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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Was ist Produktivität?

Bist du wirklich produktiv oder nur beschäftigt?

In diesem Artikel werden wir einen genauen Blick auf das Konzept der Produktivität werfen.

Hier ist meine persönliche Definition von Produktivität:

Produktivität = Wert / Zeit
(Produktivität ist der Wert geteilt durch die Zeit)

Nach dieser Definition gibt es zwei primäre Wege seine Produktivität zu erhöhen:

  1. Mehr Wert erschaffen
  2. Die Zeit verringern, die man benötigt um einen Wert zu erschaffen

Du kannst diese Definition verkomplizieren, wenn du noch andere Faktoren wie Energie und Ressourcen dazu nimmst, aber ich bevorzuge die einfache Definition über die Zeit, denn in den meisten Fällen, lassen sich Faktoren wie Energie und Ressourcen sowieso auf den Faktor Zeit herunterbrechen. Die Zeit macht es auch sehr einfach, verschiedene Produktivitätsstufen miteinander zu vergleichen, wie z.B. Leistung pro Stunde oder pro Tag.

Anscheinend kannst du über die Zeit einiges rausholen. Es gibt viele persönliche Produktivitätsoptimierungen, welche dir, insbesondere, wenn du sie in deiner Jugend schon aufnimmst, massive Erträge über die Zeit deines Lebens einbringen können. Nehmen wir z.B. deine Tippgeschwindigkeit. Wenn du die Zeit investierst um deine Geschwindigkeit auf bis zu 90 Worte pro Minute oder schneller zu verbessern, dann wird es das anfängliche Zeitinvestment absolut wert sein, wenn du in deinem Leben viel tippst. Überleg dir mal, was das für einen Unterschied macht, verglichen damit, wenn du deine Tippgeschwindigkeit bei 50 oder weniger Wörter pro Minute herumlungern lässt – Jahr für Jahr. Die paar extra Übungsstunden werden gar nichts sein, verglichen mit der Zeit, die du die nächsten Jahrzehnte mit dem Tippen von E-Mails, Briefen, Artikeln, usw. verbringen wirst. Andere zeitbasierte Optimierungen wären z.B. das Verbessern der Schlafgewohnheiten, das Minimieren deiner Pendelzeiten oder das Aufgeben von zeitverschwendenden Gewohnheiten wie dem Rauchen.

Das Hauptproblem bei zeitbasierten Optimierungen ist, dass die der Optimierungsprozess selber ein Zeitinvestment benötigt. Es braucht Zeit um Zeit zu sparen. Je mehr Zeit man in die Optimierung steckt, desto größer das anfängliche Zeitinvestment und desto länger benötigt man, bis die Sache sich langfristig gesehen auszahlt um das Investment zu rechtfertigen. Dadurch entsteht eine obere Grenze für jede zeitbasierte Optimierung, die man anstrebt – auch bekannt als das Ertragsgesetz. Je mehr Zeit man in irgendeine Optimierung investiert, desto geringer die Ausbeute – wenn alles anderen Faktoren gleich bleiben.

Dieses Ertragsgesetz bringt uns zurück zum “Wert” der Gleichung. Auch wenn wir vielleicht feststecken, bei dem Versuch nur die “Zeit” zu optimieren, stellen wir eventuell fest, dass die Optimierung des “Wertes” uns viel weniger einschränkt und mehr Freiheiten bietet.

Was ist der “Wert” in unserer Produktivitätsgleichung?

Der Wert ist eine Qualität, die du selber definieren musst. Insofern ist jede Definition der Produktivität abhängig von der Definition des Wertes. Dort wo Menschen sich auf eine übliche Definition des Wertes verständigen können, gibt es auch einheitliche Definitionen der Produktivität. Aber was deine persönliche Produktivität angeht, bist du nicht verpflichtet den Wert genauso wie jeder andere zu definieren. Du kannst deine Definition frei bestimmen, so dass deine Suche nach mehr Produktivität eine persönliche Reise wird, die den Wert produziert, der dir am wichtigsten ist.

