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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Warum man ein Buch pro Woche lesen sollte

1992 habe ich das erste Mal von der Gewohnheit gehört, (durchschnittlich) ein Buch pro Woche zu lesen – wobei die meisten der Bücher sich mit dem Gebiet beschäftigen sollten, auf dem man gern ein Experte werden will. Das sind dann etwa 50 Bücher im Jahr. Brian Tracy erklärt, dass man mit dieser Gewohnheit in 7 Jahren zu einem internationalen Experten in dem gewählten Bereich wird. Man stelle sich mal vor, man arbeitet im Verkauf. Wenn man im kommenden Jahr 50 Bücher über Verkaufstechniken liest, wird das dann einen Unterschied machen, wie erfolgreich man Dinge verkaufen kann? Keine Frage.

Ich habe mich damals entschlossen, diese Gewohnheit aufzunehmen. Und nun, 12 Jahre später, habe ich tatsächlich etwa 600 Bücher gelesen; die meisten hauptsächlich im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung. Das sind eine Menge Bücher.

Dazu gehören: Bücher über Gesundheit, Diät, Sport, Ernährung, Gewichtsverlust, Krafttraining, Heilung, Martial Arts, Biographien, Spiritualität, Selbstdisziplin, Zeitmanagement, Prokrastination bezwingen, Beziehungen, Marketing, Verkauf, Management, Unternehmensführung, unternehmerisches Streben, Finanzen, emotionale Intelligenz, NLP, Mut, Zuversicht, Selbstvertrauen, Erfolg, Leistung, mentale Konditionierung, Zielsetzung, Planen, Ausführung, Investment, Prioritäten setzen, Einkommen generieren, Schreiben, Reden halten, soziale Fähigkeiten, Verbindungen aufbauen, Philosophie, Überredungskunst, Motivation, Humor, Führerschaft, Effektivität, Produktivität, Langlebigkeit, Organisation, Wachstum, Mitwirken, Liebe, Optimismus, inneren Frieden, Entspannung, Meditation, klares Denken, Bewusstsein, Visualisierung, luzides Träumen, Gedächtnis, Exzellenz, Leidenschaft, Gesprächsführung, Gewinnen, Ehre, Erkenntnis, Superhirne, Kreativität, Zen. Ich habe auch viel Belletristik und technische Bücher gelesen.

Mein Ziel ist nicht jemanden zu beeindrucken, sondern eher, zu illustrieren, was man mit dieser Gewohnheit erreichen kann. Wenn jemand eine neue Gewohnheit vorschlägt, finde ich es persönlich hilfreich, wenn ich weiß, wohin sie mich in einem Jahr, in 5 Jahren, in 10 Jahren führt. Was ich also dazu zu sagen habe, wird insbesondere dann nützlich sein, wenn man gerade überlegt, ebenfalls diese Gewohnheit aufzunehmen.

Weiß man, was man nicht weiß?

Wohin führt sie? Ich dachte, sie führt mich dazu, auf dem Gebiet der Persönlichkeitsentwicklung eine Menge Wissen anzuhäufen. Das ist auch geschehen, aber auch mein Unwissen wurde erweitert. Wenn man sich sein Wissen auf einem Gebiet als Kreis vorstellt, dann liegt alles was man weiß im Kreis. Außerhalb des Kreises liegt all das, was man nicht weiß. Der Rand des Kreises repräsentiert das eigene Bewusstsein über das, was man nicht weiß. Wenn der Kreis größer wird, dann vergrößert sich seine Fläche, aber auch sein Umfang. Je mehr man also lernt, desto klarer wird einem, was man noch lernen muss.

Es hat aber auch sein Gutes. Während sich der Kreis vergrößert und man besser versteht, was man nicht weiß, kann man besser selektieren, was man als nächstes lernt. Das Bewusstsein vergrößert sich. Man kann, das was man im Kreis schon gelernt hat, nutzen, um vorherzusagen, wo man höchstwahrscheinlich gewaltige, neue Einblicke am Rande des Kreises finden kann. Es ist eine Art Prozess, bei dem man lernt, zu lernen.

Eine Idee, die ich wirklich wichtig fand, war, dass all diese Bereiche der Persönlichkeitsentwicklung voneinander sehr unabhängig sind. Oft ist das Problem, von dem wir annehmen, es zu haben, nicht das tatsächliche Problem, das wir lösen müssen.

Wenn man zum Beispiel unter zu wenig Motivation leidet, es einem aber nicht hilft darüber zu lesen und zu versuchen, sich zu motivieren, sondern man davon eher noch demotivierter wird, dann könnte das wahre Problem die furchtbare Ernährung oder zu wenig Sport sein. Oder es könnten ungenügende soziale Kontakte sein, die zu milder Depression führen. Oder es könnte sein, dass man in einer negativen Umgebung festsitzt, welche die falschen Verhaltensweisen bekräftigt. Oder man ist hinsichtlich seiner Ziele nicht klar genug. Oder es ist ein Mix aus all diesem.

Der offensichtliche Grund für ein Problem ist oftmals nicht die wahre Quelle. Schlechte Ernährung und Sport, sind zum Beispiel oft nicht der wirkliche Grund, weswegen man übergewichtig ist. Es sind oft nur zusätzliche Symptome eines tiefersitzenden Problems. Man kann Bücher über Diäten und Sport lesen, und dann geht man los und wendet sie nicht an. Etwas Tiefergehendes hindert einen daran, nach seinem Wissen zu handeln – und das weist auf das tatsächliche Problem hin, welches gelöst werden muss. So habe ich eine ganzheitlichere Sichtweise für dieses Feld entwickelt.

