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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Warum ist ein Sinn und Zweck wichtig?

Warum ist es von Bedeutung, ob das eigene Leben tatsächlich einen Sinn und Zweck hat? Treten wir einige Schritte zurück und nähern uns der Frage langsam…

Wenn man eine Aufgabe erfüllt und es keinen größeren Kontext gibt, in den sie eingebettet ist, dann ist die Aufgabe nicht von Bedeutung. Man schaut eine Sendung im Fernsehen. Sie ist völlig bedeutungslos, da es keinen größeren Kontext gibt. Wenn man aber eine Aufgabe vervollständigt, die zu einem größeren Projekt gehört, ist sie plötzlich von Bedeutung, wenigstens im Zusammenhang mit dem Projekt. Wenn man eine Webpage erstellt und diese Teil einer neuen Webseite ist, die man aufbaut, dann macht diese Aufgabe Sinn. Sie bringt einen näher an die Umsetzung des ganzen Projektes.

Wann ist ein Projekt bedeutsam? Projekte sind nur im Kontext eines höheren Ziels von Bedeutung. Wenn es das Ziel ist, das Einkommen zu erhöhen und man ein Projekt abschließt, welches wahrscheinlich dazu beiträgt, dann ist das Projekt von Bedeutung. Wenn man aber ein Projekt beendet, wie z.B. einen Graben durch seinen Garten zu ziehen und es kein wirkliches Ziel gibt, das man damit erreichen will, dann ist das Projekt sinnlos. Es gibt keine grundlegende Bedeutung.

Wenn ein Projekt nicht Teil eines höheren Ziel ist, dann hat das Projekt keinen Kontext und ist somit irrelevant. Man benötigt kein kompliziertes Ziel, um einem Projekt Bedeutung zu verleihen. Ein Ziel könnte auch etwas einfaches sein, wie das eigene Glück zu vergrößern oder sich selbst – wenn auch nur für eine Weile – zu amüsieren. Aber menschliches Verhalten ist zweckgerichtet und wir Menschen neigen nicht dazu, Projekte durchzuführen, wenn es dafür keinen guten Grund gibt. Die wenigsten Leute schuften ohne Grund, um Löcher zu graben und sie dann wieder zuzuschütten.

Was ist der Unterschied zwischen Projekten und Zielen?

Ziele sind Resultate, Richtwerte. Sie sind Daseinsformen – Zustände, in denen man an einem bestimmten Punkt sein will. Projekte sind davon abgetrennte Handlungen, die man unternimmt, um ein Ziel zu erreichen. Ein eigenes Haus zu besitzen, ist ein Ziel. Ein Drehbuch zu schreiben ist ein Projekt.

Um die Reihenfolge umzukehren: man beginnt damit, sich Ziele zu setzen, erstellt dann Projekte, um diese zu erreichen und erfüllt Aufgaben, um diese Projekte zu vervollständigen und somit seine Ziele zu erreichen.

Was ist aber nun der Kontext für die eigenen Ziele? Warum sind sie von Bedeutung? Wenn eine Aufgabe den Kontext eines Projektes und ein Projekt den Kontext eines Zieles benötigt, brauchen dann nicht auch Ziele einen Kontext, damit sie von Bedeutung sind?

Sagen wir, man hat sich das Ziel gesetzt, sein Einkommen, um 50% zu erhöhen. Warum ist das relevant? Ist es sinnlos? Was ist der Kontext dahinter, mit dem das Ziel tatsächlich bedeutungsvoll ist? Warum ist das Ziel besser oder schlechter, als seinen Garten mit Löchern zu verzieren?

Ziele brauchen einen Kontext

Ziele brauchen auch einen Kontext; ansonsten sind sie irrelevant. Ein Ziel ohne bedeutungsvollen Kontext ist sinnlos.

Ein Kontext, der Ziele erschafft, sind menschliche Bedürfnisse, die beim Grundbedürfnis des Überlebens beginnen. Ziele, die das eigene Überleben fördern, können als bedeutungsvoll angesehen werden. Ein weiteres menschliches Bedürfnis ist es, mit anderen in Kontakt zu treten; Wissenschaftler haben herausgefunden, dass dieses Bedürfnis von Geburt an im Menschen steckt.

