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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Versuch und Irrtum, Ego und Bewusstsein

Steht dir deine Vergangenheit im Hier und Jetzt im Weg?

Versuch und Irrtum ist eine der bewährtesten Methoden um ein Problem zu lösen. Trotz ihres Mangels an Raffinesse ist sie manchmal die effizienteste Wahl. Insbesondere weil da sie zum Erfolg führen kann, wo andere Ansätze scheitern. Mit Versuch und Irrtum ist es garantiert, das man etwas dabei lernt und oft entdeckt man mehrere mögliche Lösungswege, wenn man nur etwas experimentiert.

Doch wie oft scheitern wir schon daran, überhaupt erst einen Versuch zu unternehmen, weil wir Angst haben, einem Irrtum zu unterliegen?

Wir machen den Fehler anzunehmen, dass ein Irrtum uns irgendwie schaden könnte, wenn er doch in Wahrheit uns weiter hilft. Jeder Fehler ist Feedback, das wir benötigen um einen neuen Versuch starten zu können – einen der uns hoffentlich zu neuen Fehlern führt und zu weiteren Versuchen, bis wir uns schließlich einer letztendlich akzeptablen Lösung annähern. Ein Fehler ist also keine Niedelage. Ein Fehler ist nur ein Schritt auf dem Weg zum Erfolg. Keine Fehler zu begehen, bedeutet meist auch keinen Erfolg zu haben.

Die Ironie dabei ist, dass wir vielleicht sogar den Erfolg mehr fürchten als die Niederlage, weil Erfolg ein zweischneidiges Schwert ist.

Einerseits, wenn dein Experiment gelingt, dann erreichst du das gewünschte Ergebnis. Andererseits, wenn du das gewünschte Ergebnis erreichst, dann musst du dich auch der Tatsache stellen, dass du bisher ständig einen Fehler begangen hast, weil du es nicht schon vorher “getestet” hast.

Wenn du zum Beispiel deinen Chef nach einer Gehaltserhöhung fragst und er/sie sagt “Ja”, dann ist die gute Nachricht, dass du jetzt mehr verdienst. Aber die schlechte Nachrichte ist, dass du akzeptieren musst, dass du die Gehaltserhöhung vielleicht schon letztes Jahr (oder noch eher) hättest bekommen können, wenn du nur gefragt hättest. Du musst dich der Tatsache stellen, dass deine Angst dich behindert hat.

Langfristig gesehen, ist es besser sich seiner Angst zu stellen und nun doch die Ergebnisse zu erzielen, die man sich schon solange gewünscht hat, als die Angst in der Vergangenheit zu leugnen und sich gleichzeitig dem Versuch etwas zu verändern weiterhin zu verwehren. Ich habe den Verdacht, dass es einen Bereich in deinem Leben gibt, wo dich Angst schon lange begleitet und dich immernoch zurückhält. Ein Bereich, in dem du viel erfolgreicher sein könntest, wenn du dir nur selbst erlauben würdest, dich diesem Fehler aus der Vergangenheit zu stellen.

Als ich meine Firma für Shareware-Spiele hatte, war ich dafür bekannt, jede Menge auszuprobieren. Ich habe regelmäßig Experimente durchgeführt – zum Beispiel habe ich verschiedene Bestellformulare oder Layouts für die Website getestet. Die meisten dieser Tests haben nicht die erhofften Ergebnisse gebracht, aber jeder einzelne hat mir mehr Informationen verschafft. Jedoch haben mich die Tests, die Ergebnisse produziert haben, unweigerlich gezwungen mich zwei Fakten zu stellen:

  1. Es gibt einen effektiveren Weg um zum gewünschten Ziel zu gelangen, den ich auch sofort einschlagen konnte (wunderbar!)
  2. Ich habe es in der Vergangenheit versäumt, diesen Test nicht schon viel eher gemacht zu haben (hmmmm!)

