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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Software-Buch abgesagt

Ich habe mich entschieden mein Buchprojekt, The Software Self-Publishing Guide, abzusagen. Das war eine schwere Entscheidung und ich weiß, dass einige Leute enttäuscht sein werden. Also werde ich erklären, wie ich zu dieser Entscheidung kam.

Ursprünglich habe ich mit dem Buch als eine Art Übergangsprojekt begonnen, dass mir helfen sollte, vom Game Publishing zum Schreiben und Reden zu wechseln. Solch ein Buch zu schreiben, erschien aus einer Vielzahl an Gründen, wie eine tolle Idee. Ich dachte, dass es vielen Leuten helfen würde und es auch für mich nützlich wäre, um mein Wissen auszubauen und mich allmählich für eine Karriere mit Informationsprodukten vorzubereiten.

Das erschien mir ziemlich logisch, als ich das Projekte begann, aber ich war nicht darauf vorbereitet, wie schnell die Dinge hinsichtlich meines Karrierewechsels voranschreiten würden. Meine anfänglichen Schätzungen, wie lange es dauern würde, bis es wirklich losgeht, lagen weit daneben – was aber positiv ist, denn ich war zu konservativ in meinen Schätzungen. Ich habe nicht erwartet, dass ich den Punkt, an dem ich jetzt bin, vor Ende 2005 erreiche. So macht mein “Übergangsprojekt” keinen Sinn mehr, da ich bereits den Punkt hinter mir gelassen haben, den ich damit erreichen wollte. Meine ursprünglichen Annahmen lagen einfach zu sehr daneben.

Veraltete Annahmen

Ich entdeckte, dass eins meiner grössten Probleme eigentlich eine meiner grössten Stärken war. Und das ist, was ich das Shareware Mindset nenne. Es kann viele Jahre dauern, um ein erfolgreiches Shareware-Unternehmen aufzubauen. Man braucht Zeit um Softwareprodukte zu entwickeln, die sich verkaufen lassen, einen Kundenstamm, Web-Traffic (Besucher der Website), eine Mailing-Liste und ein Distributionssystem aufzubauen, etc. Es ist ziemlich schwer, ein Shareware-Unternehmen einfach so aus dem Nichts zu erschaffen und schon im ersten Jahr durch direkte Verkäufe ein sechsstelliges Einkommen zu haben… nicht unmöglich… aber schwer. Erfolg mit Shareware entsteht oft durch stetige, schrittweise Verbesserungen über den Zeitraum von einigen Jahren. Der Vorteil ist, dass das Einkommen sehr stabil sein kann.

Als ich nun mit meiner Redner-Karriere begann, trug ich noch unwissentlich das gleiche Modell in mir. Ich nahm an, dass ich meine neue Karriere genauso aufbauen würde, wie ich mein Shareware-Unternehmen aufgebaut hatte, stetig und geduldig über einen Zeitraum von einigen Jahren. Ich konzentrierte mich aufmerksam auf die Grundlagen. Aber etwas Lustiges ist passiert. Ich kam viel schneller voran, als ich erwartet hatte. Es kann Monate dauern, um ein neues Shareware-Produkt zu entwickeln, aber eine neue Rede kann an einem Tag geschrieben und eingeübt werden. Ein Stück Software zu testen und zu debuggen (Fehler entfernen) kann Wochen dauern, wohingegen eine Rede in wenigen Stunden den letzten Schliff bekommen kann. Ein fehlerhaftes Stück Software läuft vielleicht überhaupt nicht, aber eine mangelhafte Rede kann immer noch gehalten und als positiv vom Publikum aufgenommen werden. Okay, es sollte jetzt klar sein, was ich meine. Dinge, die bei der Software-Entwicklung sehr lange dauern können, benötigen als professioneller Redner einfach sehr viel weniger Zeit.

Altes Wissen neu verwenden

Ich habe auch etwas anderes übersehen. Und zwar, wie viel ich schon gelernt hatte – durch das Marketing, die Verkäufe und das Business-Wissen, das ich im Zuge meiner Tätigkeit als Software-Unternehmer gewonnen hatte. Ich muss dieses Wissen für meine Redner-Karriere nicht neu erlernen; ich kann alles sofort anwenden. Zum Beispiel war ich fähig, den Traffic dieser Website innerhalb von 2 Monaten auf 500+ Besucher/Tag auszubauen. Aber es hat Jahre gedauert, bis ich mit meiner ersten Website soweit gekommen bin (allerdings startete ich die originale Seite damals im Jahr 1995, als noch viel weniger Leute online waren). Ebenso musste ich nicht erst HTML, PHP oder MySQL neu lernen, um diese neue Website bauen zu können. Mein großer Fehler war es also zu glauben, das mein neues Business mit der gleichen Geschwindigkeit, wie das erste, aufgebaut werden wird. Aber die Dinge schreiten weitaus schneller voran als erwartet. Auch wenn es ein paar Überschneidungen gibt, passt sich das Shareware-Business-Modell dem für einen Redner schlicht nicht an. Man muss sich mal vorstellen, was man in der Shareware-Industrie erreichen könnte, wenn man neue Produkte innerhalb weniger Tage – anstatt von Monaten – entwickeln könnte. Zudem müsste man sich nicht um irgendwelche schwerwiegenden Fehler sorgen und bräuchten keinen technischen Support leisten. Natürlich hat das Reden seine eigenen Herausforderungen, aber einige der Dinge, die bei der Softwareentwicklung wirklich viel Zeit brauchen, sind bei öffentlichen Reden einfach nicht vorhanden.

