computer und er/sie wird mehr in einem Jahr schaffen, als ein fauler Programmierer mit der neuesten Technologie.

Trotz all der Technologie und technischen Spielereien, die heute verfügbar sind und uns potentiell effizienter machen können, ist die eigene Produktivität immer noch das größte persönliche Hindernis. Man sollte nicht mit der Technologie rechnen, wenn man produktiver werden will. Wenn man sich selbst ohne Technologie nicht effizient findet, dann wird man mit ihr auch nicht produktiv sein – sie wird nur dazu dienen, die eigenen schlechten Eigenschaften zu verschleiern. Wenn aber bereits ohne Technologie fleißig ist, kann sie helfen, noch fleißiger zu werden. Man sollte Technik als Multiplikator ansehen – sie vervielfacht, was man bereits ist.

Wenn man seine Zeit besser nutzen will, empfehle ich mit der Herangehensweise dieses Artikels zu beginnen:
Wie man seine Produktivität verdreifacht

Die Grundidee dieses Artikels ist es, dass man zuerst das derzeitige Produktivitätslevel misst (der Artikel erklärt, wie man das durch Zeiterfassung tun kann), wie man den derzeitigen “Effizienzwert” misst und ihn dann schrittweise anhebt.

Ich schrieb diesen Artikel im Jahr 2000 und ich nutze diese Methode kontinuierlich immer wieder, wenigstens alle sechs Monate. Sie macht mir bewusst, wie genau ich meine Zeit nutze. Ich habe sie zuletzt vor einigen Monaten angewandt, indem ich die Nutzung meiner Zeit über mehrere Tage hinweg notierte und war überrascht, dass es nur wenig Raum für Verbesserung gab. Es hat fünf Jahre gedauert von da an, als ich diesen Artikel schrieb, bis zu diesem Punkt, aber nun denke ich, dass ich meine Zeit effizient nutze. Ich habe ab und an immer noch unproduktive Tage, aber sie sind die Ausnahme. Meistens schaue ich auf meine Tage zurück und denke

“Ich habe heute wirklich viel geschafft. Es wäre schwer gewesen, es noch besser zu machen.”

Vor fünf Jahren wusste ich, was ich tun musste. Ich benötigte fünf Jahre, um die Stärke und Disziplin auszubilden, um es kontinuierlich weiter zu tun. DAS WAR NICHT EINFACH!

Wenn man dabei ist, seine eigene Produktivität zu entwickeln, dann kann es einige Tage des Haareraufens und Zähneknirschens verursachen, aber am Ende zahlt es sich aus. Ich denke, dass sich viele Menschen schon aus gesundem Menschenverstand von der Idee, produktiver zu werden, angezogen fühlen. Man muss nicht besonders schlau sein, um herauszufinden, dass, wenn man seine Zeit effizienter nutzt, man mehr Aufgaben erledigen kann und daher schneller Ergebnisse erzielt. Persönliche Produktivität erlaubt es, genügend Raum für Dinge im eigenen Leben zu schaffen, um alles tun zu können, was man seiner Meinung nach tun sollte:

  • Gesund essen
  • Sport treiben
  • Hart arbeiten
  • Beziehungen vertiefen
  • Ein wunderbares Sozialleben zu haben
  • Einen Unterschied zu machen

Ansonsten muss etwas gehen. Ohne ein hohes Level persönlicher Produktivität, muss man wahrscheinlich etwas aufgeben, was einem wichtig ist. Man wird Konflikte haben zwischen Gesundheit und Arbeit, Arbeit und Familie, Familie und Freunden. Fleiß kann einem die Fähigkeit einräumen, all diese Dinge zu genießen, so dass man nicht die Arbeit der Familie vorziehen muss oder andersherum. Man kann beides haben.

Natürlich ist der Fleiß nur eine Arbeitshilfe unter vielen. Es wird dafür sorgen, dass man seine Arbeit effizient erledigt, aber er wird einem nicht sagen, welche Arbeit das überhaupt ist. Fleiß ist eine Arbeitshilfe auf einer niedrigen Ebene. Hart zu arbeiten, heißt nicht unbedingt, dass man klug arbeitet. Diese Schwäche des Fleißes schmälert jedoch nicht seine machtvolle Position in der Rangfolge der Arbeitshilfen für Persönlichkeitsentwicklung. Wenn man sich einmal für eine Handlungsstrategie entschieden hat und alle Pläne vor einem liegen, kann nichts die Arbeit so gut erledigen, wie der Fleiß. Auf lange Sicht gesehen, werden die Ergebnisse durch die eigenen Handlungen kommen und Fleiß bedeutet vor allem Handeln.

Dies ist der fünfte Artikel einer 6-teiligen Reihe: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5 | Teil 6