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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Was ist deine Motivationsschwelle?

Was ist die wahre Motivation hinter deinem Ziel?

In den letzten anderthalb Jahren habe ich gesehen, wie lebenswichtig ein eigener Sinn und Zweck beim Streben nach mehr persönlichen Wachstum ist. Ich glaube, dass das Bedürfnis nach Wachstum bis zu einem gewissen Grad dem Menschen angeboren ist – und anscheinend sieht Tony Robbins das ähnlich, da auch er Wachstum zu den sechs menschlichen Grundbedürfnissen zählt. Allerdings habe ich festgestellt, dass die Menge an Wachstum sehr beschränkt ist, wenn man sich hier nur auf sein Interesse an Wachstum aufgrund seines biologische Bedürfnisses verlässt. Als Selbstzweck ist persönliches Wachstum sicherlich motivierend, aber für einige Ziele reicht das einfach nicht.

Die Erfüllung unserer Bedürfnisse ist offensichtlich ein starker Motor des menschlichen Verhaltens. Wenn du hungrig oder durstig bist, dann bist du praktisch gezwungen, die Suche nach Nahrung oder Wasser als deine höchste Priorität anzusehen, bis du das Bedürfnis erfüllt hast. Es gibt sonst keine so große Motivation, wie ein leerer Magen oder eine durstige Kehle sie verleihen kann.

Bist du mit der Geschichte über Sokrates und dem jungen Mann vertraut, der in in der Nähe eines Sees aufsuchte und Sokrates bat, ihm zu zeigen, wie er Weisheit erlangen könnte? Sokrates griff sich den Mann und tauchte seinen Kopf unter Wasser. Der junge Mann strampelte um sein Leben, aber Sokrates hielt ihn mit aller Macht weiterhin unter Wasser. Schließlich liess Sokrates ihn Luft holen und als der Mann, noch schnappend nach Luft, ihn fragte, warum Sokrates ihn fast ertränkt hätte, da antwortete er:

“Wenn deine Sehnsucht nach Weisheit so groß ist, wie dein Bedürfnis zu Atmen, dann wirst du Weisheit finden.”

Ich liebe diese Geschichte. Ich weiß nicht, ob sie tatsächlich wahr ist, aber sie ist eine großartige Lektion. Wenn deine Motivation für ein Ziel groß genug ist (so wie das Bedürfnis nach Luft, Nahrung und Wasser), dann ist dir der Erfolg praktisch sicher – vorausgesetzt das Ziel ist überhaupt erreichbar. Jedoch ist in den meisten Fällen unsere Motivation nicht mal annähernd in dem Bereich eines biologischen Bedürfnisses. Das stimmt insbesondere, wenn es um wachstumsorientierte Ziele geht.

Betrachten wir zum Beispiel den Wunsch jeden Morgen früh aufzustehen. Viele Jahre meines Lebens wollte ich ein konsequenter Frühaufsteher werden. Es war mein Ziel, mich darauf zu konditionieren, jeden Morgen um 5 Uhr aufzustehen. Aber während der 10 Jahre in denen ich mein Spiele-Unternehmen hatte, bin ich daran immer wieder gescheitert, obwohl ich einige ernsthafte Versuche unternommen habe. Ich habe es ein paar Tage in Folge hinbekommen, aber ich konnte nie eine echte Gewohnheit daraus machen. Wenn um 5 Uhr der Wecker klingelte, lag ich im Bett und mein Gehirn stand vor der Wahl die Disziplin aufzubringen, jetzt aufzustehen oder einfach weiterzuschlafen. Und früher oder später kam die Zeit, in der es sich zum Weiterschlafen entschied.

Es lag nicht daran, dass ich mich nicht genug ausgeruht habe oder dass der Körper einfach den Extra-Schlaf gebraucht hätte. Es lag schlicht daran, dass das frühe Aufstehen für mich nicht motivierend genug war. Der Wunsch nach Wachstum gab mir genug Antrieb um es zu versuchen, aber nach 3-4 Tagen ging das spürbar zurück und der Reiz des Neuen verflog wieder.

Wenn ich die Entscheidung traf, ein Frühaufsteher zu werden, war meine Motivation maximal und ich war mir des Erfolges sicher. Aber in diesen Momenten vor dem Morgengrauen, wenn ich vor der Entscheidung stand und vom Wecker aus dem Schlaf gerissen wurde und mein Gehirn noch von Schlafhormonen benebelt war, da konnte die Kraft der Überzeugung nicht immer den Wunsch weiterzuschlafen, übertönen. So schlief ich also immer wieder ein.

Als ich jede nach einigen Monaten, nachdem ich mein Persönlichkeitsentwicklungs-Unternehmen gestartet hatte, einen neuen Versuch unternahm, ein Frühaufsteher zu werden, da klappte es gleich auf Anhieb. Ja, ich hatte eine gute Strategie und die bisherigen Versuche haben sicherlich auch geholfen. Aber der Hauptunterschied war, dass meine Motivation zum Frühaufstehen jetzt viel größer war. Und dieser Extra-Motivationsschub war das, was ich brauchte um über die Schwelle zu kommen und die Gewohnheit ein für alle mal zu etablieren.