Konsequenterweise musste ich in jedem der letzten fünf Monate meine Erwartungen hochschrauben. Sogar jetzt denke ich vermutlich immer noch zu konservativ und zu langfristig, aber so langsam komme ich davon los. Ich genieße das flotte Tempo dieser neuen Karriere richtig. Es passt eindeutig viel besser zu meiner Person, verglichen damit, Monate am Schreibtisch zu verbringen, nur um ein neues Produkt zu entwickeln.

Alte Zöpfe abschneiden

So gesehen, macht die Fertigstellung und Veröffentlichung eines Buches über Software-Publishing für mich einfach keinen Sinn mehr. Als ich vor ein paar Wochen spürte, dass etwas verkehrt war, legte ich das Projekt auf Eis, um in Ruhe zu überlegen, ob ich es beenden sollte – und letzte Woche traf ich die endgültige Entscheidung, es abzubrechen. Nicht das Schreiben des Buches ist das Problem; das Schreiben ist nur eine Hälfte des Jobs. Danach kommt das Marketing und das Verkaufen und der Support für die Kunden. Vor 6 Monaten passte das in meine Pläne. Aber aufgrund der fehlerhaften Annahmen von Anfang an, sind meine Pläne inzwischen viel aggressiver geworden, und die Fortsetzung des Buchprojektes ist viel zu konservativ. Waghalsige Risiken einzugehen, ist eine Möglichkeit zu verlieren, aber man verliert genauso, wenn man zögert einen Vorteil aus vielversprechenden Risiken zu ziehen. Und wenn ich erst das Buch fertig schreiben und dann vermarkten würde, dann würden zu viele günstige Gelegenheiten an mir vorbeiziehen – Gelegenheiten, die in diesem Moment praktisch vor meiner Tür stehen.

Ich habe darüber nachgedacht, Teile des des Buches fertigzustellen und kostenlos zu veröffentlichen – vielleicht als individuelle Artikel – aber ein kurze Durchsicht hat gezeigt, dass das mehr Arbeit wäre, als ich investieren kann. Zuviel der Inhalte ist noch in verschiedenen unfertigen Zuständen, inklusive Entwürfen und handgeschriebene Notizen, und ich könnte nichts Bedeutendes veröffentlichen ohne zu riskieren, wieder in das Projekt hineingesogen zu werden.

Wenn ich auch nur irgend etwas von dem veröffentliche, dann wird es einen Impuls in eine Richtung erzeugen, in die ich nicht gehen will. Ich fühle mich am kongruentesten, wenn ich das Projekt einfach komplett loslasse und meine ganze Energie auf die Dinge konzentriere, von denen ich weiß, dass ich sie jetzt tun muss. Ich weiß, diese Entscheidung wird für einige enttäuschend sein und ich entschuldige mich dafür. Ich weiß auch, dass ich auf einem Weg bin, wo sich die Dinge so schnell entwickeln, dass ich einfach nicht fähig bin, an Projekten weiterzuarbeiten, die nicht mehr die beste Wahl für mich darstellen. Ich denke, es wird noch eine Weile dauern, bis ich mich an die Geschwindigkeit dieses neuen Weges gewöhnt habe.

Ich habe die Mailingliste für das Buch gelöscht (inklusive aller früheren Registrierungen) und sie mit der allgemeinen Mailingliste für diese Website ersetzt. Am Ende der Seite kann man sich dafür eintragen, wenn man möchte. Vielleicht baue ich diese Liste mit der Zeit in einen Newsletter aus, aber für den Moment reicht es erstmal, wenn ich nur Mails verschicke, sobald etwas Bedeutendes hinzugefügt wird, wie z.b. ein neues E-Book oder ein Audio-Programm. Ich werde neue Informationsprodukte für die Website entwickeln, aber sie werden sich alle um Themen im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung drehen, nicht um irgendwas software-bezogenes.