Punkt 1 können wir leicht akzeptieren, aber ich kenne eine Menge Leute, die sich nicht überwinden können, sich mit Punkt 2 abzufinden. Sie fürchten sich davor. Stell dir vor, du hast eine Firma, die seit 5 Jahren Produkte für einen bestimmten Preis verkauft (sagen wir X). Es ist verständlich, dass man sich dafür fürchtet ein Experiment zu starten um zu sehen, ob man ein Preis von 2X, 3X oder 0,5X effektiver wäre. Was wäre, wenn nur ein simples Experiment – eines, das man mit einem Online-Shop innerhalb von einer Stunde aufsetzen kann – sofort einen Weg offenbart um das Einkommen zu verdoppeln? Verknüpft mit deiner Freude über diese Entdeckung ist auch die Reue darüber, dass man bereits soviel verschenkt hat, weil man das Experiment nicht schon viel früher gemacht hat.

Wie oft haben wir schon bemerkt, dass wir so viel in unsere Egos und unsere Vergangenheit investiert haben, dass wir die Möglichkeiten für eine strahlendere Zukunft verpassen?

Wenn du schon heute erfolgreich dein Einkommen verdoppeln könntest oder ein Date mit der Person deiner Träume oder den Job, den du wirklich liebst oder eine Ernährung finden würdest, die deine Energie rasant ansteigen lässt – würdest du dann nicht auch eine gewisse Reue verspüren, dass du das nicht schon viel früher gemacht hast? Und jedes Jahr, das vergeht und in dem du nichts unternimmst.. vergrößerst du damit nicht nur das Ausmaß dieser Reue immer weiter? Bis an einen Punkt, wo sie dich so paralysiert, dass du überhaupt nicht mehr die Schritte unternimmst, die schließlich zum Erfolg führen würden?

Das ist schon ein ziemlicher Brocken, oder?

Was mich schließlich dazu gebracht hat diese Hürde zu überwinden, war die Erkenntnis, dass wir uns hier letztendlich einer persönlichen Entscheidung gegenüber sehen. Das ist eine der Situationen, wo eine Bewusstseinserhöhung über einen gewissen Punkt hinaus, letztendlich dazu führt, dass dieses Problem permanent neutralisiert wird.

Ich werde es näher erklären. Wobei – das führt zu weit. Ich werde es zusammenfassen.

Du existierst nur in diesem Moment. Deine Vergangenheit besteht aus Erinnerungen, aber du greifst auf diese aus dem Jetzt zu. Deine Vergangenheit ist nur real – sie existiert nur für dich – wenn du bewusst deine Aufmerksamkeit auf sie richtest. Es ist deine Aufmerksamkeit, die deiner Vergangenheit ihre Macht gibt und es ist auch nur deine Aufmerksamkeit, die dein Ego füttert. Du kannst dich entscheiden, nicht mehr soviel Aufmerksamkeit auf dein Ego und auf deine persönliche Geschichte zu legen und sie stattdessen auf darauf verwenden, dich mehr mit deinem Bewusstsein und deiner Bewusstheit zu identifizieren. Du hast Zugriff auf deine Erinnerung, so wie du Zugriff auf die Informationen auf dieser Website hast – aber deine Erinnerungen nehmen eine Sonderstellung ein.

