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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Umgebungsbezogene Unterstützung der eigenen Ziele

Tägliche Affirmationen (Bekräftigungen) sind etwas, das üblicherweise in Pop-Psychologiebüchern empfohlen wird. Jeden Tag bekräftigt man seine Ziele verbal, als ob sie bereits erreicht wären. Trotzdem bekommt man keine Ergebnisse mit diesem Ansatz – in den meisten Fällen ist es äußerste Zeitverschwendung.

Warum funktioniert es nicht?

Weil jeder Gedanke eine Affirmation ist. Wenn man 5 Minuten am Tag damit verbringt, sich zu sagen:

“Ich bin Nichtraucher”

aber 100 andere Minuten wiederum Gedanken beinhalten, die die eigene Identität als Raucher neu bekräftigen, wie zum Beispiel, indem man periodisch erst ein Lichtlein und dann Rauch vor dem Gesicht emporsteigen sieht, wird man einfach nicht voran kommen.

Die Grundidee, sich selbst zu konditionieren und neue Denkwege zu beschreiten, ist einwandfrei, aber verbale Affirmationen für nur einige Minuten am Tag, sind ein schlechter Weg, dies zu erreichen.

Wenn man große Veränderungen in seinem Leben vornehmen will, muss man seine Identität und seine gewohnten Denkweisen ändern. In vorangegangen Artikeln habe ich Verhaltenskonditionierung diskutiert, welche sich darauf konzentriert, das eigene Verhalten zu ändern, in der Annahme, dass die Gedanken folgen werden. Nun will ich einen anderen Ansatz vorstellen, welcher beinhaltet, dass eine Veränderung der gewohnten Gedanken zu einer Verhaltensänderung führen kann.

Alte Gedanken halten zurück

Die Gefahr ist, dass, wenn man in einer Situation feststeckt und man bisher nur erfolglos versucht hat, in die neue Rolle hineinzuwachsen, die man wirklich will, dass die alten Gedanken weiterhin die alte Rolle bekräftigen. Viele Menschen, die diesen Schritt versuchen, scheinen so, als können sie es einfach nicht und ein Grund dafür ist, dass sie täglich zu viele Stunden damit verbringen, ihre alte Identität zu bekräftigen während sie viel weniger Zeit damit verbringen, über ihre neue Identität nachzudenken. Wenn man also ein eigenes Unternehmen gründen will, aber der Vollzeit-Job einen zwingt 40+ Stunden in der Woche von sich selbst als Angestellter zu denken, wird es hart sein, eine Veränderung herbeizuführen.

Wollen wir dieses Konzept einmal mit einem Beispiel aus dem wahren Leben unterlegen. Eines meiner Ziele für dieses Jahr war es, meinen Beruf vom Spiele-Publisher zum Autor und Redner zu wechseln. Aber natürlich habe ich ein altes Unternehmen, welches meine alte Identität in der Spiele-Industrie bekräftigt. Um diesen Wechsel erfolgreich zu meistern, muss ich meine Gedanken und Verhaltensweisen ändern. Ich muss damit aufhören, darüber nachzudenken, wie man Spiele verkauft und mehr Gedanken und Energie ins Schreiben und Sprechen investieren. Pfff.

Aber was passierte, als ich anfänglich versuchte, diesen Wechsel zu vollziehen? Ich begann meinen Tag wie immer und blieb in der Mentalität des Spiele-Publisher hängen. Ich arbeitete im selben Büro, sprach mit den selben Leuten, besuchte die selben Foren, musste mich mit den selben E-Mails wie immer beschäftigen und so weiter und nach einigen Wochen war ich immer noch auf dem alten Weg. Meine Umgebung bekräftigte meine alte Identität, meine alten Gedanken und meine alten Verhaltensweisen. Für einige Stunden – hier und da – arbeitete ich an dem neuen Weg, aber ich wurde sehr schnell wieder in die Arbeit des Spiele-Publishers hineingezogen.

Die Umgebung für die neue Rolle vorbereiten

Ich musste meine Umgebung verändern, um meine alte Identität nicht weiterhin zu bekräftigen und stattdessen meine neue Identität verfestigen. Also trat ich den Toastmasters bei und begann, an wöchentlichen Treffen teilzunehmen. Ich schaltete die beliebten Spielentwicklerforen, die ich leitete, ab und arbeitete daran, die Community auf eine andere Seite zu transferieren und hörte dann schnell auf, solche Foren überhaupt zu lesen. Ich automatisierte die Spielefirma so weit wie möglich, so dass sie nicht mehr viel Unterstützung benötigte. Ich entschied, meine Mitgliedschaft bei der Association of Shareware Professionals (eine Handelsorganisation für freiberufliche Softwareentwickler) für 2005 nicht zu erneuern, obwohl ich dort seit 1996 Mitglied war. Ich lehnte eine Einladung auf der Game Developers Conference 2005 zu sprechen ab, obwohl ich dort für einige Jahre einen beliebten runden Tisch moderiert habe. Ich veränderte mein Büro, um meine neue Rolle zu bekräftigen. Ich räumte die oberste Schublade meines Aktenschrankes aus, um Platz für Sprech- und Schreib-Akten zu machen. Ich löschte alle Shortcuts von meinem meinem Windows-Desktop, die mit Programmieren zu tun hatten und arrangierte meine Favoriten im Browser neu, um Sprech-Seiten hinzuzufügen, während ich Links zu Spieleseiten löschte. Ich hörte auf, Spiele- und Sharewareblogs zu lesen und sie zu abonnieren und fand Sprech- und Persönlichkeitsentwicklungsblogs, die ich dafür abonnierte. Ich beschäftigte mich mit deutlich weniger E-Mails, die sich auf Spiele bezogen. Ich änderte die Menschen, mit denen ich am meisten kommunizierte, so dass ich nun mehr mit Menschen sprach, die mich als Redner in Ausbildung betrachteten und nicht als Shareware- oder Spiele-Publisher. Ich begann, neue Seminare und Workshops über das Reden zu besuchen. Ich gründete diesen Blog. Ich diskutierte die Veränderung lange mit meiner Frau, so dass wir beide wussten, was zu erwarten war, usw.

