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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Sind deine Ansprüche hoch genug?

Was für Ansprüche hast du an dich?

Ich werde immer wieder dafür kritisiert, das meine Ansprüche zu hoch sind – so hoch, dass einige Menschen das Gefühl haben, das sie da nie mithalten können. Vielleicht habe ich da gut reden, als polyphasenschlafender, veganer Unternehmer, wenn ich sage:

“Dies und das sind die Dinge, die du machen kannst, um deine Resultate zu verbessern.”

Aber vielleicht gehe ich da weit über das hinaus, was die durchschnittliche Person zu leisten im Stande ist. Mir wurde noch nie vorgeworfen, dass ich zu durchschnittlich sei.

Ein Teil von mir ist darüber amüsiert – und zwar der Teil, der sich daran erinner, wie ich für einige Tage in einer Gefängniszelle saß und mir eine Strafe wegen schwerem Diebstahl blühte, als ich 19 Jahre alt war (die gesamte Geschichte wurde schon in früheren Artikeln erzählt). Für gewöhnlich kam ich nicht vor 14 Uhr aus dem Bett. Und die meiste Zeit befand sich ein ganzer Stapel gestohlener Dinge in der Ecke meines Appartments, der darauf wartete, verkauft zu werden.

Ich trank an mindestens einem Abend der Woche, obwohl ich nie andere Drogen genommen oder geraucht habe. Man kann wohl sagen, dass ich bis zum Alter von 21 mehr Alkohol getrunken habe, als danach (ich bin jetzt über 40). Meine Küche hat nie irgendwelches Obst oder Gemüse gesehen – mit der Ausnahme von einigen Dosensuppen und Tiefkühl-Kartoffeln. Mein übliches Abendbrot bestand entweder aus einem Double Bacon Cheeseburger und Pommes oder einer Pepperoni-Pizza. Ich war nicht übergewichtigt, aber ich denke, das lag nur daran, weil ich meist täglich mindestens zwei Stunden herumgelaufen oder mit dem Fahrrad gefahren bin.

Während meiner langen Spaziergänge, habe ich darüber nachgedacht, wie ich noch besser stehlen könnte. Die effektiveste Methode, die ich je versucht habe, war folgende: Ich bin einfach in einen großen Laden gegangen, meist in die Hauswarenabteilung (oder die Elektro-Abteilung), habe mir einige Dinge geschnappt und bin dann damit zur Kasse marschiert und habe behauptet, es wären Geschenke gewesen und ich möchte sie zurückgeben. Natürlich hat man mir ohne Kassenzettel kein Geld geben wollen, aber einige Läden haben ohne groß nachzufragen, für zumindest einige der Sachen einen Gutschein ausgestellt. Solange der Kassierer nicht gesehen hat, wie ich diese Sachen aus dem Regal genommen habe, kam er/sie nicht auf den Gedanken, das ich gar nicht mit ihnen hereingekommen bin. Und wenn jemand vom Sicherheitspersonal (oder ein Ladendetektiv) gesehen hat, dann war ich nur ein regulärer Kunde, der sich Dinge aus dem Regal nimmt und damit zur Kasse marschiert. Nach dem Austausch bin ich mit einer Einkaufstasche voll neuer Sachen, einem Kassenzettel und Gutschein ohne Probleme aus dem Laden spaziert. Sogar die Sicherheitsaufkleber wurden vom Kassierer deaktiviert.

Meistens habe ich das mit einem Partner gemacht. Er ging zuerst in den Laden und hat sich für 20-30 Minuten umgesehen, einige der besten Produkte herausgesucht, die man “zurückgeben” könnte und die sie in einer Ecke platziert, die vom Kassierer nicht eingesehen werden konnte. Dann verließ er den Laden wieder und wir haben uns getroffen, um die Details zu besprechen. Meist haben wir da sogar eine kleine Skizze des Ladens angefertigt, damit ich sofort weiß, wo sich jeder Kassierer befindet, welchen Eingang ich benutzen sollte, wo ich die “versteckten” Sachen finden kann und welchen Weg ich zu welchem Kassierer nehmen sollte. Auf diese Weise musste ich nie Zeit damit verbringen, erstmal nach bestimmten Produkten zu suchen und riskierte auch nie, dass man mich mit leeren Händen herumstehen sieht. Dieser Plan hat Dutzende Male funktioniert und war besonders nach Weihnachten sehr lukrativ, wenn sowieso viele Menschen Geschenke umtauschen wollen. Ich habe anfangs so um die $200 erzielt, mich dann aber immer weiter auf $400-700 gesteigert. Am besten Wochenende sprangen dabei $2400 raus.

