Loading
Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

News abonnieren

  1. Artikel als RSS
  2. Artikel als ATOM

Vergiss Experten, vertrau dir selbst

Nicht jeder Experte kann einem auch weiterhelfen

Immer und immer wieder habe ich Leute gesehen, die sich auf Tipps von Experten verlassen haben und dann feststellen mussten, dass diese für sie nicht funktionieren. Dann machen sie sich selber fertig, das sie inkompetent sein müssen, weil es “funktionieren sollte”. Inzwischen bekomme ich fast jede Woche mindestens eine E-Mail, in der mir so eine Geschichte erzählt wird und meist endet es mit einer Frage wie

“Bin ich einfach zu dumm / abgebrannt / unsozial / undiszipliniert / schwach?”

Das muss man sich nicht antun. Oft funktionieren Tipps nicht, weil sie generell schlecht sind. Ich würde sagen, das von den hunderten Büchern über Persönlichkeitsentwicklung, die ich gelesen habe, die meisten schlechte Tipps enthalten – womit ich meine, dass die Ideen und Vorschläge für mich einfach nicht funktioniert haben.

Zum Beispiel habe ich viele Bücher gelesen, die tägliche Affirmationen empfehlen. Vielleicht funktioniert das für einige Leute, aber ich habe festgestellt, dass sie für mich völlige Zeitverschwendung sind. Auch wenn ich geglaubt habe, dass sie funktionieren würden, waren die Ergebnisse eher mau. Was für mich besser funktioniert, ist nicht das laute Rezitieren meiner Ziele, sondern das Klappe halten und mit dem Arbeiten loslegen.

Wenn ich hier im Blog eine Idee erwähne, dann ist es oft so, dass es für einige Leute hervorragend funktioniert, aber für andere führt es zu nichts. Wenn etwas, was für andere Leute super klappt, für einen selbst nicht funktioniert, dann bedeutet das nicht, dass man defekt ist. Man sollte einfach annehmen, dass es – von der persönlichen Perspektive her – schlechter Rat ist.

Es ist egal, mit wieviel Vorschusslorbeeren ein Experte daherkommt oder welche Studien seine Behauptungen unterstützen. Solange man etwas nicht selbst studiert (oder ausprobiert) hat, sollte man sämtlichen Tipps die aus “allgemeinen Erkenntnissen” stammen, erstmal argwöhnisch gegenüber stehen. Wenn möglich, sollte man durch direkte, persönliche Erfahrung herausfinden, ob etwas funktioniert. Aber wenn nicht:

“Der Nächste bitte!”

Wie gut passen Studien über “durchschnittliche” Menschen zu jemanden, der nicht durchschnittlich ist? Ist man durchschnittlich? Ich bin es sicherlich nicht. Wieviele Studien, die über die allgemeine Bevölkerung geführt wurden, lassen sich auf jemanden anwenden, der ein veganer, farbenblinder, linkshändiger, blauäugiger, ENTJ-klassifizierter, hochschulgebildeter, in Vegas wohnender Vater zweier Kinder ist? Zum Beispiel ist nur etwa 1 von 500 Amerikanern Veganer – wie kann ich da also einer Gesundheitsstudie vertrauen, in der mein Fall mit den anderen 99,8%, deren Ernährung sich extrem von meiner täglichen unterscheidet, in einen Topf geworfen wird? Ich muss von Anfang an skeptisch sein, dass irgendetwas, was auf diese 99,8% zutrifft, auch für die restlichen 0,2% gilt.

Wer ist nicht einzigartig? Passt man genau in diese durchschnittliche Backform, was Genetik, Ernährung, Erziehung, Ausbildung, Finanzen, Familiensituation, Wohnort, Hobbys, usw. angeht? Oder kann man an sich Eigenschaften erkennen, die einen so großen Unterschied zu den restlichen 99,9% der Bevölkerung darstellen, dass das, was auf 999 zufällig ausgewählte Leute zutrifft, nicht zu einem selbst passt?

Man muss sich keine Sorgen über das machen, was sogenannte Experten sagen. In einigen Jahrzehnten werden sich ihre Tipps vermutlich eh als falsch herausgestellt haben. Man muss die Dinge selber studieren und sollte Ratschläge von Experten nur als Leitfaden bzw. Ideengeber für neue Experimente ansehen. Man wird merken, was für einen selbst funktioniert und was nicht. Einfach den Sinnen vertrauen. Wenn Experten etwas behaupten, aber die persönliche Erfahrung das Gegenteil suggeriert, dann sollte man sich selbst mehr vertrauen. Das wird einen in der persönlichen Entwicklung viel weiterbringen… auf jeden Fall weiter, als wenn man sich selbst fertigt macht.