Warum?

Hauptsächlich ist es mein Wunsch produktiver zu sein, der mich früh aufstehen lässt. Ich wollte diese frühen Morgenstunden extra haben, wenn der Rest der Familie noch schläft, so dass ich einen Vorsprung in den Tag hinein bekomme. Ich mochte auch das Gefühl, wenn ich früh aufstehe und mich direkt ans Werk mache. Es fühlte sich wunderbar an, als ich es endlich geschafft hatte. Der Motivationsunterschied kam von dem, was ich machte. Was war der echte Wert von diesem Extra an Produktivität? Was würde ich damit anstellen?

Bei meinem Spiele-Unternehmen hätten die zusätzlichen Stunden letztendlich bedeutet, dass ich Menschen mehr Unterhaltung biete. Bei meinem Persönlichkeitsentwicklungs-Unternehmen bedeutete es, dass ich mehr Zeit habe um anderen Menschen beim Wachstum zu helfen. Ersteres erscheint mir moderat motivierend… vielleicht eine 7 auf der Skala von 1-10. Die meiste Zeit über hatte ich wirklich Spaß daran, Spiele zu entwickeln. Aber früh aufzustehen und anderen zu helfen, war viel motivierender… auf einer Skala von 1-10 ist es die 11. Und die Motivation, die ich brauchte um jeden Morgen früh aufzustehen, lag ungefähr bei 8 auf dieser Skala.

Der Unterschied zwischen Erfolg und Niederlage war also der Sinn und Zweck.

Ich glaube, einer der Gründe, warum viele Menschen sich neue Ziele vornehmen und diese dann nach wenigen Tagen wieder im Sande verlaufen, ist die unzureichende Motivation erfolgreich sein zu wollen. Wenn du dieses Problem bei einem deiner Ziele kennst – wo du immer wieder scheiterst – dann quäl dich nicht selbst, sondern hinterfrage dich. Frag dich, was der ultimative Zweck dahinter ist. Wenn du dein Ziel erreichen würdest, was würde das dann im Endeffekt für dich , für andere und für die Welt bedeuten? Was ist der tatsächliche Wert, den dein Ziel erschaffen würde?

Wir sind alle einzigartige Individuen, also haben wir vielleicht auch unterschiedliche Motivationsschwellen für bestimmte Ziele. Die Gewohnheit jeden Morgen um 5 Uhr aufzustehen, brauchte bei mir ein Motivations-Level von 8 auf einer Skale von 1-10. Bei anderen mag diese Gewohnheit nur eine 3 benötigen, während andere wiederum eine 10,5 brauchen.

Interessanterweise habe ich nicht nur die Gewohnheit früh aufzustehen gemeistert, denn später im Jahr habe ich diese Leistung nochmal locker getoppt, indem ich mich an polyphasischen Schlaf gewöhnt habe – wofür ich eine 9,5 auf der Motivations-Skala brauchte. Und auch hier war wieder der Sinn und Zweck der Schlüssel zu meinem Erfolg. Ich würde gerne behaupten, dass allein das Extra an Zeit für mich Antrieb genug war, aber das stimmt nicht im entferntesten. Wenn das die Quelle meiner Motivation gewesen wäre, dann wäre ich sicherlich gescheitert. Der ausschlaggebende Punkt war aber die Möglichkeit Tausenden von anderen Menschen über diese Erfahrung berichten zu können.

Wenn du dich einem großen Ziel gegenübersiehst und nicht wirklich vorankommst, weil du immer wieder nach einer gewissen Zeit aufgibst, dann betrachte mal deine Motivationsschwelle für diese Aufgabe näher. Auf einer Skala von 1-10, welches Level an Motivation ist nötig, damit du erfolgreich bist? Achte darauf, dass verschiedene Ziele auf verschiedene Zahlen fallen. Deine Motivationsschwelle zum Abrufen von E-Mails mag eine 2 sein, aber die Motivationsschwelle um eine öffentliche Rede zu halten, liegt bei 9,5. Jeder Mensch ist anders, also können deine Werte natürlich auch anders ausfallen.

Wir lassen uns von der Niederlage oft täuschen, weil wir die Schwelle zum Erfolg mit der Motivation verwechseln, die wir im besten Augenblick verspüren. Wenn du dich gerade richtig motiviert fühlst, dann liegst du wohl bei einer 9 oder 10. Aber das ist nicht der Punkt, an dem du dich entscheidest aufzugeben. Wenn du bei einer 9 oder 10 auf der Motivationsskale bist, dann wirst du früh aufstehen, zum Fitness-Center radeln und das Buch lesen, dass schon seit Monaten rumliegt. Aber wir sind nicht immer in diesem Top-Zustand. Es wird Zeiten geben, wo du dich nicht gut fühlst und du dennoch die Entscheidung zwischen Aufstehen und Weiterschlafen, zwischen Sport und Ausgehen und zwischen Lesen und TV, treffen musst. Wo wird deine Motivation in diesen Momenten der Entscheidung sein? Wird deine Motivation irgendwann unter die Motivationsschwelle deines Ziels fallen?

