Loading
Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

News abonnieren

  1. Artikel als RSS
  2. Artikel als ATOM

Sinn = Freiheit

Erst wenn man seinen Sinn kennt, kann man wirklich frei sein.

Es ist angemessen zu behaupten, dass wenn man seinen Sinn nicht kennt, man nicht viel Zeit damit verbringen wird, an ihm zu arbeiten. Was wird man also stattdessen seine Arbeitszeit verbringen?

Drei Dinge:

  1. für eigene Bedürfnissen arbeiten
  2. für Bedürfnisse anderer Leute arbeiten
  3. für den Sinn anderer Leute arbeiten.

Wenn man seinen eigenen Sinn nicht kennt, wird der Umfang der Arbeit, die man für sich tut auf der Stufe der Bedürfnisse bleiben, was bestenfalls das Potential hat, zu Habgier zu werden. Es ist nicht gerade erfüllend, sein ganzes Arbeitsleben auf diese Art zu verbringen… Man kann es ruhig einige Jahrzehnte ausprobieren, wenn man mir nicht glaubt und sich dann die leidenschaftslose Hülle im Spiegel anschauen, die zurückstarrt.

Wenn man mit/für andere Leute arbeitet, investiert man wahrscheinlich eine Menge Mühe, um die Bedürfnisse und die Habgier anderer zu befriedigen: die des Chefs, der Kunden, der Investoren etc. Sogar in der eigenen Freizeit wird man daran arbeiten, die Wünsche von Werbeleuten zu erfüllen, indem man fernsieht und Dinge kauft. Wieder nicht besonders befriedigend, obwohl man von seinen Gönnern vielleicht ein paar Brocken zugeworfen bekommt, wie das “Geschenk”, an interessanten Projekten arbeiten zu dürfen. Diese Art Leben wird einen irgendwann dahin bringen, dass man aufstehen und schreien will:

“Was soll das alles?”

Wenn man das aber tatsächlich tut, bekommt man nur leere Blicke zurück. Es gibt keinen Sinn.

Wenn man sehr viel Glück hat, bekommt man die Chance, für jemanden oder eine Organisation zu arbeiten, welche darauf fokussiert ist, einen bewussten Sinn zu erreichen. Allerdings kann man nicht sagen, welcher der Sinn das genau ist. Wenn man seinen eigenen Sinn nicht kennt, kann man nicht bewusst jemanden wählen, dessen Sinn mit dem eigenen übereinstimmt – außer durch Zufall oder Glück – und diese Chancen sind gering. Somit stehen die Sterne gut, dass man hart arbeitet, um einen Sinn zu erreichen, mit dem man nicht übereinstimmt. Wenn man zum Beispiel dem Militär beitritt, dann wird man vielleicht eingesetzt, einen übergeordneten Sinn zu erreichen, aber welcher genau wird es sein? In den meisten Fällen wird man wahrscheinlich einen Sinn zu erreichen versuchen, welcher nicht derselbe ist, den man bewusst für sich selbst gewählt hätte.

Ist es erfüllend, sein ganzes Leben so zu verbringen? Wahrscheinlich nicht, aber es ist wenigstens ein vernünftiger Weg für die Menschen, die nicht gern viel denken – andere werden das Denken für einen übernehmen (und sehr vom eigenen gedankenlosen Tun profitieren).

Wenn man seinen Sinn im Leben also nicht kennt, welche Art Leben wird man am Ende führen? Ich fasse es mal mit einem Wort zusammen: owned (wenn man ein großer Nerd ist, pwned). Das eigene Leben wird durch andere bestimmt – durch ihre Bedürfnisse, ihre Ziele und ihren Sinn und Zweck. Warum? Wenn man seinen eigenen Sinn nicht kennt, werden andere einen gern (be)nutzen, um ihren Sinn zu erreichen. Werbeleute geben Millionen im Jahr aus, um einen dazu zu bringen, zu handeln. Auch die Firma für die man arbeitet, oder deren Kunden, wollen einen besitzen. Und wie kann man da “Nein” sagen? Man hat ja keine bessere Option, oder? Man kann sich genauso gut einen Job suchen und Dinge kaufen, Kunden nebenher glücklich machen und leise sterben. Das ist, was andere für einen geplant haben. Es scheint, als würden es alle anderen auch machen. Da kann man genauso gut auf den Wagen aufspringen… scheint ja sicher zu sein.

Den persönlichen Sinn leben

Ist das der Plan, dem man folgen will?

Ja? Großartig… hier ist ein Leckerli. Ende des Artikels.

Hmmm… immer noch am Lesen, ja? Okay, willkommen in der total geheimen Gesellschaft für sinnvolles Leben. Pssst…

Wenn man zufällig jemand ist, der sich über seinen Lebenssinn bewusst ist, dann weiß man bereits, was beim oben Angesprochenen fehlt – Freiheit. Wenn man seinen eigenen Sinn nicht wählt, wird einem durch andere ein Sinn zugeordnet. Man gibt seine Freiheit auf. Natürlich erhält man die Illusion der Freiheit aufrecht. Man kann entscheiden, welche der wenig anspruchsvollen Aufgaben man pro Tag erledigt. Aber die größte Freiheit hat man verloren – die Fähigkeit, die persönliche Antwort auf die Frage:

“Was ist der Sinn meines Lebens?”

zu wählen. Wenn man jemand anderen diese Frage beantworten lässt, dann ist man “owned”. Und vielleicht ist es nicht einmal ein einzelner Mensch, der diese Frage für einen beantwortet. Höchstwahrscheinlich kommt sie aus einer Sammlung verschiedener Quellen: Werbeleute, Arbeitgeber, Kollegen, Freunde, Familie, sozialer Druck etc.

