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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Was für ein Jahr willst du haben?

Was sind deine guten Vorsätze für das neue Jahr?

In der letzten Zeit gab es in der Blogosphäre eine Menge neuer Beiträge über die guten Vorsätze für das neue Jahr. Das ist keine schlechte Sache; jedoch gibt es ein paar Probleme mit der Art und Weise, wie viele Menschen diese Vorsätze bilden.

Zuerst muss man sagen, dass die meisten Menschen ihre guten Vorsätze als bloße Wünsche ansehen und nicht wirklich als einen Beschluss. Sie entschließen oder verpflichten sich nicht wirklich zu irgendetwas und diesen Mangel an Verpflichtung kann man aus ihren Formulierungen heraushören und an ihren (fehlenden) Taten sehen. Vielleicht meldet sich der eine oder andere zumindest in einem Fitness-Center an, aber nur die allerwenigsten gehen die Sache mit viel Elan an.

Zweitens kannst du jederzeit einen Beschluss fassen – und nicht nur zum Beginn eines Jahres. Es ist doch irgendwie lustig, dass viele über ihre guten Vorsätze für das neue Jahr schon Mitte Dezember nachdenken und dann bis zum ersten Januar warten um damit loszulegen. Wenn du dir schon Mitte Dezember etwas ausdenkst, dann fang doch direkt an. Warte doch nicht darauf, dass irgendein beliebiges Datum erreicht wird. Wenn es die Sache wert ist, dann ist sie es auch sofort wert.

Abgesehen von den üblichen Nachteilen, können gute Vorsätze sehr effektiv sein, wenn du dich ernsthaft darauf einlässt. Für mich ist es eine der effektivsten Varianten, wenn ich mich dazu verpflichte, das ganze Jahr lang täglich eine bestimmte, meßbare Handlung durchzuführen – ohne Ausnahmen. So habe ich 1997 z.B. den Vorsatz getroffen, dass ich jeden Tag mindestens 25 Minuten lang aerobische Übungen durchführen will. Keine Ausreden. Ich kann mich noch sehr lebhaft an diesen Vorsatz erinnern, als ich an einem Tag lange unterwegs war und schließlich erst gegen 3 Uhr nachts dazu gekommen bin, loszulaufen… übermüdet im Regen. Mit einer Erkältung. Schon witzig, dass ich mich daran auch neun Jahre später noch erinnern kann. Ich habe meinen guten Vorsatz erfüllt und mit jedem Tag wurde es schwerer, damit aufzuhören. Weil es ein binärer Vorsatz war (entweder ich bin 25 Minuten gelaufen oder nicht), konnte ich keine Ausrede rechtfertigen. Zudem war es auch absolut machbar. Wenn ich an einem Tag 25 Minuten trainieren kann, dann kann ich das am nächsten Tag auch wieder. Tatsächlich habe ich sogar mehr trainiert, da ich damals auch noch Tae Kwon Do Kurse besucht habe und diese zählten nicht zum guten Vorsatz. Es gab viele Male, wo ich mich hätte rausreden können, um mal einen Lauf wegzulassen, aber mein Beschluss stand für mich fest und war mir wichtiger.

Oft erreicht man mit einer gedankenlosen, sich wiederholenden Handlung – wie eben z.B. 25 Minuten täglich zu laufen – viel bessere Ergebnisse als mit einem komplizierteren Plan. Insbesondere wenn letzterer nie richtig umgesetzt wird. Mehr Arbeit oder Pläne kannst du dir immer noch aufladen. Du kannst später mehr Komplexität hinzufügen. Aber wenn du eine gedankenlose Basis-Strategie hast, dann ist das ein großartiges Auffangnetz, das verhindert, dass du dich selber reinlegst.

Es gibt einen Ansatz, der mir besser gefällt als gute Vorsätze für’s neue Jahr zu finden. Ich denke gerne bewusst darüber nach, wie das nächste Jahr aussehen soll. Ich mache das öfters im Jahr und nicht nur am ersten Januar. Ich nehme mir etwas Zeit um Klarheit bezüglich des Weges, der vor mir liegt, zu finden. Ein Tagebuch über meine Gedanken und Wahrnehmungen hilft mir dabei ganz besonders.

Als ich beispielsweise im Oktober 2004 diese Website (Anm. d. Red. Das englische Blog) gegründet habe, wusste ich das mein primärer Fokus für den Rest des Jahres hier liegen würde und dass 2005 der Übergang – weg von meinem Spiele-Unternehmen, hin zu meinem neuen Unternehmen zur Persönlichkeitsentwicklung – stattfinden wird. Das bedeutete, dass große Mengen an Inhalten geschaffen, Web-Traffic aufgebaut, mein Netzwerk an Kontakten vergrößert und neue Einkommensströme gefunden werden mussten. Nachhaltige Profitabilität war das erste große Ziel.

Aber jetzt, wo ich diesen Punkt erreicht habe, hat sich meine primäres Ziel verändert. Ich habe mich umgesehen, den neuen Ausgangspunkt beurteilt und erkannt, dass ich mir ein paar Monate Zeit nehmen sollte um mir darüber klar(er) zu werden, wie meine Vision und meine innere Entwicklung weitergehen sollen. Ich werde die nächsten Monate mehr Zeit mit meiner persönlichen Entwicklung verbringen anstatt direkt unternehmerisch tätig zu werden. Teilweise werde ich mich auch an der Realität, die ich für mich erschaffen habe, erfreuen. Was wird in dieser Zeit wichtig sein?

  • Meditation
  • Bücher über Spiritualität und Philosophie
  • lange Spaziergänge
  • Massagen
  • Weiterführung meines Tagebuchs
  • Ausprobieren neuer Rezepte (Steves Guacamole)
  • stimulierende Gespräche
  • Ausmisten
  • Zeit mit meiner Familie und Freunden
  • Spiele
  • Ausgehen und Spaß
  • Reisen
  • Imagination und Visualisierung
  • viel Grübelei
  • etc.