Wenn aber alle eigenen Ziele nur im Kontext von physischen oder emotionalen Bedürfnissen stehen, dann ist alles, was man vom Leben erhält, Überleben und Mittelmäßigkeit. Mehr Geld zu verdienen, scheint das Bedürfnis nach Sicherheit zu befriedigen. Zu heiraten und Kinder zu bekommen hilft dabei, das Bedürfnis nach Sozialisierung und Kontakt zu befriedigen. Und dann gibt es noch vermischte Verhaltensweisen, wie neue Fähigkeiten zu erlernen, um die Karriereleiter hochzuklettern, so dass man besser und besser werden kann, diese grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen.

Aber es gibt einen weiteren möglichen Kontext für die eigenen Ziele, welcher über Bedürfnisse hinausgeht. Und das ist der Kontext eines Sinn und Zwecks. Wenn das Leben einen weiteren Sinn hat, außer die eigenen physischen und emotionalen Bedürfnisse zu befriedigen, hat man nun die Fähigkeit einen ganz neuen Bereich des “Ziele-Setzens” zu betreten. Man kann sich Ziele setzen, die weit über den Kontext der Bedürfnisse hinausgehen.

Manche Menschen werden nun argumentieren, dass Sinnhaftigkeit auch ein menschliches Bedürfnis ist, wahrscheinlich ein spirituelles. Ich denke, es ist zulässig, das so zu sehen, außer dass Sinnhaftigkeit nicht so sehr ein Bedürfnis zu sein scheint, wie physisches und emotionales Überleben – Sinnhaftigkeit kann man recht einfach ignorieren. In diesem Artikel werde ich Sinnhaftigkeit jedoch als etwas behandeln, das über die grundlegenden physischen und emotionalen Bedürfnisse hinausgeht.

Wenn man nur im Kontext der Bedürfnisse arbeitet, dann verfügt man nicht automatisch über die Fähigkeit, sich verschiedene Arten von Zielen zu setzen. Es gibt Ziele, die man einfach nie erreichen können wird. Man hat keinen Kontext für sie, so dass man sie sich nie setzen wird. Nicht mal, wenn es große und interessante Ziele sind, wird man über sie nachdenken.
Leute wie Jesus, Mutter Theresa, Ghandi und Martin Luther King Jr. sind Leute, die Ziele erreichen, die außerhalb des eigenen Kontext liegen. Sie arbeiteten in einem Kontext, der über die eigenen Bedürfnisse hinausgeht. Wenn Bedürfnisse der einzige Kontext für die eigenen Ziele sind, dann kann man nicht erwarten, jemals an das heranzukommen, was sie geschafft haben. Das ganze Leben wird sich nur ums Überleben drehen – weiter wird man nicht kommen. Alles, was man je erwarten kann, ist Mittelmäßigkeit; Größe liegt außerhalb der eigenen Reichweite.

Bedürfnisse befriedigt – und nun?

Wenn man seine Ziele nur im Kontext der Bedürfnisse formuliert hat, dann wird man ein zweites Problem haben: Man wird es schwer haben über den Punkt hinauszukommen, an dem seine eigenen Bedürfnisse befriedigt sind. Viele meiner Leser sind sicher schon ganz gut darin, sich Ziele im Kontext der eigenen Bedürfnisse zu setzen und sie zu erreichen. Ich war viele Jahre in meinem Leben an diesem Punkt. All meine grundlegenden Bedürfnisse sind erfüllt und ich denke, dass ich diese Situation den Rest meines Lebens ohne viel Mühe aufrecht erhalten können werde. Ich habe also keine wirkliche Motivation, mir weitere Ziele im Kontext der Bedürfnisse zu setzen. Dieser Kontext kann nur dazu beitragen, dass ich den Status Quo erhalte und ihn im besten Fall allmählich anhebe. Er kann mir helfen, mehr desselben zu erreichen und manchmal sogar eine verbesserte Version dessen, aber er kann mir nicht dabei helfen, Ziele außerhalb dieses Kontexts zu erreichen. Und es gibt eine Menge wahnsinnig interessante Ziele und Erfahrungen, die nicht in den Bereich der Bedürfnisse fallen.

Manche Leute kommen im Kontext der Bedürfnisse weiter als andere. Wenn man beispielsweise in Armut beginnt, kann einen der Kontext der Bedürfnisse dazu bringen, dass man sehr reich wird. Ähnlich kann jemanden eine Krebsepisode dazu befähigen, auf lange Sicht gesehen, einem Zustand weitaus besserer Gesundheit zu erlangen. Für die meisten versiegt der Kontext der Bedürfnisse jedoch irgendwann. Wenn man über große Ziele nachdenkt und sie einem nicht bedeutungsvoll erscheinen, dann hat man diesen Zustand wohl erreicht; sie scheinen mehr Mühe zu bedeuten, als sie wert sind. Man hat ein grundlegendes Gefühl, das sagt: “Ach, warum sich quälen?” Ich denke, das hilft zu erklären, warum 90% der Leute für den Rest ihres Lebens innerhalb von +/- 10% ihres aktuellen Einkommens bleiben.