Das tatsächliche Wissen und die neuen Unterscheidungsmöglichkeiten, die man beim Lesen bekommt, sind nicht der größte Vorteil. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass der wahre Nutzen nicht davon kommt, was man liest, sondern dass man liest. Wenn man jede Woche ein neues Buch liest, konditioniert man seinen Geist, neues Wissen aufzunehmen. Das Denken bleibt frisch und scharf. Das Gehirn ist ständig mit neuen Ideen beschäftigt und sucht nach neuen Unterscheidungen, die es vornehmen kann. Jeden Tag fügt man neue Ideen hinzu, welche das Gehirn irgendwie in die bestehende Wissensbasis integrieren muss. Häufiges Lesen erhöht die neurale Aktivität, auch in Zeiten, in denen man nicht liest.

Deswegen zucke ich manchmal zusammen, wenn mich Menschen nach einen bestimmten Buch fragen, um ein spezielles Problem zu lösen. Zuerst einmal weiß ich ja nicht, ob das Problem, von welcher die Person behauptet, dass es das zu lösende Problem sei, wirklich das Problem ist, wofür eine Lösung benötigt wird – besonders, wenn ich die Person nicht gut kenne. Und zweitens ist es nicht wichtig, welches Buch man liest, sondern dass man gewohnheitsmäßig jeden Tag liest.

Wenn man das Gehirn so konditioniert, dass es es sich mit viel mentaler Aktivität wohl fühlt, dann verbessert sich das Denken dramatisch, auch wenn man gerade nicht liest.

“Nutze es oder verlier’ es”

ist ein sehr wahrer Ausspruch. Es ist leicht, Menschen zu erkennen, die viel lesen, weil sie jedes Mal neue Ideen oder Anekdoten zu erzählen haben, wenn man mit ihnen redet. Sie testen neue Perspektiven, neue Denkweisen. Man weiß, dass sie noch lange im Aufstieg begriffen sind, wenn man mit ihnen spricht. Wenn man aber mit Menschen spricht, die das ganze Jahr noch kein Buch gelesen haben, erkennt man, dass ihre Gedanken eher fad sind und sie einen Monat später immer noch die selben Dinge sagen, sich über die selben Probleme beklagen, in einer mentalen Rinne festgefahren sind. Sie sind nicht viel gewachsen; weder innerlich, noch äußerlich.

Ein Workout für’s Gehirn

Lesen ähnelt sehr physischer Betätigung. Lesen ist Sport für’s Gehirn. Man würde ja nicht sagen:

“Sag mal, welchen Sport kann ich am Samstag machen, um fit zu werden?”

Und genauso albern ist es zu sagen:

“Sag mir, welches Buch ich lesen kann, um Aufschieberei zu bewältigen!”

Genau wie der Körper die Gewohnheit des regelmäßigen Sports benötigt, braucht der Geist die beständige Gewohnheit des Lesens. Und genau wie der Mangel an Sport die Muskeln schrumpfen lässt, wird ein Mangel an mentalem Sport den Geist verhungern lassen.

Das sind allerdings gute Nachrichten, weil es nicht bedeutet, dass man ein Jahrzehnt oder mehr bei der Gewohnheit bleiben muss, um den größten Nutzen, nämlich tägliche mentale Konditionierung, daraus zu ziehen. Innerhalb einiger Wochen, in der man die Gewohnheit des täglichen Lesens beibehält, wird man schon einige bedeutende Ergebnisse bemerken. Eine zusätzliche Nebenwirkung wird sein, dass das Selbstbewusstsein wächst, besonders wenn man viele ermutigende Bücher liest. Täglich positive Ideen aufzunehmen, hilft gegen negative Einflüsse.

Jede Woche ein Buch zu lesen, ist eine enorm erstrebenswerte Angewohnheit. Und es macht auch viel Spaß. Alles was man braucht sind 30-60 Minuten pro Tag, in denen man sich hinsetzt und liest. Das Beste aber ist, dass man es beim Sport machen kann. Heute Morgen bin ich um 5 Uhr aufgestaden und bin 20 Minuten auf meinem Heimtrainer Rad gefahren während ich gelesen habe. Dann habe ich über die Ideen, die ich gerade gelesen habe nachgedacht, während ich mein Krafttraining absolviert habe. Wenn ich heute Abend 6,5 km spazieren gehe, werde ich eine Stunde lang ein neues Audio-Programm anhören, dass ich gekauft habe und dann noch einmal 30 Minuten lesen, bevor ich ins Bett gehe. Das sind 110 Minuten, in denen ich neue Ideen aufnehme, 80 davon sind mit Multitasking. Mit so einer täglichen Routine habe ich immer jede Menge neue Ideen für Blogposts, Artikel, Reden, Informationsprodukte und Unterhaltungen. Ich kann einen großen Strom interessanter Ideen aufrecht erhalten, weil ich täglich viele Ideen aufnehme. Jede Woche nehme ich neue Unterscheidungen vor, während mein Hirn neues Wissen mit bestehendem Wissen verknüpft.

Natürlich trifft all das oben genannte nicht nur auf das Lesen zu, sondern allgemein auf die Praxis, neues Wissen zu absorbieren. Dazu zählen:

  • Seminare
  • Audio-Programme
  • bedeutungsvolle Unterhaltungen
  • Kurse

Online Artikel oder Blogeinträge zu lesen ist ebenso hilfreich, wenn man neue Ideen aufnimmt, die einen herausfordern und zum Denken anregen. Wenn man es vergisst, sobald man es gelesen hat, wird es wenig nützen.

Also: ein Buch in der Woche lesen. Das 10 Jahre lang machen. Man wird die Ergbnisse lieben!