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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Unternehmerische Freiheit und Verantwortung

Ich habe in meinem Leben nur einmal als Angestellter gearbeitet. 1992 hatte ich einen Teilzeitjob in einem kleinen, unabhängigen Laden und habe 6$/h verdient. Ich habe nicht lange gebraucht, um zu erkennen, dass ich keinen weiteren Job wollte – niemals. Es war nicht so, dass es per se eine schlechte Erfahrung war… es hat sich nur so angefühlt, als wäre es besser, Chef zu sein, statt ein Lakai (Zumindest bekommt der Endgegner immer mehr Lebenspunkte). Also habe ich an dem Punkt die Entscheidung getroffen, nie wieder Angestellter zu sein. So musste ich also eine andere Möglichkeit finden, meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Als Nächstes versuchte ich, als freier Dienstleister für Spieleprogrammierung zu arbeiten, um letztendlich meine eigene Firma für Spieleentwicklung zu betreiben, die mit größeren Spiele-Publishern zusammenarbeitete. Ich habe schließlich gemerkt, dass das auch nichts für mich war. Ich hatte zwar die Freiheit gewonnen, zu arbeiten, wann ich wollte, aber meine Klienten wurden quasi zu meinen Chefs. Ich musste mich oft an ihre (häufig unklugen) Entscheidungen anpassen und meine finanzielle Zukunft hing stark von ihrer ab. Das Nächste bitte!

Später habe ich dann das Geschäftsmodell gewechselt und bin dazu gekommen, Shareware zu entwickeln und zu verkaufen – und das war wirklich ein Modell, wo man direkt mit dem Endkunden in Kontakt tritt. Nachdem ich genügend direkte Verkäufe erreicht hatte, um ein stabiles Einkommen zu beziehen, habe ich auch einige Lizenzen erteilt, um zusätzliche Einnahmen aus Lizenzgebühren zu bekommen. Das machte mir Spaß. Ich habe Geld verdient, während ich schlief. Ich nehme jetzt noch Geld von Spielen ein, die ich vor 10 Jahren entworfen habe. Sie wurden für Windows 3.1 designt und nie aktualisiert, nicht mal für Windows 95. Aber es gibt immer noch jeden Monat neue Kunden, die sie (und auch neuere Spiele) kaufen.

Freiheit und ihre Kehrseite

Ich weiß, dass der Weg des Unternehmers bzw. eines passiven Einkommens nicht für jeden etwas ist. Aber der Aspekt der Freiheit ist wirklich angenehm:

  • Man teilt sich seine Zeit komplett selbst ein
  • Man entscheidet, welche Projekte man angehen will
  • Man kann arbeiten wann immer und so lange man will
  • Man muss niemanden um Erlaubnis fragen, wenn man etwas entscheidet oder beginnt

Es gibt keinen Ersatz dafür, die Zügel selbst in der Hand zu halten.

Manche Leute glauben, dass die Freiheit das Beste am Unternehmertum ist, aber diese Freiheit hat auch seine Kehrseite. Wenn man sie missbraucht, bekommt man Probleme. Zu Beginn wird man es sicher genießen, lange auszuschlafen und zwei-stündige Mittagspausen zu machen. Aber dann muss man langsam merken, dass es dem Unternehmen schadet, wenn man die Freiheit ausnutzt. Persönliche Schwächen werden zu Engpässen für das Unternehmen. Wenn man nicht viel Selbstdisziplin hat, lernt man, welche zu entwickeln. Wenn dazu neigt, Dinge aufzuschieben, lernt man das zu bewältigen.

Die zusätzliche Freiheit hilft also, den Charakter zu formen. Es gibt nur wenige Jobs, die den Charakter im selben Maß formen, weil die meisten Jobs persönliche Produktivität nicht mit grundlegenden Unternehmensresultaten verbinden und entsprechend bezahlen. Ein Job kann von den vollen Effekten der Freiheit und Verantwortung abschirmen. Wenn man mal einen Tag nachlässig ist, bekommt man immer noch das selbe Geld.

Ein Kurztrip nach Vegas

Es braucht seine Zeit, um die Balance zwischen Freiheit und Verantwortung zu finden. Verantwortung und Selbst-Disziplin geben einem die Freiheit, spontaner zu sein, weil man das Risiko, seine Freiheit zu missbrauchen, nicht eingeht. Als ich in L.A. lebte, sagte ich eines Morgens, bevor ich mit der Arbeit loslegen wollte, zu meiner Frau:

“Lass uns nach Las Vegas fahren.”

Zuerst war sie überrascht, aber sie war dafür, also haben wir ein Hotel reserviert, einen Koffer gepackt und so dass wir nach weniger als einer Stunde, nachdem wir die Idee hatten, unterwegs waren, um die 4 Stunden von L.A. nach Las Vegas zu fahren. Wir unternahmen einen spontanen 3-Tage-Trip. Wir amüsierten uns auch darüber, wie es dazu kam. Nichts war geplant und wir haben nicht einmal jemanden Bescheid gesagt, bis wir im Hotel ankamen. Wir hatten viel Spaß.

Manchmal ist es wirklich toll, wenn man die Freiheit, keinen Job zu haben, ausnutzen kann. Ich kenne nicht viele Jobs, die es einem erlauben würden, seinen Chef innerhalb eine halbe Stunde, bevor man am Schreibtisch sitzen sollte, zu informieren, dass

“Meine Frau und ich entschieden haben, in den nächsten Tagen Spaß zu haben. Wir sind nicht sicher, wann wir wieder da sind. Bis dann!”

Der Schlüssel ist, dass man Spaß und Freiheit mit Verantwortung ausbalancieren muss, damit man keine böse Aufschieberitis entwickelt. Sehr verantwortungsvoll und bei allen Projekten hinter her zu sein, räumt die entsprechende Freiheit ein, spontan zu sein, ohne dass man mit negativen Konsequenzen rechnen muss. Wenn man alles gut organisiert, dann findet man sich in einer guten Position, um zu wissen, wann man absolut spontan sein kann vs. wann es unverantwortlich oder unbesonnen wäre. In den Worten von Brian Tracy (sinngemäß)

“Unorganisierte Menschen sind nicht spontan. Sie sind nur durcheinander.”

Ich finde es interessant, dass es ein Projekt gibt, welches versucht, eine Statue der Verwantwortung an der Westküste der USA aufzubauen, um die Freiheitsstatue an der Ostküste auszugleichen. Ich hoffe, dass dieses Projekt Erfolg hat, weil es als Erinnerung fungieren würde, dass Verantwortung und Freiheit Hand in Hand gehen.