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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Was braucht man, um sich sicher zu fühlen?

Eine Sache scheint viele Menschen davon abzuhalten, sich große Ziele zu setzen und sie zu erreichen: ihr Bedürfnis nach Geborgenheit. Es ein Gefühl der Sicherheit, dass alles in Ordnung ist und dass für alle Grundbedürfnisse gesorgt ist.

Oberflächlich gesehen, ist daran nichts falsch. Es ist großartig, sich geborgen zu fühlen. Abraham Maslow sieht Geborgenheit als eine der grundlegenden menschlichen Bedürfnisse an. Wenn wir uns nicht geborgen/sicher fühlen, können wir uns nicht auf höhere Ebenen wie “Liebe” und “Selbstverwirklichung” begeben. Wenn wir Zweifel daran haben, die Miete am Ende des Monats zahlen zu können, wie sollen wir dann unseren wirklich großen Träumen nachjagen? Man muss sich erst sicher fühlen, richtig?

Wie kommt es dann, dass die meisten Self-Made-Millionäre in den USA pleite waren oder mit Schulden anfingen? Wie kommt es, dass manche Leute fähig sind, ein neues Unternehmen zu gründen während sie bankrott sind, wenig oder kein Einkommen haben und keine Garantie für Erfolg? Haben Unternehmer, die Risiken eingehen ein geringeres Bedürfnis für Geborgenheit? Wenn man die Biographien sehr erfolgreicher Leute liest, sieht man ein gemeinsames Muster immer wieder – von einem äußeren Standpunkt aus waren die meisten dieser Menschen nicht in einer sicheren Situation, als sie begannen, ihren Träumen nachzujagen. Sylvester Stallone war so pleite, dass er seinen Hund verkaufen musste, um sein Rocky-Skript weiter an den Mann bringen zu können (weil es keiner kaufen wollte). Tony Robbins hat seine Teller in seiner Badewanne abgewaschen, weil sein winziges Appartment keine Küche hatte. Brian Tracy war Tagelöhner. Og Mandino war ein heimatloser Trunkenbold, der in Bibliotheken ging, um sich aufzuwärmen. Babe Ruth fing im Waisenhaus an. Während manche erfolgreiche Leute mit vielen Vorteilen starten, ergeht es den meisten nicht so.

Gleichermaßen scheinen Menschen in weitaus sichereren Situationen paralysiert zu sein – wie kann das sein? Leute die Geld auf der Bank haben, ein schönes Zuhause und einen festen Lohnschein, fühlen sich nicht sicher. Während andere mit weitaus schlechteren Voraussetzungen an ihnen vorbeiziehen. Warum?

Der Grund ist, dass manche Menschen mehr Geborgenheit/Sicherheit brauchen, als andere. Ich denke, dass sich jeder sicher fühlen muss. Der Unterschied ist aber, dass unternehmerisch denkende Leute Sicherheit in ihrem Inneren definieren, während andere sie an äußerlichen Dingen festmachen.

Die Leute, die scheinbar nicht zum Handeln kommen, werden Sicherheit über x Euro auf der Bank definieren, ein abgezahltes Haus, einen stabilen, hoch bezahlten Job mit diversen Extras, einer soliden Beziehung zum Chef, einem Auto, das gut läuft etc. Sicherheit dreht sich vor allem um die Äußerlichkeiten. Wenn diese stabil sind, fühlt sich dieser Mensch sicher. Wenn diese Äußerlichkeiten aber bedroht werden, wie durch die Möglichkeit, entlassen zu werden, fühlt sich der Mensch nicht mehr sicher. Er wird viel Zeit damit verbringen, diese externen Faktoren wieder in Ordnung zu bringen.

Sich selbst vertrauen

Die unternehmerisch Handelnden definieren Sicherheit innerlich. Sicherheit kommt, wenn man sich selbst traut – in seiner Fähigkeit, zu denken und zu handeln. So lange man die Fähigkeit hat, zu denken und zu handeln, ist man sicher. Mit dieser Einstellung könnte man obdachlos sein und sich immer noch sicher fühlen. Warum? Weil man immer noch die Fähigkeit hat, zu denken und zu handeln – die Obdachlosigkeit ist nur ein vorübergehender Rückschritt. Sie ist keine Bedrohung für die Sicherheit. Äußere Umstände bedrohen also die Geborgenheit auch dann nicht, wenn man sich in einer finanziell unsicheren Situation befindet. Die eigene Sicherheit ist garantiert. Sie kann durch äußere Umstände nicht abgeschaltet werden.

