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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Warum manche Ziele
einen im Kreis laufen lassen

Wie kann es sein, dass man sich manchmal über ein Ziel absolut klar ist, einen Plan hat, wie man es erreicht und demnach handelt, aber sogar nach Jahren des Schuftens, hat man immernoch nicht viel für seine Mühen vorzuweisen?

Vielleicht hat man einige Fortschritte gemacht, aber sie waren nicht ausreichend, um die Mühen zu rechtfertigen. Währenddessen scheint es, dass viele andere Menschen in der Lage sind, ähnliche Ziele viel schneller zu erreichen. Das kann frustrierend sein.

Was bringt einen dazu, im Kreis zu laufen?

Eine übliche Strategie, um Ziele zu erreichen, sieht ungefähr so aus:

  1. Das Ergebnis definieren
  2. Einen Plan machen, wie man es erreicht
  3. Viel tun
  4. Die Herangehensweise verfeinern, wenn nötig
  5. Dran bleiben, bis man Erfolg hat

Diese Methode wird für bestimmte Arten von Zielen tatsächlich funktionieren. Für andere Ziele wird sie einen aber dazu bringen, im Kreis zu laufen. Man wird eine Menge Zeit und Energie verbrennen, aber das Ziel nicht in einer vernünftigen Zeit erreichen.

Die obengenannte Methode funktioniert gut für Ziele, die nicht viel innere Veränderung benötigen. Die momentanen Gedanken, Meinungen, Gefühle und Verhaltensweisen sind den Ergebnissen weitgehend angepasst. Man muss sich im Inneren nicht verändern. Man muss nur einige grundlegende Dinge tun, die man schon als angenehm empfindet und man wird ankommen.

Ein Beispiel: Wenn man sich das Ziel setzt, sein Heimbüro zu organisieren und man ist bereits ein ziemlich ordentlicher Mensch und weiß schon, wie man ordnet und man mag das Gefühl, das alles seinen richtigen Platz hat, dann kann man diesen Prozess nutzen, um dieses Ziel zu erreichen. Man kann sich sein Heimbüro schon so vorstellen, wie man es gern hätte. Dann macht man eine To-Do-Liste der Schritte, um ans Ziel zu kommen. Man nimmt sich ein Wochenende Zeit, um es zu erreichen, folgt den Schritten einem nach dem anderen, bis man fertig ist. Passiert etwas Unvorhergesehens, kann man seinen Plan währenddessen anpassen. Dies ist ein erreichbares Ziel für einen und man fühlt sich motiviert, es auszuführen, es steht klar in der eigenen Macht, es in einem vernünftigen Zeitraum zu erreichen.

Andererseits – stellen wir uns nochmal die Organistation des Heimbüro als Ziel vor – aber die eigenen Gedanken, Einstellungen und Gefühle sind nicht gut darauf angepasst. Vielleicht ist man nicht besonders glücklich, diese Arbeit erledigen zu müssen und von einem ungeordneten Büro kann man sich leichter von deprimierenden Gedanken und Gefühlen ablenken lassen. Vielleicht macht man sich Sorgen darum, mehr Verantwortung zu haben. Vielleicht befürchtet man, dass es im eigenen Leben an Abwechslung mangelt. Vielleicht hat man sich ungesund ernährt und dies drückt das eigene Energielevel, was es wiederum hart macht, sich motiviert zu fühlen und das eigene Büro zu entrümpeln. Vielleicht hat man so viel Krempel angehäuft, den man nun als eine monumentale Aufgabe vor sich sieht. Vielleicht ist man ein gewohnheitsmäßiger Sammler und es fällt einem schwer, Dinge wegzuwerfen, auch wenn man sie jahrelang nicht benutzt hat.

Für die zweite Person wird der oben beschriebene Prozess normalerweise nicht funktionieren. Er mag auf dem Papier gut aussehen, aber er kann tatsächlich einen ungünstigen Effekt haben, wenn er einen im Kreis laufen lässt. Man mag sich das Ziel setzen, ein aufgeräumtes Büro zu haben und eine To-Do-Liste machen, genau wie die erste Person, aber es wird einen nicht zum selben Ergebnis führen. Auch wenn man einiges Durcheinander beseitigt, wird man innerhalb weniger Wochen alles wieder vollmüllen. Dann wird man sich selbst Vorwürfe machen, sich vornehmen “nichts mehr aufzuschieben” und “sich endlich zu ordnen” und es wieder versuchen. Fünf Jahre später und das vermüllte Büro sieht immer noch ziemlich gleich aus, trotz viel mental und emotional investierter Energie im Versuch, sich zu bessern.