Ich habe nur einen Bruchteil der Sachen für mich behalten, meist einen TV und eine Menge Videospiele. Das meiste Diebesgut habe ich für 70% des Kaufpreises weiter verscherbelt. So habe ich meine Miete bezahlt. Das Widerlichste dabei ist, dass ich zu dem Zeitpunkt rund $20.000 auf dem Konto hatte (und meine Miete betrug $600/Monat), also brauchte ich das Geld gar nicht. Es wurde zu einer Suche und man hat mich schließlich erwischt, als ich unausweichlich zu gierig und zu selbstsicher wurde. Tatsache ist, dass ich in einigen Läden auf Lebenszeit Hausverbot habe. Lustig, nicht?

Soviel zu meinen “hohen Ansprüchen” als ich 19 war. Wenn ich meine Ansprüche auf dem Niveau gehalten hätte, dann würde ich heute wohl aus einer Gefängniszelle bloggen und dir darüber berichten, wie ich Bubba dabei geholfen habe, seine Produktivität zu erhöhen.

Was mich aus diesem Schlamassel letztendlich herausgeholt hat, war eben die Entscheidung und Verpflichtung meinerseits, meine Ansprüche zu erhöhen. Ich kann mich erinnern, dass ich, nachdem ich aus dem Gefängnis von Sacramento entlassen wurde, ich einige Stunden damit zugebracht habe, beim Rathaus herumzuspazieren. Mir stand einige Monate später immer noch ein Gerichtsverfahren bevor und wahrscheinlich müsste ich einige Jahre im Gefängnis verbringen. Ich war bereits früher schon verurteilt worden, wo ich aber noch mit Sozialdienst und Bewährung davongekommen bin. Ich habe mich der Unausweichlichkeit eines Gefängnisaufenthaltes ergeben (was auf wundersame Weise nie passiert ist, aber das wird in der Artikel-Serie Der Sinn des Lebens erklärt), aber ich akzeptierte, das ich für diesen Schlamassel verantwortlich war und das ich mich da mit genug Zeit (mehrere Jahre) auch wieder herausziehen könnte. Niemand würde kommen um mich zu retten – das lag ganz in meiner Hand. Ich habe die Entscheidung zum Stehlen getroffen und ich kann auch die Entscheidung treffen, etwas Besseres aus meinem Leben zu machen. Die Aussicht auf die nächsten Jahre war trostlos, aber egal, was in der nahen Zukunft passieren würde, ich konnte mir dennoch vorstellen, das ich fünf Jahre später deutlich besser dastehen kann als jetzt. Vielleicht wird es zwischendurch nochmal etwas schlimmer, aber immerhin würde es letztendlich besser werden.

Vielleicht werden dir deine Bekannten und Freunde sagen, dass du es doch ganz gut hast. Aber so leicht kommst du mir nicht davon. Ich sage, wenn du nicht dein Bestes gibst, dann bist du ein Verlierer. Ich habe mehr Respekt für einen obdachlosen Drogenjunkie, der sein Bestes gibt, um sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen, als für so einen Yuppie-Prinzen, der sich mit sozial-akzeptierten, leicht überdurchschnittlichen Ergebnissen zufrieden gibt ohne dabei ins Schwitzen zu kommen.

Wenn du nicht weißt, zu was du fähig bist, dann geh’ mal ein Risiko ein und finde es heraus – und dabei meine ich ein Risiko für dich, nicht für deine Bekannten und Freunde. Soll die Welt doch sagen, du wärst zu weit gegangen. Lass dich von der Welt in die Knie zwingen und sagen

“Bis hier hin und nicht weiter.”