Wenn es Zeit zum Handeln ist, dann kann man nun verstehen, warum eine Gruppe gelähmt ist, während die andere Gruppe davon läuft. Wenn man nach Maslows Hierarchie der menschlichen Bedürfnisse geht, ist Sicherheit ein grundlegenderes Bedürfnis als Selbstverwirklichung. Das heißt, dass man nicht in der Lage sein wird, sich große Ziele zu setzen und sie zu erreichen, wenn man sich nicht sicher fühlt. Die Sicherheit muss zuerst vorhanden sein.

Weil die meisten Leute nicht mit ausreichend Ressourcen beginnen, um die äußere Definition von Sicherheit zu gewährleisten, werden die, die ihre Sicherheit von äußeren Gegebenheiten abhängig machen, nicht in der Lage sein zu handeln, um ihren Träumen nachzujagen, bis diesen äußeren Faktoren Genüge getan wird. Sie warten und warten, bis sie genügend Geld haben, um sich sicher zu fühlen und erst danach werden sie in der Lage sein, ihren Träumen zu folgen. Meistens wird das nie passieren – der Mensch wird sterben, bevor er alle äußeren Faktoren befriedigt hat. Wenn sie es aber auf der anderen Seite schaffen, ausreichend Ressourcen anzuhäufen, um ihren Träumen zu folgen und ihre Sicherheit wird erneut bedroht (weil sie zum Beispiel zu viel Geld verlieren), dann wird es für sie Zeit, ihre Träume erneut zurückzustellen und die äußere Sicherheit zuerst wieder herzustellen. Das ist ein sehr ineffektiver Weg, seinen Träumen nachzugehen. In den meisten Fällen wird er gar nicht funktionieren. Man wird sein ganzes Leben damit verbringen, der Sicherheit nachzujagen anstatt sich selbst zu verwirklichen. Und traurigerweise es genau das, was die meisten Menschen heutzutage tun.

Jetzt zu der Gruppe der Unternehmer, die Sicherheit im Inneren definieren. Alles was man benötigt, um sich sicher zu fühlen, ist zu denken und zu handeln. Man braucht keine besondere Menge äußerer Umstände, um sich sicher zu fühlen. So kann man direkt zur Selbstverwirklichung schreiten und dabei bleiben. Man kann an seinen Träumen fortwährend und ohne Pause arbeiten. Es gibt keine Notwendigkeit innezuhalten, um äußere Bedürfnisse der Sicherheit zu befriedigen.

Seine Kontrolle an Äußerlichkeiten festzumachen, lähmt. Wenn man seine Sicherheit äußerlich definiert, wird man immer das Opfer äußerer Faktoren sein, auf die man keinen Einfluss hat. Innere Kontrolle wirkt dagegen energetisierend. Wenn man Sicherheit innerlich definiert, wird man dieses Bedürfnis jederzeit befriedigen, man wird immer in der Lage sein, nach seinen Zielen zu folgen, egal was passiert.

Wie entwickelt man sich also von der einen Gruppe zur anderen?

Es ist nicht mehr als eine Wahl. Genau wie man sich vielleicht entschlossen hat, Sicherheit äußerlich zu definieren, kann man sich entscheiden, das Gegenteil zu tun. Man kann sich entscheiden, außerhalb nach Verifizierung zu suchen und nach dem, wozu man fähig ist (das machen die meisten Leute). Oder man kann stattdessen in seinem Inneren suchen.

Zu glauben, dass man mit allem klar kommen kann, was passiert, ist eine Wahl. Man muss es nicht verdienen. Man muss keine Menge äußerer Bestätigungen anhäufen, um irgendwie die Erlaubnis zu verdienen, an seinen Träumen zu arbeiten. Man benötigt keine Erlaubnis. Die äußere Welt muss nicht sagen:

“Okay, endlich hast du die grundlegenden Sicherheitsanforderungen erfüllt. Nun hast du die Erlaubnis, so lange an deinen Träumen zu arbeiten, wie du das momentane Level äußerer Sicherheit aufrecht erhälst.”

Geld ist wichtig, Zeit ist wichtiger

Ja, so einfach ist das, egal wie blöd es klingen mag. Es gibt kein physikalisches Gesetz, das besagt, dass man willkürliche äußere Sicherheitsanforderungen erfüllen, muss bevor man seinen Träumen folgen kann. Man kann pleite beginnen, Schulden und kein festes Einkommen haben und kann immer noch den Großteil seiner Zeit damit verbringen, seine Träume zu jagen. Die Menschen machen das immer und immer wieder und haben Erfolg dabei.