Viel zu oft übernehmen wir eine sozial konditionierte Definition des Wertes, die meist dazu neigt, recht einschränkend zu sein. Vielleicht definieren wir Wert über die Arbeitsleistung hinsichtlich unserer Karrieren, Anzahl der erledigten Aufgaben, Zahl und Qualität der erledigten und wichtigen Projekte, usw. Du kannst es vielleicht nicht klar artikulieren, aber womöglich hast du eine funktionierende Wert-Definition, die sich für dich gut anfühlt. Du weißt, wann du einen produktiven Tag hattest und wann nicht, basierend auf der Menge an Wert, die du erschaffen hast – im Einklang mit deinem eigenen Verständnis darüber, was Wert bedeutet.

Aber inwieweit hast du bewusst darüber nachgedacht, wie deine persönliche Wert-Definition lautet? Ich fordere dich dazu heraus, dir etwas mehr Gedanken darüber zu machen, was dazu führen wird, dass du dein Verständnis von Produktivität neu definieren wirst.

Bedeutung

Als erstes – anhand deiner Wert-Definition – in welchem Ausmaß wurde Wert bereitgestellt? Wer hat diesen Wert empfangen? Du selbst, dein Chef, deine Kollegen, deine Freunde, deine Familie, deine Firma, deine Kunden, dein Team, bestimmte Investoren, deine Gemeinschaft, dein Land, die Welt, Gott, alle bewussten Lebenwesen, usw.? Welche Menge an Wert hat letztendlich jede Person oder Gruppe erhalten? Lieferst du einen Wert für einen Mensch, 10 Menschen, 100 Menschen, 1000 Menschen, Millionen von Menschen, den ganzen Planet? Inwieweit würdest du sagen, hat dein gelieferter Wert einen Effekt auf andere Menschen, abgesehen von denen, die ihn direkt erhalten? Wie schnell lässt dieser Effekt nach? Was ist dein Verständnis der grundlegenden Bedeutung, die dein Wert hat? Ist sie eher begrenzt oder dehnt sie sich aus?

Zum Beispiel, wenn du der Geschäftsführer eines der Top 500 Unternehmen oder das Oberhaupt eines Landes bist, dann hast du eine weitaus größere Fähigkeit einen Wert für viele Menschen zu erbringen, als wenn du nur als Haumeister arbeitest. Je mehr Menschen du beeinflussen kannst, desto größer ist dein potentieller Wert. Ein größerer Hebel bedeutet auch einen größeren potentiellen Einfluss.

Ausdauer

Zweitens, wie lange kann dein Wert überdauern? Eine Stunde, ein Tag, eine Woche, ein Monat, ein Jahr, ein Jahrzehnt, ein ganzes Leben, 100 Jahre, 1000 Jahre, 10.000 Jahre oder bis zum Ende der Zeit? Zu welchem Maß kann dein Wert fortbestehen? Wird er schnell konsumiert und vergessen? Oder wird er sich jedes Jahr erneuern? Hinterlässt dein Wert Wellen im Lauf der Zeit?

Die Mona Lisa liefert auch nach hunderten Jahren seit ihrer Entstehung noch einen Wert. Andere Kunstwerke hingegen liefern keinen anhaltenden Wert, der über die Lebenszeit des Künstlers hinausgeht. Sie werden schnell vergessen und irgendwann ersetzt.

Essenz

Drittens, was ist die Essenz des Wertes, den du erschaffst? Hilfst du Menschen beim Überleben? Unterhälst du sie? Erleuchtest du sie? Wie sehr schätzen andere den Wert, den du produzierst? Welchen Preis sind sie bereit, dafür zu bezahlen? Betrachten sie deinen Wert als essenziell, optional oder als unerwünscht? Wie einzigartig ist dein Wert? Bist du der Einzige, der ihn bereitstellen kann oder gibt es viele äquivalente Optionen?

Die Essenz des Wertes, den ein Hausmeister liefert, ist gering, weil es leicht ist, Menschen zu finden, die so eine Arbeit für wenig Lohn zu machen. Die Essenz des Wertes eines Physikers ist potentiell enorm, da ein neues theoretisches Konzept einen genaueres Verständnis des Universums produzieren könnte.