Wenn man den Punkt erreicht hat, an dem man festsitzt, dann muss man über den Kontext der Bedürfnisse hinausgehen. Man sollte diesen Kontext als Projekt betrachten, das man erledigt hat. Es gibt keinen Anlass, weiterhin Aufgaben im Rahmen eines Projektes zu erledigen, welches fertig ist. Wenn man das Abendbrot schon fertig und gegessen hat, kann man aufhören, die Soße zu rühren. Das Gericht ist fertig.

Wenn man nun in einer Situation lebt, in der die eigenen Bedürfnisse adäquat erfüllt sind und man mit auf Bedürfnissen basierenden Zielen nicht weiter kommt, dann braucht man einen neuen Kontext, in dem man sich Ziele setzen kann. Ansonsten wird man mit lahmen und machtlosen Zielen festsitzen. Wahrscheinlich ist man in dieser Situation, wenn man sich das Ziel gesetzt hat, sein Einkommen zu verdoppeln und obwohl man denkt, dass man dies doch erreichen wollen sollte, kommt man nicht voran. Man weiß auch, dass das daran liegt, dass man nicht viel Mühe hineingesteckt hat. Man ist aber nicht machtlos – der Kontext innerhalb dessen man sich dieses Ziel gesteckt hat, ist es. Es passt nicht zur eigenen Leidenschaft und den eigenen Talenten, so dass es die Schubkraft aufrecht erhält.

Der nächste Kontext, der über Bedürfnisse hinausgeht, ist der Sinn. Sinn steht nicht im Konflikt zu den Bedürfnissen. Er ist nur ein neuer Kontext, in dem man sich Ziele setzt. Er kann neben auf Bedürfnissen basierenden Zielen existieren. Genau wie man mehrere Projekte und mehrere Ziele im Leben haben kann, kann man auch mehrere Kontexte für seine Ziele haben.

Das Coole am Sinn ist, dass er sich in größerem Maße erweitern lässt und viel interessanter als der Bedürfniskontext ist. Der Bedürfniskontext ist viel begrenzter, da er sich auf’s Überleben konzentriert. Aber Sinn ist ein viel weiterer Kontext, welcher einen davon befreit, an Zielen für’s Überleben zu arbeiten. Idealerweise findet man seinen Sinn in der Schnittmenge seiner Leidenschaften und Talente. Wenn man Hilfe benötigt, einen für sich stimmigen Sinn-Kontext zu finden, dann ist hier die Anleitung dazu.

Ich finde auch, dass der Sinn-Kontext auf viele Arten besser funktioniert, als der Bedürfnis-Kontext. Zuerst einmal passt er eher mit dem inneren Feuer der Leidenschaft zusammen. Man kann nur halb-leidenschaftlich werden, wenn es darum geht, Bedürfnisse zu befriedigen, aber wenn die eigene Leidenschaft mit dem Sinn übereinstimmt, wird man weitaus mehr Energie haben und viel mehr schaffen. Wenn man beispielsweise einen Partner aus dem Bedürfnis-Kontext heraus sucht, also weil man nicht sein Leben lang allein bleiben will, ist das eine sehr schwache Motivation. Es ist leicht, solch ein Ziel nicht zu erreichen, wenn man durch ein Bedürfnis motiviert wird – es steckt wenig Leidenschaft dahinter, eher ein Gefühl der Verzweiflung. Somit wird der Antrieb unbeständig sein – manche Tage wird man ihn stark spüren, an anderen Tagen wird er schwächer sein und man wird es okay finden, allein zu sein. Wenn man aber vom Sinn-Kontext ausgeht, fühlt man sich großartig mit dem, wer und was man als Mensch ist, wenn man darüber nachdenkt, wieviel man einem eventuellen Partner zu bieten hätte. Dieses Gefühl strahlt man anderen gegenüber auch aus.