Ich werde mir etwas Zeit nehmen um die Ergebnisse des vergangenen Jahres sacken zu lassen, der Entstehung ein paar neuer Ideen mehr Raum geben und an meiner inneren Entwicklung arbeiten, so dass ich auch fähig bin, diese nächsten Schritte anzugehen.

Auch wenn die meisten Menschen das nicht gerade als “Arbeit” im herkömmlichen Sinne ansehen würden, so definiere ich meine Karriere allerdings auch nicht auf herkömmliche Weise. Ich definiere harte Arbeit darüber, was mich herausfordert und nicht als “schwierige Arbeit”. Mich selbst zu bremsen und mir die Zeit zu nehmen, an meiner eigenen Entwicklung zu arbeiten, war tatsächlich eine echte Herausforderung für mich, weswegen ich mich jetzt auch mehr darauf konzentrieren werde. Ich muss “die Säge wieder schärfen” und mich selbst neu (er)finden. Ich sehe das als einen sehr angebrachten Teil meiner Mission an. Es ist nicht wirklich eine Zeit der Ruhe per se – das würde bedeuten, dass man die Säge niederlegt. Es ist eine Verschiebung meines Fokus von der Arbeit am Äußeren auf das Innere.

Spirituell gesehen, ist es eine Zeit des Loslassens und Entschlackens von niedrig-bewussten Energien aus meinem Leben, um mich selbst darauf vorzubereiten, höher-bewusste Energien besser wahrnehmen zu können. Das klingt jetzt etwas new-agey, aber die selbe Idee kann man in jedes beliebige spirituelle Glaubenssystem übertragen. Ich mag nur einfach diese new-agey-klingende Ausdrücke. ;)

Glücklicherweise habe mich ein Geschäft so aufgebaut, dass es sehr leicht wartbar ist. Ich werde während dieser Zeit weiterbloggen, auch wenn vielleicht in etwas größeren Abständen. Wenn ich wöllte, könnte ich auch die nächsten Monate praktisch gar nichts machen und mich dennoch an einem positiven Cashflow erfreuen. Das ist eine wunderbare Ausgangslage und ich denke, ich werde das auch nutzen. Es ist einfach fantastisch, dass diese Website (Anm. d. Red. Wie immer ist das englische Blog gemeint) vielen tausend Menschen aus aller Welt helfen konnte und dabei auch noch jede Menge Geld generiert hat, das meine Ausgaben deckt – all das, während ich mit meiner Familie zum Spielen draußen war.

Nach dieser Inkubationsphase will ich mir meine nächsten Ziele setzen – viel größere, als was ich mir bisher vorgenommen habe und dann werde ich sie mit frischer Leidenschaft und Energie verfolgen. Aber bevor ich das mache, möchte ich mir über meinen Sinn und Zweck klarer werden und wie ich ihn am besten manifestieren kann.

Der wichtigste Teil dieses Prozesses ist das Vertrauen auf meine Intuition. Oft will mein logischer Geist, dass ich in der gleichen Richtung weitermache, aber meine Intuition rät zu einem Richtungswechsel. Mein logischer Geist schaut auf meine To-Do-Listen und will, dass ich noch schneller mache, aber meine Intuition sagt klar, dass es Zeit ist, langsamer zu machen und mich auf meine persönliche Entwicklung zu konzentrieren. Ansonsten riskiere ich, auf das, was vor mir liegt, nicht richtig vorbereitet zu sein.

Was für ein Jahr willst du haben? Was fühlt sich intuitiv als die richtige Richtung für dich an? Fühlst du dich auf deinem aktuellen Weg hervorragend oder signalisiert dir deine Intuition einen Richtungwechsel?

Auch wenn du meinst, dass du deinen Gefühlen nicht nachgeben kannst, dann nimm dir wenigstens etwas Zeit und hör dir an, was deine Intuition dir sagen will. Schreib es in dein Tagebuch. Wie würdest du die nächsten Monate gern verbringen, wenn du deiner Intuition folgen könntest? Wie soll das Jahr für dich aussehen? Wenn du dich entscheidest, deine Intuition zu ignorieren, dann ist das deine Sache. Aber wenn du es aufgeschrieben hast, was sie dir heute sagt, dann kannst du später einen Blick darauf werfen, nachdem du das Ergebnis deiner Entscheidung gesehen hast. Wenn du kein Tagebuch hast, dann erstell einfach ein simple Text-Datei auf deinem Computer, schreib dort rein, was dir deine Intuition sagt, speicher sie ab und dann pack dir ein Post-It an deinen Monitor, damit du nicht vergisst, in sechs Monaten wieder einen Blick darauf zu werfen. Wenn du es im Nachhinein liest, lag deine Intuition dann richtig?

Wenn du das ein paar Mal machst und siehst, dass deine Intuition langfristig oft korrekt war (auch wenn sie deinem logischen Geist widerspricht), dann wirst du ihr in Zukunft mehr vertrauen. Und das schlägt eine Brücke zwischen deiner Logik und deiner Intuition, was dazu führt, dass sie dir weniger unterschiedliche Signale senden, sondern offener miteinander kommunizieren. Dein logischer Geist wird aufmerksamer werden und versuchen deine Intuition zu verstehen und letztendlich auch eine Art Respekt dafür entwickeln. Wenn du dann einen Konflikt hast, dann wird vielleicht dein logischer Geist sogar etwas sagen wie:

“Naja, ich denke, wir sollten X machen, aber sie glaubt, Y wäre besser – vermutlich solltest du auf sie hören.”