Sei dir sicher, dass die Wände, auf die du stößt, auch wirklich aus hartem Beton sind und nicht nur aus deinen imaginären Selbstzweifeln bestehen. Sei nicht so ein Weichei, wenn es darum geht, mal ein Risiko einzugehen. Mein Anspruch ist hier:

“Wenn es dich nicht ins Gefängnis oder unter die Erde bringt, dann ist es die Sache wert.”

Vom Eingehen eines Risikos abgesehen – wie kannst du noch herausfinden, was wirklich dein Bestes ist? Folge dem Pfad des Besseren. Erhöh’ deine Ansprüche. Kannst du heute etwas ein wenig besser als gestern machen? Und kannst du das morgen und übermorgen auch? Folge diesem Pfad und du wirst entdecken, wie unglaublich dein tatsächlich Bestes wirklich ist. Ich garantiere dir, es ist viel, viel mehr, als du jetzt glaubst. Dein Potential liegt momentan völlig brach und du kannst nichtmal einschätzen, wie groß es tatsächlich ist. Du wirst Jahre brauchen, bevor du auch nur auf die Idee kommst, das du dich ihm nun angenähert hast. Und sogar wenn du glaubst, das du es erreicht hast, dann wirst du nur feststellen, dass es noch ein Stück weitergeht.

Die Ansprüche, die ich mit 19 hatte, fand ich damals richtig gut. Wenn ich mich da mal mit anderen Menschen verglichen habe, dann fand ich, dass ich viel mutiger als der Durchschnitt war, ich jede Menge Spaß hatte, einen großen Freundeskreis und eine bequeme Einkommensquelle, wann immer ich Geld brauchte. So gesehen waren meine Ergebnisse überdurchschnittlich. Aber wenn ich natürlich heute zurückblicke, dann sehen diese Ansprüche sehr erbärmlich aus. Jetzt konzentriert sich meine Arbeit darauf, einen positiven Beitrag zur Welt zu leisten statt ein Schmarotzer und ein Dieb zu sein. Ich freue mich darauf in 15 Jahren noch höhere Ansprüche als jetzt zu haben, so dass ich dann auf diesen Moment zurückblicken und mir selbst sagen kann:

“Wow, meine Ansprüche waren damals ganz schön niedrig.”

Die Entwicklungsgeschwindigkeit der breiten Masse ist so langsam, das sie praktisch stillsteht. Nur als Individuen haben wir die Möglichkeit, ihr zu enteilen – jeder von uns auf seine eigene, einzigartige Weise. Damit das klappt, müssen wir unsere Stärken finden und sie so ausbauen, dass wir in unserem Bereich genial werden. Wir marschieren mit voller Kraft voran und hinterlassen nur eine Spur zertretener Zweifel. Wenn du diesem Pfad folgst, dann wirst vielleicht etwas Gejammer von der Masse hören, die dich warnen will, doch nicht zu weit zu enteilen. Einfach ignorieren. Der Weg der Masse ist nicht dein Weg. Sieh dich doch nur in der Welt um, wohin der Weg der Masse uns führt – das sieht nicht gut aus. Wenn wir uns den größten Herausforderungen dieses Planetens stellen wollen, dann müssen mehr von uns andere informieren und dabei helfen, dieses metzelnde und verwesende Pack in eine produktivere Bahn zu lenken – eine die davon wegführt, seinen Körper, die Nachbarn und den Planeten an sich zu mißbrauchen und hin zu größten Wohl aller. Alles was das Böse braucht um zu gewinnen, sind nur genügend Menschen wie du, die sich einfach mit dem Status Quo zufriedengeben statt ihr Bestes zu geben. Wer selbstgefällig ist, der ist in meinen Augen böse.

Ich weiß, dass ich besser sein kann und ich werde es auch sein. Und ich weiß auch, dass du besser sein kannst. Machst du jetzt auch was? Und wenn die Antwort “Nein” ist, dann häng’ doch bitte gleich die weiße Flagge aus dem Fenster, damit ich weiß, wen ich mit Tofu beschmeissen kann.