Diese Leidenschaft wird es viel leichter machen, jemanden anzuziehen, der in das eigene Leben passt. Verzweiflung stößt Menschen ab, Leidenschaft zieht an. Man sollte einmal darüber nachdenken – wie sehr würde man von einem Partner angezogen werden, der seinen Sinn lebt, verglichen mit einem, dessen ganzes Leben sich nur um´s Überleben dreht? Und wenn man jemanden aus dem Bedürfnis-Kontext heraus anzieht, wird diese Person höchstwahrscheinlich im selben Kontext feststecken, so dass die ganze Beziehung nur innerhalb dieses Kontextes existieren würde – ich brauche dich, du brauchst mich. Dies sollte man im Kontrast zu einer Beziehung betrachten, die um einen Sinn-Kontext für beide Menschen wächst; hier kann sich die Beziehung viel weiter ausdehnen, weil sie über Bedürfnisse hinausgeht. Die Beziehung selbst entsteht, um größeren Sinn zu erreichen. Es gibt auch nicht nur romantische Beziehungen – wenn man Ergebnisse, wie die Beziehung zwischen Jesus und seinen Aposteln betrachtet, die eher unter einem Sinn-Kontext zusammenkamen, als durch ein Bedürfnis.

Zum zweiten funktioniert der Sinn- besser als Bedürfnis-Kontext, weil er stabiler ist. Bedarf ist eine große Motivation, wenn man verhungert, aber eine lausige Motivation, wenn der Bauch voll ist. Je mehr Ziele man unter dem Bedarfs-Kontext erreicht, desto mehr Bedarf wird gedeckt und desto schwächer wird dieser Kontext, um neue Ziele zu erreichen. Sinn hält jedoch an und lässt nicht an Intensität nach, wenn man Erfolg hat. Der Sinn-Kontext hält seine Energie auf einem konstanten Level – eigentlich wird er eher noch stärker, je mehr man damit arbeitet.

Selbstdisziplin wird einfacher

Zum dritten wird Selbstdisziplin einfacher. Wenn die eigenen Leidenschaften und Talente mit den Zielen einhergehen (was im Sinn-Kontext passiert), wird alles auf dem Weg dahin einfacher. Die meisten der Projekte und Aufgaben, die aus den zweckdienlichen Zielen entstehen werden, fallen mit den eigenen Talenten zusammen. Ganz gegensätzlich dazu können Ziele, die auf Bedürfnissen basieren, zu Aufgaben und Projekten führen, die sehr schwierig und stressig sind. Wenn es zum Beispiel zum persönlichen Sinn dazugehört, wunderschöne Musik zu komponieren und man über ein starkes angeborenes Talent auf diesem Gebiet verfügt, dann wird man in seinen Projekten und Aufgaben wahrscheinlich viel Zeit damit verbringen, Musik zu komponieren. Man muss sich nicht selbst zum Handeln zwingen, weil man schon gut in dieser Arbeit ist und sie einem außerdem viel Spaß macht. Den Luxus seine Leidenschaften und Talente mit seiner Arbeit zu verknüpfen, hat man aber nicht immer, wenn man nur unter dem Bedarfs-Kontext agiert. Da muss man dann auch Dinge tun, die man nicht mag und in welchen man nicht sehr gut ist, wie zum Beispiel den Musiker in einem dazu zu bringen, Verwaltungsarbeiten zu erledigen. Anstatt sich den ganzen Tag energiegeladen zu fühlen, fühlt man sich ausgelaugt und unmotiviert, wenn man für zu lange Zeit weit außerhalb seines “Leidenschaft-Talent-Bereichs” arbeitet.

Grundbedürfnisse werden automatisch befriedigt

Viertens wird man merken, dass man den Sinn-Kontext besser nutzen kann, um seine Bedürfnisse automatisch zu befriedigen, wenn man unter ihm arbeitet. Man sollte sich einmal die niedrigeren Stufen eines Projekts vor Augen führen. Manchmal ist es so, dass wenn man ein Projekt erledigt, sich ein zweites in diesem Prozess gleich mit erledigt, so dass man zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt. Man kann dasselbe tun, wenn man aus unterschiedlichen Kontexten heraus an einem Ziel arbeitet. Wenn das passiert, ist es wunderbar, weil man bedürfnisorientierte Ziele erreichen kann und sich trotzdem daran erfreuen kann, unter dem Sinn-Kontext zu arbeiten. Ein Beispiel wäre, wenn man sich entschiedet, seine Leidenschaft als Musiker verfolgen und damit finanziell erfolgreich wird. Nun sind die persönlichen Talente und Leidenschaften in der Lage, die physischen Bedürfnisse zu befriedigen, ohne dass man gezwungen ist, dinge zu tun, die man nicht mag oder in denen man nicht sehr gut ist. Man ist in der Lage seine Bedürfnisse zu befriedigen, während man gleichzeitg im Bereich seiner Talente und Leidenschaften bleibt.