Einige davon mögen wie dramatische Schritte aussehen; aber die meisten sind nur kleinere Anpassungen. Aber das Ergebnis war, dass ich fähig war, die Umstellung durchzuführen und ich mich nun als 90% Autor/Redner sehe und nur noch zu 10% als Spiele-Publisher. Meine Umgebung bekräftigt nun meine neue Rolle anstatt meiner alten. Der Schwung schiebt mich in eine neue Richtung zu einem Punkt, von der es schwer wäre, zurückzukkehren.

Alle diese Anpassungen schaffen neue Bekräftigungen im Denken. Indem ich die meisten Verbindungen zu meiner alten Identität beseitigt habe, beseitigte ich auch die Anlässe, die mich auf die alte Art und Weise denken ließen. Und obendrein habe ich neue Anlässe hinzugefügt, um meinen neuen Berufsweg zu bekräftigen. Und diese neuen Gedanken wirken auf meine Gedanken ein; meine neue Routine ist nun ganz anders als sie einmal war. In einem Jahr wird sie noch unterschiedlicher sein, wenn sich die Ergebnisse beginnen anzusammeln.

Mit kleinen Schritten beginnen

Ich muss zugeben, dass es anfänglich schwer war, diese Veränderungen vorzunehmen. Mir half es, mit kleinen Veränderungen anzufangen, wie indem ich mein Büro umräumte. Dann nach einer Woche oder zwei, war es schon leichter, mittelschwere Veränderungen vorzunehmen. Nach einiger Zeit, war ich so weit, mich größeren Veränderungen zu verschreiben. Jetzt hat mein persönliches Identitätsverständnis sich so verändert, dass, wenn ich über etwas stolpere, was meine alte Rolle verfestigt hätte, es viel einfacher ist, “Nein” zu sagen.

Kürzlich schaute ich einem alten Spieleforum vorbei, in dem ich seit Monaten nicht mehr gelesen hatte, nur um zu sehen, wie meine Perspektive darauf nun wäre. Es war eine merkwürdige Erfahrung; die Diskussionen fühlten sich bekannt, aber so fremd an. Ich habe so einen Eindruck bekommen, wie unterschiedlich mein Denken heute ist, verglichen mit dem vor sechs Monaten. Es ist wie das Gefühl, zu einem Klassentreffen zu gehen, wenn man bemerkt, dass die Leute, die man damals kannte, heute völlig andere Leute sind.

Ich denke, dass dieser Ablauf mit vielen anderen Veränderungen auch funktioniert. Wenn die Umgebung eine Identität bekräftigt, die man abwerfen möchte, wie kann man sie dann ändern? Ein paar kleine Veränderungen werden nicht genug sein, um die Trägheit zu überwinden. Wenn man diese Veränderungen aber weiter aufbauen kann, sie dass sie die eigene Umgebung mehr und mehr passend zur neuen Rolle hin verändern, dann wird es wahrscheinlich funktionieren. *Man muss die Balance der Gedanken so verändern, dass sie dazu übergehen, die neue Identität zu 5%, dann zu 50% und mehr bekräftigen. Die meisten Menschen beginnen diesen Prozess, aber bleiben nicht lange genug dabei, um Ergebnisse zu sehen.

Man sollte sich zu Hause umsehen und sich selbst objektiv fragen:

“Welche Art Mensch lebt hier?”

Wenn ich nicht wüsste, wer hier lebt, was würde ich über den Bewohner schlussfolgern? Das selbe macht man mit seinem Büro:

“Welche Art Mensch würde hier arbeiten?”

Dann sollte man eine Liste mit den sechs Menschen schreiben, mit denen man die meiste Zeit verbringt und sich fragen:

“Welche Art Mensch würde sich mit diesen Leuten verbinden?”

Sind die Antworten auf diese objektiven Fragen kongruent mit der Art Mensch, die man sein will? Wenn nicht, welche Art Umgebung würde diese Person haben? Welche Art Freunde? Und wie kann man anfangen, seine Umgebung langsam hin zu einer neuen zu verändern? Vielleicht kann man nicht gleich ein neues Haus und eine neue Arbeit bekommen, aber welche kleinen Dinge kann man jetzt schon verändern – heute – welche einen dazu bringen würden, sich in die richtige Richtung zu bewegen?