Menge

Und zu guter Letzt, wieviel von deinem Wert kannst du erschaffen? Wieviel kannst du in einem bestimmten Zeitabschnitt produzieren? Was ist die Quantität in welcher du diesen Wert generierst?

Zum Beispiel war Picasso ein profilierter Künstler, der in seinem Leben hunderte von Werken geschaffen hat. Andere Künstler haben da weitaus weniger produziert.

Wir haben also nun diese kleine Formel:

Wert = Bedeutung x Ausdauer x Essenz x Menge

Und somit:

Produktivität = Bedeutung x Ausdauer x Essenz x Menge / Zeit

Das Interessante ist, das der Großteil der Literatur, die ich zum Thema Produktivität gelesen habe, sich fast auschließlich auf die Menge und die Zeit konzentriert. Aber das sind die beiden eingeschränktesten Faktoren dieser Gleichung. Allerdings kann man auch am leichtesten über sie schreiben.

Ich denke, dass die wichtigsten Langzeitfaktoren, die man beim Optimieren der Produktivität beachten sollte (ob nun für ein Individuum, eine Firma, ein Land oder was auch immer), Bedeutung, Ausdauer und Essenz sind. Und der wichtigste Faktor von diesen drei ist die Essenz.

Betrachten wir zum Beispiel die Produktivität eines Bloggers.

Die Bedeutung des Wertes eines Bloggers wäre abhängig von der Menge an Traffic und allgemeinem Einfluss die er auf seine Leser hat. Wieviele Menschen lesen den Blog und wie schätzen sie den Wert der Artikel ein? Um seine Bedeutung zu erhöhen, könnte der Blogger den Traffic erhöhen oder seine Schreibfähigkeiten verbessern um einen größeren Effekt bei seinen Lesern zu erzielen. Die Bedeutung erhöht sich auch, wenn seine Leser herumgehen und anderen von dem erzählen, was sie gelesen haben. Weiterhin könnte der Blogger sein Blog als Anlass nehmen um sich selbst mehr zu erforschen und so die Bedeutung für sein eigenes Leben erhöhen.

Die Ausdauer des Wertes wäre der Langzeiteffekt, den der Blog auf seine Leser hat, wenn überhaupt. Verändert das Blog langfristig das Denken und die Verhaltensmuster seiner Leser? Vergessen die Leser schnell wieder, was sie im Blog gelesen haben oder bleibt die Information bei ihnen? Werden die Leser permanent wieder an das erinnert, was sie gelesen haben?

Die Essenz des Wertes eines Bloggers hängt von den Themen ab, über die er schreibt. Schreibt der Blogger Wegwerf-Beiträge für einen schnellen Lacher oder um Traffic zu generieren oder kann man einen ernsthaften Einsatz erkennen? Was für Tipps liefert der Blogger? Sind es finanzielle Ratschläge, die einer Person dabei helfen können, wohlhabend zu werden? Liefert er Lösungen für wichtige Probleme? Oder ist das meiste nur Gelaber?

Und natürliche wäre die Menge des Wertes die Anzahl der Worte und Artikel, die der Blogger abliefert.

Jetzt erweitere diese Art zu Denken auf dein Leben im Ganzen – auch über die Grenzen deiner Karriere hinaus.

Was ist die ultimative Bedeutung deines Lebens? Wieviele Leben berührst du? Hast du Einfluß? Oder existierst du in relativer Dunkelheit?

Wie sieht es mit der Ausdauer deines Wertes aus? Werden die Beiträge in deiner Lebenszeit letztendlich größtenteils unwichtig sein? Oder leistest du Beiträge, die noch in Jahrhunderten spürbar sein werden? Was wird von deinem Wert über deinen Tod hinaus bestehen? Was von deinem Wert kannst du eventuell über deinen Tod hinaus festhalten (wenn wir mal annehmen, es gibt ein Leben nach dem Tod – in irgendeiner Form)?