So wird ziemlich klar, dass es entscheidend ist, seinen persönlichen Sinn und Zweck zu kennen. Wenn man keinen Sinn im Leben hat, dann bleibt man dabei, für immer nur unter dem Bedürfnis-Kontext zu arbeiten. Das heißt, dass sich das eigene Leben nur um physisches und emotionales Überleben dreht. Es gibt bestimmte Ziele, die für immer über die eigene Kapazität hinausgehen werden. Die anhaltende Motivation, sich Ziele zu setzen und sie zu erreichen, wird schwächer werden, je erfolgreicher man dabei wird, sie zu erreichen. Je weiter man kommt, desto schwächer ist die Motivation, sich höhere Ziele zu setzen. Das Beste, was man sich in diesem Kontext erhoffen kann, ist ziemlich begrenzt. Man ist quasi dazu verdammt eine komplizierte Version des Lebens eines niederen Säugetiers zu führen.

Wenn man aber seinen Sinn und Zweck kennt, besitzt man einen völlig neuen Kontext, um sich Ziele zu setzen… aber nicht nur einen neuen, auch einen sehr mächtigen Kontext. Man stelle sich vor, wie man seinem Leben bis zum jetzigen Zeitpunkt an einem Projekt arbeitet, das nicht sehr interessant ist und in dem man nicht wirklich gut ist. Und dann bekommt man plötzlich ein zweites Projekt, das einen fasziniert und welches perfekt zu den eigenen Talenten und Fähigkeiten passt. Darüber hinaus wird das erste Projekt sich wahrscheinlich automatisch von selbst erledigen, wenn man sich auf das zweite konzentriert, so dass man nie wieder direkt am ersten Projekt arbeiten muss. Welches Projekt würde man dann wählen?

Man muss den Überlebens-Kontext meistern, bevor man mit dem Sinn-Kontext beginnen kann. Es liegt in der Natur der Sache, dass man das Überleben nie wirklich meistern kann – je besser man seine Bedürfnisse befriedigen kann, desto schwächer wird dieser Kontext. Man braucht den Bedürfnis-Kontext aber auch nicht abschaffen. Man sollte sich ruhig weiter Ziele stecken, die auf Bedürfnissen basieren. Aber den zweiten, mächtigeren Kontext sollte man direkt daneben stellen. Nun hat man eine neue Dimension, in der man Ziele stecken kann, die nichts mit den Bedürfnissen des Überlebens zu tun haben.

Was kann man im Sinn-Kontext tun, das man im Bedürfnis-Kontext nicht tun kann? Man kann ein Album voll mit seiner eigenen wunderschönen Musik schaffen, ohne Interesse, damit Geld zu verdienen… nur aus dem Wunsch heraus, es mit der Welt zu teilen. Und das heißt, es kann für einen selbst von großer Bedeutung sein und muss sich daher nicht irrelevant und zwecklos fühlen.

Man frage sich: was sind Ziele, die man sich im Sinn-Kontext stecken kann, welche außerhalb des Bedürfnis-Kontexts liegen?

Wenn man sich seine Ziele im erweiterten Sinn-Kontext steckt, erweitert man sein Leben. Ich würde sagen, momentan verbringe ich 80% meiner Zeit damit an Zielen zu arbeiten, die in meinen Sinn-Kontext liegen und 20% meiner Zeit, mit Zielen, die im Bedürfnis-Kontext liegen. Vor einem Jahr war es auch 80-20, aber andersherum. Das hat einen großen, positiven Unterschied für mich gemacht und das Beste ist, dass ich das Leben so erlebe, wie ich es allein aus der Sicht des Bedürfnis-Kontexts nie geschafft hätte. Oft ist es möglich, ein Ziel, welches auf Bedürfnissen basiert, in eines umzuwandeln, welches auf Sinn beruht. So bekommt man Zugang zu all den motivierenden Vorteilen des Sinn-Kontexts während man sich immer noch um seine Grundbedürfnisse kümmert.

Wenn man seinen Sinn noch nicht kennt, lohnt es sich, die Zeit zu investieren, ihn zu entdecken, so dass man über den langweiligen Bedürfnis-Kontext hinausgehen und an weitaus interessanteren, sinn-getriebenen Zielen arbeiten kann, die mit der persönlich tiefsten Leidenschaft und den größten Talenten einhergehen.