Zum Beispiel kann ich mich selbst als Steve Pavlina identifizieren, ein Typ, der eine Website über Persönlichkeitsentwicklung hat, ein Autor, ein Redner, ein Ehemann und Vater, usw. Das ist mein Ego und meine Vergangenheit. Aber diese Dinge existieren nicht im jetzigen Moment während ich das schreibe. Ich denke nicht in diesen Begriffen über mich, wenn ich durch den Tag gehe. Stattdessen betrachte ich mich einfach als ein Bewusstsein und erlebe den Tag mit entsprechender Bewusstheit. Also ist das “Ich” – mit dem ich mich selber meine – nicht mehr als meine eigene Aufmerksamkeit, meine Fähigkeit mir den Dingen bewusst zu werden (inklusive meiner eigenen Vergangenheit, wenn ich denn so will). Und in diesem Zustand gibt es kein Ego und somit auch keine Angst. Ich bin nicht verpflichtet, mich aus Angst auf eine gewisse Weise zu verhalten – ich habe die Freiheit meine Reaktion frei zu wählen. Ich habe die Freiheit einen Moment im Jetzt zu erschaffen, der konträr zu meiner Vergangenheit verläuft. Ich muss mich nicht über meine Vergangenheit identifizieren, wenn ich für mich darin keinen Vorteil mehr sehe. Meine Ego sagt, dass wenn ich heute ein Redner bin, auch morgen ein Redner sein muss. Es sagt, dass wenn ich heute eine Entdeckung mache, es eine Schande ist, dass ich diese nicht schon viel früher gemacht habe. Mein Ego – genommen als Referenzpunkt – ist extrem einschränkend. Das Ego will sich immer beschützen und die aktuelle Identität beibehalten, aber das steht einer Bewusstseinerhöhung bis an den Punkt, dass innerer Frieden über die Angst regiert, nur im Weg.

Ich weiß, dass wir – verglichen mit dem Anfang des Artikels – auf einer ganz anderen Ebene des Denkens angekommen sind. Aber das ist die Ebene, auf der ich zu denken anfangen musste um mich völlig frei zu fühlen und den jetztigen Moment zu erschaffen – ohne mich durch meine Vergangenheit gefangen fühlen zu müssen. Ansonsten wäre ich immer an eine Historie gebunden gewesen, die auf einer tieferen Bewusstseinsebene enstanden ist (als ich halt jünger und unerfahrener war).

Was würde passieren, wenn wir alle damit aufhören würden unsere Egos zu schützen und uns selbst und alle anderen mehr als bewusste Wesen wahrnehmen würden?

Überleg mal, wieviele Probleme auf der Welt spielend leicht gelöst werden würden, wenn die Involvierten das Klammern an ihre Vergangenheit aufgeben könnten und sich selbst erlauben würden, das Hier und Jetzt gemeinsam und bewusst zu gestalten – so wie sie tief in ihrem Inneren schon immer gewollt hätten. Das setzt voraus, dass man statt seinem Ego sein Bewusstsein als Referenzpunkt verwendet. Nur auf dieser Ebene sind wir frei zu experimentieren – ohne Angst vor irgendeiner Reue bezüglich unserer Vergangenheit. Wir können aus unserer Vergangenheit ausbrechen, weil sie sowieso nicht das ist, was wir sind.

So denke ich auch über dich – als die Person, die diese Seite liest. Ich sehe dich nicht in erster Linie als Software-Entwickler, als Marketing-Experte oder als Vater von drei. Ich sehe dich eher als ein bewusstes Wesen und Gefährte. Eines, dass sich von Zeit zu Zeit über solche Rollen identifiziert – und eines, dass ebenso frei ist, über seine Identität und seine Rollen selbst zu entscheiden. Und auf dieser Ebene sind wir bereits – und waren es immer – miteinander verbunden. Die Vergangenheit und unsere Egos sind nur Illusionen, die dieser Verbindung im Weg stehen.

Ja, du hast eine Vergangenheit. Aber deine Vergangenheit bestimmt dein Hier und Jetzt nur bis zu dem Grad, wie du bereit bist deine Aufmerksamkeit darauf zu lenken (zum Beispiel wenn du Erinnerungen wachrufst und dich mit diesen identifizierst). Letztendlich ist das Bewusstsein stärker als die Umstände. Egal wie deine aktuellen Umstände auch aussehen mögen, hast du immer die Möglichkeit eine bewusste Wahl zu treffen, was du in deiner Realität erschaffen willst. Ich denke, das ist eine der wichtigsten Lektionen, die wir hier als Menschen lernen können – wie wir die Macht unserer Bewusstseine so nutzen können um das zu erschaffen, was wir wirklich wollen.