Ein inspirierender Sinn und Zweck ist wie eine automatische +4 auf all deinen 2D6-Angriffen. Das ist eine Rollenspiel-Analogie, die man ungefähr so übersetzen kann:

“Ein Sinn und Zweck verleiht dir einen Motivationsbonus für jedes Ziel, das du dir setzt und macht es so wahrscheinlicher, dass du über es deine Motivationsschwelle schaffst.”

Nehmen wir an, deine Motivationsschwelle liegt bei 8 und weiterhin, das deine Motivaton für dieses Ziel normalerweise im Bereich von 4-9 fällt. Wenn du gerade in bester Form bist, dann wirst du erfolgreich sein, aber es wird irgendwann eine Zeit kommen, wenn du dich nicht gut fühlst und dann wirst du scheitern. Aber mit +4 verschiebt sich dein Motivationsbereich von 4-9 zu 8-13 und bist so jederzeit – auch in deinen schlechtesten Momenten – immernoch über der Motivationsschwelle für dieses Ziel. Egal was passiert, du wirst erfolgreich sein.

Mit einem starken Sinn und Zweck wirst du mehr Treffer landen und weniger daneben schiessen. So wie ein 2D6+4 (statt einem einfachen 2D6) dir den Erfolg im Kampf gegen harte Gegner sichert, so wird ein unwiderstehlicher Sinn und Zweck dir dabei helfen, mehr Ziele erfolgreich abzuschließen und mehr neue Gewohnheiten zu etablieren, als es dir ohne möglich gewesen wäre. Für die Rollenspiel-Laien unter meinen Lesern: ein 2D6 bedeutet, dass man zwei einfache 6-seitige Würfel wirft und die Summe der Augen entspricht der Stärke deiner Attacke (höher ist besser). Eine 2D6+4 bedeutet, dass du eine 2D6 wirfst und dann noch 4 addierst. Der Bereich der möglichen Würfe eines 2D6 ist 2-12, aber der Bereich eines 2D6+4 ist 6-16.

Wenn du das jetzt gelesen hast und denkst

“Du hast da noch paar Dinge, wie z.B. kritische Treffer vergessen.”

dann musst du wirklich mehr rausgehen. ;)

Nicht alle Zwecke sind gleichwertig – insofern msust du vielleicht etwas experimentieren um herauszufinden, welcher Sinn und Zweck dir den größten Motivationsbonus verschafft. Für mich ist das Unterhalten von anderen vielleicht eine +2, aber anderen Menschen beim Wachstum helfen zu können, liegt schon eher bei +4 oder +5. Ersteres ist wie ein Kurzschwert während letzteres eine zweihändige, magische Axt ist. Die Zahlen können für jemand anderen, wie z.B. einen Stand-Up Comedian, vertauscht sein. Was dich am meisten motiviert, musst du für dich selbst herausfinden, aber ich möchte darauf hinweisen, dass es höchstwahrscheinlich damit zu tun hat, einen Weg zu finden, wie du anderen dienen kannst.

Was treibt dich jeden Morgen früh aus dem Bett? Welche Arbeit wäre für dich so unwiderstehlich, dass du dich gerne darin verlierst? Was findest du so motivierend, dass du sogar einen knurrenden Magen stundenlang dafür ignorieren würdest, nur um dabei bleiben zu können?

Ein Sinn und Zweck ist nicht das Einzige, was einen Motivationsbonus verleihen kann. Denk daran, dass alle Bereiche deines Lebens dir entweder Motivation schenken oder nehmen. Ist dein Job eine +4 oder eine -2? Was ist mit deiner Beziehung, deiner Wohnung, deinen Freunden, deiner Familie, deiner Ernährung, deinem Einkommen, deinen spirituellen Überzeugungen? Schenken sie dir einen Motivationsbonus oder ziehen sie dich mit Abzügen runter? Wenn du wirklich mehr über dich erfahren willst, dann mach dir eine Liste mit all den verschiedenen Faktoren in deinem Leben und gib jedem einen Wert – vielleicht im Bereich von -5 bis +5. Sich zu verschulden mag eine -3 sein, wenn eine neue Liebe eine +5 sein kann. Das wird dir zeigen, wo du die größten Wachstumsmöglichkeiten hast.

Wenn du wie ich mathematisch bewandert bist, dann gefällt dir vermutliche die Vorstellung persönliches Wachstum als ein Zahlenspiel anzusehen. Schau dir all die Boni und Abzüge in deinem leben an und wie sie sich aufsummieren. Wo kannst du mehr Bonus herausholen? Wo kannst du Abzüge eliminieren? Was kannst du machen um deinen Charakter auf das nächste Level zu heben?