Das heißt nicht, dass man kaputt, faul oder unfähig ist. Es bedeutet, dass man den falschen Ablauf nutzt, um das Ziel zu erreichen. Wenn dieser Prozess für einen nicht funktioniert, muss man aufhören, ihn zu nutzen. Ein guter Ablauf bringt gute Ergebnisse hervor.

Eine Geschichte zweier Wellenlängen

Albert Einstein ist bekannt dafür, gesagt zu haben, dass man Probleme nicht auf der selben Ebene des Denkens lösen kann, auf der man sie geschaffen hat.

Die erste Person, die ihr Heimbüro ordnen will, denkt bereits von sich, dass sie eine ordentliche und organisierte Persönlichkeit ist. Sie mag es organisiert zu sein und fühlt sich innerlich gut deswegen. Wenn sie in ihrer Umgebung Durcheinander sieht, dann erkennt sie es sofort:

“Das bin ich nicht.”

Es fühlt sich für sie falsch an. Es ist unter ihrem Niveau, es lange zu tolerieren. Vielleicht hat sie gerade angefangen, tätig zu werden und die Dinge haben sich kurzzeitig aufgetürmt, aber sie weiß, dass es zu ihr passt, ordentlich zu sein. Sie mag auf einer niedrigeren Ebene des Denkens gewesen sein, als sie das Wirrwarr erschuf (gestresst, überarbeitet, müde etc.), aber das ist nicht ihr normale Seinszustand. Wenn ihr Leben erst wieder “normal” ist, fühlt sie ein starkes Verlangen, das Durcheinander aufzuräumen. Unordnung passt nicht zu ihr.

Wir können sagen, dass es auf ihrer Wellenlänge liegt – ihre Sammlung von Gedanken, Gefühlen und Meinungen – ordentlich und aufgeräumt zu sein. Während es von Zeit zu Zeit einmal unordentlich wird, liegt es in ihrer Natur, in einen Zustand der Ordnung wieder und wieder zurückzukehren. Etwas muss sie auf einen niedrigeren Zustand des Denkens bringen, wie Stress oder Krankheit, um sie dazu zu bringen, Unordnung zu erschaffen. Und sogar dann, weiß sie, dass sie sie schließlich beseitigen wird, wenn sie wieder zu ihrem normalen Selbst zurückgefunden hat.

Unsere zweite Person liegt jedoch nicht auf der Wellenlänge des Aufgeräumt- und Geordnet-Seins. Seine normale und vorgegebene Erfahrung ist es, Durcheinander zu erschaffen, sogar, wenn er es nicht mag. Er passt zur Unordnung. Seine Gedanken, Gefühle und Einstellungen unterstützen alle die Erschaffung und Beibehaltung einer unaufgeräumten Umgebung. Wenn er aufräumen will und sich dazu bringt, etwas zu tun, dann steht er unter Höchstbelastung und das wird nicht mehr als einige Tage andauern. Sogar, wenn er sich dazu bringen kann, diesen Zustand so lange zu halten, bis er sein Büro aufgeräumt hat, wird er es einfach in den folgenden Wochen wieder vollmüllen, wenn er zurück auf seinem normalen Seinszustand ist.

Fallen einem Ziele im eigenen Leben ein, bei denen die Erfahrung wie die der ersten Person war? Und andere Erfahrungen, die mehr der zweiten Person entsprachen?

Sind die eigenen Ziele kongruent mit der eigenen Wellenlänge?

Man kann den beschriebenen Weg (oder einen ähnlichen) wählen, um Ziele zu erreichen, wenn die eigene Situation ähnlich der der ersten Person ist. Aber es funktioniert in der zweiten Situation nicht gut.

Man sollte über einige Ziele und Projekte nachdenken, die man vollenden will. Welche davon passen bereits gut zum derzeitigen Seinszustand? Welche passen nicht zur momentanen Wellenlänge?

