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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Vorsicht, Skepsis!

Skeptisch, dass diese Lektüre dir etwas bringen wird? ;)

Zweifel und Unglaube sind die Werkzeuge der Wahl, wenn man als Skeptiker die Realität verstehen will – in der Hoffnung, dass die daraus resultierenden Einsichten das eigene Verhalten auf intelligente Weise beeinflussen können. Skepsis enstand ursprünglich als eine Form der Opposition gegenüber einem Dogma. Die Idee hinter der Skepsis ist, dass man vermeiden möchte, alberne Überzeungen zu übernehmen.

Das ist soweit alles gut und richtig, aber heutzutage wird die Skepsis auf viel mehr, als nur religiöse und spirtuelle Dinge angewendet. Wenn Skepsis dabei helfen kann, zu verhindern, dass man Opfer von religiösen Dogmen wird, dann funktioniert sie vielleicht auch in anderen Bereichen. Und bis zu einem gewissen Grad stimmt das auch. Mit Skepsis lassen sich z.B. auch Betrugsmaschen vermeiden.

Es gibt allerdings auch ein Risiko bei all der Skepsis: wenn man zu viel davon schluckt. Wenn man zu sehr eintaucht, dann richtet sich ihr Blick nach innen – auf dich selbst. Du beginnst Zweifel und Unglauben als Werkzeuge für dein Selbstverständnis zu nutzen. Wozu bin ich fähig? Schaffe ich das wirklich? Würde ich mich zum Narren machen, wenn ich es versuche?

Großer Fehler.

Viele Menschen sind so sehr damit beschäftigt, einzuschätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, das sie einen Fehler begehen und beginnen die Skepsis zu verinnerlichen – in dem Glauben, dass sie ihr Verhalten so intelligenter machen und ihre Aktionen erfolgreicher. Leider hat Skepsis in diesem Bereich den umgekehrten Effekt. Skepsis wird die intellektuellen Ressourcen beschneiden, die dir zur Verfügung stehen und dich in Wahrheit weniger intelligent agieren lassen.

Wenn ich im Rest des Artikels die Begriffe “Skepsis” oder “Skeptiker” verwende, dann meine ich jemanden, der zuviel davon geschluckt hat und versucht, damit sich selbst zu verstehen.

Skepsis ist gefährlich.

Skeptiker nehmen fälschlicherweise an, dass ihre Gedanken nur passive Observationen sind und Gedanken voll Zweifel über sich selbst, nur positive Informationen hervorbringen können – sie bemerken nicht, dass Gedanken auch eine kreative Komponente haben, so dass der Zweifel in Wahrheit negative Informationen installieren wird. Wer Gedanken voll von Angst und Zweifel beherbergt, der erzeugt damit Angst und Zweifel. Wer viel an Erfolg denkt, der wird auch erfolgreich sein. Der Skeptiker versteht das nicht, der Weise aber schon.

Skeptiker sind schlau genug, um nicht mit 10€ auf 20€ zu wetten, wenn die Gewinnchancen bei 20% stehen. Das ist einfach schlau. Allerdings vermeiden sie es auch 10€ zu setzen, wenn sie damit 1000€ gewinnen können – bei ebenfalls 20% Gewinnchance. Das ist schlicht dumm, insbesondere, wenn du die Wette immer und immer wieder machen und sogar deine Gewinne reinvestieren darfst. Zudem verstehen Skeptiker nicht, dass es die eigene Angst und die eigenen Zweifel sind, die die Gewinnchance auf 20% drückt – ihnen ist nicht bewusst, dass etwas mehr Glaube an sich selbst, die Chancen auf 40% oder mehr anheben kann.

Skeptiker sind nicht bereit, mal als Narr dazustehen, aber genau deswegen verhalten sie sich meist dumm, weil sie zuviele Chancen vorüberziehen lassen. Irgendwann bricht es ihr Herz, wenn sie all die Menschen an ihnen vorbei ziehen sehen, die sie für Narren gehalten haben. Und das kann Skeptiker noch weiter in Angst und Selbstzweifel führen – und schließlich in die Einsamkeit.

Der Skeptiker sieht andere Menschen scheitern und sagt sich:

“Bloß gut, dass ich das vermieden habe.”

Aber er sollte sich auch die verpassten Erfolge ansehen und sich sagen:

“Schande über mich, dass ich mich nicht getraut habe.”

Was kommt nach Skepsis?

Wie funktioniert eine intelligente Person?