Alle steuern einen kleinen Teil zur Antwort bei. Weil es aber so viele Mitwirkende gibt, ist die Antwort undeutlich und kompliziert. Und so lebt man schließlich ein undeutliches, kompliziertes Leben, welches durch Dritte erschaffen wurde, von denen man vielen nie begegnen wird.

Der innere Kompass zeigt den Weg

Wenn man auf der anderen Seite seinen Sinn kennt und ihn täglich bewusst lebt, ist man frei. Niemand besitzt einen. Ob man nun sein eigenes Unternehmen leitet oder für jemand anderen arbeitet, man betrachtet sich immer als selbstständig. Man führt sein eigenes Leben und obwohl andere in manchen Situationen formell die Autorität über einen in der Hand halten, konzentriert man sich darauf, was man kontrollieren kann und klagt nicht über die Dinge, die man nicht kontrollieren kann. Indem man dies tut, dehnt sich der eigene Einfluss soweit aus, dass man ein Anführer wird, egal wie die formelle Position eigentlich ist. Die Führerschaft kommt zustande, weil man seinen Sinn kennt. Während die persönlichen Umstände sich ändern mögen, wird der innere Kompass gleich bleiben. Man könnte in einem Meer aus äußerem Chaos gefangen sein, trotzdem wird man immer einen klaren Kurs geradeaus fahren, welcher einem erlaubt, sich sicher zu sein, wenn es kein anderer ist. Es ist ganz egal, in welcher Position man sich befindet. Wenn man seinen Sinn lebt, wird man zu einem Führer. Wenn man seinen Sinn nicht lebt, wird man Eigentum.

Sicherheit und Stabilität

Wenn man die Art Arbeit wählt, die man verrichtet, dann sucht man sich bewusst das heraus, was mit dem eigen Sinn übereinstimmt. Täglich sind die eigenen Handlungen die Antwort auf die Frage:

“Was ist der Sinn meines Lebens?”

Man wird immer noch von anderen mit Mitteilungen bombardiert, die einen auf die eine oder andere Art besitzen wollen, aber diese Einflüsse werden zu harmlosen Hintergrundgeräuschen, die einen nicht bewegen. Was immer da draußen passiert, es wird wie Wellen bei stürmischer See sein, wenn man sich 300m unter der Oberfläche befindet, wo das Wasser ruhig ist. Indem man seinen Sinn kennt, fängt man an, auf einem tieferen Level zu leben, wo einen oberflächliche Geschehnisse, wie solche in der Unternehmenspolitik, einen nicht aus der Bahn werfen können. Der eigene Sinn verschafft einem unerschütterliche Stabilität und Sicherheit.

Wenn man nicht nach seinem Sinn lebt, dann weiß man nicht einmal, wie man Ziele setzt. Selbst wenn man denkt, dass man Eigeninitiative hat: wo kommen die Ziele denn eigentlich her? Eigentlich kommen sie durch frühere Konditionierung zustande, das heißt durch andere. Man setzt sich das Ziel, ein neues Haus oder Auto zu kaufen, aber wenn diese Ziele nicht durch den eigenen bewussten Sinn angetrieben werden, dann sind es eigentlich Ziele der Bank und des Autohändlers, die beide viel Geld dafür ausgeben, damit man diese Ziele als seine eigenen annimmt. Selbst wenn man seine Karriere vorantreiben und mehr Geld verdienen will, gibt es viele, die dieses Ziel auch erreichen wollen, besonders da man dann mehr Geld ausgeben und produktiver arbeiten kann. Für wessen Ziele arbeitet man also so hart? Natürlich denkt man, dass man all diese Dinge will. Die Besitzer haben einem gelehrt, dass man diese Dinge haben will.

Man muss seinen Sinn kennen, um sich davon zu befreien, für die Ziele seiner Besitzer zu arbeiten. Und das heißt wiederum, dass man seinen Kopf von den Gedanken und der Konditionierung der Besitzer befreien und sich 300m unter den Meeresspiegel begeben muss, wo die Gedanken klar und ruhig sind, wo man sich wieder erinnert, wer man wirklich ist. Auf diesem Level verblassen die äußeren Hintergrundgeräusche und man kann sich selbst klar hören. Man muss sein Hirn wie einen Schwamm drücken, um all die Stimmen der Besitzer herauszubekommen. Die Stimmen der Besitzer sind es, die einen dazu bringen, sich schwach und ängstlich zu fühlen. Wenn man jedoch erst tief genug ist, wird sich die eigene Stimme wieder behaupten. Man erinnert sich, warum man hier ist und man entsinnt sich an einen Zustand der Leidenschaft, der einen dazu bringt, zu handeln.

Das Schwere danach ist, auf die innere Stimme zu hören und ihr zu vertrauen. Es ist so einfach den Besitzern zu trauen, weil sie so sicher erscheinen und es so viele von ihnen gibt. Die innere Stimme ist viel leiser, aber wenn man ihr und nicht der äußeren Welt erlaubt, einen zu führen, wird man seinen Sinn erkennen und das Leben wird ungemein erfüllend. Man wird endlich frei sein.