Ein Beispiel: Wenn man sich das Ziel setzt, eine Million Euro dieses Jahr zu verdienen, aber niemals vorher mehr als 50.000 verdient hat, ist es sicher zu sagen, dass der Prozess, dieses Ziel zu erreichen, einen im Kreis laufen lassen wird. Und das kommt daher, dass die momentane Wellenlänge nicht kongruent zu diesem Ziel ist.

Wenn man aber 400.000, 600.000 und 800.000 Euro in den letzten drei Jahren verdient hat und es sich normal anfühlt, zu sehen, dass sich das eigene Einkommen jedes Jahr signifikant erhöht, kann der Prozess der Zielerreichung wunderbar funktionieren. Die momentane Wellenlänge passt gut zu diesem Ziel.

Dumme Pläne

Wenn die persönliche Standardebene des Denkens und Fühlens (d.h. die derzeitige Wellenlänge) nicht gut zu einem oder mehreren der eigenen Ziele passt, sollte man nicht versuchen, den ersten Prozess zur Zielerreichung anzuwenden. Er wird fast immer dazu führen, dass man im Kreis läuft. Der Grund dafür ist, dass man versucht, ein Ziel auf einer Ebene des Denkens zu erreichen, auf der es einfach nicht erreicht werden kann. Man mag sich eine Liste nett aussehender Handlungsschritte ausdenken, aber es werden die falschen Handlungen sein. Wenn man versucht, an dieser Liste zu arbeiten, wird etwas falsch anfühlen. Man wird sich zum Beispiel dabei ertappen, massiv aufzuschieben. Das heißt nicht, dass man das Ziel nicht will, das heißt, dass man den falschen Ablauf nutzt, um es zu erreichen. Man wird wahrscheinlich einen ungeschickten Start und erneute Starts hinlegen, sich aber wenig bewegen.

Wenn man zum Beispiel nie mehr als 50.000 Euro im Jahr verdient hat und sich entscheidet, in diesem Jahr eine Million zu verdienen, aber die eigene Wellenlänge unter dem 50.000-Level feststeckt, wird es kein realistischer Plan sein, wenn man die To-Do-Liste anlegt, um das 1-Million-Euro-Ziel zu erreichen. Es wird eine Fantasie sein. Der eigene Plan wird, wie der Plan eines Kindes, sein, ein Raumschiff zu bauen. Es wird nichts sein, das man realistisch ausführen kann und es wird nicht sehr nach einem Plan aussehen, den ein wahrer Bald-Millionär anwenden würde.

Der Plan wird sicher voller Handlungen sein, die nicht einmal ausgeführt werden müssen, wenigstens nicht von einem selbst. Er wird eine Menge unnötige Beschäftigungstherapie beinhalten. Er wird sich auf Handlungen konzentrieren, die unter den Bedingungen in der realen Welt keine starken Ergebnisse hervorbringen werden.

Wenn jemand, der bereits eine Million im Jahr verdient, diesen Plan betrachten würde, würde derjenige es wahrscheinlich als unausgewogen und außerhalb des Machbaren empfinden. Nicht mal wenn diese Menschen von Null anfangen würden, würde ihr Plan, die erste Million zu verdienen, so aussehen wie dieser.

Man sollte sich also nicht herumärgern, Pläne für Ziele zu schmieden, die nicht schon gut zu einem passen. Solche Pläne werden in der wirklichen Welt nicht funktionieren. Zuerst muss man sich selbst auf die Ebene des Denkens begeben, auf der das eigene Ziel erreicht werden kann. Nachdem man diese Ebene erreicht hat, kann man Handlungsschritte identifizieren und dann werden diese Handlungen auch Sinn machen.

Ziele auf der richtigen Wellenlänge erreichen

Was macht man also, wenn man kein Ziel hat, welches gut zum derzeitigen Denken und Fühlen passt? Wie überbrückt man die Lücke in der Welle zwischen dem momentanen Zustand und dem angestrebten Zustand? Man benötigt eine andere Vorgehensweise, um diese Ziele zu erreichen. In meinem nächsten Artikel [Anm. d. Red. Kommt noch] werde ich einen solchen Prozess darstellen. :)