Wenn man Sicherheit innerlich definiert (und man hat natürlich immer die Freiheit, diese Option zu wählen), werden viele Hindernisse, die einen scheinbar zurückgehalten haben, plötzlich wegschmelzen. Während man auf Möglichkeiten wie Geldknappheit achten sollte, neigen die meisten Menschen dazu, diese Hindernisse überzubewerten und dadurch gelähmt zu werden.

Geld ist sicher eine wichtige Ressource. Aber Zeit ist viel wichtiger. Wenn man keine Zeit mehr hat, dann ist man wirklich erledigt. Aber was passiert, wenn man kein Geld mehr hat? Ist es einem eigentlich klar, dass man pleite sein und trotzdem weiter machen kann? Kein Geld zu haben, heißt nicht, dass man aufhören muss zu leben und es heißt auch nicht, dass man aufhören muss, seinen Träumen zu folgen. Man stirbt nicht automatisch, wenn man kein Geld mehr hat. Es wird kein Schiedsrichter erscheinen und einen vom Feld pfeifen. Das Spiel hört nicht plötzlich auf.

Der typische Self-Made-Millionär war durchschnittlich 3,2 Mal pleite (oder fast pleite), bevor er seine erste Million verdiente. Es gibt Konsequenzen, wenn man bankrott geht und man muss den Gürtel vielleicht für eine Weile enger schnallen, aber das heißt nicht, dass man aufhören muss. Kein Geld mehr zu haben, ist im Wesentlichen ein eingebildetes Problem. Für die, die Sicherheit äußerlich definieren, ist kein Geld mehr zu haben eine riesige persönliche Bedrohung, etwas, das man um jeden Preis vermeiden muss. Aber für die, die Sicherheit innerlich definieren, ist kein Geld zu haben nur ein zeitlich begrenzter Dämpfer. Donald Trump hat diesen Dämpfer erfahren, genau wie Walt Disney, Abraham Lincoln und viele andere, die ihre Träume hartnäckig verfolgten.

Es spielt keine Rolle, wo man beginnt… ob man Angestellter oder Unternehmer ist, ob man eine Menge Geld hat oder eine Menge Schulden. Zeit ist so viel wertvoller als Geld. Man kann es sich leisten, auf dem Weg zu seinen Träumen all sein Geld zu verlieren. Man kann immer und immer wieder pleite gehen und einfach weitermachen. Was man sich nicht leisten kann, ist Zeit zu verlieren. Geld kann man ersetzen. Zeit nicht. Auch wenn man überhaupt gar kein Geld hat, kann man immer noch denken und handeln. Aber wenn man keine Zeit mehr hat, war’s das – Game Over. Jeder Tag des Lebens, der vergeht, ist ein weiterer Tag, der weg ist und nie wieder kommt. Wenn man sich selbst mit einer äußeren Definition von Sicherheit lähmt, vergeudet man sein Leben. Wenn man seine wertvolle Zeit nicht damit verbringt, an seinen Träumen zu arbeiten – heute, jetzt – dann zählt man nur die Tage bis man stirbt. Die äußere Sicherheit wird niemals kommen. Die äußeren Umstände werden nie genau richtig sein. Wenn man auf äußere Sicherheit wartet, wartet man auf den Tod. Und in der Zwischenzeit vergisst man zu leben.

Auf was wartet man also noch? Äußere Sicherheit ist eine Illusion. In den Worten von Hellen Keller:

“Sicherheit ist ein Aberglaube. Sie existiert weder in der Natur, noch erfahren die Menschen sie im Allgemeinen. Gefahr zu vermeiden ist auf lange Sicht gesehen nicht sicherer, als sich direkt mit ihr auseinander zu setzen. Das Leben ist entweder ein waghalsiges Abenteuer oder nichts.”

Also was darf es sein? Hat man sich für das waghalsige Abenteuer entschieden oder für das Nichts?

Wenn man nun immer noch glaubt, dass es unmöglich ist… dann ist hier ein verrücktes Omen. Gerade SCHNEIT ES IN LAS VEGAS! [Anm. d. Red. Der Artikel wurde ursprünglich im Winter veröffentlicht] Entschuldigt mich, ich gehe Schneebälle werfen…