Und schließlich, was ist die Essenz des Wertes, den du in deinem Leben erschaffst? Was ist das Herzstück deines Beitrags? Bist du nur hier um anderen zu folgen? Bist du auf der Jagd nach einem erstrebenswerten Schicksal? Wenn du dir bewusst anschaust, was du so ablieferst, fühlst du dich dann leer und ängstlich oder friedvoll und erfüllt? Was ist die Bedeutung hinter deinen Taten? Hast du diese Bedeutung bewusst gewählt?

Du kannst deine Produktivität nicht optimieren, wenn du nicht bewusst und gezielt diese Faktoren optimierst. Echte Produktivität ist weitaus mehr als nur Menge / Zeit. Wenn du die Wichtigkeit von Bedeutung, Ausdauer und Essenz vernachlässigst, dann verdammst du dich selbst dazu, immer schneller und schneller arbeiten zu wollen und siehst dabei nicht den eigentlichen Sinn des Lebens. Und das Schlimmste ist, dass du auch weißt, dass es wahr ist. Du wirst die Hohlheit und die Leere, in allem was du machst, spüren. Wenn du einen Beitrag im Licht der Grenzenlosigkeit von Zeit und Raum betrachtest, dann wird er nichts sein.

Die Essenz ist der eine wichtigste Faktor. Bis du die wahre Essenz deines Lebens entdeckst, kannst du nie wirklich produktiv sein. Du kannst davon ausgehen, dass jede Aufgabe, die du erledigst, irgendeine Bedeutung, Ausdauer und Menge hat. Diese Faktoren sind vielleicht sehr gering, wenn die Aufgabe trivial ist, aber sie werden größer als Null sein. Aber wenn die Kernessenz irgendeiner Aufgabe Null ist, dann wird deine totale Produktivität auch Null sein. Wenn du nicht den Sinn deines Lebens siehst, dann ist deine ultimative Produktivität gleich Null, egal wie hart du arbeitest und wie gut du versuchst, all die anderen Faktoren zu optimieren. Wenn du alles willst, aber deine Seele dabei verlierst, dann ist dein Erfolg gleich Null.

Diese Essenz ist dein Sinn und Zweck.

Deswegen ist es so wichtig, dass du den Sinn und Zweck deines Lebens findest. Es ist egal, wie lange es dauert. Tatsache ist, dass das Finden deines Lebenszwecks die einzige wirklich produktive Aufgabe ist, die du erledigen kannst, bevor du eben diesen kennst. Die Suche nach der Essenz ist essentiell, wenn du dir eine Produktivität größer als Null wünschst.

Wenn du einmal deine Essenz gefunden hast, dann wirst du feststellen, dass all die anderen Faktoren anfangen sich leicht von selbst zu optimieren. Seine Essenz zu umarmen erschafft Leidenschaft und Leidenschafft erhöht die Bedeutung, die Ausdauer und die Menge. Leidenschaft lässt die Zeit scheinbar auch langsamer vergehen. Leidenschaft liefert die Energie und zieht die Ressourcen an, mit denen sich die Zeit effektiver managen lässt. Leidenschaft erlaubt dir, dich im Hier und Jetzt komplett zu fühlen anstatt das Leben weiterhin als unvollständig und unperfekt zu sehen. Die Entdeckung der Essenz optimiert automatisch die Produktivität im Ganzen.

Such dir eine Person, die ihren Zweck kennt und in ihm aufgeht und du findest eine wirklich produktive Person. Aber wenn der Zweck fehlt, dann findest du Geschäftigkeit, aber niemals Produktivität – die Menge an produziertem Kram könnte man auch auf den Müll werfen. Er hat keine Kraft zu überstehen.

Der Sinn und Zweck ist im Ewigen, Zeitlosen, Unbegrenzten verwurzelt. Er ist die Essenz von dem, was wahr ist. Der Zweck ist bewusst und lebhaft. Ohne den Zweck arbeitest du nur mit dem Temporären, dem Limitierten und zeitlich Beschränktem – geisterhafte Projektionen der Realität, aber nicht die Realität an sich.

Sei produktiv. Nimm dir die Zeit um deine Essenz zu entdecken und dann widme ihr den Rest deines Lebens. Dann wirst du mit einem Gefühl der grenzenlosen Produktivität leben und arbeiten – weil die Essenz selber unbegrenzt ist.