Die intelligente Person erkennt, dass es bei allen Erfolgen eine Komponente gibt, die man selbst erschafft. Die intelligente Person beschließt, mit dieser Macht weder Angst noch Zweifel zu erzeugen. Das zu machen, wäre unklug.

Skepsis ist, wie wenn man die Reifen seines Autos zersticht, um zu verhindern, dass man sich einen Platten einfährt. Dann stellst man fest, dass die Reifen zerschnitten wurden und schließt daraus, dass es mehr Sinn macht, zu Hause zu bleiben, als mit einem verkrüppelten Auto zu fahren.

Intelligente Menschen verstehen, dass Angst und Zweifel sie immer nur verkrüppeln und ihnen nie helfen. Angst und Zweifel sind nicht notwendig um Fallstricke zu vermeiden. Es ist das falsche Werkzeug für diesen Job, so wie ein Messer das falsche Werkzeug ist, um einen Reifen aufzupumpen. Wenn du mit deinem Auto fahren willst, dann solltest du das mit aufgepumpten Reifen versuchen. Wenn du einen Platten hast, dann ist das nicht das Ende der Welt. Wechsel den Reifen und mach weiter. Ein Skeptiker nimmt fälschlicherweise an, dass ein platter Reifen das Ende der Welt ist, also muss das Fahren etwas sein, was man komplett vermeiden sollte. Demzufolge bleibt der Skeptiker lieber zu Hause, wo es sicher und bequem ist, aber die weise Person begrüßt das Risiko als eine Chance, daraus Kapital zu schlagen.

Die Werkzeuge der intelligenten Person sind Mut und gesunder Menschenverstand. Um zu herauszufinden, was oder was nicht möglich ist, krempeln sie die Ärmel hoch und legen los. Oft scheitern sie dabei, aber daraus ensteht ein besseres (Selbst-)Verständnis, dass sie in der Zukunft weisere Entscheidungen fällen lässt – und nicht aus Angst und Zweifel heraus, sondern mit mehr Verständnis, auf das sie bauen können. Die intelligente Person versteht, dass es bei den Gedanken eine kreative Komponente gibt, so dass es wichtig ist, diese Gedanken auf Erfolg zu trimmen und sich nicht voller Angst und Zweifel ans Werk zu machen.

Der Weise dreht die Skepsis auf den Kopf und nutzt Zweifel als Waffe gegen Zweifel. Sie zweifeln buchstäblich ihre Zweifel an. Sie sind skeptisch gegenüber ihrer Skepsis. Und während ihre Skepsis, Angst und Zweifel sich im Kreis drehen, legen sie los und finden heraus, was oder was nicht möglich ist – durch direkte Erfahrung und gesunden Menschenverstand.

Der Skeptiker denkt, dass es eine Katastrophe wäre, wenn er ein Risiko eingehen und scheitern würde. Die intelligente Person aber weiß, dass es einfach ein notwendiger Schritt auf dem Weg zum Erfolg ist. Der Skeptiker hält eine Niederlage für etwas, dass nie passieren darf, während die intelligente Person eine Niederlage als Sprungbrett für den nächsten großen Schritt erkennt.

Der Skeptiker sieht riskante Bemühungen entweder als Erfolg oder als Niederlage enden – als ob die beiden totale Gegensätze wären. Die intelligente Person weiß, dass Niederlagen zum Erfolg dazugehören und das beides in die gleiche Richtung zeigt.

Skeptiker vermeiden Erfolg, weil sie Niederlagen vermeiden, aber so garantieren sie die ultimative Niederlage, weil sie es nicht schaffen den Mut zur Tat herauf zu beschwören. Intelligente Menschen haben mehr Erfolg, weil sie ihren Mut trainieren, so dass sie auch zur Tat schreiten, wenn sie Angst verspüren.

Der Skeptiker sagt:

“Na mal sehen, ob das funktioniert.”

Die intelligente Person sagt:

“Lass uns das machen.”

Skepsis ist ein nützliches Werkzeug, um Dogmas abzuschütteln und aufgeschlossener zu werden, aber darüber hinaus, muss man sich davon lösen, da es bessere Werkzeuge gibt. Nutz die Skepsis als ein Messer um falsche Überzeugungen wegzuschneiden, aber erinnere dich daran, damit aufzuhören, wenn du deinem eigenen Fleisch nahe kommst – das ist der Punkt, wo Skepsis seinen Nutzen verliert und Mut das geeignete Werkzeug zum Weitermachen ist.